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24.08.2018

Mexiko setzt auf den Zug

Neuer Präsident kündigt mehrere Schienenprojekte an / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Der Personenverkehr per Eisenbahn feiert in Mexiko eine Renaissance. Der künftige Staatspräsident López Obrador kündigte drei Projekte an und hat ehrgeizige Pläne für die Transportstrategie des Landes.

Straßen, Raffinerien und vor allem - Züge. Knapp zwei Monate nach seiner Wahl zum mexikanischen Präsidenten hat der Linkspolitiker Andrés Manuel López Obrador Pläne zu den wichtigsten Bauprojekten seiner Amtszeit vorgestellt. Damit konkretisiert er die Vorschläge, die er bereits im Wahlkampf mit dem sogenannten Proyecto de Nación 2018 - 2024 gemacht hatte.

Unter den Vorhaben sind mit dem Tren Maya, dem Corredor Transístmico und der Strecke zwischen Mexiko-Stadt und Querétaro drei Zugprojekte. Sie haben das Potenzial, besonders den Personenverkehr über die Schiene endgültig wiederzubeleben, nachdem derzeit bereits eine Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem benachbarten Toluca gebaut wird.

Fakten zu den mexikanischen Schienenprojekten
Projekt Investitionen (Mrd. US$) *) Status Anmerkungen
Tren Maya 7,1 Planungsphase; Ausschreibung im Dezember 2018 angestrebt Passagierzug; 1.500 km von Cancún nach Palenque mit Abstechern nach Tulum, Chichén-Itza und Progreso
Corredor Transístmico 2,1 Frühe Planungsphase Frachtzug; 300 km auf der Landenge zwischen Atlantik und Pazifik; umfasst auch Hafenmodernisierungen
Zugstrecke Mexiko-Stadt-Querétaro 2,4 Erneute Planung nachdem 2014 Vergabe annulliert Passagierzug; 210 km; war an chinesisches Konsortium vergeben, 2014 jedoch wegen Bestechungsvorwürfen annulliert
Zugstrecke Mexiko-Stadt-Toluca 3,2 Im Bau; Abschluss voraussichtlich November 2018 Passagierzug; 58 km; Verzögerungen aufgrund von Problemen mit der Umweltverträglichkeit

*) Umrechnung zum durchschnittlichen Wechselkurs 2017: 1 US$ = 18,953 mex$

Quelle: Recherche von Germany Trade & Invest

Tren Maya soll Tourismus ankurbeln

Der Tren Maya ist bislang das am weitesten fortgeschrittene Neuprojekt. Er wird nach den Plänen der künftigen Regierung den Tourismus in den südlichen Bundesstaaten fördern, die zahlreiche Naturschauplätze und archäologische Stätten der Maya-Kultur beheimaten.

Laut López Obrador soll die Ausschreibung im Dezember 2018 erfolgen. Das Vorhaben wird umfangreicher ausfallen als zunächst geplant: Geht es nach dem designierten Präsidenten wird die Strecke eine Gesamtlänge von 1.500 anstelle von knapp 900 Kilometern haben. Die Kosten schwellen dadurch von 3,4 Milliarden auf 7,1 Milliarden US-Dollar (US$) an. Auf Teilabschnitten der Route gibt es bereits Schienenstrecken, die jedoch veraltet sind.

Der Bau soll durch ein öffentlich-privates Joint Venture erfolgen, dass die Verbindung gemeinsam finanziert. Die öffentlichen Mittel werden laut López Obrador aus der Tourismussteuer generiert und machen rund 1,5 Milliarden US$ aus. Verwalter dieser Steuereinnahmen und damit verantwortliche Stelle von öffentlicher Seite ist der Fonds Fonatur (Fondo Nacional de Fomento al Turismo). Der restliche Betrag wird den Plänen zufolge von privaten Kapitalgebern stammen. Die Bauzeit soll vier Jahre betragen, wodurch das Projekt Ende 2022 zum Abschluss kommen würde.

Corredor Transístmico - Alternative zum Panamakanal

Der Corredor Transístmico soll die Häfen Salina Cruz am Pazifik und Coatzacoalcos am Atlantik verbinden. Beide Häfen sind schon heute wichtige Standorte der petrochemischen Industrie. Ähnlich wie im Fall des Tren Maya verläuft zwischen ihnen bereits eine Zugstrecke, die allerdings marode ist und nur geringe Kapazitäten hat. Das Projekt war im Verkehrsministerium SCT (Secretaría de Communicaciones y Transportes) unter der noch amtierenden Regierung bereits in der Planung, wurde aber 2016 aufgrund von Geldmangel aufgegeben.

Die Pläne umfassen den Ausbau des Cargoverkehrs per Schiene und Autobahn sowie die Modernisierung des Hafens Salina Cruz. Daneben ist der Aufbau eines industriellen Korridors in der Landenge zwischen den beiden Ozeanen geplant. So sollen Güter auf der Strecke transportiert und in angeschlossenen Fabriken weiterverarbeitet werden können. Beide Häfen wurden bereits unter der noch amtierenden Regierung zu Sonderwirtschaftsregionen erklärt, wodurch Unternehmen dort weniger Steuern zahlen.

Experten halten das Vorhaben für ein sehr langfristiges Projekt, da neben der Infrastruktur auch die Voraussetzung für den Aufbau der Industrie geschaffen werden müsste. Bislang ist der mexikanische Süden bis auf die Petrochemie noch sehr wenig industrialisiert. Alleine die ausreichende Qualifizierung von Facharbeitern dürfte mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Neuer Anlauf für Verbindung zwischen Mexiko-Stadt und Querétaro?

Das dritte Zugprojekt der neuen Regierung ist die Wiederauflage der Strecke zwischen Mexiko-Stadt und dem rund 200 Kilometer nördlich gelegenen Querétaro. 2014 wurde die Vergabe an ein Konsortium aus China Railway Construction Corporation, Prodemex, Grupo GIA, Constructora TEYA, ChinaSouth Rolling Stock Corporation und GHP Infraestructura Mexicana annuliert. Grund waren Bestechungsvorwürfe gegenüber dem mexikanischen Unternehmen Constructora Teya, das nachträglich zu dem Konsortium gestoßen war.

Das ursprüngliche Projekt umfasste eine 210 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke, welche die beiden Städte ohne Zwischenstopps verbinden sollte. Die Höchstgeschwindigkeit war mit 300 Kilometern pro Stunde (km/h) geplant, die durchschnittliche Geschwindigkeit sollte bei 250 km/h liegen. Das tägliche Passagieraufkommen wurde auf 23.000 Personen geschätzt.

Große Pläne für die Zukunft

Langfristig kann die Strecke Mexiko-Stadt - Querétaro der Ausgangspunkt eines Zugsystems werden, das laut dem designierten Verkehrsminister Javier Jiménez Espriú um Strecken zwischen Querétaro und Laredo an der Grenze zu den USA sowie um eine Verbindung zwischen Guadalajara und Tijuana erweitert werden könnte. Diese Distanzen sind mit rund 2.000 beziehungsweise 900 Kilometern wesentlich länger. Teilweise verkehren schon heute Frachtzüge auf den genannten Strecken. Die Kapazitäten sind jedoch begrenzt.

Ebenfalls Zukunftsmusik ist ein mexikanischer Hyperloop, genannt Mexloop. Beim Hyperloop handelt es sich um ein von Tesla-Gründer Elon Musk verbreitetes Konzept, wonach Personen in einer Magnetschwebebahn reisen, die durch eine Röhre mit Unterdruck gleitet. Ein Konsortium um den mexikanischen Geschäftsmann Fernando Romero ging im September 2017 als einer der Gewinner aus dem Wettbewerb Global Hyperloop One hervor, wobei sich Teilnehmer aus zehn Ländern um die Entwicklung eines entsprechenden Projekts beworben hatten. Romero ist Gründer des Architekturbüros FR-EE.

Den Plänen des mexikanischen Teams zufolge soll eine 532 Kilometer lange Hyperloop-Strecke von Mexiko-Stadt über Querétaro und León bis nach Guadalajara gebaut werden. Die Höchstgeschwindigkeit läge bei 1.080 km/h, wodurch die Fahrtzeit 38 Minuten betragen würde. Noch gibt es jedoch keine konkreten Pläne zum Baubeginn des Vorhabens.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Comunicaciones y Transportes (SCT) http://www.gob.mx/sct Mexikanisches Verkehrsministerium
Fondo Nacional de Fomento al Turismo http://www.gob.mx/fonatur Nationaler Tourismus; verantwortliche Stelle für Projekt Tren Maya
Ferromex http://www.ferromex.com.mx Größter Eisenbahnbetreiber; Terminals in rund 40 Städten
Kansas City Southern de México http://www.kcsouthern.com/es-mx Zweitgrößte Eisenbahngesellschaft, 11 intermodale Terminals
Hyperloop One https://hyperloop-one.com/global-challenge-winners/#mexico Informationen zum Mexloop-Projekt

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Eisenbahnbau

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