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15.09.2016

Megatrend Urbanisierung erfordert Investitionen in Asien

Entwicklungsbanken fördern Bereiche Wasser und Abfall / Hohe Erwartungen an die New Urban Agenda der UN / Von Vilma Hanisch

Bonn (GTAI) - Die asiatischen Städte wachsen rasant und stellen die Verwaltungen vor große Herausforderungen. UN-Habitat schätzt, dass in den nächsten 15 Jahren weltweit 65 Bill. US$ in Städte investiert werden müssen. Auch Asien hinkt mit Investitionen hinterher. Um den Nachholbedarf abzudecken, stellen Entwicklungsbanken hohe Summen für Abwasser- und Abfallentsorgung, Energie, Mobilität und adäquaten Wohnraum bereit. Dies eröffnet auch Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. (Internetadressen)

Die globale Urbanisierung gilt als einer der Megatrends des 21. Jahrhunderts. Laut UN-Prognosen werden 2050 mehr als zwei Drittel der Menschheit in Städten leben. Besonders betroffen sind Entwicklungs- und Schwellenländer; mit den größten und rasantesten Zuwachs erleben aktuell die Ballungsräume in Asien.

Städte sind der Motor wirtschaftlicher Entwicklung: In Asien werden 75% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in urbanen Regionen erwirtschaftet. Doch speziell im Hinblick auf Umwelt- und Klimaschutz ist Urbanisierung eine Herausforderung. Bereits heute verursachen Städte 70% der weltweiten klimaschädlichen Gase.

Zugleich sind Städte zunehmend klimabedingten Gefahren ausgesetzt, wie Überschwemmungen und Sturmfluten. Dies ist besonders ein Risiko für mehr als 500 Mio. Menschen in Asien, die in informellen Siedlungen ohne Anschluss an eine funktionierende Infrastruktur leben.

Das Nachhaltigkeitsziel Städte inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig zu machen, hängt eng mit anderen Entwicklungszielen zusammen, etwa Versorgung mit Wasser, Energie und Infrastruktur. In Asien klafft für städtische Infrastruktur eine Investitionslücke von etwa 60 Mrd. US$ pro Jahr. Besonders hoch ist dabei der Bedarf in Südostasien.

Investitionen in Wasserinfrastruktur notwendig

Was für eine ressourcen- und kosteneffiziente Wasserversorgung und Abwasseraufbereitung benötigt wird, sind energiesparende Konzepte für Wassertransport und Speicherung sowie neue Mess- und Automatisierungstechnik etwa für Kläranlagen. Deutsches Fachwissen von automatisierter Schadstoffkontrolle bis hin zu drahtlos vernetzten Kontrollsystemen für Aufbereitungsanlagen ist gefragt.

Finanzierungen für städtische Wasserversorgung sowie Abwassermanagement bietet die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) durch den Urban Climate Change Resilience Trust Fund und den Urban Environmental Infrastructure Fund.

Ausgewählte Fördertöpfe zur nachhaltigen Stadtentwicklung in Asien
Projekt Träger Region Laufzeit Fördervolumen
Strategic Cities Development Project (SCDP) Weltbank Sri Lanka Ab 2016 257 Mio. US$
Ningbo Sustainable Urbanization Project Weltbank VR China 2016-2021 317 Mio. US$
Leading Asia's Private Sector Infrastructure Fund (LEAP) Asiatische Entwicklungsbank (ADB), Japan International Cooperation Agency (JICA) Asien/Pazifik Ab 2016 1,5 Mrd. US$
Greater Mekong Subregion East-West Economic Corridor Towns Development Project ADB, ASEAN Infrastructure Fund, Laos Laos 2015-2020 52 Mio. US$
Energieeffizienz in städtischen Netzen KfW Entwicklungsbank, ADB Vietnam Keine Angaben 117 Mio. Euro

Quellen: The World Bank Group 2016, Asian Development Bank 2016, KfW 2016

Weniger Treibhausgase durch effizientes Abfallmanagement

Das Management von Wertstoffkreisläufen ist in vielen asiatischen Megacities mangelhaft. Da Abfallentsorgung gegenwärtig einen Anteil von etwa 3% am globalen Treibhausgasausstoß einnimmt, kann ein gutes Abfallmanagement zum Klimaschutz beitragen. In Indonesien finanziert die KfW Entwicklungsbank mit 75 Mio. Euro eine verbesserte Abfallverwertung mit hohem Potential für deutsche Unternehmen.

Nur wenn Stadtverwaltungen gut aufgestellt sind sowie Zugang zu Finanzierungen schaffen, können sie eine zukunftsfähige Planung und Entwicklung gewährleisten. Dafür haben das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die ADB 2007 die Cities Development Initiative for Asia (CDIA) gegründet. Sie unterstützt mittelgroße Städte bei der Entwicklung, Finanzierung und Umsetzung ihrer Entwicklungsstrategien. Bei den Ausschreibungen werden vor allem Consultants zur Durchführung von Machbarkeitsstudien gesucht.

Ein weiteres Ziel ist, die Entwicklung von Elendsvierteln zu bremsen und künftig zu verhindern. Die Weltbank hat 2016 gemeinsam mit der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) das Indonesia National Slum Upgrading Project aufgesetzt. Mit insgesamt 1,7 Mrd. US$ wird bis 2022 die Sanierung von Slums in 150 Städten gefördert.

Drohendem Verkehrskollaps mit öffentlichem Transport begegnen

Verstopfte Straßen, kaum öffentliche Verkehrsmittel und wenig Raum für nicht-motorisierten Verkehr erhöhen den Druck auf bestehende städtische Infrastruktur. Um einen Verkehrskollaps in Indien zu verhindern, fördert die Weltbank umweltfreundlichen Transport durch das Sustainable Urban Transport Project. In Pilotprojekten werden in ausgewählten Städten Lösungen wie Fahrrad-Sharing-Stationen testweise eingeführt. Das Projekt läuft bis 2018 und wird mit 328 Mio. US$ von der Weltbank und anderen Gebern finanziert.

Auch die KfW Entwicklungsbank will aufgrund des steigenden Bedarfs an städtischen Investitionen ihr Engagement ausbauen. Zwischen 2011 und 2015 entfielen zwei Drittel der Zusagen der Bank auf Projekte in diesem Bereich. Künftig will sie den öffentlichen Personennahverkehr auch für arme und benachteiligte Gruppen zugänglich machen.

Gleichzeitig stehen heute neue technische Verfahren zur Verfügung. Für Städte, in denen die elementare Infrastruktur funktioniert, hat die ADB das Future Cities Program eingeführt. Ziel ist, mit neuen digitalen Systemen urbane Dienstleistungen zu automatisieren und durch den Einsatz sozialer Medien eine transparentere Informationspolitik zu erlangen.

Im Juni 2016 ist die ADB Kooperationen mit Großstädten in sechs asiatischen Ländern eingegangen. Hier entstehen Chancen für deutsche Unternehmen; aktuell hat die Bank einen Zuschuss von 2 Mio. US$ für technische Hilfe zur Förderung smarter Infrastrukturen ausgeschrieben.

Bei vielen dieser Herausforderungen, wie Verkehr, Wasser- und Energieversorgung sowie Abfallwirtschaft, kann die deutsche Industrie Lösungen in Form von Beratungsdienstleistungen und maßgeschneiderten Technologien bieten.

Im Oktober 2016 findet in Ecuador die UN-Habitat-III-Weltkonferenz für Siedlungs- und Stadtentwicklung statt, ein wichtiger Meilenstein, um notwendige Schritte zur Umsetzung der Agenda 2030 einzuleiten. Hier soll die New Urban Agenda, eine gemeinsam entwickelte, globale Stadtentwicklungsstrategie für die nächsten zwei Jahrzehnte vorgelegt werden.

Internetadressen:

Cities Development Initiative for Asia (CDIA)

Internet: http://cdia.asia/

Habitat-III-Konferenz

Internet: https://www.habitat3.org

New Urban Agenda

Internet: https://www.habitat3.org/the-new-urban-agenda

Sustainable Urban Transport Project

Internet: http://www.worldbank.org/projects/P110371?lang=en&tab=overview

Ausschreibung Technische Hilfe Future Cities Program

Internet: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Projekte-Ausschreibungen/Entwicklungsprojekte/suche,t=promoting-smart-systems-in-adbs-future-cities-program,did=1509920.html

Strategic Cities Development Project (SCDP)

Internet: http://www.worldbank.org/projects/P130548?lang=en

Leading Asia's Private Sector Infrastructure Fund (LEAP)

Internet: http://www.adb.org/site/funds/funds/leap

Greater Mekong Subregion East-West Economic Corridor Towns Development Project

Internet: http://www.adb.org/projects/43319-022/main

Ningbo Sustainable Urbanization Project

Internet: http://www.worldbank.org/projects/P149485?lang=en

Energieeffizienz in Städtischen Netzen

Internet: https://www.kfw-entwicklungsbank.de/ipfz/Projektdatenbank/Energieeffizienz-in-Staedtischen-Netzen-30858.htm

(VHA)

Dieser Artikel ist relevant für:

Asien, Entwicklungsländer, ASEAN Bauwirtschaft, allgemein, Planung / Consulting, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Abfallentsorgung, Recycling, Umweltschutz Luft, Klimaschutz, Entwicklungszusammenarbeit, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung, Consultancy

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