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23.05.2019

Luxemburg forciert Energieeffizienzvorgaben

Seit 2019 gelten strenge Standards für alle Neubauten / Von Torsten Pauly

Luxemburg (GTAI) - Für neue Gebäude ist in Luxemburg das Niedrigstenergieniveau vorgeschrieben. Für Renovierungen gibt es umfangreiche Förderungen. Das Land setzt sich ehrgeizige Ziele bis 2030.

Starkes Wachstum von Wirtschaft und Gesellschaft erfordert hohe Investitionen

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Für alle Neubauten ist ein Niedrigstenergiestandard vorgeschrieben. Sehr gute Kenntnisse im Passivhausbau; inländische Firmen kommen der Nachfrage kaum nach.
Für energieeffiziente Sanierungen gibt es umfangreiche Förderungen. Niedrige Energiekosten bieten relativ geringen Anreiz für Effizienzsteigerungen.
Starkes Wachstum von Wirtschaft und Gesellschaft hat hohen Gebäudebedarf zur Folge. Trotz eines hohen Immobilienbedarfs waren Baugenehmigungen 2018 rückläufig.

Dank Effizienzsteigerungen hat sich der Energieverbrauch der luxemburgischen Haushalte und Dienstleister im letzten Jahrzehnt trotz eines starken Wachstums von Wirtschaft und Gesellschaft nur moderat erhöht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwischen 2010 und 2018 preisbereinigt um 28,4 Prozent gestiegen. Da im Zuge des Booms sehr viele Arbeitnehmer nach Luxemburg gezogen sind, hat die ansässige Bevölkerung von 2008 bis 2018 um 24,4 Prozent zugenommen.

Im Jahr 2017 haben die luxemburgischen Haushalte laut neuesten verfügbaren Zahlen 6.381 Gigawattstunden Energie verbraucht, das waren 0,7 Prozent weniger als 2016 und 5,1 Prozent mehr als 2007. Der Dienstleistungssektor hat 2017 circa 5.480 Gigawattstunden bezogen. Dies waren zwar 13,1 Prozent mehr als im Vorjahr und 21,7 Prozent mehr als 2007. Allerdings sind die Dienstleistungsbranchen zwischen 2010 und 2018 real auch besonders stark um durchschnittlich 50 Prozent gewachsen.

Der luxemburgische Gebäudebestand ist zu weit über einem Drittel erst in den letzten dreißig Jahren entstanden. Angesichts immer strengerer Vorschriften stieg der Energiebedarf nur geringfügig. So sind bereits 2015 laut neuesten Zahlen 2,5 Prozent aller Objekte seit 2011 gebaut worden und weitere 11 Prozent zwischen 2001 und 2010. In den Neunzigerjahren sind 11,9 Prozent aller Gebäude errichtet worden und in den Achtzigerjahren 10,6 Prozent. Nur 28,8 Prozent aller luxemburgischen Häuser stammen dagegen aus der Zeit vor 1945.

Auf dem Immobilienmarkt lassen sich hohe Preissteigerungen durchsetzen und höhere Kosten für Energieeffizienz so leichter finanzieren. Ein Quadratmeter Wohnraum kostete 2018 im Schnitt 5.829 Euro, das waren 46,7 Prozent mehr als 2010. Im Jahr 2016 sind laut neuester Statistik 3.856 Wohneinheiten fertiggestellt und im ersten Dreivierteljahr 2018 insgesamt 2.867 Wohnhäuser- und -apartments neu bewilligt worden. Dies ist zu wenig. Laut dem Ministerium für Wohnungswesen summiert sich der entstandene Nachholbedarf bereits auf 32.000 Einheiten. Weitere Informationen zum Thema Luxemburgs Markt für Gebäudeenergieeffizienz boomt finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201905228000.

Strategie bis 2030 mit hohem Einsparpotenzial bei Sanierungen

Luxemburg hat sich 2017 im Vierten Nationalen Energieeffizienzaktionsplan das Ziel gesetzt, dass Haushalte dank staatlicher Vorschriften und Förderungen 2020 insgesamt 439 Gigawattstunden Energie weniger verbrauchen als ohne die Vorgaben des Plans. Zu diesen Einsparungen trägt allein die Energieeffizienzverordnung für neue Wohngebäude 355 Gigawattsunden bei. Bereits seit Anfang 2017 müssen alle derartigen Bauten den sogenannten AAA-Niedrigstenergiestandard aufweisen, welcher im wesentlichen Passivhausniveau entspricht.

Weitere Einsparungen am Endverbrauch der Haushalte haben bis 2020 die Förderung von Solarthermie und Wärmepumpen (28 Gigawattstunden) sowie von sonstigem energieeffizientem Neubau (9 Gigawattstunden) zur Folge.

Auch alle neuen Nichtwohngebäude müssen seit Anfang 2019 den AAA-Energieeffizienzstandard erfüllen. Hierdurch sollen 2020 etwa 132 Gigawattstunden weniger Energie verbraucht werden. Beleuchtungen in Neubauten sollen weitere 80 Gigawattstunden einsparen.

Die Förderung energetischer Renovierungen soll den Endverbrauch bis 2020 in Wohngebäuden um insgesamt 47 Gigawattstunden und in allen anderen Objekten um insgesamt 26 Gigawattstunden reduzieren. Seit Anfang 2019 offeriert Luxemburg keine Fördermittel mehr für energieeffiziente Maßnahmen in Neubauten, sondern nur noch bei Sanierungen. Diese sind allerdings umfangreich. Einen detaillierten Überblick bietet die zuständige Agentur myenergy auf ihrer Homepage (http://www.myenergy.lu/de/privatpersonen/gesetze-und-vorschriften/finanzierungshilfe#prime-house-nouveau-regime)

Im Ende 2018 vorgestellten Entwurf für den Integrierten Energie- und Klimaplan setzt sich Luxemburg für den Zeitraum von 2021 bis 2030 noch ehrgeizigere Ziele. Durch staatliche Vorgaben und Anreize sollen Haushalte am Ende dieser Periode 37 Prozent weniger Energie verbrauchen als ohne Planvorgaben. Für den Tertiärsektor beträgt die Einsparungsrate 25 Prozent.

Insgesamt soll sich der luxemburgische Endenergieverbrauch dank aller im Entwurf anvisierten Maßnahmen von 2021 bis 2030 um 8,3 Terrawattstunden reduzieren. Energieeffiziente Gebäudesanierungen tragen hierzu 876 Gigawattstunden bei. Hieran wiederum haben Wohnhäuser mit 584 Gigawattstunden den größten Anteil, gefolgt von öffentlichen Gebäuden (168 Gigawattstunden) und Büros (82 Gigawattstunden). Der Rest entfällt auf sonstige Objekte.

Die luxemburgischen Netzbetreiber schaffen seit 2016 zügig die Voraussetzungen zur digital gesteuerten Erfassung des Energieverbrauchs. So erhalten alle Stromkunden bis Ende 2019 insgesamt 300.000 intelligente Zähler. Auch die 80.000 Gasverbraucher des Landes werden bis Ende 2020 mit digitalen Messgeräten ausgestattet.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/luxemburg Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen
Factsheets der Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de/kurzinformationen-auslandsmaerkte Fact Sheets mit allgemeinen Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer (DEBELUX) http://www.debelux.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Ministerium für Energie und Raumentwicklung https://mea.gouvernement.lu/de Zuständig für Energiefragen
Ministerium für Wohnungswesen http://logement.public.lu Zuständig für Fragen des Wohnungsbaus
myenergy http://www.myenergy.lu Agentur zur Förderung von nachhaltigen Energiemaßnahmen
Fédération des Artisans FDA http://www.fda.lu Handwerksverband
Chambre des Métiers CdM http://www.cdm.lu Dienstleistungen aller Art an Handwerksfirmen
Verband der Architekten und beratenden Ingenieure (Ordre des Architectes et Ingénieurs-Conseils) http://www.oai.lu Informationsangebote zur Tätigkeit und Aufgaben für Architekten und Beratungsbüros
Initiative Luxbuild http://www.luxbuild.lu Ausbildungsinitiative zur Gebäudeenergieeffizienz

Weitere Informationen zu Luxemburg finden Sie unter http://www.gtai.de/luxemburg.

Dieser Artikel ist relevant für:

Luxemburg Finanzierung, allgemein, Energiepolitik, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Gewerbebau, Energieeinsparung, Wohnungsbau

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Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

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