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28.08.2019

Marktbereinigung im israelischen Druckgewerbe

Produktion steigt langsam - Produktivität sinkt / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Viele israelische Druckereien sind ineffizient. Ohne Modernisierungen wird die Zahl der Betriebe weiter sinken. Israel importiert mehr Teile als komplette Druckmaschinen.

Die israelische Druckbranche entwickelt sich nur schleppend. Zwar konnte sie ihre Wertschöpfung 2018 zum zweiten Mal in Folge steigern, und zwar um 5,2 Prozent, nachdem im Vorjahr ein Plus von 2,1 Prozent verzeichnet worden war. Allerdings war der Erholung eine Produktionsschrumpfung vorangegangen. Daher ist die Wertschöpfung des Druckgewerbes in den Jahren 2012 bis 2018 insgesamt um nur 5,5 Prozent beziehungsweise um durchschnittlich 0,7 Prozent pro Jahr gewachsen. Nach Schätzung der israelischen Industriellenvereinigung lag der Umsatz des Druckgewerbes 2018 bei umgerechnet 1,7 Milliarden US-Dollar (US$).

Zahl der Druckereien geht zurück

Selbst das überschaubare Produktionswachstum wird von keiner Produktivitätssteigerung begleitet. Im Gegenteil: Die Beschäftigtenzahl nahm schneller als die Wertschöpfung zu. In den Jahren 2014 bis 2018 schrumpfte die Wertschöpfung je Beschäftigtem deshalb um insgesamt 6,7 Prozent.

Die unbefriedigende Produktivitätsentwicklung geht nicht zuletzt auf ungenügende Modernisierungsinvestitionen der Branche zurück, in der die meisten der schätzungsweise 900 Unternehmen klein sind. Nach Angaben der israelischen Vereinigung für Handwerk und Industrie (Association of Crafts and Industry - ICA) liegt der Jahresumsatz von 90 Prozent aller israelischen Druckereien bei jeweils weniger als 2,7 Millionen US$.

Die Zahl der Druckereien nimmt um mehrere Prozent pro Jahr ab. Ohne Investitionen in moderne Technologie, so die ICA, sei die Existenz vieler kleinerer Druckereien gefährdet. Erschwerend komme hinzu, dass Fachkräfte fehlten und die Orientierung an Kundenbedürfnisse ungenügend sei. Anfang 2019 forderte die ICA die Regierung auf, die Branche beim technologischen Wandel und bei der Ausbildung von Fachkräften stärker zu unterstützen.

Die Nachfrage nach Druckprodukten sinkt auch durch den raschen Rückgang der Druckauflagen israelischer Presseerzeugnisse. Nach Angaben der Marktforschungsfirma TGI Israel lasen in der 2. Jahreshälfte 2018 nur noch 42 Prozent erwachsener Israelis unter der Woche eine gedruckte Tageszeitung, während es im 1. Halbjahr 2016 noch 58 Prozent gewesen seien. Auch wenn berücksichtigt wird, dass die Bevölkerung in dieser Zeit um rund 5 Prozent zugenommen hat, ergibt sich ein absoluter Rückgang der gedruckten Gesamtauflage der Tageszeitungen um 14 Prozentpunkte.

Auf der positiven Seite expandiert die israelische Wirtschaft mit über 3 Prozent pro Jahr. Die Handelsumsätze und die Zahl umgeschlagener Waren nehmen zu. Das stärkt die Nachfrage nach Druckereiprodukten im Bereich der Produktbeschriftung und der Verpackung.

Es ist davon auszugehen, dass die Marktbereinigung, bei der ineffiziente Betriebe ihre Existenz aufgeben müssen, auch in den kommenden Jahren anhält. Zwar versuchen viele Druckereien, ihren bestehenden Maschinenpark durch den Kauf von Ersatzteilen instand zu halten, doch kann das keine Modernisierungsinvestitionen ersetzen.

Kräftige Ausfuhr

Israel verfügt über eine gut entwickelte Produktion von Druckmaschinen, vor allem für den Digitaldruck. Allerdings werden diese Fabrikate hauptsächlich auf dem Weltmarkt verkauft. Im Jahr 2018 lag die Ausfuhr beim 5,4-Fachen der Einfuhr.

Die mit Abstand wichtigsten Zielmärkte sind die Niederlande und die USA, auf die 2018 jeweils 39,1 beziehungsweise 30,5 Prozent der Ausfuhr entfielen. Deutschland spielt als Abnehmerland keine größere Rolle; 2018 entfielen auf die Bundesrepublik 6,7 Millionen US$ beziehungsweise 0,9 Prozent der israelischen Druckmaschinenausfuhr.

Naturgemäß werden für die Herstellung von Druckmaschinen auch Vorprodukte benötigt. Dies und der Ersatzteilbedarf erklären, weshalb Druckmaschinenteile bei den Importen überwiegen.

Außenhandel mit Druckmaschinen 2014 bis 2018 (Mio. US$)
Jahr Einfuhr davon: Einfuhr von Teilen Ausfuhr
2014 124,8 83,0 859,8
2015 129,0 85,7 673,6
2016 150,1 96,0 714,1
2017 147,9 110,8 756,2
2018 130,6 90,6 706,5

Quelle: UN Comtrade Database

Wie kaum eine andere Branche ist die israelische Produktion von Druckmaschinen mit dem Namen eines einzelnen Menschen verbunden - des israelischen Unternehmensgründers Benny Landa, eines Pioniers des Digitaldrucks. Die von ihm 1977 gegründete und 2001 von Hewlett Packard für knapp 900 Millionen US$ übernommene Firma Indigo, heute HP Indigo Division, ist ein führender Hersteller und Exporteur von Digitaldruckmaschinen. Landa selbst leitet inzwischen die Landa Group, die sich auf nanotechnologische Digitaldruckverfahren und -maschinen spezialisiert.

Es gibt aber auch andere Akteure. DigiFlex stellt Flexodruck- und Buchdruckmaschinen mit digitaler Druckplattenbelichtung her. Ein weiterer bedeutender Anbieter ist die Firma Kornit Digital, die Digitaldruckmaschinen für die Textil und Bekleidungsindustrie in mehr als 100 Ländern verkauft. Eine weitere Übernahme war der Kauf des Anbieters automatischer Druckinspektionssysteme AVT durch den US-amerikanischen Konzern Danaher 2017.

China führender Lieferant

Führendes Lieferland für Druckmaschinen war 2018 China, wobei die Importe aus der Volksrepublik zu 85 Prozent aus Teilen bestanden. Deutschland belegte Rang vier der Top-Ten-Liste.

Führende Lieferländer für Druckmaschinen 2018
Land Einfuhr (Mio. US$) Importanteil in%
China 37,4 28,7
USA 18,3 14,0
Tschechien 14,9 11,4
Deutschland 9,0 6,9
Schweiz 7,6 5,8
Niederlande 7,5 5,7
Italien 7,3 5,6
Vereinigtes Königreich 7,0 5,3
Japan 6,8 5,2
Frankreich 2,5 1,9

Quelle: UN Comtrade Database

In den Jahren 2017 und 2018 gingen die deutschen Lieferungen, jeweils gegenüber dem Vorjahr, um 50,2 beziehungsweise um 30,2 Prozent zurück. Dadurch gab auch der deutsche Importanteil nach und lag 2018 bei 6,9 Prozent gegenüber 17,3 Prozent zwei Jahre zuvor. Am ausgeprägtesten war der Rückgang bei den deutschen Lieferungen von Druckmaschinenteilen.

Einfuhr von Druckmaschinen 2017 und 2018 (Tsd. US$)
SITC-Nr. Warenbezeichnung 2017 davon: aus Deutschland 2018 davon: aus Deutschland
726.3 Maschinen zum Schriftgießen oder Schriftsetzten, Herstellen von Klischees udgl.;Drucktypen, Klischees, Druckplatten 5.581 804 3.221 1.287
726.5 Offsetdruckmaschinen, -apparate und -geräte 3.777 54 7.427 2.463
726.6 andere Druckmaschinen, -apparate und -geräte; Hilfsmaschinen, -apparate und -geräte für Druckmaschinen 20.441 1.474 25.228 1.018
726.8 Buchbindereimaschinen und -apparate; Teile 7.329 3.227 4.183 647
726.9 Teile von Druckmaschinen 110.809 7.381 90.581 3.543

Quelle: UN Comtrade Database

Kontaktadressen

Institution Internetadresse Anmerkungen
Manufacturers Association of Israel https://eng.industry.org.il Industriellenvereinigung
Association of Crafts and Industry http://aci.org.il/*) Vertritt u.a. die Kleinindustrie

*) nur hebräisch

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Druck-, Verlagserzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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