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26.08.2019

Mexikos Telekommunikationsanbieter investieren in 5G

Regierung will unterdessen ländlichen Raum besser mit Internet versorgen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Telekomfirmen wollen in Mexiko bereits 2020 die ersten 5G-Anschlüsse anbieten. Die Regierung arbeitet unterdessen an der Internetabdeckung in ländlichen Gebieten.

Die Informations- und Telekommunikationsbranche (IKT) Mexikos wird 2019 um 3,9 Prozent wachsen. Das geht aus einer Prognose der Analysefirma CIU hervor. Zu Jahresbeginn hatte CIU noch einen Zuwachs von 5,6 Prozent vorhergesagt, diesen im Mai aber aufgrund der allgemein schlechteren Wirtschaftsaussichten des Landes nach unten korrigiert.

Wachstumstreiber der Branche sind Video-on-Demand- und Pay-TV-Services mit einem voraussichtlichen Plus von 11,5 beziehungsweise 8,1 Prozent. Es folgt der Mobilfunk mit 6,6 Prozent. Der Bereich Festnetztelefonie und stationäres Breitbandinternet zieht die Gesamtaussichten hingegen herunter. Dort sinken die Umsätze laut CIU um 6,7 Prozent. Darin spiegelt sich die schwindende Bedeutung von Festnetztelefonie wider, wohingegen die Anzahl der Internetanschlüsse weiter wächst.

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5G kommt ab 2020

Wie in anderen Ländern weltweit laufen auch in Mexiko die Vorbereitung für die Einführung des Mobilfunkstandards 5G, der rund zehn- bis zwanzigmal höhere Datenraten und wesentlich mehr verbundene Endgeräte als das bisherige 4G erlaubt. Feldversuche der beiden Mobilfunkbetreiber Telcel (América Móvil) und AT&T zusammen mit dem Ausrüstungsanbieter Ericsson im Januar 2019 haben laut den Firmen gute Ergebnisse gebracht.

Nach Ansicht von Experten werden ab 2020 erste 5G-Services in einigen Ballungsräumen wie Mexiko-Stadt und Guadalajara bereitstehen. Bis sich 5G in der Masse etabliert, wird es aber bis 2024 oder 2025 dauern. Der Marktanalyst GSMA Intelligence geht davon aus, dass 2025 rund 14 Prozent aller Mobilfunkanschlüsse auf 5G zugreifen werden. Das entspräche einer Abdeckung von 14 Prozent aller Verträge. Andere große Länder Lateinamerikas wie Brasilien (11 Prozent) und Peru (10 Prozent) werden laut der Prognose geringere Abdeckungsraten haben.

Mobilfunkanbieter unterschiedlich gut vorbereitet

Die drei großen Mobilfunkanbieter Telcel, Movistar (Telefónica) und AT&T sehen sich unterschiedlich gut gerüstet für den Ausbau. Die Telcel-Mutter América Móvil hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren ausreichend investiert. Das Glasfasernetz des Konzerns wuchs zwischen 2010 und 2018 um 175 Prozent auf 829.000 Kilometer. Die Zahl der Sendemasten stieg gar um rund 200 Prozent auf 207.000 Einheiten. Telcel ist Marktführer mit rund 63 Prozent der Mobilfunkanschlüsse vor Movistar (20 Prozent) und AT&T (15 Prozent).

AT&T hingegen sieht ein Defizit an Glasfaserverbindungen in seinem Portfolio und dringt auf einen einfacheren Zugang zum staatlichen Netz des Stromversorgers CFE. Im Gegensatz zur langjährigen Präsenz von América Móvil ist AT&T erst seit 2014 in Mexiko tätig. Movistar muss angesichts der im Vergleich zu Telcel geringen Netzabdeckung ebenfalls investieren, kritisiert in diesem Zusammenhang aber das schwierige Umfeld. So seien die Bestimmungen für den Bau von Funktürmen von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, was die Kosten in die Höhe treibe.

In der Vorbereitung des Frequenzspektrums ist Mexiko im regionalen Vergleich weit fortgeschritten. Die zuständige Behörde IFT (Instituto Federal de Telecomunicaciones) identifizierte bereits ein Spektrum von 11,2 Gigahertz. Dazu gehören sowohl Bänder im niedrigen Frequenzbereich von 600 Megahertz, 700 Megahertz, 2,5 und 3,5 Gigahertz als auch Hochfrequenzbereiche bei 26, 38, 42, 48 und 51 Gigahertz. Laut IFT wird es 2020 eine erste 5G-Auktion für Frequenzen im 600 Megahertz- und 3,5 Gigahertz-Band geben.

Breitbandinternet erstmals in mehr als jedem zweiten Haushalt

Neben dem Mobilfunk erreicht auch die Versorgung mit stationärem Breibandinternet nach wie vor hohe Wachstumsraten. Im 4. Quartal 2018 bestanden 18,5 Millionen Anschlüsse und somit 7,9 Prozent mehr als 2017. Auch in diesem Segment ist América Móvil der führende Anbieter mit einem Anteil von 52 Prozent an allen Verträgen. Es folgen Grupo Televisa mit 23 Prozent und Megacable mit 16 Prozent.

Dank der Steigerung verfügten Ende 2018 mit 54 Prozent erstmals mehr als die Hälfte aller mexikanischen Haushalte über stationäres Internet. Gut 20 Prozent der Anschlüsse liefen über Glasfaserkabel, rund 2 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Im Vergleich mit anderen OECD-Staaten ist trotz der Steigerung noch Luft nach oben: Mexiko lag 2018 bei der Abdeckung mit stationärem Internet unter den 37 OECD-Mitgliedern auf dem vorletzten Platz.

Wichtige Telekommunikationsunternehmen in Mexiko 2018 (Auswahl; Umsatz in Mio. US$, Veränderung gegenüber Vorjahr in %)
Unternehmen (Land) Umsatz Veränderung *)
América Móvil (Mexiko) 54.032,8 1,5
Grupo Televisa (Mexiko) 5.271,2 7,4
AT&T México (USA) 3.104,1 8,3
Televisa Telecomunicaciones (Mexiko) 1.885,7 9,6
Movistar México (Spanien) 1.388,3 -6,4
Sky (Mexiko/USA) 1.145,1 -0,9
Megacable Holdings (Mexiko) 1.016,7 13,4
Cablevisión (Mexiko) 697,0 6,9
Axtel (Mexiko) 665,6 -17,6
Totalplay (Mexiko) 476,2 21,9
Dish de México (Mexiko) 468,4 -5,1
American Tower México (Mexiko/USA) 457,1 27,5
Telesites (Mexiko) 351,6 15,4
Telecomm (Mexiko) 151,1 11,8

*) nominale Veränderung in Landeswährung

Quelle: Wirtschaftsmagazin Expansión

Regierung will Infrastruktur auf dem Land ausbauen

Die seit Dezember 2018 amtierende Regierung unter Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador (genannt AMLO) will die Position Mexikos verbessern und plant dafür, die Internetverfügbarkeit vor allem in den ländlichen Regionen zu erhöhen. Bislang haben laut Regierungsangaben rund 40 Millionen Mexikaner und damit in etwa ein Drittel der Bevölkerung keinen oder nur einen rudimentären Internetzugriff.

Um 96 Prozent der Gemeinden mit schnellem Internet zu versorgen, beschloss die Regierung unter Federführung des Kommunikationsministeriums im August 2019, innerhalb des staatlichen Stromkonzerns CFE die Tochterfirma CFE Telecomunicaciones e Internet para Todos zu gründen. CFE betreibt bereits ein Glasfasernetz, das im Verbund mit den Stromleitungen des Konzerns verläuft. Die zuvor geplante Ausschreibung dieses Netzes an private Betreiber wurde verworfen.

Experten geben zu bedenken, dass die Anbindung der ländlichen Gebiete umfangreiche Investitionen in das CFE-Netz erfordere. So müssen sowohl neue Leitungen als auch Verteilstationen errichtet werden, da das Netz momentan über zu wenige Knotenpunkte für eine engmaschige Abdeckung verfüge. Mögliche Investitionssummen wurden bislang noch nicht genannt.

Parallel läuft der Aufbau eines anderen Netzes weiter, des sogenannten Red Compartida (Gemeinsames Netz). Dabei baut das Konsortium Altán für rund 7,5 Milliarden US-Dollar Kapazitäten auf, die private Telekomanbieter künftig nutzen können, um ihre Abdeckung und Bandbreite zu verbessern.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Secretaría de Comunicaciones y Transportes http://www.sct.gob.mx Transport- und Kommunikationsministerium
Instituto Federal de Telecomunicaciones - IFT http://www.ift.org.mx Aufsichtsbehörde
CFE Telecomunicaciones e Internet para Todos http://www.cfe.mx/CFETelecom Telekom-Unternehmen des Stromversorgers CFE

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Mexiko sind unter http://www.gtai.de/mexiko abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Telekommunikationsdienste, Internetdienste, Digitalisierung

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