Suche

12.10.2018

Mexikanische Solarbranche fiebert neuer Vergaberunde entgegen

Vierte langfristige Stromausschreibung kann neue Projekte anstoßen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Fotovoltaikausrüster sehen vor einer weiteren Vergaberunde gute Chancen für neue Großprojekte in Mexiko. Doch auch ein anderes Fotovoltaiksegment bietet gute Wachstumsperspektiven.

Am 14. November vergibt die Elektrizitätsbehörde Cenace (Centro Nacional de Control de Energía) die vierte langfristige Ausschreibung über Stromerzeugung, -kapazität und Saubere-Energie-Zertifikate. Die erfolgreichen Unternehmen verpflichten sich, diese bis spätestens 2021 zur Verfügung zu stellen.

Wie bereits in den ersten Runden wird der größte Teil der Erzeugung und der Zertifikate Marktexperten zufolge auf Fotovoltaik entfallen. Die aus den drei bisherigen Runden entstehenden Fotovoltaikprojekte belaufen sich auf 5 Gigawatt an installierter Kapazität, mit Investitionen von schätzungsweise 5 Milliarden US-Dollar (US$).

Der Solarverband Asolmex (Asociación Mexicana de Energía Solar) geht davon aus, dass derzeit rund 80 neue Parks entstehen. Viele von ihnen sind allerdings für den Stromverkauf an Direktabnehmer via Power Purchase Agreement (PPA) bestimmt. Von den 30 bereits aktiven Fotovoltaikparks sind nur fünf aus den öffentlichen Ausschreibungen hervorgegangen. Die restlichen vermarkten ihre Stromleistung per PPA.

Installierte Leistung großer Fotovoltaikparks in Mexiko 1)
Indikator 2016 2017 2) 2018 2) 2019 2) 2020 2) 2021 2)
Installierte PV-Leistung (in MW) 145 214 1.971 4.426 5.630 7.555

1) über 500 Kilowatt (AC); 2) Schätzung oder Prognose auf Grundlage der ersten drei langfristigen Elektrizitätsausschreibungen

Quelle: Energieministerium Sener

Weitere Informationen zu großen Fotovoltaikprojekten in Mexiko gibt folgender GTAI-Beitrag: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=solarstrom-setzt-siegeszug-in-mexiko-fort,did=1930076.html.

Kleinanlagen weiteres Wachstumssegment

Für Anlagen mit weniger als 500 Kilowatt (AC) stehen die Chancen laut Branchenverband Asolmex (Asociación Mexicana de Energía Solar) ebenfalls gut. Kleinanlagen haben im Vergleich zu anderen Ländern der Region in den vergangenen Jahren bereits stark expandiert. Sie fallen unter die Regulierung der "Verteilten Erzeugung" (Generación Distribuida). Die installierte Fotovoltaikleistung unter diesem Schema lag Ende 2017 bei 270 Megawatt. Ein Jahr zuvor waren es noch 130 Megawatt.

Bis Anfang 2017 galt eine einfache Netmetering-Regelung, unter der Kleinproduzenten überschüssigen Strom ins nationale Netz einspeisen konnten, um ihn später in gleicher Höhe wieder zu entnehmen. Dieses Modell löste die Regulierungsbehörde CRE (Comisión Reguladora de Energía) durch ein Netbilling-Schema ab. Kleinerzeuger können nun überschüssige Elektrizität (bis hin zur ihrer gesamten Erzeugung) an den staatlichen Stromkonzern CFE (Comisión Federal de Energía) verkaufen. Dagegen legte die CFE zunächst rechtlich Einspruch ein, zog diesen im Juli 2018 jedoch zurück.

Die neuen Möglichkeiten spiegeln sich in den Ausbauprognosen wider. Laut einer Asolmex-Studie wird die installierte Leistung von Kleinanlagen bis 2024 auf 6 Gigawatt ansteigen. Das entspräche mehr als einer Verzwanzigfachung gegenüber Ende 2017. Die größten Zuwächse sehen die Experten im Wohnbereich, auf den ihnen zufolge rund 60 Prozent der neuen Kapazitäten entfallen werden. Für das Gewerbe gehen die Prognosen von einem Anteil von 30 Prozent und für die Industrie von 10 Prozent aus.

Der Verband fordert aufgrund des großen Potenzials, die Grenze für die Kleinerzeugung auf 1.000 Kilowatt (AC) heraufzusetzen. Selbst eine Obergrenze von 5.000 bis 10.000 Kilowatt könne man sich vorstellen, gab Asolmex-Präsident Héctor Olea Hernández der Fachzeitschrift Energía Hoy zu Protokoll. Von der Ausweitung würden Hernández zufolge vor allem kleine und mittelständische Unternehmen profitieren, die so eine günstige und unkomplizierte Möglichkeit zur eigenen Stromproduktion erhielten.

Kontinuität trotz Regierungswechsel?

Ob das bisherige Ausschreibungsprozedere nach der vierten langfristigen Vergaberunde weitergeführt wird, ist im Moment noch unklar. Am 1. Juli 2018 gewann mit Andrés Manuel López Obrador ein Politiker die mexikanische Präsidentschaftswahl, der die Energiepolitik der noch amtierenden Regierung stets kritisiert hatte. Er wird am 1. Dezember 2018 vereidigt.

Die wichtigsten Änderungen sind zwar im Öl- und Gasbereich zu erwarten, aber auch für die Elektrizitätsgewinnung hat López Obrador eigene Pläne. So sollen künftig die Wasserkraft wieder stärker gefördert und einige konventionelle Kraftwerke nicht wie geplant stillgelegt, sondern modernisiert werden.

Generell will die künftige Regierung die Ausbauziele für saubere Energien jedoch beibehalten. Nach wie vor sollen bis 2024 rund 35 Prozent der Stromerzeugung aus sauberen Quellen stammen. Das spricht für die Fotovoltaik, die sich in den vergangenen Ausschreibungen als günstigste Energiequelle positionieren konnte, was wiederum ihren großen Erfolg erklärt.

Auch hinsichtlich der Kleinerzeugung sind López Obrador und sein Team auf einer Linie mit der bisherigen Regierungsstrategie. Im Wahlkampf gab der Politiker der Partei Morena das Ziel aus, 1 Million Haushalte bis 2024 mit Fotovoltaikanlagen auszustatten. Dabei soll allerdings ein größerer Fokus auf ländliche Gebiete gelegt werden als bislang.

Neue Solarmesse startet im März 2019

Angesicht der neuen Projekte bietet Mexiko einen wachsenden Markt für Ausrüstungsanbieter und Projektentwickler. Deutsche Firmen treten häufig als Anbieter von Wechselrichtern, Schaltkästen und Kabeln auf. Die Fotovoltaikmodule stammen hingegen meist aus China, hier liefern deutsche Hersteller nur für Spezialprojekte, bei denen es zum Beispiel stark auf die Ästhetik ankommt.

Als Entwickler und Betreiber der großen Fotovoltaikparks treten meist internationale Unternehmen wie IEnova (Tochterunternehmen der US-amerikanischen Sempra Energy), Acciona, Iberdrola und Técnicas Reunidas aus Spanien, die französischen Firmen Électricité de France und Engie sowie die italienische Enel auf. In der dritten Ausschreibungsrunde konnte sich auch Canadian Solar einige Anteile sichern. Von deutscher Seite sind mit Sowitec, Gehrlicher Solar, Baywa re und Goldbeck Solar kleinere Projektentwickler im Land tätig.

Die Deutsche Messe AG organisiert zusammen mit weiteren Partnern die Messe Solar Power Mexico, die erste mexikanische B2B-Messe und -Konferenz für die Solarindustrie. Vom 19. bis 21. März 2019 ist die Veranstaltung im Centro Citibanamex in Mexiko-Stadt zu Gast. "Mit der Messe wollen wir den Solarstandort Mexiko unterstützen und einen Ankerpunkt für ausländische Unternehmen schaffen", sagt Benjamin Low, der als Global Director Energy bei der Deutschen Messe AG für die neue Veranstaltung verantwortlich ist. Die dreitägige Ausstellung wird von einem umfangreichen Konferenzprogramm begleitet, das sich an Unternehmen aus den Bereichen Solar, Solarthermie sowie Energiespeicherung richtet.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Centro Nacional de Control de Energía (Cenace) https://www.gob.mx/cenace Aufsichtsbehörde
Asociación Mexicana de Energía Solar (Asolmex) http://www.asolmex.org Branchenverband (spezialisiert auf Großprojekte)
Solar Power Mexico http://www.hfmexico.mx/solarpowermexico B2B-Messe für die mexikanische Solarwirtschaft

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Messen und Ausstellungen, Strom-/ Energieerzeugung, Solar

Funktionen

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

Kontakt

Jutta Kusche

‎+49 228 24 993 419

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche