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28.02.2018

Kuwaits Industrie weiterhin ohne Wachstum

Raffinerieprojekte weit fortgeschritten / Ausschreibung für neue Petrochmieanlage 2019 möglich / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Die Industrieproduktion in Kuwait schrumpfte 2017 im fünften Jahr in Folge. Auch für das laufende Jahr zeichnet sich keine Trendwende ab. Die partielle Fertigstellung von zwei Mega-Raffinerieprojekten könnte möglicherweise aber 2019 zu einer deutlichen Steigerung des industriellen Ausstoßes führen. Etwas Bewegung gibt es bei einem seit langem geplanten Großprojekt im Petrochemiesektor, mit einem Produktionsstart ist allerdings frühestens in fünf Jahren zu rechnen. (Projektliste)

Kuwaits verarbeitende Industrie setzte auch 2017 ihre seit 2013 anhaltende Talfahrt fort. Nach vorläufigen Angaben der Statistikbehörde sank die Wertschöpfung in den ersten drei Quartalen 2017 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum real (zu konstanten Preisen von 2010) um 7 Prozent, was auch dem Ergebnis des Gesamtjahres 2017 entsprechen dürfte. Damit hätte die industrielle Wertschöpfung 2017 um etwa 28 Prozent unter dem 2012 erreichten Spitzenniveau gelegen.

Zu laufenden Preisen fiel die Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie zwischen 2012 und 2017 um lediglich 11 Prozent. Aufgrund des seit 2014 gesunkenen Ölpreisniveaus erhöhte sich der BIP-Anteil (Bruttoinlandsprodukt) des verarbeitenden Gewerbes zwischen 2012 und 2017 zu laufenden Preisen von 6 auf geschätzte 7,4 Prozent, sank allerdings zu konstanten Preisen von 7,2 auf 5,2 Prozent. Der Ölsektor kam 2017 zu laufenden Preisen auf einen BIP-Anteil von etwa 45 Prozent, real waren es 56 Prozent.

Die Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie lag 2017 bei geschätzten 8,6 Milliarden US-Dollar (US$; 2016: 8,1 Milliarden US$). Daten zur Wertschöpfung der einzelnen Industriesparten liegen bislang nur für 2016 vor. Die größte Sparte war der Raffineriesektor mit einem Anteil an der gesamten industriellen Wertschöpfung von 35 Prozent, die Petrochemie folgte mit 24 Prozent. Weitere größere Industriesektoren sind die Lebensmittelverarbeitung (Anteil: 10 Prozent), die Herstellung nicht-metallischer Mineralprodukte (8 Prozent; beispielsweise Baustoffe) und die Metallindustrie (5 Prozent, einschließlich Vorerzeugnisse).

Kuwait: Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie nach Sektoren 2014 bis 2016 (in Millionen US$)
Sektoren 2014 2015 2016
Verarbeitende Industrie, insgesamt 9.033 7.991 8.067
Raffinerieerzeugnisse 4.103 3.082 2.797
Chemische Erzeugnisse 1.905 1.757 1.927
Nahrungsmittel und Getränke 735 787 830
Nicht-metallische Mineralerzeugnisse 578 613 679
Metallerzeugnisse 232 241 241
Bekleidung etc. 208 218 225
Druckerzeugnisse etc. 192 191 199
Elektrische Maschinen und Apparate 191 165 182
Gummi- und Kunststofferzeugnisse 147 159 161
Vorerzeugnisse aus Metall 160 143 146

Quelle: Kuwait Central Statistical Bureau

Der kapitalintensive Downstream-Sektor dürfte auch langfristig Kuwaits wichtigste Industriebranche bleiben. Nach Angaben der Kuwait Petroleum Corporation (KPC) sollen im Zeitraum 2017 bis 2021 in Raffinerie- und Petrochemieprojekte insgesamt 36 Milliarden US$ investiert werden. Die größten laufenden Industrieprojekte sind der neue Raffineriekomplex in Al Zour mit einer Gesamtinvestition von etwa 17 Milliarden US$ und das "Clean Fuel Project 2020" mit über 16 Milliarden US$.

Neue Al Zour Raffinerie könnte 2020 in Betrieb gehen

Die Kuwait National Petroleum Company (KNPC), eine KPC-Tochter, hatte die Al Zour Raffinerie bereits 2008 ausgeschrieben, dann aber aufgrund interner politischer Streitigkeiten wieder anhalten müssen. Letztlich wurde der Auftrag für die zentrale Verarbeitungsanlage (Process Plant) im Oktober 2015 für 4,1 Milliarden US$ an ein Konsortium bestehend aus Spaniens Tecnicas Reunidas, Sinopec (VR China) und Hanwha (Korea, Rep.) vergeben. Der Zeitplan sieht eine Fertigstellung bis Ende 2019 vor. Aktuell wird der Projektfortschritt auf etwa 45 Prozent geschätzt. Die Raffinerie soll über eine Kapazität von 615.000 barrel per day verfügen.

Der 2,9 Milliarden US$ Auftrag für die Support Process Units (Hydrogen Recovery Unit, Hydrogen Compression Unit, Hydrogen Production Units etc.) ging ebenfalls im Oktober 2015 an ein Konsortium aus der Fluor Corporation (USA), Hyundai Heavy Industries und Daewoo Engineering. Das Konsortium erhielt noch einen weiteren 2,9 Milliarden US$ Auftrag für Utilities & Offsites der Raffinerie (Steam Generation Unit, Air Systems, Water Systems, Cooling Water Unit etc.). Aufträge für den Bau von Tankanlagen, Pipeline-Systemen und Verladeanlagen haben einen Wert von insgesamt 4 Milliarden US$.

"Clean Fuel Project" schon weit fortgeschritten

Das "Clean Fuel Project 2020" (CFP) zielt auf die Modernisierung der bestehenden Raffineriekapazitäten. Eine der drei kuwaitischen Raffinerien, Shuaiba (Kapazität: 200.000 barrel per day), soll geschlossen werden. Die beiden anderen Raffinerien, Mina Al-Ahmad (466.000 barrel per day) und Mina Abdullah (270.000 barrel per day), sollen modernisiert und gemäß aktuellen Umweltstandards umgerüstet werden. Große Teile des CFP sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Nach der Modernisierung soll die Kapazität der Mina Al-Ahmad Raffinerie bei 346.000 barrel per day liegen. Der 4,9 Milliarden US$ Auftrag (MAA Package) wird von einen Konsortium bestehend aus Japans JGC sowie den beiden koreanischen Firmen GS E&C und SK E&C durchgeführt.

Die Mina Abdullah Raffinerie soll nach Abschluss des CFP über eine Kapazität von 454,000 barrel per day verfügen. Die Arbeiten wurden in zwei Paketen vergeben. Der erste Auftrag (3,7 Milliarden US$) ging an Petrofac gemeinsam mit Samsung Engineering und CB&I (USA), der zweite Auftrag (3,4 Milliarden US$) an Fluor, Daewoo und Hyundai. Siemens ist auch am CFP beteiligt. Beide Raffinerien werden über ein Pipeline-System miteinander verbunden und bilden dann einen integrierten Raffineriekomplex.

Olefin 3 Projekt weiterhin in der Planungsphase

Kuwaits petrochemische Industrie will sich diversifizieren und den weiterverarbeitenden Sektor entwickeln. Der zur Petrochemical Industries Company (PIC, eine KNPC-Tochter) gehörenden Kuwait Integrated Petrochemical Industries Company wurde 2017 das Projektmanagement für den Bau einer dritten Olefin-Anlage (Al Zour Petrochemical Complex) übertragen. Die Planungen für dieses Projekt laufen seit mehr als zehn Jahren.

Das auf rund 8 Milliarden US$ geschätzte Olefin 3 Projekt mit integrierter Aromatenproduktion lag zeitweise auf Eis und befindet sich derzeit wieder in der aktiven Planung. Eine erneute Durchführbarkeitsstudie wurde 2011 abgeschlossen. Gegenwärtig wird an der Vorbereitung von drei Teilprojekten im Wert von insgesamt 1,5 Milliarden US$ gearbeitet (Catalytic Cracking Unit, Polypropylene Unit, Propane Dehydrogenation).

Anfang 2017 erhielt Amec Foster Wheeler den FEED-Auftrag (Front End Engineering & Design), die FEED-Arbeiten sollten bis Mitte 2018 abgeschlossen sein, jetzt wird von Ende 2018 gesprochen. Eine Ausschreibung ist frühestens 2019 zu erwarten, eine Fertigstellung des Projekts 2023 oder später. Als Technologielieferant bekam Ende 2017 das US-Unternehmen Honeywell UOP den Zuschlag. Um einen Auftrag zur technischen Beratung bewerben sich Shell, Total und BP. Die geplanten Produktionskapazitäten werden mit 3.800 Tonnen/Tag Ethylen, 2.600 Tonnen Polypropylen, 3.800 Tonnen Paraxylene, 2.700 Tonnen Polyethylen, 8.000 Tonnen Benzin und 4.000 Tonnen Heizöl angegeben.

Kuwaits erstes Olefin-Werk ging 1997 in Produktion, das zweite 2009. Beide Anlagen gehören der EQUATE Petrochemical Company, ein Joint Venture aus der PIC (42,5 Prozent), Dow Chemicals (42,5 Prozent) sowie der Qurain Petrochemical Industries Company (6 Prozent) und der Boubyan Petrochemical Company (9 Prozent), an beiden Unternehmen ist die PIC beteiligt.

EQUATE betreibt in Kuwait Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 5,6 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Kapazitäten verteilen sich auf Ethylen (1,7 Millionen Tonnen), Polyethylen (825.000 Tonnen), Ethylenglycol (1,2 Millionen Tonnen), Paraxylen (829.000 Tonnen), Styrolmonomer (450.000 Tonnen), Polypropylene (140.000 Tonnen), Benzol (393.000 Tonnen) und schwere Aromaten (80.000 Tonnen). Die PIC stellt auch Harnstoff, Methanol und Ammoniak her.

Eine Übersicht über Investitionsprojekte in der kuwaitischen Industrie können Sie hier herunterladen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kuwait können Sie unter http://www.gtai.de/kuwait abrufen.

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Chemische Industrie, allgemein, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Petrochemie

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