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21.10.2019

Mexikos Megaprojekt zur Verbindung von Atlantik und Pazifik kommt in Schwung

Regierung will bis 2021 über 900 Millionen US$ bereitstellen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Die im Süden Mexikos geplanten Autobahnen, Schienenstrecken und Hafenerweiterungen erhalten Haushaltsmittel. Herausforderungen bleiben aber bestehen.

Die Pläne für den Ausbau der Landverbindung zwischen Atlantik und Pazifik im Isthmus von Tehuantepec (Corredor de Istmo) werden konkreter. Für das Prestigeprojekt will die mexikanische Regierung für 2020 und 2021 entsprechende Haushaltsmittel bewilligen. Bei dem Vorhaben geht es darum, die bestehende Schienen- und Straßenverbindung zwischen den Häfen Coatzacoalcos am Atlantik und Salina Cruz am Pazifik zu modernisieren. Zudem sollen an beiden Häfen neue Containerterminals gebaut werden.

Der Korridor ist Teil der geplanten Entwicklung des armen mexikanischen Südens. Im Gegensatz zu den nördlichen und zentralen Landesteilen ist dieser industriell nur schwach erschlossen. Die Route in den Bundesstaaten Veracruz und Oaxaca soll sich langfristig als Alternative zum Panamakanal etablieren, über die Güter aus Asien an die Ostküste der USA gelangen. Doch auch etwa für den Handel aus Europa nach Nordamerika und Asien kann die 230 Kilometer breite Landenge eine Möglichkeit sein.

Die Verbindung wird den Plänen der Regierung zufolge nicht nur als reiner Transportkorridor fungieren. Entlang der Strecke seien auch zehn Industriegebiete geplant, in denen Vorprodukte auf dem Weg an ihren Bestimmungsort weiterarbeitet werden können, so Herman Deutsch Espino, Verantwortlicher für das Isthmus-Projekt im Präsidialamt.

Um die Industrialisierung zusätzlich zu fördern, will die Regierung insgesamt 76 Gemeinden entlang der Strecke zu einer Sonderwirtschaftszone erklären, in der nur 50 Prozent der Mehrwertsteuer sowie der Einkommens- beziehungsweise Körperschaftssteuer fällig werden. Zuständig für die Umsetzung des gesamten Vorhabens ist die eigens geschaffene Behörde Corredor Interoceánico del Istmo de Tehuantepec (CIIT).

Erste Budgetpläne liegen vor

Von 2019 bis 2022 werden den Plänen zufolge umgerechnet knapp 2,4 Milliarden US-Dollar (US$) in den Transportkorridor fließen. Davon will der Staat 1,3 Milliarden US$ übernehmen, der Rest soll von privaten Investoren stammen. Obwohl die zusammen mit der Regierung Singapurs erarbeitete Basisstudie noch nicht öffentlich wurde, liegen bis einschließlich 2021 bereits grobe Pläne für die Verwendung der staatlichen Mittel von gut 900 Millionen US$ vor.

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Investitionen in verschiedene Verkehrsträger

Im Straßenbau sind die öffentlichen Gelder bis 2021 zum Großteil für die Modernisierung der Autobahn Acayucan-La Ventosa geplant. Zudem soll westlich der Strecke eine Abzweigung bis nach Mitla gebaut werden. So wären auch Oaxaca, die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats, und mit ihr die von dort aus in den Norden führenden Autobahnen angebunden.

Die bestehende Zugverbindung auf der Landenge wird auf 309 Kilometern grundlegend überholt und elektrisiert. Dadurch soll künftig eine durchgehende Verbindung zwischen den Häfen Coatzacoalcos und Salina Cruz bestehen, deren Fahrtzeit drei Stunden betragen wird. Die tägliche Transportkapazität dürfte sich dadurch auf rund 300.000 Tonnen an Fracht erhöhen. Betreiber der Strecke ist das Staatsunternehmen Ferrocarril del Istmo de Tehuantepec (FIT). Ein 12,7 Kilometer langes Teilstück wurde von der FIT bereits ausgeschrieben.

In den beiden Häfen sollen jeweils vier zusätzliche Kaianlagen für die Abfertigung von Containerschiffen errichtet werden. Die Arbeiten in Salina Cruz sind zum Teil bereits im Gang. So soll die Kapazität auf zusammen 1,4 Millionen Standardcontainer pro Jahr steigen. Weitere Informationen zum Hafenausbau bietet folgender GTAI-Beitrag: https://www.gtai.de/MKT201904048001.

Projekt nicht ohne Probleme

Auch wenn einige Arbeiten wie im Hafen Salina Cruz gut vorankommen, steht das Großprojekt Corredor de Istmo vor großen Herausforderungen. Bereits jetzt formiert sich Widerstand aus Teilen der Landbevölkerung. Sie befürchtet, dass nahegelegene Ländereien enteignet oder an Wert verlieren werden. Obwohl das Finanzministerium bereits Anhörungen organisierte, beklagen mehrere Interessensgruppen, nicht adäquat in den Entscheidungsfindungsprozess eingebunden zu sein.

Beobachter bezweifeln darüber hinaus, dass die geplante Infrastruktur alleine die Industrialisierung der betreffenden Regionen anstoßen kann. Es fehle an gut ausgebildetem Personal und qualifizierten Institutionen. Diese seien für den Aufbau einer Produktion ebenso wichtig wie die logistische Anbindung. Beides könne sich nur mittel- bis langfristig entwickeln.

Aus Sicht ausländischer Unternehmen und Fonds gibt es ein weiteres Handicap: Präsident López Obrador sprach sich Ende April dafür aus, keine ausländischen Investitionen zuzulassen. Die notwendigen Arbeiten sollen ausschließlich durch öffentliche Mittel sowie mit Kapital heimischer Geldgeber realisiert werden, um ausländischen Einfluss bei dem strategischen Vorhaben zu unterbinden.

Ausländische Firmen können demnach nur als Auftragnehmer von Bauleistungen sowie als Technologielieferanten partizipieren. Für deutsche Unternehmen ist das aber ohnehin nachrangig, da sie sehr selten als Investoren für mexikanische Infrastrukturprojekte auftreten.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Comunicaciones y Transportes http://www.gob.mx/sct Mexikanisches Kommunikations- und Tranmsportministerium
Sistema Portuario Nacional (SPN) http://www.sct.gob.mx/puertos-y-marina/puertos-de-mexico Nationales Hafensystem
Ferrocarril del Istmo de Tehuantepec http://www.ferroistmo.com.mx Staatliche Eisenbahngesellschaft

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein

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