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11.11.2019

Mindestlohn in Polen könnte deutlich steigen

Wachsende Kaufkraft bietet dem Handel Chancen / Von Fabian Möpert

Berlin/Warschau (GTAI) - Nach den Parlamentswahlen will Polens nationalkonservative Partei den Sozialstaat weiter ausbauen und in die öffentliche Infrastruktur investieren.

Die bisherige Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwosc; PiS) ist mit 43,6 Prozent der Stimmen erneut als Gewinnerin aus den polnischen Parlamentswahlen am 13. Oktober 2019 hervorgegangen. Mit diesem Ergebnis kann die PiS alleine weiterregieren, verliert jedoch die absolute Mehrheit in der zweiten Parlamentskammer.

In der Wirtschafts- und Sozialpolitik wird sie voraussichtlich den Kurs fortsetzen, den sie in den zurückliegenden vier Jahren Regierungszeit verfolgt hat. Dieser war geprägt vom Ziel, Polens Wirtschaft innovativer zu gestalten und in internationalen Wertschöpfungsketten besser zu positionieren. Hinzu traten sozialpolitische Maßnahmen wie der Einführung eines allgemeinen Kindergeldes (Programm "500+") oder Steuererleichterungen für Geringverdiener sowie Berufseinsteiger. Auch der Mindestlohn wurde in diesem Zeitraum kontinuierlich angehoben.

Vor den diesjährigen Wahlen hatte die PiS unter anderem angekündigt, den Mindestlohn deutlich erhöhen zu wollen. Zudem plant sie umfangreiche Investitionen in den Gesundheitssektor sowie in den Straßenbau. Im Land laufen bereits verschiedene Programme zum Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und Verkehrswege.

Mindestlohn soll bis 2023 um 80 Prozent zulegen

Nach den Wahlversprechen der Partei soll der gesetzliche Mindestlohn bis Ende 2023 in Etappen auf umgerechnet etwa 940 Euro steigen. Dies käme einer Erhöhung von fast 80 Prozent gleich gegenüber dem gegenwärtigen Niveau von ungefähr 520 Euro. Auch dürfte sich dadurch das Lohngefüge insgesamt nach oben verschieben. Im Jahr 2018 haben landesweit rund 40 Prozent aller Beschäftigten weniger als 940 Euro verdient. Das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt im 1. Halbjahr 2019 betrug umgerechnet 1.140 Euro. Die geplante Erhöhung des Mindestlohns dürfte daher vor allem kleinere Unternehmen in Polen vor Herausforderungen stellen.

Auf der anderen Seite könnte die versprochene Ausweitung der Sozialprogramme wie beispielsweise die Auszahlung einer 13. und 14. Monatsrente die Kaufkraft der polnischen Bevölkerung zusätzlich stärken. Dies wiederum eröffnet Absatzchancen im Handel. Der private Konsum gilt seit Jahren als verlässlicher Treiber des polnischen Wirtschaftswachstums.

Allein 2018 stieg Polens Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr um 5,1 Prozent. Das war das zweithöchste Wachstum innerhalb der Europäischen Union. Für die kommenden Jahre prognostiziert die Europäische Kommission Polen weiterhin Wachstumsraten deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Jedoch dürfte die Dynamik abflachen, nicht zuletzt aufgrund des unsicheren weltwirtschaftlichen Umfelds.

Polens Bedeutung als deutscher Handelspartner wächst

Für Polen ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Gut ein Viertel aller polnischen Aus- sowie Einfuhren erfolgen mit Deutschland. Doch auch umgekehrt steigt Polens Bedeutung für Deutschland: Im 1. Halbjahr 2019 belegte Polen im Ranking der größten deutschen Handelspartner Rang 6 und liegt damit vor dem Vereinigten Königreich.

Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten auf politischer Ebene wächst die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Polen und Deutschland stetig. Der Warenaustausch zwischen beiden Ländern erreichte im Jahr 2018 ein Volumen von 119 Milliarden Euro. Im Zeitraum Januar bis Juli 2019 nahm der deutsch-polnische Handel um 4,5 Prozent zu.

Ausführliche Informationen zu Absatzchancen für deutsche Unternehmen in Polen sowie geschäftspraktische Hinweise zum polnischen Markt bietet Ihnen das aufgezeichnete GTAI-Webinar vom 17. Oktober 2019. Sie erhalten dort auch Hinweise zur rechtlichen Ausgestaltung von Vertriebsstrukturen in Polen und zum polnischen Gesellschaftsrecht. Sie finden das Webinar online unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Webinar/webinar,t=polen-parlamentswahl-in-polen--welche-chancen-bietet-das-fuer-die-wirtschaftsbeziehungen,did=2359632.html

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Arbeitsmarkt / Löhne / Ausbildung

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Fabian Möpert

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Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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