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16.02.2017

Medizinische Biotechnologie gewinnt in Italien an Bedeutung

Neues Forschungszentrum auf dem Mailänder Expo-Gelände / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Die medizinische Biotechnologie ist in Italien seit dem Jahr 2000 ununterbrochen gewachsen. In den kommenden drei Jahren wird sich das Umsatzwachstum nach Prognosen des Branchenverbands noch beschleunigen. Dabei leisten die steigenden Investitionen in Forschung und Entwicklung einen wichtigen Beitrag für den medizinischen Fortschritt. Die Unternehmen der Branche haben vor allem in der Lombardei ihren Sitz. Auf dem Gelände der Mailänder Weltausstellung entsteht ein neues Forschungszentrum.

Der Umsatz der Biotechnologiebranche in Italien wird im Jahr 2017 um fast 13% zulegen, prognostiziert der Branchenverband Assobiotec, der eine weitere Beschleunigung des Wachstums bis zum Jahr 2019 erwartet. In seiner jüngsten Studie legt der Verband endgültige Zahlen für das Jahr 2015 vor, den entsprechenden Branchenumsatz beziffert er auf 9,4 Mrd. Euro. Die italienische Biotechnologiebranche ist in den Händen weniger Großunternehmen konzentriert. Diese multinationalen Pharmakonzerne zeichnen für rund 78% des Branchenumsatzes verantwortlich.

Die verbleibenden - kleineren - Branchenunternehmen haben 2015 einen Umsatz von etwa 840 Mio. Euro erzielt. Mehr als die Hälfte dieser Firmen sind Spin-off Gesellschaften von Universitäten oder Industrieunternehmen. Die kleineren Branchenunternehmen sind überwiegend Mikrounternehmen mit weniger als 9 Mitarbeitern.

Medizinische Biotechnologie ist die wichtigste Sparte

Der wichtigste Bereich der Biotechnologie in Italien ist die sogenannte rote oder auch medizinische Biotechnologie, die 2015 einen Umsatz von 3,8 Mrd. Euro erzielte. In dieser Sparte gilt die Zahl der Produkte eines Unternehmens, die kurz vor der Zulassung stehen, oder die sich in der Entwicklungs- beziehungsweise in der Testphase befinden, als Indikator für den künftigen wirtschaftlichen Erfolg. In einer Analyse von 77 italienischen Unternehmen konnte Assobiotec einen starken Zuwachs bei den Produkten in der Entwicklungsphase ausmachen. Insgesamt waren es 249 Produkte, davon befanden sich 12 in der letzten Testphase, der sogenannten Phase III, sie standen kurz vor der Markteinführung. Entwicklungsschwerpunkte sind die Onkologie, Infektionskrankheiten, Neurologie und Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Italienische Biopharmazeutika sind erfolgreich

Einige Biopharmazeutika aus Italien haben bereits die europäische Arzneimittelzulassung erhalten. Im Jahr 2013 konnte Gentium die Genehmigung für das Produkt Defibrotide (Markenname Defitelio), ein natürliches Pharmazeutikum zur Behandlung von Kreislaufkrankheiten, erhalten. Es war das erste marktreife italienische Biopharmazeutikum.

Seitdem wurden in diesem Bereich zwei weitere neue Produkte zugelassen. Das erste heißt Safinamide (Markenname Xadago), es wurde von Newron Pharmaceuticals auf Basis kleiner Moleküle für die Behandlung der Parkinsonkrankheit entwickelt.

Das zweite heißt Holoclar. Holocar ist das erste zugelassene Arzneimittel für neuartige Therapien auf Basis von Stammzellen im Okzident. Mit Hilfe von Augenstammzellen können Patienten mit schweren Augenhornhautverbrennungen ihr Sehvermögen wiedererlangen. Diese biopharmazeutische Behandlung wurde am Zentrum für regenerative Medizin (CMR) an der Universität von Modena und Reggio Emilia zusammen mit Holostem Terapie Avanzate, einem Spin-off Unternehmen der Universität, sowie Chiesi Farmaceutici entwickelt.

Vorsprung der Lombardei wird mit neuem Wissenschaftspark größer

Geographisch konzentriert sich die Branche vor allem in der Lombardei. Knapp ein Drittel der Biotechnologieunternehmen sind hier, in der wirtschaftlich stärksten Region Italiens, angesiedelt. Die Firmen in der Lombardei generieren nahezu die Hälfte der Branchenumsätze. Grund dafür ist die starke Präsenz der Pharmaindustrie in der Lombardei, die mit einer Reihe von nationalen und multinationalen Konzernen circa 29% der landesweiten F&E-Aktivitäten in der Biotechnologie betreiben. Auch die Konzentration von Wissenschafts- und Technologieparks sowie Gründerzentren ist in der Lombardei besonders hoch.

Ein neuer Forschungskomplex entsteht 2017 auf dem ehemaligen Gelände der Mailänder Weltausstellung. Das Projekt "Human Tecnopole" mit sieben Forschungszentren wird durch einen Universitätscampus und ein Entwicklungszentrum des Technologieunternehmens IBM ergänzt. Darüber hinaus versucht Italien, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) nach dem Brexit-Votum auf dem Gelände anzusiedeln. Damit soll die Lombardei als Standort für die Biotechnologie in Italien weiter an Bedeutung gewinnen.

Über die Lombardei hinaus sind die meisten Biotech-Unternehmen in Nord- und Mittelitalien zu finden: Das Piemont, die Emilia-Romagna, Latium und die Toskana sind hier die wichtigsten Regionen.

Ausgewählte Wissenschafts- und Technologieparks in Italien
Name Region Internetseite
BioPark Piemont http://www.bioindustrypark.eu
IFOM-IEO Campus Lombardei http://www.ifom-ieo-campus.it
Science Park RAF Lombardei http://www.spr.it
Fondazione Filarete Lombardei http://www.fondazionefilarete.com/en/
Parco Tecnologico Padano Lombardei http://www.ptp.it
Pont-Tech Toskana http://www.pont-tech.it
Toscana Life Sciences Toskana http://www.toscanalifesciences.org
Parco Scientifico Romano Latium http://parcoscientifico.eu/
Sardegna Ricerche Sardinien http://www.sardegnaricerche.it
Campania Innovazione Kampanien http://innovazione.regione.campania.it
Friuli Innovazione Friaul-Julisch-Venetien http://www.friulinnovazione.it
Tecnopolis PST Apulien http://www.tecnopolispst.it
Vega Park Friaul-Julisch-Venetien http://www.vegapark.ve.it
Parco Scientifico e Tecnologico della Sicilia Sizilien http://www.pstsicilia.it

Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Gesundheitswesen allgemein, Bio-, Labortechnik u. Optik / Augenoptik, allgemein, Bio-, Gentechnik

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