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10.01.2019

Modernisierungsbedarf bei marokkanischen Nahrungsmittelherstellern

Branche ist auf Importe von Maschinen und Ausrüstungsgütern angewiesen / Von Peter Schmitz

Tunis (GTAI) - Die Weltbank fördert marokkanische kleine und mittelständische Unternehmen der Nahrungsmittelverarbeitung. Deutschlands Lieferungen von Maschinen sind ausbaufähig.

Die nahrungsmittelverarbeitende Industrie Marokkos setzt sich zu über 90 Prozent aus kleinen und mittleren Betrieben zusammen. Für 2016 wurde der Beitrag der Branche zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf etwa 16 Prozent oder 14,6 Milliarden Euro geschätzt. Das Produktionsniveau fällt sehr unterschiedlich aus. In den Bereichen Zucker, Öl und Milch dominieren große Firmen mit modernen Anlagen, darunter neben nationalen Unternehmen auch internationale Konzerne wie Danone, Unilever, Avril, Nestlé und Mondelez Food. Anderswo ist das technologische Niveau weitaus geringer und der Modernisierungsbedarf hoch.

Rund ein Drittel des Industriezweiges ist in und um Casablanca angesiedelt. Ein neues Innovationszentrum (centre d'innovation agro-alimentaire) im Raum Fes-Meknes dürfte zur Stärkung der Bedeutung dieser Region beitragen. Die Weltbank will hier zwischen 2018 und 2022 etwa 180 Millionen Euro investieren und damit vor allem kleine und mittelständische Unternehmen fördern. Bedarf besteht an Konservenfabriken (vor allem für Oliven) und Betrieben zur Verarbeitung von Getreide, beispielsweise für Nudeln.

Exporte der Fischverarbeitung legen zu

Die Exporte der Fischereiindustrie legten zu. Der "Plan Halieutis", mit dem die Regierung den Sektor fördert, sieht bis 2020 Exporte im Wert von etwa 2,6 Milliarden Euro vor, 2017 lagen diese bei etwa 1,5 Milliarden Euro. Mit einem BIP-Anteil von etwa 3 Prozent, allerdings etwa 700.000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen, hat die fischverarbeitende Industrie einen relativ hohen Stellenwert.

Eine lokale Ausrüstungsindustrie für die Branche ist praktisch nicht existent, Maschinen und Anlagen werden importiert. Die deutschen Lieferanteile könnten dabei durchaus noch gesteigert werden, gemessen an der Position der Branche auf den Weltmärkten. Beispielsweise liegt Deutschland bei Waren mit der Zolltarifnummer HS 8438 (Maschinen und Apparate zum industriellen Auf- und Zubereiten oder Herstellen von Lebensmitteln, Futtermitteln und Getränken) nur auf Platz drei. Auch bei anderen Warengruppen ist der Marktanteil, im Vergleich mit anderen Märkten, relativ gering. Wichtigste Lieferanten sind Frankreich und Italien.

Marokkanische Importe von Nahrungsmittelmaschinen (in Mio. US$, HS-Code)
Produkt 2015 2016 davon aus Deutschland (2016)
843410. Melkmaschinen 1,1 1,5 0,3
843420. Maschinen, Apparate und Geräte zum Verarbeiten von Milch zu Milcherzeugnissen (ausgenommen Kühlapparate oder Warmbehandlungseinrichtungen, Milchentrahmer, Klärzentrifugen, Filterpressen und andere Filtrierapparate) 2,6 1,6 0,2
843510. Pressen, Mühlen und ähnliche Maschinen, Apparate und Geräte, zum Bereiten von Wein, Most, Fruchtsäften oder ähnlichen Getränken (ausgenommen Maschinen, Apparate und Geräte zum Behandeln dieser Getränke, einschließlich Zentrifugen, Filterpressen und andere Filtrierapparate sowie Haushaltsgeräte) 0,7 0,5 0,0
843621. Brutapparate und Aufzuchtapparate für die Geflügelhaltung 0,7 2,2 0,0
843629. Maschinen, Apparate und Geräte für die Geflügelhaltung (ausgenommen Eiersortiermaschinen, Rupfmaschinen der Pos. 8438 sowie Brut- und Aufzuchtapparate) 7,7 9,4 5,1
843710. Maschinen, Apparate und Geräte zum Reinigen, Sortieren oder Sieben von Körner- oder Hülsenfrüchten 5,0 1,3 0,1
843780. Maschinen, Apparate und Geräte für die Müllerei oder zum Behandeln von Getreide oder Hülsenfrüchten (ausgenommen von der in der Landwirtschaft verwendeten Art, Warmbehandlungseinrichtungen, Zentrifugaltrockner, Luftfilter sowie Maschinen, Apparate und Geräte zum Reinigen, Sortieren oder Sieben von Körner- oder Hülsenfrüchten) 14,3 3,1 0,8
8438. Maschinen und Apparate, in Kapitel 84 a.n.g., zum industriellen Auf- oder Zubereiten oder Herstellen von Lebensmitteln, Futtermitteln oder Getränken, Teile davon (ausgenommen Maschinen und Apparate zum Gewinnen oder Aufbereiten von tierischen oder pflanzlichen Ölen oder Fetten) 31,1 49,6 6,8
847920. Maschinen, Apparate und Geräte zum Gewinnen oder Aufbereiten von tierischen oder fetten pflanzlichen Ölen oder Fetten (ausgenommen Zentrifugen, Filtrier- und Heizapparate) 16,4 12,8 0,0

Quelle: United Nations Statistics Division, Oktober 2018

Landwirtschaft hochgradig wetterabhängig

Nach realem Wachstum von mehr als 13 Prozent im Jahr 2017 wird die marokkanische Landwirtschaft in 2018 um etwa 3 Prozent zurückgehen. Nur etwa 16 Prozent der kultivierten Fläche werden künstlich bewässert, weshalb die Wetterabhängigkeit sehr hoch ist. Laut Weltbank werden auf Flächen unter künstlicher Bewässerung etwa 50 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion und 75 Prozent der Exporte erzeugt.

Der Anteil der Landwirtschaft am BIP belief sich in den Jahren 2012 bis 2015 im Jahresdurchschnitt auf 11,6 Prozent; nach dem Zuwachs 2017 sollen es etwa 14 Prozent gewesen sein. Die Nahrungsmittelverarbeitung trägt 30 Prozent zum BIP der Industrie bei und stellt 22 Prozent der Beschäftigten in der Industrie.

Mit fast 40 Prozent aller Beschäftigten nimmt der Agrarsektor (einschließlich Fischerei) eine zentrale Funktion für Konsum und Beschäftigung ein. Zudem senken gute Erntejahre die hohen Importe bei Getreide und entlasten damit die Außenhandels- und Leistungsbilanz.

Mit dem im Februar 2012 verabschiedeten Abkommen zur Liberalisierung des Handels mit unverarbeiteten und verarbeiteten Agrar- und Fischereierzeugnissen mit der Europäischen Union verfügen die marokkanische Landwirtschaft und Agrarindustrie im Prinzip über einen weitgehend offenen Zugang zum europäischen Markt. Neben der Europäischen Union als wichtigstem Absatzmarkt für Agrarprodukte orientiert sich Marokko auch auf andere Märkte, vor allem auf Russland, mit dem 2015 ein Freihandelsabkommen abgeschlossen wurde.

Weiterführende Informationen zu Marokko finden Sie unter http://www.gtai.de/marokko

Dieser Artikel ist relevant für:

Marokko Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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