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21.10.2019

Mexiko wird präsenter in internationaler Logistik

Mehr Luft- und Seeverbindungen stehen zur Verfügung / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mexiko kann die internationale Anbindung seiner Häfen und Flughäfen verbessern, doch die grassierende Transportunsicherheit schafft neue Herausforderungen.

Der internationale Warenverkehr Mexikos stieg in den letzten Jahren deutlich an. Nichtsdestotrotz konnte sich das Land - obwohl geografisch äußerst günstig gelegen -bislang nicht als Logistikhub zwischen Atlantik und Pazifik etablieren. Für Firmen, die Mexiko aus Deutschland und Europa heraus beliefern wollen, stehen mittlerweile jedoch gute Anbindungen und Serviceangebote bereit. Dies gilt sowohl für Luft- als auch für Seefracht.

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Containerschiffe verkehren direkt

Die für die internationale Schifffahrt bedeutendsten Häfen Mexikos sind Manzanillo und Lázaro Cárdenas an der Pazifikküste sowie Veracruz und Altamira am Atlantik. Wichtigster Hafen in Europa für Waren aus Mexiko ist Barcelona. Von Deutschland aus bestehen die meisten Direktverbindungen ab Hamburg nach Veracruz. Der Hafen wird derzeit ausgebaut und soll ab kommendem Jahr 66 Millionen anstelle der bislang knapp 30 Millionen Tonnen an Fracht abfertigen können. Auch nach Altamira und zu weiteren Atlantikhäfen gibt es wöchentliche Linienverbindungen ab Hamburg. Die Transitzeit beträgt jeweils 17 bis 22 Tage auf See.

Häfen am Pazifik werden von Deutschland und Europa aus ebenfalls im Wochentakt angelaufen, hier beträgt die Zeit auf See 23 bis 28 Tage. Die Pazifikhäfen sind jedoch für den Handel mit Ostasien von größerer Bedeutung. Von China aus liegt die Transitzeit bei 18 bis 25 Tagen. Neben der Zeit auf See sollten in allen Häfen fünf bis sechs Tage für die Abfertigung durch den mexikanischen Zoll eingeplant werden, bei sensiblen Gütern wie Nahrungsmitteln und Medikamenten auch mehr. Nach der Zollabfertigung dauert der Straßentransport bis zum endgültigen Bestimmungsort, je nach Entfernung, ein bis drei Tage.

Zusätzliche Verbindungen nach Europa geplant

Im September 2019 gab die britische Caxxor Group bekannt, in drei Hafenprojekte in Mexiko investieren zu wollen - darunter in eine 230 Millionen US-Dollar teure Kaianlage im Hafen Veracruz. Von dort aus sollen Containerschiffe Richtung Riga (Lettland) auslaufen und somit den Warenaustausch Mexikos mit Nord- und Osteuropa vereinfachen. Die Bauarbeiten werden dem Unternehmen zufolge bereits im November beginnen.

"Mexiko ist in der internationalen Logistik auf der Höhe der Zeit", sagt Mark Hüsler, Landesdirektor des deutschen Logistikunternehmens Logwin. "Auch für Zusatzleistungen wie die Kühlung des Transportguts gibt es ein ausreichendes Angebot." Ein immer größeres Thema sei jedoch die Unsicherheit beim Weitertransport von den Häfen aus.

Transportüberfälle nehmen weiter zu

Diese Befürchtung hat ihren Grund: In den ersten vier Monaten 2019 stieg die Anzahl der Transportüberfälle um 6,2 Prozent auf 4.134 Fälle an. Damit setzt sich ein Trend fort, denn bereits in den beiden Vorjahren zogen die Straftaten deutlich an. Landesweit mit am stärksten betroffen ist die Strecke vom Hafen Veracruz ins Landeszentrum. Auch die Autobahnen von den Häfen Lázaro Cárdenas und Altamira ins Landesinnere gelten als unsicher. Nicht nur Lkw befinden sich im Fokus der Kriminellen, auch Überfälle auf Güterzüge nehmen zu.

Aufgrund der schwierigen Situation sind Sicherheitsmaßnahmen unerlässlich. Dies beginnt damit, dass die Verladung der Ware durch Videokameras überwacht wird und setzt sich mit der Ortung der Lkw per GPS fort. Daneben sind Transportversicherungen sinnvoll, deren Prämien sich in den vergangenen Jahren jedoch erheblich verteuert haben. Weitere Informationen zur Absicherung von Transporten bietet folgender GTAI-Beitrag: http://www.gtai.de/MKT201806258010

Mexiko-Stadt ist Zentrum für Luftfracht

Für Luftfracht ist der Flughafen von Mexiko-Stadt das mit Abstand wichtigste Einfallstor. In den ersten acht Monaten 2019 kamen dort laut dem Transportministerium SCT (Secretaría de Comunicaciones y Transportes) gut 294.000 Tonnen an Waren und somit 65 Prozent der internationalen Fluglieferungen an. Weitere bedeutende Airports sind Guadalajara, Monterrey und Querétaro. "Aus unserer Sicht ist Mexiko auch für die Belieferung per Flugzeug gut angebunden", stellt Mark Hüsler von Logwin fest. Es komme allerdings zu größeren Preisschwankungen als auf etablierten Märkten wie den USA.

Derzeit bieten 15 europäische Fluglinien Frachtdienstleistungen nach Mexiko an. Zuletzt eröffnete die deutsche Linie Senator im November 2018 eine neue Verbindung von Frankfurt-Hahn nach Querétaro mit Zwischenstopp in den USA. Mit knapp 23.200 Tonnen war die Lufthansa von Januar bis August 2019 der größte europäische Beförderer. Insgesamt wichtigste Fracht-Airlines sind die mexikanischen Aeroméxico und AeroUnión. Auch große Logistikkonzerne wie Fedex und UPS sind mit eigenen Flugzeugen vertreten.

Neue Flughafenpläne sorgen für Verstimmung

Der Flughafen von Mexiko-Stadt hat aufgrund des hohen Fracht- und Passagieraufkommens längst seine Kapazitätsgrenzen erreicht. 2017 startete der Bau eines komplett neuen Hauptstadtflughafens mit einer Umschlagskapazität von 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Die seit Dezember 2018 amtierende Regierung unter Präsident Andrés López Obrador stoppte jedoch die Arbeiten am bereits zu 30 Prozent fertiggestellten Airport und verfolgt seitdem einen anderen Plan.

Demnach sollen künftig drei verschiedene Flughäfen einen Verbund bilden: der existierende Airport Mexiko-Stadts, ein Neubau auf der bisherigen Luftwaffenbasis Santa Lucía und der Flughafen der Nachbarstadt Toluca. Zusammen haben sie eine Kapazität von 1,3 Millionen Tonnen an Frachtgut pro Jahr. Die Fluglinien sind von diesen Plänen jedoch nicht begeistert. So wies Felipe Bonifatti, Geschäftsführer der Lufthansa Group in Mexiko, im Interview mit der Zeitschrift Expansión darauf hin, dass die Bedienung mehrerer Anflugpunkte die Kosten etwa für Zollabfertigung und Verladung erhöhe.

Logistikqualität laut internationalen Rankings nur Mittelmaß

Auch wenn die internationalen Verbindungen ausgebaut werden, liegt Mexiko in einschlägigen Rankings wie dem Logistics Performance Index der Weltbank nur im Mittelfeld. Unter den 151 untersuchten Nationen kam das Land 2018 nur auf Rang 51. Unter den verschiedenen Komponenten des Rankings wurden die Einhaltung von Lieferfristen und die internationale Anbindung vergleichsweise gut bewertet. Am schlechtesten schnitt das Land beim Unterindikator zum Tracking & Tracing ab (Platz 62).

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Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Aeropuertos y Servicios Auxiliares http://www.gob.mx/asa Stelle des Transportministeriums für zivile Luftfahrt
Puertos y Marina Mercante http://www.gob.mx/puertosymarinamercante Stelle des Transportministeriums für zivile Schifffahrt
T21 http://t21.com.mx Informationsportal für die mexikanische Logistikwirtschaft

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

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Mexiko Logistik / Speditionen

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