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14.08.2017

Lichtblicke für Malaysias Öl- und Gasindustrie

Kleinere Projekte im Fokus / Wirtschaftlicher Druck erzwingt Effizienzsteigerungen / Von Rainer Jaensch

Kuala Lumpur (GTAI) - Bei der internationalen Öl- und Gasausstellung OGA im Juli 2017 zeigte sich die Branche vorsichtig optimistisch. Vorerst richten die Produzenten ihren Fokus auf sich schnell amortisierende Projekte und Effizienzsteigerungen. Mittel- und langfristig müssen sie jedoch wieder stärker wirtschaftlich riskant erschließbare, sogenannte "marginale" Felder und Tiefseevorkommen ins Visier nehmen. Auch der Rückgang bekannter Vorkommen wird neue Explorationen erfordern.

Malaysias Öl- und Gassektor soll bis 2020 jährlich um real 5% wachsen. Dieses Ziel nannte der stellvertretender Premierminister Ahmad Zahid Hamidi bei der Eröffnung der Asian Oil, Gas & Petrochemical Engineering Exhibition (OGA) in Kuala Lumpur. Damit könnte die Branche wieder an das Wachstum des fast ausschließlich auf Öl und Gas basierenden Rohstoffsektors von 4,7% im Jahr 2015 anknüpfen. Durch die Ölpreisbaisse war es 2016 auf 2,7% gesunken und soll nach amtlichen Schätzungen auch noch 2017 auf diesem Niveau verbleiben.

Ein klarer Aufwärtstrend ist noch nicht erkennbar, konstatierten Branchenvertreter. Aber die Talsohle dürfte durchschritten sein. Der malaysische Öl- und Gasdienstleister Sapura spricht von vorsichtigem Optimismus. Zuerst werden die Produzenten in leichter zugängliche und kurzfristig angelegte Vorhaben investieren, bevor sie Geld in große kapitalintensive Tiefseevorhaben pumpen.

Laut Aaron Tan, Öl- und Gasanalyst von Malaysian Industrial Development Finance, stehen Produzenten wie Shell und Petronas in Malaysia weiterhin unter dem Druck, ihre knappen Ressourcen auf Projekte zu lenken, die schnellen Ertrag versprechen. Während das Upstream-Geschäft mit seinen kapitalintensiven Explorations- und Produktionsprojekten riskant bleibt, erscheinen Downstream-Vorhaben vielversprechender. Entsprechend hat Petronas kürzlich sein geplantes 29 Mrd. US$ teures Flüssiggasprojekt in Kanada gestoppt, hält aber am Rapid-Raffinerie- und Petrochemieprojekt im Süden der malaysischen Halbinsel fest.

Mehr Effizienz gefragt

Dem Up- und Downstream-Bereich ist jedoch eines gemeinsam: Alle Akteure arbeiten an Effizienzgewinnen. Sie nutzen die Baisse, um neue Techniken auszuprobieren und Prozesse zu verbessern. Der Technologiekonzern ABB erkennt einen Trend zu mehr Digitalisierung, vor allem im Downstream-Bereich.

Trotz abwartender Investitionshaltung, muss mittel- und langfristig in schwer erschließbare Öl- und Gasfelder sowie Tiefseevorkommen investiert werden. Denn die leicht zugänglichen Lagerstätten sind in Malaysia mittlerweile erschöpft. Entsprechend skizzierte der stellvertretende Premierminister Zahid Hamidi bei der Messeeröffnung die Präferenzen der Regierung und des nationalen Öl- und Gaskonzerns Petronas.

Dienstleistungen im Fokus

Die Regierung fördert diese wirtschaftlich riskanten Erschließungen (sogenannter "marginaler" Felder). Hierzu zählt die Investition von 1 Mrd. $ in das Tapis-Feld vor der Ostküste der malaysischen Halbinsel durch Petronas und ExxonMobil. Es ist das erste von sieben marginalen Feldern, die im Rahmen der Enhanced Oil Recovery (EOR) angezapft werden. Tiefseeexploration und -produktion gehen in Gebieten wie Gumusut-Kakap und Siakap North-Petai vor Borneo weiter. Im Westen werden Terminals zur Gasumwandlung errichtet.

Die Regierung will Malaysia außerdem zu einem Zentrum für Dienstleistungen im Öl- und Gassektor machen. Schließlich verfügt das Land in diesem Bereich neben mehreren internationalen Playern bereits über lokale Großunternehmen wie die Sapura Group.

Nachdem die Explorationsaktivitäten angesichts der Preisbaisse nachgelassen haben, sind die bekannten Ölvorkommen 2016 gegenüber dem Vorjahr um 0,8% auf 5,9 Mrd. Barrel geschrumpft. Die Produktion sank um 2,1% auf 648.000 Barrel pro Tag. Die Erdgasreserven fielen um 3,4% auf rund 100,4 Billionen Kubikfuß. Die Produktion stieg hingegen um 9,3% auf 6.798 Millionen Standard-Kubikfuß pro Tag.

(R.J.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Malaysia können Sie unter http://www.gtai.de/malaysia abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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