Suche

20.02.2019

Kuwaits Öl- und Gasindustrie auf Expansionskurs

Zeitplan von ambitionierten Förderprojekten aber ungewiss / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait Stadt (GTAI) - Kuwait will Ölförderkapazitäten um ein Drittel ausbauen. Die Gasproduktion soll vervierfacht und der Raffinerieausstoß verdoppelt werden. Erste Projekte wurden vergeben.

Der Ölsektor ist in Kuwait mit Abstand der wichtigste Wirtschaftszweig. Dies wird trotz aller Diversifizierungsbemühungen mittel- und langfristig so bleiben. Die Öl- und Gasförderungen zusammen mit der Raffinerieproduktion machten 2018 geschätzt die Hälfte des nominalen Bruttoinlandsproduktes aus.

Entscheidend für künftige Fördermengen wird unter anderen sein, ob die US-Sanktionen zu einem weiteren starken Rückgang der iranischen Ölförderung führen. Auch Entwicklungen in Venezuela, Libyen oder Nigeria sind wichtige Faktoren. Sinken dort die Förderungen deutlich, könnten vor allem Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate die Lücken schließen.

Aufgrund der im Dezember 2018 von der OPEC und anderen Ölförderstaaten beschlossenen Drosselung wird Kuwaits Förderung von Öl (ohne Kondensate) im ersten Halbjahr 2019 zunächst eher unter dem 2,74 Millionen barrel per day Durchschnittswert des Vorjahres liegen.

Kuwait: Öl- und Gassektor
Indikatoren 2012 2014 2016 2017 2018 1)
Ölproduktion (1.000 bpd) 2) 2.978 2.867 2.954 2.704 2.737
Ölexport (1.000 bpd) 2) 2.070 1.995 2.128 2.010 2.000
Ölraffineriekapazitäten (1.000 bpd) 936 936 936 762 3) 736
Ölraffineriedurchsatz (1.000 bpd) 905 872 826 711 3) 670
Gasförderung (Millionen Kubikmeter/Jahr) 4) 15.515 15.029 17.291 17.102 17.500
Gasimport (Millionen Kubikmeter/Jahr) 688 3.025 4.311 4.781 5.000

1) vorläufige Angaben oder Schätzungen; 2) ohne Ölkondensate; 3) Schließung der 200.000 barrel per day Shuaiba Raffinerie im März 2017; 4) Marketed Production

Quellen: Organization of the Petroleum Exporting Countries (OPEC), Kuwait Oil Corporation (KOC), Kuwait National Petroleum Company (KNPC)

Ölförderkapazität soll um eine Million Barrel/Tag steigen

Aktuell verfügt Kuwait über eine Förderkapazität von rund 3 Millionen barrel per day (ohne Kondensate) und könnte damit seine Förderung von 2,72 Millionen barrel per day im Januar 2019 noch um etwa 10 Prozent ausweiten. Die Kapazitäten verteilten sich März 2018 auf Felder im Süden und Osten (1,68 Millionen barrel per day), im Norden (0,76 Millionen barrel per day), im Westen (0,53 Millionen barrel per day) sowie auf mehrere Schwerölvorkommen (0,02 Millionen barrel per day). Die Kapazität bei Kondensaten (Leichtöl, das bei der Gasförderung als Nebenprodukt anfällt) dürfte derzeit bei 0,2 Millionen barrel per day liegen. Kondensate fallen nicht unter die OPEC-Förderquoten.

Kuwait will seine Ölförderkapazitäten einschließlich Kondensate auf 4,25 Millionen barrel per day steigern, so sieht es der überarbeitete "2040 Strategic Plan for the Oil Sector" vor. Lange galten 4 Millionen barrel per day als Zielmarke für das Jahr 2020. Dieser Termin ist nicht mehr realisierbar.

Allein um rückläufige Fördermengen auszugleichen, muss Kuwait neue Vorkommen in Produktion nehmen und Förderungen in alten Feldern mit Hilfe von Enhanced Oil Recovery Maßnahmen stabilisieren. Das größte Ölvorkommen, das Burgan Feld, ist seit 1946 in Produktion.

Raffineriekapazitäten werden modernisiert und erweitert

Nach Abschluss der zwei Mega-Projekte neue Az Zour Refinery und dem Clean Fuel Project steigen Kuwaits Raffineriekapazitäten von 0,7 Millionen auf 1,4 Millionen barrel per day. Bis 2025 sollen es 1,7 Millionen und bis 2035 etwa 2 Millionen barrel per day werden.

Die beiden Raffinerien Mina Al-Ahmad und Mina Abdullah verfügen zusammen über eine Raffineriekapazität von 0,7 Millionen barrel per day. Kuwait schloss im Jahr 2017 die 0,2 Millionen barrel per day Shuaiba Raffinerie, die 1968 den Betrieb aufgenommen hatte.

Im Rahmen des 13 Milliarden US-Dollar (US$) Clean Fuel Project (CFP) werden derzeit die Raffinerien Mina Al-Ahmad und Mina Abdullah modernisiert und in einen Raffineriekomplex integriert. Etwa 60 Prozent des Projektes sind ausgeführt. Teilprojekte dürften ab 2019 in Betrieb gehen. Bis 2023 soll das CFP abgeschlossen sein.

Nach Abschluss des CFP wird die Kapazität der Mina Al Ahmad Raffinerie bei 346.000 barrel per day liegen. Japans JGC sowie die beiden koreanischen Firmen GS E&C und SK E&C führen den 4,9 Milliarden US$ Modernisierungsauftrag aus.

Die Mina Abdullah Raffinerie soll künftig über eine Kapazität von 454.000 barrel per day verfügen. Die Arbeiten wurden in zwei Paketen vergeben. Der erste 3,7 Milliarden US$ Auftrag ging an die britische Petrofac gemeinsam mit Samsung Engineering und CB&I (USA). Der zweite 3,4 Milliarden US$ Auftrag wurde an Fluor, Daewoo und Hyundai vergeben. Siemens ist am CFP beteiligt.

Der Bauauftrag für die neue 14 Milliarden US$ Az Zour Raffinerie wurde 2015 vergeben. Ein erster Anlauf war 2008 gescheitert. Die Raffinerie soll über eine Kapazität von 615.000 barrel per day verfügen. Der Auftrag zur Errichtung der zentralen Process Plant ging für 4,1 Milliarden US$ an ein Konsortium aus Spaniens Tecnicas Reunidas, Sinopec (China) und Hanwha (Südkorea).

Den Auftrag über 2,9 Milliarden US$ für die Support Process Units erhielt ein Konsortium aus Fluor Corporation (USA), Hyundai Heavy Industries und Daewoo Engineering. Das Konsortium erhielt einen weiteren 2,9 Milliarden US$ Auftrag für die Utilities & Offsites der Raffinerie (Steam Generation Unit, Air Systems, Water Systems, Cooling Water Unit etc.). Aufträge für den Bau von Tankanlagen, Pipeline-Systemen und Verladeanlagen haben einen Wert von 4,5 Milliarden US$. Die Fertigstellung von Teilprojekten wird ab 2019 erfolgen, der Abschluss des Gesamtprojekts liegt vermutlich im Jahr 2022.

Gasproduktion steigt deutlich, aber weiterhin Gasimporte

Raffinerien und petrochemische Betriebe verbrauchen etwa 60 Prozent der Gase, die restlichen 40 Prozent gehen an Kraftwerke. Kuwait wird weiterhin zur Deckung seines Gasbedarfs auf zusätzliche Importe angewiesen sein. Kuwait begann 2009 mit LNG-Importen (Liquefied Natural Gas). Der Mina Al-Ahmadi GasPort wurde gebaut. Es handelt sich um einen Floating Import Terminal, der Tanker als Regasifizierungsanlagen nutzt. Der Terminal besitzt eine Kapazität von maximal 600 Millionen cubic feet daily.

Der Betrieb des Mina Al-Ahmadi GasPort wird vermutlich nach Fertigstellung des neuen LNG-Importterminals im neuen Az Zour Oil and Petrochemical Complex eingestellt. Ein südkoreanisches Konsortium aus Hyundai Engineering, Hyundai E&C und Korea Gas Corporation erhielt 2016 den Auftrag zum Bau des LNG Import- und Regasifizierungsterminals in Az Zour. Das Regasifizierungswerk kostet 1,4 Milliarden US$, die Hafen- und Tankanlagen 1,5 Milliarden US$.

Südkorea erhält Hauptaufträge

Die Export-Import Bank of Korea und die Korea Trade Insurance Corporation finanzieren und versichern im Wesentlichen das LNG-Projekt. Mit der Fertigstellung ist 2021 zu rechnen. Der Terminal besteht aus acht LNG-Tanks mit jeweils 225.500 Kubikmeter und einer Regasifizierungsanlage mit einer Kapazität von 3.000 Milliarden BTU pro Tag (British Thermal Unit).

Der Kuwait Oil Corporation (KOC) zufolge lag Kuwaits Gasförderung im Geschäftsjahr 2017/18 (April bis März) durchschnittlich bei 1,78 Milliarden cubic feet daily. Davon entfielen 1,56 Milliarden cubic feet daily auf assoziiertes Gas, das bei der Ölförderung als Nebenprodukt anfällt.

Erst 2008 startete Kuwait mit der Förderung von nicht-assoziiertem Gas, das die Gasfelder Sabriya und Umm Naqqa liefern. Beide Gasfelder gehören zu den großen Jurassic Gasvorkommen im Norden Kuwaits. Die Jurassic-Produktion sollte bis 2016 von 0,2 Milliarden cubic feet daily auf 1 Milliarde cubic feet daily steigen. Dieses Ziel wurde allerdings verfehlt. Die Förderung wuchs in den letzten zehn Jahren kaum. Nach KOC-Angaben lag die Förderung von nicht-assoziiertem Gas 2017/18 bei lediglich durchschnittlich 0,22 Milliarden cubic feet daily, der Spitzenwert wurde im März 2018 mit 0,26 Milliarden cubic feet daily erreicht.

Die KOC hatte sich für 2018/19 vorgenommen, die Jurassic Gasförderung durch Inbetriebnahme einer dritten Verarbeitungsanlage (Jurassic Production Facility/JPF) im East Raudhatain Gasfeld auf 0,5 Milliarden cubic feet daily zu erhöhen. Im November 2018 erklärte der damalige Ölminister, Bakheet al Rashidi, die Jurassic-Produktion habe nun 0,5 Milliarden cubic feet daily und 0,18 Millionen barrel per day Kondensate erreicht. Mittelfristig sollen vier weitere JPF die Kapazität auf 1 Milliarde cubic feet daily erhöhen. Die langfristige Planung sieht bis 2040 eine Steigerung der Förderung von nicht-assoziiertem Gas auf 2 Milliarden cubic feet daily vor.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Kuwait können Sie unter http://www.gtai.de/kuwait abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Öl, Gas

Funktionen

Kontakt

Thomas Hundt

‎+49 228 24 993 439

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche