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17.04.2019

Maschinenhandel in Hongkong entwickelt sich weiter lebhaft

Abnehmer in Südchina modernisieren ihre Fertigung / Von Roland Rohde

Hongkong, SVR (GTAI) - Während Hongkongs Maschinenimporte 2018 kräftig stiegen, legten die entsprechenden Reexporte nach China kaum zu. Letztere dürfte aber 2019 wieder spürbar anziehen.

Hongkonger Investoren besitzen zehntausende von Fabriken auf dem chinesischen Festland, insbesondere in der benachbarten Exportprovinz Guangdong. Jedoch verlagern sie seit Jahren Fertigungsschritte in preiswertere Länder wie Vietnam; ein Trend der sich im Zuge des Handelskonfliktes noch beschleunigt hat. Banken, Logistiker und Unternehmensverbände berichteten einstimmig, dass 2018 in nennenswerten Umfang Produktionsmittel in Richtung Südostasien verschifft wurden.

Insbesondere arbeitsintensive Branchen der Leichtindustrie - allen voran der Bekleidungs- und Textilsektor - kehrten China den Rücken. Doch zu einem massenhaften Exodus kam es nicht. Dafür sind die Standortbedingungen im Reich der Mitte einfach zu gut. So besteht angesichts einer sehr breit aufgestellten industriellen Basis ein engmaschiges Netz an Zulieferbeziehungen. Außerdem ist die Infrastruktur hervorragend ausgebaut. Niedrige Logistikkosten gleichen somit die höheren Löhne aus.

Während die Abwanderung von Fertigung die Maschinennachfrage in Südchina auf der einen Seite nach unten drückte, kam von anderer Stelle Rückenwind: Die Hersteller, die in der Volksrepublik bleiben, müssen verstärkt in die Modernisierung und Automatisierung ihrer Produktion investieren, um preislich wettbewerbsfähig zu bleiben.

Fabriken in Südchina importieren Fertigungstechnologie via Hongkong

Investoren aus Hongkong, SVR führen die Fertigungstechnologie für ihre Fabriken in Guangdong oftmals über ihr Mutterhaus in der Sonderverwaltungsregion ein. Laut lokalem Statistikamt importierte die ehemalige britischen Kolonie im Jahr 2018 Maschinen und Anlagen (einschließlich Motoren, Triebwerken, Klimatechnik, Pumpen und Lager) im Wert von knapp 20 Milliarden US-Dollar (US$), ein Plus von nahezu 13 Prozent zum Vorjahr. Die entsprechenden Reexporte nach China legten derweil um weniger als 1 Prozent auf rund 8,6 Milliarden US$ zu.

Hongkongs Maschinen- und Anlagenhandel (in Millionen US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in Prozent) *)
Jahr Einfuhren Veränd. Reexporte nach China Veränd.
2015 17.109 -7,6 7.943 -8,9
2016 16.707 -2,3 7.439 -6,3
2017 17.565 5,1 8.500 14,3
2018 19.776 12,6 8.572 0,8

*) SITC-Positionen 71 bis 74 (ohne 741.4, 741.5, 745)

Quelle: Statistikamt Hongkong

Hongkongs Wiederausfuhren von Maschinen nach China dürften 2019 aber wieder spürbar wachsen. Im Handelskonflikt zwischen den USA und der Volksrepublik zeichnet sich eine Einigung ab. Beijing greift zudem den eigenen Unternehmen mit Steuererleichterungen stärker unter die Arme. Die staatlichen Banken wurden angewiesen, mehr Kredite an Mittelständler zu vergeben. Diese dürften aufgeschobene Investitionen nachholen.

USA, Japan und Deutschland sind wichtige Lieferländer

Über ein Viertel der Maschinen- und Anlageneinfuhren Hongkongs stammt traditionell aus China. Sie werden in andere Länder reexportiert. Auf Rang zwei der wichtigsten Lieferländer landete 2018 das Vereinigte Königreich. Doch dessen Branchenausfuhren in die SVR bestehen überwiegend aus Flugzeugtriebwerken, weniger aus Fertigungstechnologie. Diese stammt vor allem aus den USA, Japan und Deutschland.

Einfuhren von Maschinen und Anlagen nach maßgeblichen Lieferländern 2018 (in Millionen US$, Veränderung und Anteil in Prozent) *)
Land Wert Veränd. 18/17 Anteil
.China 5.372 8,9 27,2
.Vereinigtes Königreich 4.378 57,8 22,1
.USA 3.102 5,2 15,7
.Japan 2.778 7,1 14,0
.Deutschland 1.158 2,0 5,9
.Südkorea 451 11,7 2,3
.Taiwan 357 1,4 1,8
.Singapur 339 -9,4 1,7
.Frankreich 266 21,6 1,3
.Italien 191 6,8 1,0
Insgesamt 19.776 12,6 100,0

*) SITC-Positionen 71 bis 74 (ohne 741.4, 741.5, 745)

Quelle: Statistikamt Hongkong

Deutschland lieferte 2018 Maschinen und Anlagen im Umfang von fast 1,2 Milliarden US$ nach Hongkong. Gegenüber 2017 kam dies allerdings einer Steigerung von lediglich 2 Prozent gleich. Besonders gefragt ist Fertigungstechnologie "made in Germany" von Seiten der Industriesparten Textil und Bekleidung, Druck sowie Holz und Möbel.

Japanische Wettbewerber bieten besseren After-Sales-Service

Engster Wettbewerber für Deutschland ist Japan. Maschinen aus dem Land der aufgehenden Sonne sind oftmals bei annähernd gleicher Leistung preisgünstiger. Zudem bieten die Japaner einen besseren After-Sales-Service. Trotzdem gilt: Die Marke "made in Germany" glänzt in China und Hongkong wie ehedem.

Einfuhren von Maschinen und Anlagen nach Lieferpositionen (in Millionen US$)
SITC-Code Warenbezeichnung 2017 2018 davon aus Deutschland (2018)
711, 712 Dampfkessel und -turbinen 13 87 15
713 Kolbenverbrennungsmotoren 504 518 41
714 Strahltriebwerke, Gasturbinen 5.314 7.012 229
716 Elektrische Motoren, Stromerzeugungsaggregate 2.117 2.001 59
721, 722 Landwirtschaftliche Maschinen, Zugmaschinen 31 32 1
723, 728.3 Bau- und Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen 828 871 26
724 Textil- und Ledermaschinen 556 491 75
725 Papiermaschinen 22 22 2
726 Druck- und Buchbindemaschinen 291 313 55
727, 745.27 Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 74 104 15
728.12, 728.44 Holzbearbeitungsmaschinen 50 57 40
728.2 Maschinen zur Herstellung von Halbleitern 1.029 1.388 42
728.42 Kunststoff- und Gummimaschinen 166 153 9
742, 743.1 Pumpen, Kompressoren 426 435 42
731, 733, 735 Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung 392 350 18
741 (ohne 741.4 741.5) Einrichtungen zum Heizen und Kühlen (ohne Kühlschränke, Klimaanlagen) 466 470 38
744 Fördertechnik 662 613 45
746 bis 749 Wälzlager, Armaturen, Ventile, Wellen, Formen 1.586 1.660 153

Quelle: Statistikamt Hongkong

Deutsche Maschinenbauer, die in den Markt einsteigen wollen, haben zwei Möglichkeiten: Sie können eine eigene Vertriebsniederlassung gründen oder einen Handelsvertreter einschalten. Letzteres ist auf den ersten Blick zwar kostengünstig, zugleich aber langwierig und risikobehaftet.

Es besteht auch die Möglichkeit, ein in Hongkong, SVR ansässiges deutsches beziehungsweise deutschstämmiges Handelshaus zu beauftragen. In der Sonderverwaltungsregion gibt es Niederlassungen von Illies, Jebsen, Melchers oder Rieckermann. Sie verfügen über langjährige Erfahrungen im Chinageschäft und betreiben zahlreiche Niederlassungen in der Volksrepublik.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkung
Census and Statistics Department https://www.censtatd.gov.hk/home/index.jsp Statistikamt Hongkong(Startseite)
Census and Statistics Department https://www.censtatd.gov.hk/hkstat/sub/so230.jsp Statistikamt Hongkong (Handelszahlen)
Illies https://www.illies.de/standorte/china/ Deutsches Handelshaus
Jebsen https://www.jebsen.com/en/ Deutsch-dänisches Handelshaus
Melchers http://www.melchers.com.hk Deutsches Handelshaus
Rieckermann https://rieckermann.com/en/contact/local-china-hong-kong/ Deutsches Handelshaus mit Schwerpunkt Maschinen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Hongkong können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

Hongkong, SVR, China Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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Bernhard Schaaf

‎+49 228 24 993 349

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