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05.08.2019

Logistik 4.0 - Mexikos Anbieter stehen vor Herausforderungen

Angebot muss digitaler werden / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Logistikfirmen verdienen nach wie vor gut in Mexiko. Doch drei wichtige Trends machen es für sie unumgänglich, in die Digitalisierung zu investieren.

Der Logistikmarkt wächst in Mexiko vergleichsweise stark. Während die Gesamtwirtschaft des Landes 2019 wohl nicht über ein Bruttoinlandprodukt-Plus von 1 Prozent hinauskommt, wird die Logistikbranche laut Firmenvertretern um 10 bis 11 Prozent zulegen. Daten für den Seetransport aus den ersten vier Monaten des Jahres stützen diese Einschätzung: Das Containervolumen an mexikanischen Häfen stieg um 10 Prozent.

Die Logistikanbieter müssen in den kommenden Jahren jedoch in die Digitalisierung investieren, um das Wachstumstempo zu halten. Die schlechtere Sicherheitslage, der zunehmende Onlinehandel und nicht zuletzt die immer höheren Ansprüche der Industrie an die Logistik machen weitreichende Investitionen erforderlich. In den letzten Jahren trat Mexiko bei der Entwicklung der Logistikinfrastruktur auf der Stelle, wie der Logistics Performance Index der Weltbank zeigt.

Mexikos Bewertung im Logistics Performance Index
Jahr 2010 2012 2014 2016 2018
Score 3,05 3,06 3,13 3,11 3,05
Rang 50 1) 47 1) 50 2) 54 2) 51 2)

1) unter 155 Ländern; 2) unter 160 Ländern

Quelle: Weltbank

Unsicherheit auf Straßen und Schienen nimmt zu

Das drängendste Handlungsfeld ist die Transportsicherheit. Bereits seit 2017 liegt die Zahl der Überfälle auf Lkw und Transporter auf einem sehr hohen Niveau. In den ersten vier Monaten 2019 stieg ihre Zahl gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum nochmals um 6,2 Prozent auf 4.134 Fälle an. Am stärksten betroffen sind Autobahnen im Bundesstaat México, der den Hauptstadtdistrikt umgibt. Aber auch in den angrenzenden Bundesstaaten Puebla, Hidalgo und Querétaro sowie auf der Verbindung vom Atlantikhafen Veracruz ins Landeszentrum kommt es regelmäßig zu Zwischenfällen. Zudem überfallen Kriminelle in diesen Gebieten auch immer wieder Güterzüge.

Um die Fahrten sicherer zu machen - oder zumindest die Nachverfolgung der geraubten Fahrzeuge zu ermöglichen - setzen Logistikfirmen auf Technologie. Da die Kriminellen in der Regel das GPS-Signal der Fahrzeuge mit Störsendern (sogenannten Jammern) unterbrechen, werden immer häufiger Geräte installiert, die den Einsatz von Jammern registrieren. Sie melden den vermutlichen Überfall an den Spediteur und stellen automatisch den Motor ab, damit das Fahrzeug nicht weiter bewegt werden kann.

Wachstumstreiber Industrie

Im Geschäft mit der Industrie zwingt die um sich greifende Vernetzung die Logistikanbieter dazu, ihrerseits digitale Schnittstellen für die Kommunikation mit ihren Kunden aufzubauen. Große Anbieter im Land wie Brink's, DB Schenker, Kühne + Nagel und Ryder investieren derzeit in diesen Bereich. So teilte DB Schenker im Mai 2019 mit, die digitale Plattform connect 4.0 in Mexiko einzuführen, um Aufträge schneller annehmen und verarbeiten zu können.

Eine bessere Kommunikation zwischen Kunde, Logistikunternehmen sowie Transportdienstleister wird auch notwendig, da der Übergang an der Grenze zwischen Mexiko und den USA immer schwieriger wird. Aufgrund der engen Verzahnung der Wertschöpfungsketten zwischen den beiden Ländern, müssen Zulieferteile in vielen Fällen mehrmals über die Grenze transportiert werden, bis sie ihren Weg zum Endkunden finden.

Da die Wartezeit derzeit oftmals 20 anstelle der gewöhnlichen 2 Stunden beträgt, investieren Logistikdienstleister in Analysesoftware, die mögliche Verspätungen voraussagen kann. Die Situation an der Grenze wird sich vermutlich erst wieder entspannen, wenn die Zahl der Migranten aus Zentralamerika abnimmt, die über Mexiko versuchen in die USA zu gelangen.

Onlinehandel stößt zusätzliche Investitionen an

Der Onlinehandel ist ein weiterer Faktor, der die Digitalisierung vorantreibt. Der argentinische Onlinehändler Mercado Libre eröffnete im Juli sein zweites Distributionszentrum in Mexiko. Von dort aus will der Konzern, ähnlich wie bereits in Brasilien, die komplette Logistikkette vom Eingang der Ware über die Portionierung und den Versand bis hin zum After-Sales-Service abdecken. Die deutsche DHL investiert derzeit in zusätzliche Robotik sowie in Blockchain-Technologie, um Kosten zu reduzieren und die Kommunikation mit den Kunden sicherer zu machen.

Momentan wächst der Onlinehandel in Mexiko im zweistelligen Bereich. Der Zuwachs beträgt 2019 laut Marktexperten rund 16 Prozent. Damit nimmt das Wachstum zwar leicht ab, das Land liegt bezüglich der Zuwachsraten im regionalen Vergleich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau. 2018 setzte der mexikanische Onlinehandel rund 17,6 Milliarden US-Dollar (US$) um. Mexiko war dadurch hinter Brasilien (19,7 Milliarden US$) der zweitwichtigste Markt in Lateinamerika.

Große Logistiker kommen vorwiegend aus dem Ausland

Ausländische Dienstleister haben einen bedeutenden Anteil am Logistikmarkt. DHL ist der größte ausländische Anbieter in Mexiko, der zugleich das umfassendste Logistikangebot bietet. Zusammen mit der mexikanischen Estafeta und dem US-Konzern Fedex deckt DHL rund 75 Prozent der Paketlogistik ab. Von deutscher Seite verfügen daneben Kühne + Nagel sowie DB Schenker über ein landesweites Niederlassungsnetz. Auch inhabergeführte deutsche Logistikanbieter wie Dachser und Hellmann sind vor Ort präsent.

Führende Logistikunternehmen in Mexiko
Anbieter (Land) Transportwege *) Niederlassungen
Autotransportes de Carga Tresguerras (Mexiko) Straße größter Lkw-Spediteur; 104 Lager- und 380 Verladestationen
Correos de México (Mexiko) Verschiedene staatliche Post; rund 27.000 Servicestellen
DHL México (Deutschland) Straße, Luft Hubs in Mexiko-Stadt (2), Guadalajara, Monterrey und Querétaro
Estafeta (Mexiko) Straße, Luft Landesweit über 1.000 Filialen, 3 Hubs
Fedex (USA) Straße, Luft Landesweite Abdeckung von diversen Hubs aus
Ferromex (Mexiko) Schiene Größter Eisenbahnbetreiber; Terminals in rund 40 Städten
Kansas City Southern de México (USA) Schiene Zweitgrößte Eisenbahngesellschaft, u.a. 19 intermodale Terminals

*) vorwiegend genutzter Transportweg

Quelle: GTAI-Recherche

Start-ups mischen die Branche auf

Obwohl Mexiko über ein gut ausgebautes Angebot im Logistikbereich verfügt, fordern derzeit mehrere Start-ups die etablierten Konzerne heraus. Im Kern geht es den jungen Unternehmen darum, die Transportdienstleistungen dank digitaler Plattformen flexibler für die Kunden zu machen. Dadurch können Engpässe aufgrund von kurzfristigen Produktionsspitzen abgefedert werden. Firmen wie Sendengo, Yetcargo und Liftit vermitteln via App und Internetseite innerhalb weniger Stunden eine Transportlösung, indem sie die Kunden mit unabhängigen Speditionen zusammenbringen.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociación de Operadores Logísticos de México https://aolm.org.mx Verband der Logistikdienstleister
Asociación Nacional de Transporte Privado http://www.antp.org.mx Verband der privaten Transportunternehmen
Asociación Mexicana de Venta Online (AMVO) http://www.amvo.org.mx Verband der Onlinehändler

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Transport und Verkehr, allgemein, Logistik / Speditionen, Digitalisierung

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