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17.10.2018

Libanon - Land der Chancen und der Vielfalt

Inhalt

Regionale Instabilität bremst Investitionen / Von Ibrahim Baba und Judith Geller, GIZ

Eschborn (GIZ) - Geschichte und multikonfessionelle Bevölkerung machen Libanon zu einem der interessantesten Länder Arabiens. Trotz aller Probleme gibt es gute Handels- und Investitionschancen.

Der Libanon ist im Nahen Osten bekannt für seine vielfältige Gesellschaft. Seit den 1970er Jahren kommt es im Libanon aber immer wieder zu politischen und religiösen Konflikten. Angesichts der anhaltenden Krise in Syrien und der hohen Anzahl von Heimatvertriebenen in der Region hat Deutschland die Unterstützung für das kleine Land weiter ausgedehnt.

Die Libanesische Republik ist ein Staat in Vorderasien und erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von rund 10.452 Quadratkilometern. Im Westen grenzt das Land mit einer 225 Kilometer langen Küste an das Mittelmeer, im Norden und Osten an Syrien sowie im Süden und Südosten an Israel. Der Libanon ist dem subtropisch-mediterranen Klima zuzuordnen, durch den Nord-Süd-Verlauf der Gebirgsketten jedoch klimatisch unterschiedlich geprägt. An der Küste sind die Sommer heiß und schwül und der Winter kühl und feucht. Im Norden und Osten herrscht Steppenklima mit sehr heißen, trockenen Sommern sowie kalten, schneearmen Wintern. Die Gebirgsketten sind sehr wasserreich, im Sommer kühl und im Winter schneebedeckt.

Wechselhafte Geschichte

Von 1516 bis 1918 war der Libanon verwaltungsmäßig dem Osmanischen Reich unterstellt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Land durch die Entente-Mächte besetzt. 1920 bekam Frankreich das Völkerbundmandat für den Libanon und legte die Landesgrenzen fest, die bis heute Bestand haben. Seine Unabhängigkeit erreichte der Libanon am 22. November 1943. Von 1975 bis 1990 herrschte in dem Land ein Bürgerkrieg, der durch institutionelle Schwächen und religiöse Konflikte befeuert wurde. Nachdem die Nachbarstaaten militärisch in den Konflikt eingriffen, mündete er in der zweiten Phase ab 1982 in einem Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Syrien auf der einen und Israel auf der anderen Seite. Ein offizielles Ende fanden die innerlibanesischen Auseinandersetzungen mit dem Abkommen von Taif am 22. Oktober 1989, das sowohl durch internationalen Druck als auch durch die Initiative der Arabischen Liga geebnet wurde. Mit dem Abkommen wurde auch die Konfessionsteilung der parlamentarischen Demokratie weiter institutionalisiert. Gemäß dem sogenannten Konfessionsproporz werden die drei wichtigsten Ämter im Staat zu gleichen Teilen auf die drei größten Konfessionen verteilt; so muss das Staatsoberhaupt maronitischer Christ, der Premierminister sunnitischer Muslim und der Parlamentspräsident schiitischer Muslim sein. Die Regelung prägt die gesamte Verwaltung des Libanon, auch die 128 Sitze im Parlament werden entsprechend verteilt.

Auch nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs blieb das Land viele Jahre sowohl von israelischen als auch syrischen Truppen besetzt. Während der Besatzung hatte vor allem das Nachbarland Syrien prägenden Einfluss auch auf die Politik Libanons. Nachdem der libanesische Premierminister Rafiq al-Hariri am 14. Februar 2005 bei einem Bombenanschlag in Beirut getötet wurde, kam es zu antisyrischen Protesten im Land, woraufhin Syrien seine Truppen schließlich aus dem Libanon abzog.

Gute Investitionschancen für deutsche Unternehmen

Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges 1975 zählte der Libanon zu den wichtigsten Handels- und Finanzzentren in der Region. Die militärischen Konflikte im Land selbst und in der Region verursachten jedoch enorme wirtschaftliche Schäden und auch die Krise im Nachbarstaat Syrien trifft die libanesische Wirtschaft schwer. Der Export in die Golfstaaten, der vorwiegend über Syrien abgewickelt wurde, ist ebenso eingebrochen wie der Tourismus, eine der bislang wichtigsten Einnahmequellen des Landes.

Trotz dieser erschwerten Rahmenbedingungen bietet der Libanon Investitionschancen für deutsche Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Infrastruktur sowie Wasser und Energie. Weitere Geschäftsmöglichkeiten könnten sich eröffnen, sollten Bohrlizenzen zur Erkundung der vor der libanesischen Küste vermuteten Gas- und Ölressourcen vergeben werden. Mehr als fünfzig Unternehmen haben bereits einen Antrag auf Vorqualifizierung für die spätere Ausschreibung eingereicht. Seit 1999 besteht ein bilaterales Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und dem Libanon.

Religiöse und kulturelle Vielfalt

Der Libanon hat circa sechs Millionen Einwohner, von denen die Mehrheit in den Städten nahe der Mittelmeerküste angesiedelt ist. Geschätzte 1,5 Millionen Libanesen - etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung - leben in der Hauptstadt Beirut. Die Hälfte der Bevölkerung ist unter 29 Jahre alt, bei einer hohen Jugendarbeitslosigkeit von über 54 Prozent. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung der Lebensbedingungen sind daher zentrale Herausforderungen für das Land.

Die durchschnittliche Lebenserwartung im Libanon liegt bei rund 80 Jahren. 93 Prozent der Bevölkerung sind Araber. Das Land verfügt über 18 offiziell anerkannte Religionsgemeinschaften: elf christliche, sechs muslimische sowie eine wenige hundert Mitglieder zählende jüdische Gemeinde. Rund 60 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Islam, etwa 40 Prozent gehören verschiedenen christlichen Konfessionen an. Viele Libanesen beherrschen neben der Amtssprache Arabisch auch die französische und/oder englische Sprache, oft auf sehr hohem Niveau.

Die Analphabetenquote im Libanon ist im regionalen Vergleich relativ gering und liegt bei nur circa 10 Prozent. Rund 140.000 Studierende sind an den über 40 Universitäten und Hochschulen des Landes eingeschrieben, etwa die Hälfte davon an der staatlichen Université Libanaise. Die andere Hälfte verteilt sich auf die immer zahlreicher werdenden Privatuniversitäten wie die American University of Beirut und die Lebanese American University.

Dass die Universitätsabsolventen keine Arbeitsplätze finden, die ihrer Qualifikation entsprechen, verstärkt die Migrationsbewegung; insbesondere gut ausgebildete Ärzte, Ingenieure und Betriebswirte verlassen das Land. Zwar unterstützen sie ihre Heimat mit Devisenüberweisungen aus dem Ausland, ihr Fachwissen fehlt jedoch vor Ort, um die Entwicklung des Landes zu fördern.

Im Nahen Osten gilt der Libanon als ein wichtiger Standort für Kultur- und Bildungseinrichtungen wie Verlage, Medien und Universitäten. Trotz zahlreicher Konflikte und innenpolitischen Spannungen bietet das Land eine vielfältige Kulturlandschaft und ist ein Zentrum für publizistischen und akademischen Austausch in der Region. So finden im Sommer jährlich internationale Musik-Festivals in Baalbek, Byblos und Beiteddine statt. Im Jahr 1999 war Beirut Kulturhauptstadt der arabischen Welt, 2009/2010 Welthauptstadt des Buches.

Bildung, Beschäftigung und verbesserte Lebensbedingungen

Die Syrienkrise hat auch soziale Folgen für den Libanon. Kein anderer Staat auf der Welt hat im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl so viele Geflüchtete aufgenommen wie das kleine Land im Nahen Osten, was zu einer zusätzlichen Belastung der staatlichen Strukturen geführt hat. Insgesamt rund 1,1 Millionen Menschen aus Syrien haben seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges 2012 im Nachbarland Schutz gesucht, etwa 174.000 palästinensische Bürger leben bereits seit Jahrzenten im Land. Somit ist derzeit jeder sechste Bewohner des Libanon ein Geflüchteter. Die Lebensbedingungen dieser Menschen sind schlecht: Die Hälfte lebt in extremer Armut, mehr als 75 Prozent der syrischen Kinder haben keinen Zugang zu Bildungseinrichtungen.

Um ihre Zukunftschancen zu verbessern, hat das libanesische Bildungsministerium im Januar 2014 ein Programm initiiert, das sowohl syrischen als auch bedürftigen libanesischen Kindern Zugang zu Bildung ermöglichen soll: "Reaching all Children with Education", kurz RACE. Das Programm wird unter anderem im Rahmen der UNICEF Initiative "No lost generation" realisiert. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützte das Vorhaben im Schuljahr 2016/2017 mit 42 Millionen Euro. Mit diesen Geldern konnten unter anderem etwa 60.000 Kinder in staatlichen Schulen aufgenommen und unterrichtet werden.

Weitere Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen in den Bereichen Grundbildung, Wasserversorgung sowie der Verbesserung der Lebensbedingungen für syrische Geflüchtete sowie notleidende Libanesen in den aufnehmenden Gemeinden. In 2018 starten weitere Vorhaben zur Verbesserung der Lebensbedingungen benachteiligter libanesischer Bevölkerungsgruppen im Nordlibanon, gemeinsam mit der EU, sowie zur Beschäftigungsförderung im Bausektor. Wichtige Partner und Geber der libanesischen Entwicklungszusammenarbeit sind die Weltbank, das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) und die Europäische Union (EU).

Im Jahr 2006 trat ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Libanon in Kraft, im Juni 2014 wurde der zweite Aktionsplan im Rahmen der EU-Nachbarschaftspolitik verabschiedet. Dieser soll zur Einhaltung des Assoziierungsabkommens beitragen und unterstützt den Libanon bei seinen nationalen Reformzielen und der weiteren Einbindung in die europäischen Wirtschafts- und Sozialstrukturen. In den Bereichen Bildung und Kultur arbeitet Libanon mit der früheren Mandatsmacht Frankreich eng zusammen. Enge Beziehungen bestehen auch zu den USA, die seit Jahrzenten Zielland der libanesischen Emigration sind.

Allgemeine und aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise erteilt das Auswärtige Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/sid_1F237BF196197E81E9F21859F2CF2A57/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/Nodes/LibanonSicherheit_node.html

Kontaktadressen

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13187 Berlin

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F +49 30 47 48 78 58

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T +961 4 93 50 00

F +961 4 93 50 01

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Libanon Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung, Wirtschaftspolitik, allgemein, Entwicklungszusammenarbeit, Sonstige Wirtschaftspolitik, Bildungswesen, Verwaltung, Administration

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