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10.04.2017

Kuwaits Wirtschaft wächst nur schwach

Ölförderung gedrosselt / Weiter steigendes Budgetdefizit / Trotzdem hohe staatliche Investitionen / Von Robert Espey

Dubai/Kuwait City (GTAI) - Kuwaits Ölproduktion ist gesunken, das Ölpreisniveau weiterhin niedrig, und der Nicht-Ölsektor wächst kaum. Die Konjunktur erhält allerdings Impulse von einer lebhaften staatlichen Investitionstätigkeit. Ob das neue, wieder stärker regierungskritische Parlament zur Investitionsbremse werden könnte, ist unklar. Mit Ausnahme der Personalkosten sinkt der staatliche Verbrauch und auch die Privathaushalte zeigen weniger Konsumfreude.

Kuwait hat bislang nur geringe Fortschritte bei der Diversifizierung seiner Wirtschaftsstruktur gemacht. Auch mittelfristig bleibt die Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP zu konstanten Preisen) sehr stark von der Ölfördermenge und die nominale BIP-Entwicklung vom Ölpreis abhängig. Der BIP-Anteil des Ölsektors dürfte 2016 preisbereinigt bei 52% gelegen haben. Aufgrund des Ölpreisverfalls ist der BIP-Anteil des Ölsektors nominal zwischen 2013 und 2016 von 59 auf geschätzte 40% gefallen.

Ölsektor bremst Wachstum

Nach kuwaitischen Angaben erreichte die Rohölförderung 2012 mit 2,98 Mio. bpd (Barrel per day) einen Höhepunkt, schrumpfte dann bis 2015 auf 2,86 Mio. bpd. Ein Zuwachs auf 2,95 Mio. bpd wird für 2016 gemeldet. Aufgrund der im November 2016 von der OPEC beschlossenen Fördersenkung um 8% darf Kuwait seit Januar nur noch 2,71 Mio. bpd fördern, bislang hält sich Kuwait an dieses Limit.

Sollte die vereinbarte Drosselung der Ölproduktion eingehalten werden, würde dies für 2017 ein insgesamt negatives reales BIP-Wachstum Kuwaits bedeuten. Beobachter halten es aber für möglich, dass die zunächst auf sechs Monate befristete Fördersenkung nicht verlängert wird und Kuwait in der 2. Jahreshälfte wieder zum Niveau des Vorjahres zurückkehrt. Kuwaits Entwicklungsplanung sieht eine Steigerung der Förderkapazitäten bis 2020 auf 4 Mio. bpd vor.

Kuwait: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts 2012 bis 2017 (reale Veränderung in %, zu konstanten Preisen von 2010)
Sektoren 2013 2014 2015 1) 2016 2) 2017 3)
BIP zu Marktpreisen 4) 1,1 0,5 1,8 -- --
BIP zu Herstellungskosten 0,8 1,0 -0,3 3,3 -1,4
.Ölsektor -1,8 -2,1 -1,7 3,2 -5,0
..Öl- und Gasförderung -1,8 -1,3 -0,8 -- --
..Raffinerien -1,7 -15,6 -19,5 -- --
.Nicht-Öl-Sektor 4,2 4,8 1,3 3,5 3,0
..Verarbeitende Industrie -0,9 -10,7 0,4 -- --
..Bauwirtschaft 2,0 0,5 8,4 -- --

1) vorläufig; 2) Schätzung; 3) Prognose; 4) BIP zu Herstellungskosten plus Steuern minus Subventionen

Quellen: Kuwait Central Statistical Bureau, Germany Trade & Invest

Das abweichende reale BIP zu Marktpreisen spiegelt die Effekte der Subventions- und Steuerpolitik wider. Subventionsabbau und Steuererhöhungen lassen das BIP zu Marktpreisen wachsen und führen im Falle Kuwait zu einem verzerrten Bild der Entwicklung der Bruttowertschöpfung.

Für 2016 gibt es noch keine offiziellen Daten. Die deutliche Steigerung der Ölförderung und ein um 3 bis 4% gewachsener Nicht-Ölsektor dürften aber zu einem BIP-Plus von über 3% (zu Herstellungskosten) geführt haben. Im laufenden Jahr wird das BIP nicht oder nur schwach zulegen. Neben der gedrosselten Ölförderung verweisen Beobachter auf eine abnehmende Dynamik der Nicht-Öl-Wirtschaft. Allerdings erhält die Nicht-Öl-Wirtschaft derzeit Impulse durch die lebhafte Investitionstätigkeit des Staates, trotz des Budgetdefizits. Der private Konsum schwächelt.

Mega-Raffinerieprojekte im Bau

Kuwaits Statistik erfasst unter dem Begriff "Ölsektor" die Öl- und Gasförderung sowie die Raffinerieerzeugung. Nach 2020 werden zwei große Raffinerieprojekte die Wertschöpfung des Ölsektors weiter erhöhen. Nach langen Verzögerungen sind seit 2016 die Raffinerie Al Zour (geplante Kapazität: 0,62 Mio. bpd) und das "Clean Fuel Project" (Modernisierung/Erweiterung zwei bestehender Raffinerien) im Bau. Auch die Petrochemie soll ausgebaut werden, aber hier ist der Zeitplan ungewiss.

Staatseinahmen auf rasanter Talfahrt, trotzdem hohe Investitionen

Der Staatshaushalt wird weiterhin zu etwa 90% aus dem Ölsektor gespeist. Zwischen den Haushaltsjahren 2013/14 (1.4. bis 31.3.) und 2015/16 sind die Staatseinahmen um fast 60% geschrumpft, von 112 Mrd. auf 45 Mrd. US$. Der Anteil der Öleinnahmen ist von 92 auf 89% gesunken. Die Ausgaben sind 2014/15 kräftig um 13% auf 75 Mrd. $ gestiegen, aber 2015/16 um 19% auf 61 Mrd. $ gefallen.

Anders als in den anderen Ländern des Golfkooperationsrats ging die Haushaltskürzung 2015/16 zu Lasten der laufenden Ausgaben, die um 17% auf 53 Mrd. $ vermindert wurden. Es gab allerdings bei den politisch sensiblen Personalkosten einen Zuwachs um 3% auf 18 Mrd. $. Die staatlichen Investitionen wurden um 13% auf 7 Mrd. $ erhöht. Das Defizit lag bei 15,3 Mrd. $, zwei Jahre zuvor wurde ein Überschuss von 45,4 Mrd. $ verbucht.

Die Schätzungen für das gerade zu Ende gegangene Haushaltsjahr 2016/17 gehen von einem weiter gestiegenen Defizit aus. Bereits in den ersten elf Monaten wurde eine Finanzierungslücke von 16,6 Mrd. $ registriert. Für 2017/18 weist der im Januar verabschiedete Budgetplan Einnahmen von rund 44 Mrd. $ und Ausgaben von 66 Mrd. $ aus, das Defizit würde somit auf 22 Mrd. $ steigen. Der Planung liegt ein durchschnittlicher Ölpreis von 45 $ zugrunde.

Kuwait finanziert das Haushaltsdefizit durch Kreditaufnahme und Rückgriff auf die hohen Reserven des Landes. Im März 2017 platzierte Kuwait internationale Anleihen im Wert von 8 Mrd. $. Aufgrund der großen Nachfrage konnte Kuwait den ursprünglich angebotenen Zinssatz senken. Mit einer fünfjährigen Laufzeit wurden 3,5 Mrd. $ angeboten, die restlichen 4,5 Mrd. $ mit einer zehnjährigen.

Außenhandel

Kuwaits Einfuhren verzeichneten zwischen 2011 und 2014 einen kontinuierlichen Aufwärtstrend, die Importe stiegen um insgesamt 23% von 25,1 Mrd. auf 31,0 Mrd. $. Seit 2015 meldet Kuwaits Statistikbehörde hingegen eine leicht rückläufige Entwicklung.

Kuwait: Wareneinfuhr 2013 bis 2016 (cif, in Mio. US$, Veränderung in %)
2013 2014 2015 2016 *) Veränd. 2016/2015
Total 29.257 30.979 30.950 30.844 -0,3
VR China 3.930 4.446 5.066 4.669 -7,8
USA 2.901 3.018 2.857 2.950 3,3
Vereinigte Arabische Emirate 2.570 2.870 2.924 2.811 -3,8
Japan 2.222 2.239 2.143 2.013 -6,0
Deutschland 1.979 2.098 1.764 1.940 10,0
Indien 1.169 1.291 1.379 1.702 23,4
Saudi Arabien 1.401 1.523 1.475 1.523 3,3
Italien 1.250 1.204 1.086 1.404 29,2
Korea (Rep.) 1.141 1.242 963 1.348 39,9
Großbritannien 831 814 907 772 -14,9

*) vorläufige Angaben

Quelle: Kuwait Central Statistical Bureau

Es gab 2016 allerdings bei wichtigen Produkten deutliche Veränderungen. In der größten Warengruppe, bei Kraftfahrzeugen (SITC 78), gingen die Einfuhren um 17% auf 3,9 Mrd. $ zurück. Ein starker Zuwachs konnte bei Industriemaschinen (SITC 74) verbucht werden (+62% auf 2,7 Mrd. $), hier dürften sich unter anderem die Raffinerieprojekte ausgewirkt haben.

EU28: Ausfuhren nach Kuwait 2013 bis 2016 (in Mio. Euro, Veränderung in %)
2013 2014 2015 2016 Veränd. 2016/2015
EU28 5.299 5.063 5.999 5.454 -9,1
Deutschland 1.316 1.423 1.319 1.411 7,0
Italien 793 743 774 1.103 42,5
Großbritannien 590 653 756 606 -19,9
Niederlande 501 447 636 554 -12,8
Frankreich 864 504 1.120 431 -61,5
Spanien 266 380 369 352 -4,5
Belgien 164 150 211 234 10,7
Österreich 290 205 111 121 8,9
Irland 55 92 117 119 1,6
Dänemark 62 65 71 87 23,6

Quelle: Eurostat

Nach Berechnungen des VDMA hat sich 2016 die deutsche Maschinenausfuhr nach Kuwait um 30% auf 274 Mio. Euro erhöht. Wichtigste Maschinengruppe war die Fördertechnik (62 Mio. Euro), gefolgt von Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik (26 Mio. Euro), Armaturen (26 Mio. Euro), Bau- und Baustoffmaschinen (18 Mio. Euro) und Verfahrenstechnik (16 Mio. Euro).

Gemäß VDMA-Statistik stiegen die Maschinenausfuhren der wichtigsten Lieferländer nach Kuwait 2015 um 14% auf 2,0 Mrd. Euro. Die VR China kam auf einen Anteil von 25%, andere führende Lieferanten waren die USA (14%), Deutschland (10%), Italien (10%), Japan (7%) und Korea (Rep.; 4%).

(R.E.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Kuwait Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Wirtschaftsstruktur, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Öl, Gas, Petrochemie

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