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16.10.2019

Mexikos Bedarf an Stromspeichern wächst

Land muss bis 2029 rund 3,2 Gigawatt Speicherkapazitäten aufbauen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Mehr erneuerbare Energien, anfällige Netze und hohe Strompreise sorgen für ein steigendes Absatzpotenzial bei Stromspeichern. Der regulatorische Rahmen hinkt noch hinterher.

Ob Pumpspeicherkraftwerke oder Batteriespeicher - große Stromspeicher sind in Mexiko kaum verbreitet. Die Nachfrage dürfte jedoch in den kommenden Jahren wegen aktueller Entwicklungen am Strommarkt steigen. Experten von Siemens gehen davon aus, dass das Land bis 2029 rund 3,2 Gigawatt an Speicherkapazitäten aufbauen muss. Andernfalls drohten Einschränkungen im Betrieb des nationalen Stromnetzes.

Erneuerbare Energien drücken auf Netzstabilität

Hinter dieser Prognose steckt der sich stark wandelnde Energiemix: Gehen aktuell noch rund 70 Prozent der installierten Leistung von 75,6 Gigawatt auf konventionelle Ressourcen zurück, wird sich dieser Anteil in den nächsten Jahren verringern. Bis 2031 wird der Ausbau regenerativer Anlagen 36,8 Gigawatt betragen, bei den konventionellen Energieträgern werden es nur 30,1 Gigawatt sein, so die Projektionen des Energieministeriums Sener (Secretaría de Energía).

Fotovoltaik und Windkraft werden den größten Teil ausmachen. Momentan befinden sich bereits rund 7 Gigawatt im Aufbau, die aus den vergangenen drei Stromausschreibungen für den staatlichen Stromkonzern CFE (Comisión Federal de Electricidad) hervorgingen.

CFE wird sich zwar nach den Plänen der neuen Regierung künftig weniger stark bei Erneuerbaren engagieren. An dem Ziel, 35 Prozent des Stroms bis 2024 aus sauberen Quellen zu generieren, will die Regierung jedoch festhalten. Zur Entwicklung erneuerbarer Energien in Mexiko informiert folgender GTAI-Beitrag: http://www.gtai.de/MKT201903068007.

Regionen in Mexiko haben unterschiedlichen Bedarf

Das nationale Stromnetz ist momentan nicht auf den Zubau vorbereitet. Schon heute liegen seine Reserven in den Monaten Mai, Juni und Juli vielfach unter dem vom Energieministerium geforderten Mindestwert von 6 Prozent. "Die Frequenzschwankungen können sich in den kommenden Jahren verstärken," sagt Vladimir Ruiz. Er leitet in Mexiko den Bereich Solarenergie des österreichischen Wechselrichter-Anbieters Fronius.

Größte Geschäftspotenziale für Stromspeicher sieht Ruiz in Regionen, in denen der Anteil erneuerbarer Quellen - bevorzugt Fotovoltaik - stark wächst. Dies seien zum einen die Metropolregionen im Süden des Landes. Besonders mache sich der Wandel jedoch in Baja Californa Sur bemerkbar. Das Inselnetz des Bundesstaats leidet unter dem hohen Anteil an Sonnenstrom, der auf die Netzfrequenz drückt.

Erstes Großprojekt bereits online

In Baja California Sur befindet sich der erste Solarpark Mexikos mit großen Energiespeichern. "Unser 32-Megawatt-Park Aura Solar III nahe der Stadt La Paz umfasst Lithium-Ionen-Speicher mit 10 Megawatt Leistung und einer Kapazität von 7,5 Megawattstunden", berichtet Héctor Olea, Präsident und Geschäftsführer des Projekteigentümers Gauss Energía. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) leistete technische Beratung. Entwickelt wurde der im Mai eröffnete Park vom spanischen Unternehmen Elmya.

"Wir sehen Speichersysteme als wichtigen Beitrag zur Stabilität des recht kleinen Netzes der Region an", führt Olea fort, gibt aber zu bedenken: "Bisher fehlen für Projektentwickler monetäre Anreize dafür, zur Stabilität des Netzes beizutragen ebenso wie eine effektive Regulierung von Stromfrequenz und -spannung." Um solche Anreize zu etablieren, müsse zunächst ein regulatorischer Rahmen für die Energiespeicherung geschaffen werden.

Regulierung soll kommen

Dafür gibt es bereits Anstrengungen, wie Benjamín Torres-Barrón, Partner bei der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie, berichtet: "Die Regulierungsbehörde CRE nimmt sich des Themas an." Torres-Barrón geht davon aus, dass die Behörde im kommenden Jahr einen Rechtsrahmen für die Stromspeicherung erlassen wird.

Trotz der für Projektentwickler momentan unbefriedigenden Rechtslage könnten bald weitere Vorhaben starten: Der chinesische Kfz- und Batteriehersteller BYD schloss im März 2019 eine Kooperation mit dem Investmentfonds Pireos Capital über die Lieferung von Stromspeichern mit einer Kapazität von insgesamt 100 Megawattstunden. Pireos will in Mexiko bis einschließlich 2021 Fotovoltaikprojekte im Umfang von 240 Megawatt entwickeln.

Auch Interesse von Industriekunden steigt

Auch für Industriekunden wird das Thema Stromspeicherung drängender. "Industrieunternehmen müssen wegen steigender Stromtarife stärker auf ihre Spitzenlast achten", sagt Vladimir Ruiz von Fronius. Batteriesysteme können dem Experten zufolge dabei helfen, Verbrauchsspitzen abzufedern und die Kosten signifikant zu senken. "Außerdem erhöhen die Firmen ihre Versorgungssicherheit", führt Ruiz weiter aus.

Trotz der Vorteile kommt auch dieses Segment nur langsam voran. Der erste großvolumige Batteriespeicher nahm im Oktober 2018 im Industriepark Propark nahe der Stadt Monterrey den Betrieb auf. Die Anlage arbeitet im Zusammenspiel mit dem parkeigenen 130-Megawatt-Gaskraftwerk und wurde vom US-Fonds Arroyo Energy finanziert. Projektentwickler war die ebenfalls US-amerikanische Plus Power. Die Speichereinheiten stammen von Powin Energy und die Wechselrichter von der deutschen SMA.

Unabhängig solcher Großprojekte werden in den nächsten Jahren voraussichtlich auch mehr kleine Speicherlösungen von 20 bis 100 Kilowatt nachgefragt. Sie können industriellen Stromkunden helfen, die seit April 2019 strengeren Anforderungen an das Abnahmeverhalten zu erfüllen. Informationen hierzu bietet folgender GTAI-Beitrag: https://www.gtai.de/MKT201904108001.

Angebot an Systemintegration ist ausbaufähig

Während die benötigte Hardware wie Batterien, Wechselrichter und Strommesser in Mexiko zu annehmbaren Preisen verfügbar sei, sehen Branchenkenner die Engpässe an anderer Stelle: "Es gibt nur wenige Firmen, die große Speicheranlagen kompetent in neue oder bestehende Kraftwerke integrieren können", so Héctor Olea von Gauss Energía. Neben Elmya und Plus Power bieten Unternehmen wie Acciona, Northland Power, ON Energy Storage und Green Momentum entsprechende Leistungen an. Auch Siemens und General Electric sind mit ihren Stromspeichersparten in Mexiko aktiv.

Mexikanische Firmen sind nicht in der Fabrikation von Energiespeichern für die Stromwirtschaft tätig. Das Energieinstitut INEEL (Instituto Nacional de Electricidad y Energías Limpias) führt derzeit ein Forschungsvorhaben durch, um Flussbatterien und alkalische Brennstoffzellen als kostengünstige Alternative für den Einsatz in Erneuerbaren-Energien-Anlagen zu entwickeln.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Comisión de Regulación de Energía (CRE) http://www.gob.mx/cre Regulierungsbehörde
Instituto Nacional de Electricidad y Energías Limpias (INEEL) http://www.gob.mx/ineel Staatliches Forschungsinstitut für den Elektrizitätssektor
Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) https://www.giz.de/de/weltweit/306.html Programme in Mexiko unter anderem zum Energiesektor

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik

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