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08.11.2018

Mexikos neue Regierung will massiv in Transportinfrastruktur investieren

Fokus liegt auf Bahn- und Flughafenprojekten / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Die künftige mexikanische Regierung plant für die kommenden sechs Jahre zahlreiche Infrastruktur-Großprojekte. Für deutsche Firmen bestehen Chancen als Technologielieferant.

Der designierte Präsident Mexikos, Andrés Manuel López Obrador, kündigte in den vergangenen Wochen umfangreiche Investitionen in die Transportinfrastruktur der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas an. Die Vorhaben zu Flughäfen, Häfen, Straßen und Schienenverbindungen ergeben sich aus dem Plan der künftigen Regierungspartei Morena (Proyecto de la Nación 2018 - 2024).

Keine deutschen Bau-Generalunternehmen aktiv

Die Umsetzung soll laut Vertretern der künftigen Regierung fast ausnahmslos zusammen mit privaten Unternehmen als Public-private-Partnership (PPP) erfolgen. Dabei wird es stets eine Anschubfinanzierung des Staates geben, der größere Teil der Investitionen soll aber jeweils von privater Seite kommen. Bereits die noch amtierende Regierung hatte aufgrund der knappen Haushaltsmittel stärker auf PPP gesetzt. Nach anfänglicher Zurückhaltung investieren private Investoren seit 2017 vermehrt in entsprechende Vorhaben.

Die Projekte sind vielfach auf spezialisierte Bauausrüstung aus dem Ausland angewiesen, doch für deutsche Anbieter ist es nicht einfach, in Mexiko Fuß zu fassen. Der Markt wird von heimischen, lateinamerikanischen und iberischen Bauunternehmen dominiert. Deutsche Baufirmen, die als Ankerpunkt fungieren könnten, sind derzeit nicht aktiv. Für Technologieanbieter ist es daher umso wichtiger, frühzeitig in Kontakt mit den zuständigen Behörden und - wo bereits bekannt - den Hauptauftragnehmern der Projekte zu kommen.

Flughäfen: Neuer Hauptstadt-Airport noch immer unsicher

Der neue Flughafen von Mexiko-Stadt ist nach wie vor das wichtigste Bauvorhaben des Landes, wird jedoch von López Obrador abgelehnt. Der designierte Präsident würde lieber den bisherigen Airport sowie eine nahe gelegene ehemalige Militärbasis und den Flughafen der Nachbarstadt Toluca ausbauen. Bislang ließ das Team von López Obrador mehrere Studien durchführen, die allerdings mehrheitlich zu dem Schluss kamen, dass die Weiterführung des bisherigen Baus die beste Option sei. Endgültigen Aufschluss wird vermutlich das Ergebnis einer Ende Oktober initiierten Bürgerbefragung liefern.

Von Beginn der Planung im Jahr 2013 an war es für die öffentliche Betreibergesellschaft GACM schwierig, genügend Geld für das Vorhaben aufzutreiben. Rund 70 Prozent des Gesamtbudgets von 13,3 Milliarden US-Dollar (US$) stammen von privaten Investoren. Eine weitere Herausforderung ist die Technik. Noch immer ist unklar, ob es durch den Bau des Flughafens in anderen Teilen der Stadt zu Wassermangel kommen kann.

90 Prozent der Ausschreibungen wurden bereits vergeben, darunter der Kontrollturm, die drei Start- und Landebahnen sowie das Terminalgebäude. Zum Zuge kamen in den meisten Fällen führende nationale und internationale Baukonzerne wie Aldesa, Cicsa, Coconal, GIA, Hermes und ICA. Chancen bestehen nun eher bei Dienstleistungen für den Betrieb des neuen Airports, der - wenn der Bau nicht doch noch abgesagt wird - im Jahr 2023 eröffnen soll.

Die regionalen Flughafenbetreiber GAP, OMA, ASUR und ASA müssen ebenfalls in den Ausbau ihrer Airports investieren, da das Passagier- und Frachtaufkommen stetig ansteigt. Allein zwischen 2013 und 2017 mussten knapp 60 Prozent mehr Passagiere abgefertigt werden.

Hafenbau: Veracruz mit langfristigen Expansionsplänen

Unter der künftigen Regierung wird das Ausbauprogramm für 28 Hafenprojekte weiterlaufen. Die aktuelle Regierung gab 2012 das Ziel aus, die Kapazitäten bis 2018 auf 520 Millionen Tonnen pro Jahr zu verdoppeln. Dafür veranschlagte sie Investitionen von 4 Milliarden US$. Einige der Projekte wurden bereits beendet, andere hingegen haben sich verzögert oder sind langfristiger angelegt. Dazu gehört insbesondere der Hafen von Veracruz, wo die letzte Ausbaustufe erst 2048 abgeschlossen werden soll.

Veracruz wird dann mit 95 Millionen Tonnen eine viermal höhere Abfertigungskapazität haben als zu Beginn der Arbeiten im Jahr 2012. Ende 2018 beziehungsweise 2019 gehen fünf spezialisierte Terminals für landwirtschaftliches und mineralisches Schüttgut sowie für Flüssigkeiten, Container und Multiple-Use als PPP in Betrieb. Diese werden im weiteren Projektverlauf mit zusätzlichen Anlegestellen versehen, so dass in 30 Jahren bis zu 35 Schiffe gleichzeitig im Hafen Platz haben werden. Betreiber der Terminals sind Hutchison Ports (Container), IEnova (Flüssigkeiten), Gramosa Agroalimentos (landwirtschaftliche Güter), Grupo Logra (Mineralien) und Pinfra (Multiple-Use).

Neben den Arbeiten in Veracruz laufen weitere Modernisierungs- und Ausbauvorhaben. Diese stehen in den Häfen Mazatlán, Alvarado, Tampico (Auftragnehmer: Istasa) und Altamira (Pinfra) noch am Anfang. In den Häfen Tuxpan, Manzanillo, Lázaro Cárdenas, Progreso, Matamoros, Isla del Carmen, Seybaplaya und Vallarta sind die Arbeiten hingegen schon fortgeschritten.

Straßenbau: Investitionen in benachteiligten Gebieten

Im Straßenbau kündigte López Obrador nach seinem Wahlsieg im Juli 2018 Investitionen für den ländlichen Raum an. So sollen in den kommenden Jahren 300 Verbindungen zwischen Ortschaften asphaltiert werden. Der Schwerpunkt wird auf den südlichen Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas liegen. Außerdem sind für den geplanten Industriekorridor im Isthmus von Tehuantepec und weiteren Sonderwirtschaftszonen neben Schienenverbindungen auch neue Autobahnen und Zubringer geplant. Die nötigen Investitionen veranschlagt die künftige Regierung in ihrem Plan Proyecto de la Nación 2018 - 2024 auf knapp 5,4 Milliarden US$.

Die noch amtierende Regierung stieß während ihrer Amtszeit zahlreiche Straßenvorhaben an, die mehrheitlich bereits im Bau sind. Einige Projekte befinden sich jedoch noch in der Pipeline. Über ihre Umsetzung wird die künftige Administration entscheiden. Die wichtigsten unter ihnen sind die Verlängerung der Autobahn Pachuca - Mexiko-Stadt (337 Millionen US$), die Autobahn Mante - Ocampo - Tula (258 Millionen US$) und die Autobahn Tenango - Malinalco - Alpuyeca (174 Millionen US$). Hinzu kommen Projekte für die Anbindung des neuen Flughafens von Mexiko-Stadt.

Zugprojekte: Personenverkehr per Eisenbahn feiert Renaissance

López Obrador plant mit dem Tren Maya, dem Corredor Transístmico und der Strecke zwischen Mexiko-Stadt und Querétaro drei Zugprojekte, die den Personenverkehr über die Schiene endgültig wiederzubeleben können. Der GTAI-Artikel http://www.gtai.de/MKT201808238001 informiert über die Vorhaben.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Comunicaciones y Transporte (SCT) http://www.sct.gob.mx Transportministerium, zuständig für Transportinfrastruktur
Cámara Mexicana de la Industria de la Construcción (CMIC) http://www.cmic.org Bauverband
Nuevo Aeropuerto Internacional de México http://www.aeropuerto.gob.mx Informationen der Betreibergesellschaft GACM zum neuen Flughafen von Mexiko-Stadt
Proyectos México http://www.proyectosmexico.gob.mx Staatliche Projektinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Flughafenbau, Wasser-, Hafenbau

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