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13.09.2018

Medizintechnik sehr gefragt in Südafrika

Einführung gesetzlicher Krankenversicherung sorgt für Modernisierungsbedarf / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (GTAI) - In Südafrika verzeichnet der Markt für Medizintechnik hohes Wachstum. Der Privatsektor gehört zu den besten weltweit und beschafft konstant hochwertige Ausrüstung.

Institutionelle Stärken und wirtschaftliche Reife schaffen gutes Marktumfeld

Südafrika ist als parlamentarische Demokratie einer der stabilsten Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Das Land gliedert sich in neun Provinzen, die insbesondere bei der Verwaltung des öffentlichen Gesundheitssektors über eigene Kompetenzen verfügen. Seit dem Ende der Apartheid blickt die Kaprepublik auf eine lange Serie freier und fairer Wahlen zurück. Eine dominierende Rolle spielt dabei der African National Congress (ANC), der bislang alle nationalen Urnengänge mit großer Mehrheit gewann. Lediglich die Provinz Western Cape und einige Städte wie Johannesburg, Kapstadt oder Pretoria werden von Oppositionsparteien regiert.

Zu den Stärken des Landes zählen eine freie Presse und unabhängige Justiz. Mit einer breiten industriellen Basis, guter Infrastruktur und einem hochentwickelten Finanzsektor ist Südafrika zudem die am weitesten entwickelte Volkswirtschaft des Kontinents, dessen einziges Mitglied der G20-Gruppe sowie der BRICS-Staaten. Der Export ist aufgrund der großen Bedeutung des Bergbausektors durch Rohstoffe geprägt, während insbesondere bei Industriegütern ein hoher Einfuhrbedarf besteht. Deutschland ist nach China das zweitwichtigste Lieferland.

Geplante gesetzliche Krankenversicherung ist zentrales Reformvorhaben

Der Gesundheitsmarkt Südafrikas setzt sich zusammen aus einem öffentlichen und einem privaten Sektor mit sehr ungleicher Lastenverteilung. Nach Angaben des Finanzministeriums dürften die öffentlichen Gesundheitsausgaben im Haushaltsjahr 2017/18 bei umgerechnet rund 14,3 Milliarden US-Dollar (US$) gelegen haben. Mit diesem Budget müssen die öffentlichen Einrichtungen jedoch den Großteil der Bevölkerung versorgen.

Mitte 2017 verfügten mit 8,8 Millionen Mitgliedern nur rund 16 Prozent der Südafrikaner über eine private Krankenversicherung (Medical Scheme). Häufig zahlen Arbeitgeber auf freiwilliger Basis die Hälfte der Beiträge. Aufgrund der schwachen Wirtschaftslage stagnierte zuletzt die Mitgliederzahl.

Einige Südafrikaner besitzen eine Health Insurance. Sie bekommen bei Krankenhausaufenthalten Pauschalbeiträge ausbezahlt. Hinzu kommen noch viele Patienten, die nicht privatversichert sind, jedoch den Privatsektor teilweise auf Selbstzahlerbasis nutzen. Die Hospital Association of South Africa (HASA) schätzt diese Patientengruppe auf bis zu 14 Millionen jährlich. Zudem profitiert der Privatsektor pro Jahr von rund 500.000 Medizintouristen, vor allem aus afrikanischen Staaten wie Angola oder Nigeria. Business Monitor International (BMI Research) schätzt die privaten Gesundheitsausgaben 2017 auf etwa 15,8 Milliarden US$.

Steigende Gesundheitsausgaben

Die öffentlichen und privaten Gesundheitsausgaben sind in Landeswährung, ohne Verzerrung durch Wechselkursentwicklungen, in den vergangenen Jahren stark gestiegen und dürften diese Entwicklung fortsetzen. Für den Zeitraum 2018/19 bis 2020/21 erwartet die mittelfristige Haushaltsplanung eine Zunahme der öffentlichen Gesundheitsausgaben von durchschnittlich 7,8 Prozent pro Jahr. Auch die Ausgaben des Privatsektors sollen nach Prognose von BMI Research bis 2021 um durchschnittlich 6,4 Prozent pro Jahr zulegen.

Wichtigstes Reformvorhaben ist die Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung (National Health Insurance, NHI). Diese soll bis 2025/26 abgeschlossen sein und sieht eine verbindliche Mitgliedschaft ab einer bestimmten Einkommensschwelle vor. Die privaten Gesundheitseinrichtungen sollen im Rahmen der NHI zu Leistungserbringern nach einem festen Katalog und Preisen werden. Zurzeit können private Gesundheitsanbieter die Behandlungskosten noch frei festsetzen, im Mai 2018 stellte die Regierung jedoch Pläne vor, für den Privatsektor erstmals eine Preisregulierung einzuführen. Die privaten Krankenversicherungsanbieter dürften hingegen längerfristig nur noch Zusatzversicherungen anbieten können.

Südafrika ist durch große soziale Ungleichheit geprägt, erste und dritte Welt prallen direkt aufeinander. Der insgesamt erhebliche Behandlungsbedarf resultiert zum einen aus einer hohen Prävalenz an übertragbaren Krankheiten wie Tuberkulose oder HIV. Die HIV-Rate lag 2017 bei 12,6 Prozent. Hinzu kommen eine weit verbreitete Gewaltkriminalität und sehr häufige Verkehrsunfälle.

Gleichzeitig nehmen aber auch chronische, oftmals lebensstilbedingte Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäß- oder Nierenerkrankungen) zu. Südafrika erlebt einen Boom der Fastfood-Industrie. In der entstehenden schwarzen Mittelschicht findet diese eine konsumfreudige Kundengruppe. Gesundheitsexperten beklagen eine "Amerikanisierung" der Essgewohnheiten. Rund 70 Prozent der weiblichen und 30 Prozent der männlichen Bevölkerung über 15 Jahre gelten bereits als übergewichtig. Landesweit sind bereits etwa 4 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, jährlich kommen über 100.000 Fälle hinzu. Dabei werden viele Erkrankungen noch gar nicht richtig diagnostiziert.

Demografische Eckdaten Südafrika
2015 2016 2017
Bevölkerung gesamt (in Mio.) 54,7 55,6 56,5
Bevölkerungswachstum (in %) 1,5 1,6 1,6
Lebenserwartung bei Geburt Frauen (in Jahren) 65,5 66,1 66,7
Lebenserwartung bei Geburt Männer (in Jahren) 60,0 60,6 61,2
Altersstruktur der Bevölkerung
.Anteil der unter 14-Jährigen (in %) 30,2 29,7 29,6
.Anteil der über 65-Jährigen (in %) 5,2 5,2 5,3

Quelle: Statistics SA

Gesundheitsausgaben Südafrika
2017* 2018* 2019*
Gesamt (in Mrd. US$) 31,0 31,8 33,3
.pro Kopf (in US$) 547,4 554,3 582,8
.Anteil (staatlich; in %) 49,1 49,5 50,0
.Anteil (privat; in %) 50,9 50,5 50,0

*Schätzung beziehungsweise Prognose

Quelle: BMI Research

Krankenhäuser und Ärzte in Südafrika
2014 2015 2016
Anzahl Krankenhäuser 701 708 715
.staatlich 426 430 435
.privat 274 277 280
Anzahl Betten 134.575 135.575 137.274
Anzahl Ärzte 41.132 42.323 43.425
.pro 100.000 Einwohner 76 77 78

Quellen: BMI Research; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Medizintechnikmarkt wächst deutlich

Südafrikas Markt für Medizintechnik verzeichnet hohe Wachstumszahlen. BMI Research beziffert das Marktvolumen für 2017 auf insgesamt 1,3 Milliarden US$. Bis 2021 wird ein Anstieg auf 1,7 Milliarden US$ prognostiziert.

Prognosen für den Umsatz von Medizintechnik in Südafrika (in Mio. US$)
2016 2017 * 2021 *
Medizinische Verbrauchsgüter 200,4 247,0 330,8
.Verbandsmittel und Wundauflagen 54,9 68,1 92,1
.Nahtmaterial 19,0 23,4 31,0
.Spritzen, Nadeln, Katheter 101,1 124,9 165,5
.Sonstige 25,4 30,6 42,2
Diagnostische Bildgebung 182,5 219,1 282,1
.Elektrodiagnose-Geräte 72,1 88,4 117,7
.Radiologische Geräte 48,9 55,5 69,9
.Teile und Zubehör für bildgebende Verfahren 61,5 94,5 94,5
Zahnärztliche Produkte 36,3 43,4 55,1
Orthopädie und Prothetik 131,0 158,8 200,7
Hilfsmittel 129,2 157,0 203,4
Sonstige 422,9 517,8 665,3

*Schätzung beziehungsweise Prognose

Quelle: BMI Research

Hoher Bedarf für medizintechnische Ausrüstung besteht im öffentlichen Gesundheitssektor. Die Zustände in den rund 3.900 staatlichen Gesundheitseinrichtungen sind oft schlecht bis katastrophal. Wichtige medizinische Ausrüstung ist häufig nicht funktionsfähig oder gar nicht vorhanden. Es mangelt zudem an Personal und Medikamenten. Für Patienten sind Wartezeiten von acht Stunden und mehr keine Seltenheit, häufig auch bei ernsten Fällen.

Öffentlicher Gesundheitssektor vor Modernisierung

Im Rahmen der geplanten Einführung der NHI soll der öffentliche Gesundheitssektor jedoch umfassend modernisiert werden. In elf Pilotdistrikten werden seit 2012 künftige Gesundheitsstandards der NHI bereits erprobt. Dazu sollen alle 872 Krankenhäuser und Gesundheitszentren in den Pilotdistrikten umfassend modernisiert und neu ausgestattet werden. Zusätzlich werden 43 Krankenhäuser und 213 Gesundheitszentren neu errichtet. Bis Ende 2017 wurden davon 314 Maßnahmen realisiert, weitere 258 befinden sich in der Umsetzung. Darüber hinaus sollen sechs (von zehn) großen Zentralkrankenhäusern des Landes zu Musterkliniken für die NHI ausgebaut werden, wofür bereits Machbarkeitsplanungen laufen.

Insgesamt ist das Konzept der NHI jedoch noch recht vage und mit vielen Fragezeichen behaftet. So fehlt es noch immer an einem detaillierten Finanzierungskonzept. Experten warnen, dass sich aufgrund des zuletzt schwachen Wirtschaftswachstums und des dadurch bedingten geringen Steueraufkommens eine große Finanzlücke von mindestens 9 Milliarden US$ auftut. Ob die Einführung der NHI wie geplant bis 2025 abgeschlossen werden kann, bleibt daher abzuwarten.

Alles in allem werden von 2018/19 bis 2021/22 rund 2,7 Milliarden US$ für den Ausbau der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur bereitgestellt. Aufgrund der angespannten Haushaltslage sollen jedoch zahlreiche geplante Vorhaben verschoben werden. Im Haushaltsjahr 2018/19 wird der Etat um 6,3 Prozent gekürzt, ehe bis 2021/22 das Ausgabenniveau von 2017/18 wieder leicht überschritten werden soll.

Privater Gesundheitssektor mit Expansionsplänen

Der private Gesundheitssektor wird seine Ausstattung ebenfalls weiterhin regelmäßig modernisieren. Die größten drei privaten Anbieter sind Netcare, Mediclinic und Life Healthcare, die zusammen einen Marktanteil von rund 80 Prozent halten. Hinzu kommen kleinere Betreiber wie Lenmed, Melomed oder Busamed, die zu großen Teilen im National Hospital Network (NHN) zusammengeschlossen sind.

In ihren Unternehmensberichten kündigen die drei großen Klinikbetreiber weitere Expansionsmaßnahmen an. Netcare konzentriert sich insbesondere auf den Ausbau der Onkologiesparte mit vier geplanten Chemotherapiezentren. Zudem stehen der Ausbau des Milpark Hospitals sowie die Erneuerung der Radiologie im N1 City Hospital an. Mediclinic will im Zeitraum 2018 bis 2019 rund 370 neue Betten schaffen. Life Health plant für 2018 mit 120 zusätzlichen Betten. Zu einem Trend werden Tageskliniken mit derzeit rund 90 privaten Einrichtungen. Mediclinic hat in seinen Tageskliniken den Bau von zwölf neuen Operationssälen auf der Agenda. Auch Advanced Health, Intercare und Netcare investieren in den Sektor.

Der Einfuhrbedarf für Medizintechnik ist in Südafrika sehr hoch, im Jahr 2016 betrug der Importanteil 94,2 Prozent. Wichtigstes Lieferland sind die USA mit einem Anteil von 28,3 Prozent, gefolgt von Deutschland (12,4 Prozent), China (9,4 Prozent), der Schweiz (5,2 Prozent) und Mexiko (3,9 Prozent). Die lokale Herstellung konzentriert sich auf Verbrauchsgüter, die wiederum zu über 50 Prozent in den Export gehen.

Einfuhr ausgewählter medizintechnischer Produkte Südafrika (in Mio. US$)
2016 davon aus Deutschland
Medizinische Verbrauchsgüter 181,5 10,2
.Verbandsmittel und Wundauflagen 43,0 2,0
.Nahtmaterial 18,0 2,4
.Spritzen, Nadeln, Katheter 96,8 5,6
.Sonstige 27,7 0,2
Diagnostische Bildgebung 169,7 35,7
.Elektrodiagnose-Geräte 63,9 15,7
.Radiologische Geräte 47,3 7,0
.Teile und Zubehör für bildgebende Verfahren 58,5 13,0
Zahnärztliche Produkte 33,8 10,5
Orthopädietechnik und Prothetik 129,5 10,8
Hilfsmittel für Patienten 124,9 8,0
Sonstige 399,0 53,4

Quelle: BMI Research

Neue Zulassungsvorschriften für Medizintechnikprodukte

Die Zulassungsregelungen für Medizintechnikprodukte werden derzeit reformiert. Bislang war der Markt für Medizintechnik in Südafrika weitgehend unreguliert. Lediglich bestimmte elektromedizinische Geräte, von denen eine Strahlung ausgeht, mussten registriert werden. Im Jahr 2017 wurde die neue Zulassungsbehörde South African Health Products Regulatory Authority konstituiert. Diese befindet sich noch im Aufbau und wird den Medicine Control Council ersetzen.

Nach neuen Richtlinien (Classification rules for medical devices and In Vitro Diagnostics) sind medizintechnische Geräte in vier Risikoklassen kategorisiert: Klasse A - Geringes Risiko, Klasse B - Geringes bis Mittleres Risiko, Klasse C - Mittleres Risiko und Klasse D - Hohes Risiko. Für die Herstellung, den Import und Vertrieb von Geräten der Klassen B bis D ist seit 2017 eine Lizenz erforderlich. Künftig soll bei der Beantragung oder Erneuerung von Lizenzen der Nachweis eines Qualitätsmanagementsystems nach ISO 13485:2016 gefordert sein.

Der Branchenverband South African Medical Technology Industry Association (SAMED) geht davon aus, dass noch 2018 der Registrierungsprozess für Geräte der Klasse D starten könnte. Dabei soll es nach Erwartung von SAMED ausreichen, wenn eine Zertifizierung aus der Europäischen Union (CE Kennzeichnung), den USA (Food and Drug Administration; FDA), Kanada, Japan, Australien oder Brasilien vorgelegt werden kann. Für die künftige Registrierung von Produkten der Klassen B bis C dürfte eine Freiverkäuflichkeitsbescheinigung (Certificate of Free Sale) des Herkunfts- oder Ursprungslandes sowie die Einordnung in die Global Medical Device Nomenclature gefordert werden.

Die Kosten für die künftig erforderliche Geräteregistrierung sind noch nicht festgesetzt. Branchenvertreter bewerten die Einführung der Lizenz- und Registrierungspflicht insgesamt positiv, da sie einen besseren Schutz vor Billigimporten und Nachahmerprodukten gewährleisten dürfte.

Im privaten Gesundheitssektor verfügen die großen Versicherungen wie Discovery oder Medschemes über Produktlisten (Approved Product Lists) und Verträge mit Ärzten (Designated Service Providers), welche die Benutzung und Kostenerstattung von bestimmten Geräten regeln. Kleinere Versicherungen passen sich diesen im Allgemeinen an.

Vertriebswege sind sehr fragmentiert

Der Vertrieb von Medizintechnik erfolgt in Südafrika über sehr unterschiedliche Kanäle. Teilweise gibt es im Gesundheitsbereich nationale Ausschreibungen, die von der National Treasury durchgeführt werden. Dies gilt insbesondere für Arzneimittel und Großgeräte. Die Verwaltung der öffentlichen Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen obliegt dem jeweiligen Gesundheitsministerium (Department of Health) der Provinzen. Diese verfügen über ein eigenes Supply-Chain-Management, welches öffentliche Ausschreibungen durchführt.

Die Ausschreibungsunterlagen werden auf der nationalen Ausschreibungsdatenbank sowie im Government Tender Bulletin veröffentlicht. Interessierte Bieter müssen sich in der Central Supplier Database (CSD) registrieren. Bis zu einem festgelegten Höchstwert (in der Regel 500.000 Rand; Umrechnung zum Kurs Ende April 2018: 37.240 US$) können die Einrichtungen bei Einholung von mindestens drei Angeboten Beschaffungen in eigener Regie tätigen. In besonderen Fällen kann mit Ausnahmegenehmigung auch für höhere Beträge ohne öffentliche Ausschreibung beschafft werden.

Die großen privaten Krankenhausbetreiber wie Netcare, Mediclinic und Life Healthcare haben zentrale Beschaffungsstellen, während kleinere Betreiber aufgrund einer Ausnahmegenehmigung der Competition Commission gemeinsam über das National Hospital Network (NHN) beschaffen. Einfluss bei der Anschaffung haben im Privatsektor die Ärzte, die in Südafrika nicht von den Krankenhausbetreibern angestellt sind, sondern sich in die privaten Kliniken einmieten und die dortigen Anlagen nutzen. Dafür formulieren Ärzte häufig eigene Anforderungen und Wünsche. Die beschaffte Medizintechnik ist im Privatsektor insgesamt von hoher Qualität mit im Vergleich zum öffentlichen Sektor deutlich kürzeren Neuanschaffungszyklen.

Für den Vertrieb von Medizintechnik veröffentlichte der Branchenverband SAMED 2017 den neuen Medical Device Code of Ethical Marketing and Business Practice, der für die Mitglieder gilt. Demnach soll es beispielsweise kein direktes Sponsoring von Konferenzteilnahmen für Ärzte geben. Besorgt zeigt sich der Verband über angedachte Gesetzesnovellierungen, wonach für Medizintechnik keine Mengenrabatte mehr erlaubt sein sollen.

Bei öffentlichen Ausschreibungen müssen die Broad Based Black Economic Empowerment (BBBEE)-Vorschriften des Landes beachten werden, die eine Einbeziehung der schwarzen Bevölkerung fordern. Unternehmen mit hoher BBBEE-Bewertung werden bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugt behandelt.

Ausschreibungsportale in Südafrika
Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
eTender Portal http://www.etenders.gov.za Bekanntmachung öffentlicher Ausschreibungen
Government Tender Bulletin http://www.gov.za/documents/tender Bekanntmachung öffentlicher Ausschreibungen
Central Supplier Database secure.csd.gov.za/ Datenbank zur Registrierung für die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen und Beschaffungsvorgängen

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Im Geschäftsalltag ist Geduld gefragt

Südafrika ist eine multikulturelle Gesellschaft, im Geschäftsalltag hat man es deshalb mit vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu tun: Schwarze, britischstämmige Weiße, aus Holland eingewanderte Afrikaaner, Coloureds und Inder. Die gängige Geschäftssprache ist zwar Englisch, dennoch kann es in der täglichen Kommunikation mit Südafrikanern leicht zu Missverständnissen kommen. Anders als in Deutschland, wo auch negative Sachverhalte tendenziell direkt und ungeschönt angesprochen werden, wird in Südafrika ein eher indirekter Kommunikationsstil gepflegt.

Der Austausch von Höflichkeiten und Smalltalk spielen im Geschäftsalltag eine wichtige Rolle. Wer mit einem südafrikanischen Gesprächspartner einen Termin vereinbaren will, kann die erste Anfrage zunächst per E-Mail stellen. Auf den elektronischen Postverkehr kann man sich aber nicht allein verlassen, denn eine sofortige Antwort ist nicht garantiert. Die Kommunikation per E-Mail ist in Südafrika unverbindlicher als in Europa. Wenn auch nach einigen Tagen noch keine Reaktion erfolgt ist, sollte telefonisch nachgehakt werden.

Schon bei der ersten persönlichen Begegnung - und bei der Wahl der englischen Sprache - nennt man sich in Südafrika oft beim Vornamen, gelegentlich auch schon bei der ersten telefonischen Kontaktaufnahme. Wichtig ist, bei Geschäftsreisen Zeit und Geduld mitzubringen. Ein deutscher Effizienzstil kann nicht erwartet werden, alles geht ein wenig entspannter und langsamer vonstatten. Häufig gibt es mehrere Verhandlungsrunden zur gleichen Sache. Hier heißt es einen langen Atem zu haben und am Ball zu bleiben.

Südafrika ist interessanter Einstiegsmarkt für den afrikanischen Kontinent

Mit seinen guten rechtlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise beim Schutz geistigen Eigentums, bietet Südafrika einen sicheren Absatzmarkt, von dem aus auch die afrikanischen Nachbarländer erschlossen werden können.

Schlussfolgerungen für deutsche Exporteure
Chancen Risiken
Infolge der geplanten Einführung der NHI hoher Investitionsbedarf im öffentlichen Gesundheitssektor. Finanzierungsmodell der geplanten NHI ist noch nicht geklärt.
Privater Gesundheitssektor dürfte als Leistungserbringer nach Einführung der NHI steigende Patientenzahlen verzeichnen und lange Wartelisten im öffentlichen Sektor abbauen; daraus resultiert steigender Ausrüstungsbedarf. Mangel an Ärzten und Pflegekräften unterminiert die Funktionsfähigkeit und Effizienz des öffentlichen Gesundheitssektors.
Neue Zulassungsvorschriften dürften Qualitätsstandards für Medizintechnik anheben. Komplizierte BBBEE-Vorgaben bei Ausschreibungen erschweren den Marktzugang in den öffentlichen Gesundheitssektor.
Hoher Importbedarf für Medizintechnik bietet Absatzmöglichkeiten. Medizintechnikanbieter müssen bei Lieferungen an den öffentlichen Sektor häufig lange auf die Bezahlung warten.
Zunehmender Behandlungsbedarf durch den Anstieg chronischer Krankheiten. Rolle des privaten Gesundheitssektors innerhalb der geplanten NHI ist noch nicht genau geklärt, daher ist unsicher, ob die derzeit hohe Profitabilität aufrechterhalten werden kann.

Für deutsche Anbieter von Medizintechnik ist es in Südafrika wichtig, einen besonderen Fokus auf Ausbildung sowie Schulungs- und Trainingsmaßnahmen zu legen. Insbesondere dem Gesundheitspersonal im öffentlichen Sektor mangelt es häufig an Know-how. Mit einem Wissenstransfer kann jedoch eine Win-win-Situation geschaffen werden. Es entsteht lokale Anwendungskompetenz, die wiederum Nachfragepotenziale nach sich ziehen kann. Auch Ärzte im Privatsektor bevorzugen die Arbeit mit Medizintechnik, für die sie ausgebildet sind.

Marktakteure
Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/suedafrika Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK südliches Afrika suedafrika.ahk.de/ Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Exportinitiative Gesundheitswirtschaft http://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de Portal der Exportinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
National Department of Health http://www.health.gov.za Nationales Gesundheitsministerium
South African Health Products Regulatory Authority (SAHPRA) http://www.mccza.com Zulassungsbehörde für Medizintechnik und Pharmazeutika
South African Medical Technology Industry Association (SAMED) http://www.samed.org.za Fachverband der Medizintechnikunternehmen
Hospital Association South Africa (HASA) http://www.hasa.co.za Verband der privaten Krankenhausbetreiber
Africa Health http://www.africahealthexhibition.com Fachmesse
eHealthNews http://ehealthnews.co.za Internetportal

(HEST)

Weiterführende Informationen unter http://www.gtai.de/gesundheitsmaerkte-afrika und http://www.gtai.de/suedafrika

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein

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‎+49 228 24 993 288

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