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18.10.2016

LNG-Marktschwäche stellt Pläne für neue US-Exportterminals infrage

Fünf neue Terminals werden bereits gebaut / Margen beim LNG-Export sind stark gesunken / Von Martin Wiekert

Washington D.C. (GTAI) - Verschlechterte globale Marktbedingungen gefährden in den USA die Wirtschaftlichkeit neuer Exportterminals für verflüssigtes Erdgas (LNG). Mögliche Abnehmer in Asien und Westeuropa können Erdgas derzeit zu günstigen Preisen aus anderen Quellen beziehen. Ohne eine nachhaltige Markterholung dürfte nur ein kleinerer Teil der jetzt geplanten Vorhaben realisiert werden. (Internetadressen)

Die Aussichten der US-Energiewirtschaft auf lukrative Exportgeschäfte mit LNG (Liquefied Natural Gas) sind im Herbst 2016 nicht mehr so rosig wie vor einigen Jahren. Während der Bau der neuen Exportterminals langsam Fahrt aufnimmt, zeigte die internationale Nachfrage nach dem Rohstoff zuletzt Schwächen. In wichtigen asiatischen Exportmärkten haben sich die Spot-Preise für LNG seit 2014 um mehr als 50% reduziert. Im vormals sehr attraktiven japanischen Markt erreichten sie nach Angaben der Weltbank im September nur noch rund 6,60 US$/Mio. BTU (British Thermal Units) - rund 9 US$ weniger als noch zwei Jahre zuvor. Kaum besser verlief die Preisentwicklung in Westeuropa. Dort erschwert billiges Pipeline-Gas aus Russland oder Norwegen den LNG-Lieferanten das Geschäft.

Weltmarkt gut mit Erdgas versorgt

Eine nachhaltige Erholung des globalen LNG-Markts ist derzeit nicht in Sicht. Während sich die globale Energienachfrage wegen der schwachen Weltkonjunktur in Grenzen hält, sorgen Produzenten aus Katar und zunehmend auch Australien für ein üppiges und wachsendes Konkurrenzangebot. Selbst der jüngste Wiederanstieg der Erdölpreise hat sich auf den LNG-Märkten bisher nur begrenzt bemerkbar gemacht.

Derweil nehmen die LNG-Exportterminals, die in den USA im Zuge des Frackingbooms entstehen, langsam Formen an. Das Gros der ersten Lieferungen aus einer bereits fertiggestellten Anlage in Sabine Pass, Louisiana, ging allerdings nicht wie ursprünglich erwartet nach Asien oder Europa, sondern vorrangig nach Südamerika. Hauptabnehmer war Chile, das nach der Erweiterung des Panamakanals mit verkürzten Lieferwegen für Großtanker und dadurch niedrigeren Verschiffungskosten aufwarten kann.

Der Abschluss neuer LNG-Lieferverträge mit asiatischen Abnehmern ist für US-Exporteure angesichts des hohen Verflüssigungs-, Regasifizierungs- und Transportaufwands derzeit kaum noch attraktiv. So betrugen die Margen beim LNG-Export nach Asien zuletzt nur noch etwa 3 bis 4 US$ pro Mio. BTU.

Neue Exportanlagen verschärfen die Konkurrenz

Die Inbetriebnahme weiterer Exportterminals könnte die Wettbewerbssituation in den kommenden Jahren zusätzlich verschärfen. Allein in den USA werden bis 2020 neue Ausfuhrkapazitäten von rund 10 Mrd. Kubikfuß pro Tag (Bcf/d) fertiggestellt. Darüber hinaus gibt es dort noch mehrere Dutzend Projekte in der Planungsphase mit einer Gesamtexportkapazität von rund 40 Bcf/d. Vier Vorhaben mit einer Gesamtkapazität von rund 5 Bcf/d wurden dabei schon von der Federal Energy Regulatory Commission (FERC) genehmigt.

Genehmigte LNG-Exportterminals in den „Lower 48 States“ der USA (Stand: September 2016) 1)
Projekt/Investor Exportkapazität (Bcf/d) Geschätzte Kosten (Mrd. US$) Anmerkungen
Sabine Pass LNG, Louisiana / Cheniere 2) 4,16 12 Insgesamt 6 Liquefaction Trains (Verflüssigungsanlagen); Train 1 mit 0,7 Bcf/d in Betrieb seit Februar 2016; Fertigstellung der Trains 2-5 bis 2019
Hackberry, Louisiana / Sempra-Cameron 2) 2,1 10 In Bau; 3 Trains bis 2018
Freeport, Texas / Freeport LNG Dev 2) 2,14 11 In Bau; 3 Trains bis 2019/20
Cove Point, Maryland / Dominion Energy 2) 0,82 3,8 In Bau, 1 Train bis Ende 2017
Corpus Christi, Texas / Cheniere 2) 2,14 13,5 In Bau, Fertigstellung bis 2018
Lake Charles, Louisiana / Southern Union, BG Group 2) 2,2 9,6 Genehmigt, noch nicht in Bau
Lake Charles, Louisiana / Magnolia LNG 2) 1,08 3,5 Genehmigt, noch nicht in Bau
Hackberry, Louisiana / Sempra-Cameron LNG 1,41 k.A. Genehmigt, noch nicht in Bau
Elba Island, Georgia / Southern LNG Company, Kinder-Morgan 0,35 1,5 Genehmigt, noch nicht in Bau

1) umfasst die 48 zusammenhängenden Bundesstaaten der USA; 2) Genehmigung für den Export in Länder ohne Freihandelsabkommen liegt vor

Quellen: Federal Energy Regulatory Commission (FERC), Enerknol, Presseberichte

Finanzierung wird zur Herausforderung

Dass alle derzeit geplanten Terminals auch gebaut werden, gilt unter Branchenkennern jedoch als unwahrscheinlich. Die nötigen Finanzierungen für die Multi-Milliarden-Dollar-Investitionen in Gasverflüssigungszüge, Pipelinesysteme, Dockanlagen etc. sind angesichts des internationalen Margenverfalls heute deutlich schwerer aufzubringen als noch vor einigen Jahren. Darüber hinaus gibt es in den USA eine mächtige Lobby, die sich weiteren Exportgenehmigungen entgegenstellt. Zu dieser gehören Vertreter von Industrie- und Verbraucherinteressen, die höhere Energiepreise befürchten, sowie Umweltschützer, die eine Ausweitung des Frackings verhindern wollen.

Experten zufolge könnten am Ende aber zumindest acht bis zehn LNG-Exportterminals realisiert werden. Dies entspräche in etwa dem Referenzfall im Jahresenergieausblick der U.S. Energy Information Administration (EIA). Laut dem EIA-Szenario werden die USA bei Erdgas ab 2018 zum Nettoexporteur. Danach sollen die LNG-Ausfuhren im Jahr 2020 rund 6,5 Bcf/d und 2025 circa 12,5 Bcf/d erreichen.

Interessante Chancen für deutsche Ausrüster

Konkrete Lieferchancen für Anlagen- und Ausrüstungshersteller bieten zumindest die in der Projektpipeline relativ weit vorn angesiedelten Exportterminals. Attraktive Finanzierungsbedingungen können dabei ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sein.

Größere US-LNG-Lieferungen nach Europa sind unter den gegenwärtigen Marktbedingungen nicht zu erwarten. Dagegen sprechen auch die bestehenden US-Exportbeschränkungen, die Erdgasausfuhren in Länder ohne Freihandelsabkommen nur unter erschwerten Bedingungen erlauben.

US-Produktion, -Nettoimport und -Verbrauch von Erdgas (in Bill. Kubikfuß)
Jahre 2005 1) 2015 1) 2020 2) 2025 2)
Produktion 18,1 27,1 30,6 34,9
Nettoimport 3,6 0,9 -2,9 -5,3
.davon LNG k.A. 0,1 -2,4 -4,6
Verbrauch 22,0 27,5 27,5 29,4

1) Ist-Werte laut Monthly Energy Review vom September 2016; 2) Reference Case im Annual Energy Outlook vom Juli 2016

Quelle: U.S. Energy Information Administration

Internetadressen

Federal Energy Regulatory Commission (FERC)

Internet: http://www.ferc.gov

U.S. Department of Energy (DOE)

Internet: http://www.energy.gov

Informationen des DOE zur Regulierung des Erdgassektors einschließlich LNG-Exportterminals

Internet: http://www.energy.gov/fe/services/natural-gas-regulation

Informationen der FERC zum Thema LNG-Export

Internet: http://www.ferc.gov/industries/gas/indus-act/lng.asp

Liste der beim DOE eingereichten Exportanträge für US-LNG (Stand: 17.8.16)

Internet: http://www.energy.gov/fe/downloads/summary-lng-export-applications-lower-48-states

U.S. Energy Information Administration (EIA)

Internet: http://www.eia.gov

EIA Annual Energy Outlook 2016

Internet: http://www.eia.gov/forecasts/aeo

"Could US oil and gas exports be a game changer for EU energy security" (Studie des EU-Parlaments vom Februar 2016)

Internet: http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/IDAN/2016/570462/EXPO_IDA(2016)570462_EN.pdf

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

Internet: http://www.ahk-usa.de

Representative of German Industry and Trade (Delegierter der Deutschen Wirtschaft - RGIT) Internet: http://www.rgit-usa.com

(W.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Öl, Gas

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