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23.05.2019

Luxemburgs Markt für Gebäudeenergieeffizienz boomt

Gute Chancen für deutsche Handwerker / Von Torsten Pauly

Luxemburg (GTAI) - Luxemburg ist ein sehr lukrativer Markt - dank einer schnell wachsenden Bevölkerung, hohen Preisen, Energieeffizienzvorgaben für Neubauten und Förderungen für Sanierungen.

Hochbau ist auf zehn Monate ausgelastet

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Für alle Neubauten ist Passivhausstandard vorgeschrieben. Sehr gute Kenntnisse im Passivhausbau; inländische Firmen kommen der Nachfrage kaum nach.
Für energieeffiziente Sanierungen gibt es umfangreiche Förderungen. Niedrige Energiekosten bieten relativ geringen Anreiz für Effizienzsteigerungen.
Starkes Wachstum von Wirtschaft und Gesellschaft hat auf Jahre hohen Gebäudebedarf zur Folge. Trotz eines hohen Immobilienbedarfs waren Baugenehmigungen 2018 rückläufig.

Deutschen Anbietern von Energieeffizienzlösungen für Gebäude bieten sich trotz starker inländischer Konkurrenz viele Geschäftschancen. Luxemburgische Hochbaubetriebe hatten im März 2019 im Schnitt Aufträge für die kommenden zehn Monate. Die Produktion des Baugewerbes ist 2018 kalendertagbereinigt um 4 Prozent gestiegen. Die starke Auslastung inländischer Anbieter kann einen Markteintritt vor allem dann erleichtern, wenn deutsche Firmen Speziallösungen offerieren und mit luxemburgischen Auftragnehmern kooperieren.

Der luxemburgische Markt ist sehr lukrativ. Zwischen 2010 und 2017 war der Umsatz des Bausektors um 37,1 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro gestiegen. Diese Summe war um 61 Prozent höher als im Bundesland Berlin. Gas-, Wasser-, Heizungs-, Lüftungs- und Klimainstallateure haben 2016 laut neuesten detaillierten Zahlen 710 Millionen Euro umgesetzt. Dachdecker und Zimmerer erwirtschafteten 242 Millionen Euro, Maler und Glaser 191 Millionen Euro.

Die boomenden Umsätze sind auch dem hohen Preisniveau geschuldet. So waren die Pro-Kopf-Ausgaben für das Baugewerbe 2017 in Luxemburg fast dreimal so hoch (294 Prozent) wie im Durchschnitt der Europäischen Union (EU). In Deutschland lagen sie dagegen um 1 Prozent darunter. Diese Daten von Eurostat berücksichtigen den jeweiligen Kaufkraftstandard. Ein Hinderungsgrund für Investitionen in Energieeffizienz sind aber die geringen Energiekosten, die im zweiten Halbjahr 2018 bei Gas für Haushalte unter den deutschen Preisen lagen.

Bei vielen Produkten hat das Land einen hohen oder vollständigen Importbedarf. Dies eröffnet zusammen mit ausgeprägten Qualitätsansprüchen deutschen Lieferanten und Monteuren hervorragende Absatzchancen.

Alle neuen Gebäude müssen NIedrigstenergiestandard aufweisen

Die luxemburgische Wirtschaft ist von 2010 bis 2018 real um 28,4 Prozent gewachsen. Zwischen dem ersten Quartal 2010 und den letzten drei Monaten 2018 sind rund 28,3 Prozent mehr Stellen entstanden. Dies hat zu einem starken Zuzug aus dem Ausland geführt, weswegen die Bevölkerung 2018 um 24,4 Prozent höher war als 2010. Diese Entwicklung soll anhalten, denn das europäische Statistikamt Eurostat erwartet, dass 2028 nochmals 21 Prozent mehr Menschen in Luxemburg leben werden als 2018.

Vor diesem Hintergrund ist der Bedarf an Neubauten jeder Art groß. Diese sind seit Anfang 2019 im Niedrigstenergiestandard zu errichten. Das Ministerium für Wohnungswesen schätzt, dass wegen des Bevölkerungswachstums jedes Jahr 6.500 Wohnungen neu auf den Markt kommen müssten. Wenngleich die genehmigte Gebäudefläche in den ersten neun Monaten 2018 um 19 Prozent geringer als im gleichen Vorjahreszeitraum war, ist daher mittel- und langfristig mit Steigerungen zu rechnen. Weitere Informationen zum Thema Luxemburg forciert Energieeffizienzvorgaben finden Sie unter http://www.gtai.de/MKT201905228003

Energieberater sollten Zulassung beim Umweltministerium anstreben

Seit Anfang 2019 offeriert Luxemburg Fördergelder für energieeffiziente Maßnahmen nur noch bei Gebäuderenovierungen und nicht mehr bei Neubauten. Zuständig ist die öffentliche Agentur Myenergy. Seit Ende 2018 müssen Energieberater von Luxemburgs Umweltministerium zertifiziert sein, wenn ihre Kunden die öffentlichen Fördergelder in Anspruch nehmen wollen.

Um das Label "myenergy certified" zu erhalten, müssen Berater Kenntnisse etwa über gesetzliche Vorschriften, nachhaltiges Bauen, das ganzheitliche Zertifizierungssystem Lenoz, Bauphysik, Gebäudehüllen oder technische Anlagen in einer Prüfung nachweisen. Anfang 2019 gibt es in Luxemburg 34 derartig zertifizierte Energieberater, die alle ihren Sitz im Inland haben.

Die Beihilfen richten sich zum einen nach den Quadratmetern und betragen zum Beispiel bei Außenwänden 20 Euro bis 36 Euro, je nach erreichtem Effizienzstandard. Dazu können bis zu 40 Euro zusätzlich gewährt werden, wenn besondere ökologische Bedingungen erfüllt werden. Zum anderen wird bei technischen Einbauten ein Anteil an den Kosten übernommen, wobei es Obergrenzen gibt. So kann etwa Solarthermie mit bis zu 50 Prozent gefördert werden, jedoch maximal bis zu 4.000 Euro.

Luxemburg hat viele Passivhaus-Spezialisten

Da der Niedriegstenergiestandard bereits seit 2017 bei neuen Wohngebäuden Vorschrift ist, bringen sehr viele Handwerker entsprechendes fachliches Können mit. Im April 2019 listet das Portal http://www.passivhaus-handwerk.de 620 zertifizierte Passivhaushandwerker in Luxemburg, doch nur 110 Anbieter in Deutschland.

Bereits 2014 haben Luxemburgs Handwerkskammer, der Handwerksverband, die Agentur myenergy und das Bauberufsbildungsinstitut "Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment" die Initiative Luxbuild ins Leben gerufen. Diese soll Kompetenzen beim energieeffizienten Bauen, der energetischen Renovierung und der Nutzung erneuerbarer Energien aufbauen beziehungsweise eine kontinuierliche Aus- und Weiterbildung gewährleisten. Dies geschieht auch in dem Bewusstsein, dass die inländische Branche nur so gegenüber zunehmender ausländischer Konkurrenz wettbewerbsfähig bleibt.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/luxemburg Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen
Factsheets der Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de/kurzinformationen-auslandsmaerkte Fact Sheets mit allgemeinen Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer (DEBELUX) http://www.debelux.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Ministerium für Energie und Raumentwicklung https://mea.gouvernement.lu/de Zuständig für Energiefragen
Ministerium für Wohnungswesen http://logement.public.lu Zuständig für Fragen des Wohnungsbaus
myenergy http://www.myenergy.lu Agentur zur Förderung von nachhaltigen Energiemaßnahmen
Fédération des Artisans FDA http://www.fda.lu Handwerksverband
Chambre des Métiers CdM http://www.cdm.lu Dienstleistungen aller Art an Handwerksfirmen
Verband der Architekten und beratenden Ingenieure (Ordre des Architectes et Ingénieurs-Conseils) http://www.oai.lu Informationsangebote zur Tätigkeit und Aufgaben für Architekten und Beratungsbüros
Initiative Luxbuild http://www.luxbuild.lu Ausbildungsinitiative zur Gebäudeenergieeffizienz

Weitere Informationen zu Luxemburg finden Sie unter http://www.gtai.de/luxemburg.

Dieser Artikel ist relevant für:

Luxemburg Finanzierung, allgemein, Energiepolitik, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Gewerbebau, Energieeinsparung, Wohnungsbau

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Kontakt

Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

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