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07.12.2018

Mehr Praxisnähe für Berufsbildung in Afrika

Bildungsministerium stellt neue Afrika-Strategie vor / Von Marcus Knupp

Berlin (GTAI) - Bessere Berufsausbildung in Afrika ist eines der zentralen Handlungsfelder für die nächsten Jahre. Teil der Strategie ist die stärkere Zusammenarbeit mit Unternehmen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im November 2018 seine neue Afrika-Strategie vorgestellt. In den nächsten Jahren stehen fünf große Handlungsfelder im Mittelpunkt: Wissenstransfer in die Praxis, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit, mehr Forschung für nachhaltige Entwicklung und bessere Zusammenarbeit der Institutionen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Bereits mit dem Vorgängerprogramm für die Jahre 2014 bis 2018 hat das Ministerium über 650 Projekte mit rund 350 Millionen Euro gefördert.

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

Im Interesse der Unternehmen liegt es insbesondere, die Einsatzfähigkeit der Hochschulabsolventen zu erhöhen und die Qualität der beruflichen Bildung zu verbessern. Ein Hochschulstudium stellt für viele Mittelschichtfamilien in Afrika die Eintrittskarte zu gut dotierten Stellen, vorzugsweise in der öffentlichen Verwaltung, dar. Technische oder praxisorientierte Studiengänge sind weniger beliebt. Ein Großteil der Studierenden lernt so am Bedarf der lokalen Wirtschaft vorbei.

Ein erster Ansatz zur Lösung des Problems ist eine stärkere Vernetzung der Wissenschaft mit der Wirtschaft. Im Austausch können der Bedarf klarer formuliert und die Möglichkeiten besser ausgelotet werden. Hierzu will das Ministerium Projekte initiieren, in denen deutsche und afrikanische Forschungseinrichtungen mit privaten Unternehmen zusammenarbeiten.

Ziel ist unter anderem, Absolventen bei Ausgründungen aus der Hochschule zu helfen. Eine wichtige Rolle spielen dabei regionale Innovationsplattformen (Cluster). Daneben legt die Strategie ein Hauptaugenmerk auf die Nutzung lokaler Innovationen im Sinne von afrikanischen Lösungen für afrikanische Herausforderungen.

Anwendungsorientierte Studiengänge

Vielfältig sind die Pläne des BMBF beim Thema Beschäftigungsfähigkeit. An den Universitäten in Afrika soll es mehr arbeitsmarktorientierte Studiengänge geben. Dazu will das Ministerium Programme zur Weiterbildung von Hochschullehrern unterstützen. Ein Ziel ist unter anderem die Einführung dualer Studiengänge, die ein akademisches Studium mit der Ausbildung in Unternehmen kombinieren. Eine Schwierigkeit könnte dabei sein, dass es in etlichen Ländern kaum geeignete Unternehmen, etwa der industriellen Produktion, gibt.

Um solche vermehrt aufzubauen und den Absolventen den Sprung in die freie Wirtschaft zu erleichtern, gehören zu den geplanten Maßnahmen auch die Aus- und Weiterbildung sowie die Vergabe von Stipendien für Start-up-Unternehmen. Hierbei will das BMBF an die Erfahrungen mit den regionalen Kompetenzzentren für Klimawandel und nachhaltiges Landmanagement anknüpfen, die seit 2010 exemplarische Lösungen für den Klimaschutz und angepasste Landnutzung entwickeln.

Diese umfassen unter den Abkürzungen WASCAL (West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use) und SASSCAL (Southern African Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management) die Zusammenarbeit in 15 Ländern des westlichen und südlichen Afrika.

Fokus auf Berufsbildung

Zusammen mit deutschen und afrikanischen Wirtschaftsakteuren möchte das BMBF die "Potenziale des Privatsektors zur Entwicklung und Erprobung kooperativer betrieblicher und überbetrieblicher Berufsbildung sondieren". Verschiedene Unternehmen wie Siemens oder SAP bilden im Rahmen von Projekten seit Jahren punktuell Mitarbeiter in Afrika aus. Nun sollen verstärkt auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU), sowohl deutsche als auch afrikanische, bei ihren Aktivitäten in der Berufsausbildung unterstützt werden.

Auf institutioneller Ebene gibt es noch viel zu tun. Die Strategie formuliert daher vorsichtig, dass in interessierten afrikanischen Staaten "die Bedarfe nach systemischer Beratung in der Berufsbildung" ausgelotet werden sollen, um Beratungsleistungen anzubieten.

Ein guter Ansatz ist die Idee, auch den Bereich der informellen beruflichen Ausbildung einzubeziehen. Denn ein sehr großer Teil kleiner Unternehmer und Handwerker arbeitet auf den afrikanischen Kontinent im informellen Sektor und würde bei der Beschränkung auf den formalen Bildungsweg nicht oder kaum erreicht. Nicht zuletzt geht es zunächst auch um die Ausbildung von Berufsschullehrern und betrieblichen Ausbildern.

Die Afrika-Strategie des BMBF kann von der Internetseite des Ministeriums unter https://www.bmbf.de/de/afrika-strategie-des-bmbf-310.html heruntergeladen werden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Afrika Wirtschaftspolitik, allgemein, Bildungswesen

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