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26.03.2019

Megaprojekte in der Region Duqm in Oman machen Fortschritte

Aufträge auch für deutsche Unternehmen / Von Robert Espey

Dubai/Maskat (GTAI) - In der omanischen Sonderwirtschaftszone Duqm stehen massive Investitionen an. Projekte im Wert von 33 Milliarden US$ sind geplant.

Pläne für die zentral östliche Region Duqm in Oman reichen in die 1990er Jahre zurück. Investoren haben inzwischen seit 2007 Projekte im Wert von über 5 Milliarden US-Dollar (US$) realisiert. Die laufenden und bis 2025 geplanten Projekte lassen das Investitionsvolumen auf etwa 45 Milliarden US$ ansteigen.

Die Bevölkerungszahl hat sich in den letzten zehn Jahren auf geschätzte 13.000 Einwohner verdoppelt (2017: 11.269 Einwohner davon 6.521 Ausländer). Mittelfristig sollen in Duqm ungefähr 100.000 Einwohner leben und arbeiten.

Eine 2.000 Quadratkilometer umfassende Sonderwirtschaftszone wurde im Jahr 2011 gegründet. Sie bietet in- und ausländischen Unternehmen verschiedene Investitionsanreize. Dazu zählen Befreiungen von der Körperschafts-, Einkommensteuer und Zöllen, kein Mindestkapital, 100 Prozent ausländische Beteiligung möglich und Ausnahmen von arbeitsrechtlichen Bestimmungen. Die Special Economic Zone Authority Duqm (SEZAD) ist für die Entwicklung der Zone zuständig. Ihr Hauptsitz liegt in der Hauptstadt Maskat (http://www.duqm.gov.om).

Hafen erwartet Wachstumsschub

Das erste Großprojekt in Duqm ist ein seit 2007 im Bau befindlicher Hafen. Bislang sind etwa 1,5 Milliarden US$ verbaut worden. Er nimmt seit 2012 phasenweise den Betrieb auf. Die Arbeiten am Commercial Quay (2.250 mal 350 Meter) sollen 2020 weitgehend abgeschlossen sein. Die Kaianlage besteht unter anderem aus einem Mehrzweckbereich, einem Containerterminal, einem RoRo-Terminal (Roll on Roll off) sowie einem Umschlagbereich für Trockenmassengut (Dry Bulk).

Hafenbetreiber ist die 2010 gegründete Port of Duqm Company (http://www.portduqm.com ). Das 50:50 Joint Venture des omanischen Staates mit dem Consortium Antwerp Port erhielt für 28 Jahre eine Konzession. Aktuell beschränken sich die Hafenaktivitäten vor allem auf das Entladen von Ausrüstungen für die omanische Öl- und Gasindustrie sowie auf die Belieferung von Bauprojekten in Duqm. Ferner werden im südlichen Oman abgebaute Mineralien (Kalkstein) verschifft. Eine Eisenbahn Mineral Rail Line ist in Planung, die vor allem den Transport des Kalksteins aus Lagerstätten im südlichen Oman nach Duqm erleichtern soll. Es werden private Investoren gesucht.

Nach Angaben der Port of Duqm Company wurden 2017 rund 3 Millionen Tonnen Fracht abgefertigt. Mit Fertigstellung weiterer Bauabschnitte soll der Umschlag 2020 auf 17 Millionen Tonnen und 2022 auf 39 Millionen Tonnen steigen. Ob diese Zuwächse erreicht werden können, wird von der Realisierung der industriellen Großprojekte abhängen. Der Export von Öl- und petrochemischen Erzeugnissen soll bis 2022 bis zu 55 Prozent des Umschlages generieren, rund ein Viertel soll auf Containerfracht - vor allem Transshipments - entfallen.

Das niederländische Unternehmen Royal Boskalis Westminster baut den 515 Millionen US$ teuren Terminal zur Verladung des Öls und der petrochemischen Erzeugnisse. Er hat eine Länge von etwa einem Kilometer und bietet vier Liegeplätze für große Tanker. Die Fertigstellung ist 2020 geplant. Ebenfalls im Bau ist ein 1 Kilometer langer Kai, der von der omanischen Marine und Küstenwache sowie von indischen und britischen Kriegsschiffen genutzt werden soll.

Seit 2013 betreibt die Daewoo Shipbuilding and Marine Engineering Company in Duqm zwei 400 m lange Trockendocks für Schiffreparaturen. Das deutsche Unternehmen MAN Energy Solutions will ab 2020 in Duqm zudem einen Servicedienst für Schiffsmotoren einrichten.

Erdölraffinerie und Petrochemie sind Industrieschwerpunkte

Die Duqm Refinery and Petrochemical Industries Company, ein 50:50 Joint Venture der Oman Oil Company (OOC) und der Kuwait Petroleum International, baut in Duqm für 6 Milliarden US$ Omans dritte Ölraffinerie. Die 230.000 barrel per day Raffinerie soll Kraftstoffe (Diesel, Kerosin, LPG) sowie petrochemische Erzeugnisse (Naphtha, Schwefel, Petrolkoks etc.) produzieren. Das britische Bauunternehmen AMEC Foster Wheeler managt das Projekt (http://www.duqmrefinery.om).

Pressemeldungen zufolge liegt die Raffinerie im Zeitplan und wird Ende 2021 abgeschlossen. Es wurden 2017 drei EPC-Teilaufträge (Engineering, Procurement and Construction) im Gesamtwert von 5,6 Milliarden US$ vergeben:

- EPC 1 Process Units; 2,7 Milliarden US$ an Tecnicas Reunidas und Daewoo Engineering & Construction

- EPC 2 Utilities and Offsites; 2,0 Milliarden US$ an Petrofac und Samsung Engineering

- EPC 3 Offsite Facilities; 0,9 Milliarden US$ an Saipem und McDermott International

Die Raffinerie soll unter anderem einen 9 Milliarden US$ Duqm Petrochemical Complex versorgen. Es umfasst unter anderem ein Aromatenwerk und eine Polypropylenanlage. Im Herbst 2018 wurde die Durchführbarkeitsstudie erstellt. Der FEED-Auftrag (Front End Engineering und Design) sollte folgen. Jetzt laufen allerdings Diskussionen über eine Verkleinerung des Vorhabens.

Siemens erhält 200 Millionen Euro Auftrag

Die Duqm Power Company baut zur Versorgung der Ölraffinerie und des geplanten Petrochemiekomplexes ein 326 Megawatt Kraftwerk einschließlich einer Meerwasserentsalzungsanlage (Kapazität: 36.000 Kubikmeter/Tag). Duqm Power ist ein Joint Venture der Oman Oil Company und von Gulf Energy.

Siemens liefert für das kombinierte Gas- und Dampfturbinenkraftwerk fünf SGT-800 Gasturbinen, fünf SST-300 Dampfturbinen sowie die Leittechnik. Siemens unterzeichnete auch eine Service-Vereinbarung mit einer Laufzeit von 25 Jahren. Das gesamte Auftragsvolumen beträgt 200 Millionen Euro. Es ist für Siemens der bislang größte Auftrag aus Oman. Das Kraftwerk soll 2022 in Betrieb gehen.

Die Oman Power and Water Procurement Company plant in Duqm außerdem ein 1.200 Megawatt Kohlekraftwerk, das 1 Milliarde US$ kosten soll. Im Sommer 2018 beteiligten sich Firmen an einem Präqualifikationsverfahren. Eine Entscheidung steht noch aus. Die finnische Firma Pöyry ist als Berater tätig. Der weitere Zeitplan ist unklar.

Duqm: Weitere ausgewählte Projekte in der Planungsphase
Projektbezeichnung Investition (Mio. US$) Stand *) Träger
400 KV North South Interconnection 780 ST Oman Power & Water Procurement Company
Duqm Biofertiliser Plant 700 ST Ghantoot Group
Nahayda - Duqm Refinery - Ras Markaz Terminal Pipeline 600 FEED Oman Gas Company (OGC)
Floating Storage Re-Gasification Unit 500 ST Port of Duqm
300 MW Coal Power Plant 406 FEED Hebei Electric/Ningxia Electric
Gas to Liquid (GTL) Plant 250 ST Shell/Oman Oil Company
Duqm Cement Plant 212 ST Al Wusta Cement Company
Ras Markaz Pipeline Connection and Terminal Expansion 200 ST Oman Tank Terminal Company
200 MW Duqm Wind Independent Power Plant 200 ST Oman Power & Water Procurement Company
Silicon Metal Smelter 174 ST Al Braik Investments/ADPC/EMAL
Solar Equipment Manufacturing Plant 94 DE Ningxia Zhongke Jiaye

*) ST = Studie, DE = Design, PQ = Präqualifizierung, FEED = Front End Engineering und Design

Quellen: MEED Projects; Recherchen von Germany Trade & Invest

China baut einen Industriepark

Ein 1.200 Hektar großer China-Oman Industriepark soll etwa 11 Milliarden US$ an Investitionen anziehen. Das größte Vorhaben ist ein 2,8 Milliarden US$ Petrochemieprojekt (Methanol to Olefine, Investor Mingyuan Holdings Group). Ferner sind ein 300 Megawatt Kohlekraftwerk (406 Millionen US$), ein 5 Sterne Hotel (203 Millionen US$), ein Werk für Solarmodule (94 Millionen US$), eine Anlage zur Montage von Geländewagen (84 Millionen US$) sowie eine Meerwasserentsalzungsanlage mit Brom-Gewinnung (81 Millionen US$) geplant.

Die emiratische Ghantoot Group prüft seit 2014 den Bau einer 700 Millionen US$ Bio-Dünger-Anlage in Duqm. Shell und die OOC diskutieren über ein GTL-Projekt (Gas to Liquids). Die China-Arab Wanfang Investment & Development Company plant eine zweite Ölraffinerie mit einer Kapazität von 230.000 barrel per day. Karwa Motors, ein Joint Venture des Oman Investment Fund und Mowasalat aus Katar, will für über 400 Millionen US$ ein Werk zur Montage von Bussen errichten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Oman können Sie unter http://www.gtai.de/oman abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Oman Gewerbebau, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Infrastruktur

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