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30.08.2017

Malaysias Rapid-Chemieprojekt bietet noch Lieferchancen

Vorhaben gut zur Hälfte fertiggestellt / Für Teilbereiche weiter Investoren und Technologiegeber gesucht / Von Rainer Jaensch

Kuala Lumpur (GTAI) - Das malaysische Rapid-Raffinerie- und -Petrochemieprojekt wird zwar etwas kleiner und später als geplant fertiggestellt. Der lokale Bauherr Petronas hält aber an dem derzeit größten Industrieprojekt des Landes fest und pumpt 2017 einen Großteil seiner Kapitalausgaben in das Vorhaben. Obwohl über die Hälfte bereits umgesetzt und das Gros der Aufträge vergeben ist, bestehen noch Lieferchancen, auch für deutsche Firmen. Einige sind bereits zum Zuge gekommen. (Kontaktadresse)

Auf der Öl- und Gas-Ausstellung OGA (Oil and Gas Asia) in Kuala Lumpur war im Juli 2017 von deutschen Ausstellern zu hören, dass sie trotz der Ölpreisbaisse Aufträge vom malaysischen Energiekonzern Petronas erhalten haben. Diese sind für das Rapid-Raffinerie- und -Petrochemieprojekt in Pengerang, Johor bestimmt. Angesichts der gesunkenen Öleinkünfte ist das Mega-Vorhaben zwar etwas zurückgestutzt worden und wird auch nicht so rapid wie geplant fertiggestellt. Aber an dem weiterhin größten Industrieprojekt Malaysias hält der Bauherr Petronas unverändert fest.

Auch werde er hierfür einen Großteil seiner für 2017 budgetierten Kapitalausgaben von umgerechnet rund 14 Milliarden US-Dollar (US$) ausgeben, erklärte Hauptgeschäftsführer Wan Zulkiflee. Eine Finanzspritze von 7 Milliarden US$ kommt auch durch die im Februar 2017 erfolgte Investitionszusage der Saudi Aramco herein. In einem Joint Venture mit Petronas wird der arabische Ölproduzent 70 Prozent des Rohölbedarfs der Raffinerie liefern.

Gut die Hälfte des Vorhabens ist bereits fertiggestellt und ein Großteil der Aufträge vergeben. Für einige Pakete sind hingegen die Zuschläge noch nicht erteilt. Hier dürften weiterhin auch deutsche Unternehmen Lieferchancen haben, erfuhr Germany Trade & Invest im Gespräch mit TechnipFMC Malaysia. Auch werden für Teilbereiche wie Treibstoffherstellung und Energieumwandlung noch Investoren und Technologiegeber gesucht. Die malaysische Tochter der französischen Technip ist zusammen mit dem US-Unternehmen Fluor der federführende Project Management Consultant für das Projekt.

Projekt fällt kleiner aus als geplant

Das Raffinerie- und Petrochemieprojekt Rapid, das samt der unterstützenden Infrastruktur (Kraftwerk, Hafen, Lager etc.) in den umfassenderen Pengerang Integrated Complex (PIC) eingebunden ist, war insgesamt für ein Finanzvolumen von 27 Milliarden bis 30 Milliarden US$ ausgelegt. Die Ölpreisflaute und die damit schmalere Kasse der Petronas machte nun gewisse Umstrukturierungen erforderlich.

Einige Projektteile sind fallen gelassen oder verschoben worden, so die Produktion von Phenol, Bis-Phenol, Polykarbonat, Glykoläther und Elastomer. Das Volumen des Gesamtprojekts wird sich nun auf rund 22 Milliarden US$ beschränken. Auch dürfte die Fertigstellung nicht wie geplant im 1. Quartal 2019, sondern wahrscheinlich frühestens ein Jahr später erfolgen.

Das Kernstück des Projektes sind die Raffinerie mit einem Durchlauf von 300.000 Barrel pro Tag und ein Dampf-Cracker (Äthylenwerk) mit einem Output von jährlich 1,2 Millionen Tonnen. Darüber hinaus steht eine Reihe von Downstream-Erzeugnissen auf dem Produktionsplan. Dazu gehören jährlich 1,6 Millionen Tonnen Polymere (LDPE, LLDPE, PP), 500.000 Tonnen Schwefel, 700.000 Tonnen Olefine, 1,2 Millionen Tonnen flüssige Petrochemikalien und 9 Millionen Tonnen Treibstoffe.

Für die Kraftstoffe bis zur Qualitätsstufe Euro 4 sind bereits die Aufträge vergeben, jedoch nicht für Euro 5. Gesucht werden auch weiterhin Investoren und Technologiegeber, die den reichlich anfallenden Niedrigdruckdampf zur Energiegewinnung, beispielsweise Elektrizität, nutzen.

Einige Projektpakete bieten noch Geschäftsmöglichkeiten

Das PIC-Gesamtvorhaben ist inzwischen zu rund 60 Prozent fertiggestellt. Die bodenbereitenden Arbeiten waren bereits Mitte 2015 abgeschlossen, und danach war mit dem Bau begonnen worden. Die einzelnen Projektteile sind jedoch unterschiedlich fortgeschritten. Die Rohwasserbehandlungsanlage befindet sich bereits in der Startphase, und beim Kraftwerk wird bald der erste Block Strom liefern. Für die Raffinerie und den Dampf-Cracker ist die Beschaffung abgeschlossen, und die meisten Maschinen und Anlagen sind geliefert. Hier beträgt die gesamte Baufertigstellung 55 Prozent.

Für den Polymer- und Petrochemiekomplex sowie die Abwasserbehandlungsanlage sind alle Aufträge platziert und die ersten Lieferungen erfolgt. Mit dem Bau wurde begonnen, und der gesamte Projektfortschritt liegt hier bei 40 Prozent. Für die anderen Projektpakete ist das Engineering im fortgeschrittenen Stadium, und die Hauptausrüstungen sind gekauft.

Somit bestehen bei den nachgelagerten und weniger fortgeschrittenen Projektpaketen für ausländische Technologielieferanten noch Chancen, zum Zuge zu kommen. Für deutsche Unternehmen könnte das Polymerwarenlager von Interesse sein. Es ist als vollautomatisches, digital erfasstes und über Roboterarme gesteuertes Distributionszentrum geplant. Der Bauunternehmer (contractor) für das Lager ist das Unternehmen Sinopec aus Shanghai. Weitere Kooperationschancen für Deutschland sieht TechnipFMC auf dem Feld der technischen Ausbildung. Bislang hat Petronas solch einen petrochemischen Komplex noch nicht betrieben, so dass das Unternehmen hierbei Know-how gebrauchen kann.

Bauunternehmer für die Projektpakete
Projektpakete Unternehmen, Land
Procurement Management Contractor TechnipFMC, Frankreich; Fluor, USA
Kraftwerk Siemens, Deutschland
Raffinerie CTCI/Chiyoda, Taiwan; Sinopec, VR China; Tecnicas Reunidas, Spanien; Petrofac, USA; Punj Lloyd, Indien
Dampf-Cracker Toyo, Japan
Versorgungseinrichtungen, Infrastruktur (utilities, interconnecting, offsite) TechnipFMC, Frankreich; Fluor, USA
Wasserbehandlung Loh & Loh, Malaysia
Abwasseraufbereitung (ETP) Wabag, Indien
Linear Low-Density Polyethylene (LLDPE) Samsung, Südkorea
Polypropylen Technimont, Italien
Äthyloxid/Äthylglycol Samsung, Südkorea
Flexibles Polyäthylen Technimont, Italien
C4 Derivate Fluor, USA
Polymerwarenlager Sinopec, VR China
Schiffsanlegestelle (Solid Jetty) Sys Mcconnell Dowell, Singapur
Olefinlager China Pipeline, VR China

Quelle: TechnipFMC

Die Bauunternehmer vermitteln ihrerseits wieder Unternehmen, die mit Beschaffung und Bau einzelner Projektkomponenten betraut werden. So hat Ende Juli 2017 der malaysische Baukonzern Mudajaya Group Bhd von der Petronas zwei Aufträge im Wert von 35 Millionen US$ erhalten. Im Bereich der Versorgungseinrichtungen/Infrastruktur umfassen diese unter anderem ein Datenzentrum, Telekomausrüstungen und eine Umspannstation. Während die Bauunternehmer für die verschiedenen Projektpakete mehrheitlich aus Asien kommen - teilweise sind es asiatische Töchter westlicher Firmen - sind die Lizenzgeber hingegen westlicher Provenienz.

Lizenzgeber
Projektpaket Unternehmen
Raffinerie Chevron/Lummus, Axen, UOP, Haldor Topsoe, Jacobs, Technip
Dampf-Cracker Lummus
Polymere Basell Lyondell, Ineos
Petrochemie einschließlich C4-Derivate Shell, UOP und ein deutscher Chemiekonzern

Quelle: TechnipFMC

Kontaktadresse

TechnipFMC Malaysia

Ansprechpartner Mr. Dinesh Chandra Agarwal

Senior Engineering Manager, Operations

T +60 (3)21 16 77 64

dcagarwal@technip.com

(R.J.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Malaysia können Sie unter http://www.gtai.de/malaysia abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Malaysia Chemische Industrie, allgemein, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Petrochemie

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