Suche

01.10.2019

Möbelhersteller in China investieren weniger im Inland

Inhalt

Deutsche Maschinenbauer spüren Folgen der Fertigungsverlagerung / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Chinas Möbelherstellern macht das schwächelnde Inlandsgeschäft und die hohe Abhängigkeit vom US-Markt zu schaffen. Die Maschinennachfrage der Branche schwächelt.

Die Auftragslage der chinesischen Möbelhersteller lässt zu wünschen übrig. Auf dem Inlandsmarkt zeichnen sich erste Sättigungserscheinungen ab. Die Menschen halten sich angesichts des Handelsstreits und einer schwächeren Gesamtkonjunktur mit der Anschaffung langfristiger Konsumgüter zurück. Während der Einzelhandelsumsatz an Möbeln 2018 gemäß dem nationalen Statistikamt noch um gut 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegte, betrug das entsprechende Wachstum in den ersten acht Monaten (auf Jahresbasis) 2019 nur noch knapp 6 Prozent.

Dies trifft die Branche hart, denn vom Auslandsgeschäft ist keine Entlastung zu erwarten. Zwischen 2014 und 2018 stiegen die Möbelausfuhren laut Angaben des International Trade Centre (ITC) nur um knapp 4 Prozent. Die Branche hat zudem ein weiteres Problem: die hohe Abhängigkeit vom US-Markt. Der Handelsstreit zieht diesen Teil des Exportgeschäftes stark in Mitleidenschaft. Im 1. Halbjahr 2019 sanken die entsprechende Exporte in die USA im Vergleich zum Vorjahr um gut 11 Prozent.

Chinas Ausfuhren von Möbeln (in Mrd. US$; Anteil der Exporte in die USA an den Gesamtausfuhren in %) 1)
Jahr Gesamtausfuhren .in die USA Anteil
2014 52,0 15,0 28,8
2015 52,8 16,5 31,3
2016 47,8 16,4 34,3
2017 48,9 18,6 38,0
2018 54,0 20,7 38,3
2019 2) 52,5 18,0 34,5

1) HS-Pos. 9401, 9403 (ohne Medizinmöbel); 2) Prognose von Germany Trade & Invest auf Basis des 1. Halbjahres

Quelle: ITC

Ein Großteil der Branchenbetriebe liegt in der südlichen Exportprovinz Guangdong. Viele befinden sich im Besitz von Hongkonger Investoren. Aus Angst vor US-Zöllen haben nicht wenige Unternehmen Fertigungsschritte in andere Länder verlagert. Nahezu wöchentlich kann man in der renommierten South China Morning Post davon lesen. Banken, Logistiker und Unternehmensverbände bestätigen den Trend.

Branchenproduktion wandert nach Vietnam ab

Die meisten Fabriken gehen nach Südostasien. Insbesondere Vietnam hat sich als ein attraktiver Ausweichstandort etabliert. Laut ITC-Zahlen konnte das Land seine Möbelausfuhren zwischen 2014 und 2018 verdoppeln. Auch andere Standorte machen China Konkurrenz. Für Kunden in Europa etwa ist es manchmal preiswerter, im benachbarten Polen oder Tschechien einzukaufen. Die ITC-Statistiken zeigen allerdings, dass es sich dabei um einen eher schwach ausgeprägten Trend handelt. Auch die Möbelhersteller in Mexiko konnten vom Handelsstreit kaum profitieren.

Weltweite Möbelexporte (in Mrd. US$; Veränderung in %) *)
Land 2014 2018 Veränd. 2018/14
China 52,0 54,0 3,9
Deutschland 12,4 12,8 2,9
Polen 9,8 11,8 20,9
Mexiko 7,2 7,7 6,6
Vietnam 4,6 9,3 101,4
Tschechien 3,4 4,5 32,1
Rumänien 2,4 2,6 9,0
Litauen 1,6 2,0 20,2

*) HS-Pos. 9401, 9403 (ohne Medizinmöbel)

Quellen: ITC; UN Comtrade

Der Verlagerungsprozess und das nachlassende Inlandsgeschäft drücken einerseits die chinesische Nachfrage nach Maschinen zur Möbelherstellung und Holzverarbeitung. Andererseits müssen diejenigen Unternehmen, die in China bleiben (das sind viele, da die dortigen Standortbedingungen einfach zu gut sind), in die Modernisierung und Automatisierung ihrer Fertigung investieren, um preislich wettbewerbsfähig zu bleiben. Dieser Effekt kann den wegfallenden Bedarf aber nur teilweise kompensieren. Insgesamt entwickelt sich das Geschäft rückläufig.

Branche leidet auch unter strengeren Umweltschutzauflagen

Diese Trends bekamen auch die Teilnehmer der Shanghai International Furniture Machinery & Woodworking Machinery Fair im September 2019 zu spüren. Neben den Auswirkungen des Handelskonfliktes und der schwächeren Gesamtkonjunktur belasten nach ihren Angaben auch strengere Umweltauflagen die holzverarbeitende und Möbelindustrie sowie die entsprechende Maschinennachfrage.

Das machte sich auch in der Zollstatistik bemerkbar. So schrumpften die Einfuhren von Holzverarbeitungsmaschinen (einschließlich Teilen) 2018 laut ITC im Vergleich zum Vorjahr um gut 8 Prozent auf rund 550 Millionen US$. Im ersten Halbjahr 2019 beschleunigte sich der Rückgang (auf Jahresbasis) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 23 Prozent. In der 2. Jahreshälfte könnte das Minus in Folge des verschärften Handelskonfliktes noch einmal höher ausfallen.

Chinas Einfuhren von Holzbearbeitungsmaschinen (in Mio. US$) 1)
Jahr Wert
2014 440,2
2015 409,4
2016 377,1
2017 597,4
2018 548,6
2019 2) 440,0

1) HS-Pos. 8465, 8466.92, 8479.30 (einschließlich Teilen); 2) Prognose von Germany Trade and Invest auf Basis der Zahlen für das 1. Halbjahr

Quelle: ITC

Maschineneinfuhren aus Deutschland und teils Italien sowie Japan decken den Bedarf im oberen Preis- und Qualitätssegment ab. Im mittleren Bereich konkurrieren große chinesische Hersteller mit Anbietern aus Taiwan und Südkorea. Den Massenmarkt bedienen derweil einheimische Mittelständler.

Chinesische Maschinenbauer holen technologisch auf

Insgesamt sind die technologischen Fähigkeiten der chinesischen Maschinenbauer in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Allerdings blieben auch die ausländischen Konkurrenten nicht stehen. Insgesamt gab es 2018 nach Angaben aus Branchenkreisen gut 140 größere einheimische Anbieter von Maschinen zur Möbelproduktion und Holzverarbeitung. Anlagen zur Herstellung von Spanplatten kommen im Prinzip nur von zwei Firmen: Nanxing Equipment und Guangzhou KDT Machinery.

Chinas Einfuhren von Holzbearbeitungs- und Möbelmaschinen nach Lieferländern (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahrjahreszeitraum in %) *)
Land 2018 1. Hj. 2019 Veränd.
Deutschland 228,0 88,5 -25,3
Italien 77,6 38,1 1,3
Taiwan 88,8 25,5 -52,7
Japan 58,3 30,5 2,4
Korea (Rep.) 25,6 17,2 6,1
USA 7,5 4,4 89,3
Dänemark 6,1 6,2 32,1

*) HS-Pos. 8465, 8466.92, 8479.30

Quelle: ITC

Bei den Einfuhren von Holzverarbeitungsmaschinen erzielte Deutschland 2018 gemäß ITC einen Lieferanteil von über 40 Prozent. In bestimmten Sparten kann der entsprechende Wert auch deutlich höher liegen. Bei Anlagen zum Pressen von Spanpatten etwa gibt es praktisch keine weiteren ausländischen Konkurrenten.

Importe unter Druck

Im Zuge der allgemeinen Konjunkturabschwächung gingen im 1. Halbjahr 2019 im Vergleich zur Vorjahresperiode auch die Importe von Holzverarbeitungsmaschinen aus Deutschland zurück. Italien, Japan und Südkorea konnten hingegen leichte Zugewinne erzielen. Anscheinend gucken die Kunden in wirtschaftlich mauen Zeiten verstärkt auf den Preis, ein Trend, der sich auch in anderen Sparten des Maschinenbaus herauskristallisiert.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
International Trade Centre https://www.trademap.org/tradestat/Product_SelCountry_TS.aspx?nvpm=1%7c156%7c%7c%7c%7c84%7c%7c%7c4%7c1%7c1%7c1%7c2%7c1%7c1%7c1%7c1 (Chinas Maschineneinfuhren) Internationale Handelszahlen
Nanxing Equipment http://www.nanxing.com.au Chinesischer Anbieter von Branchenmaschinen
Guangzhou KDT Machinery http://en.kdtmac.com Chinesischer Anbieter von Branchenmaschinen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas), Holzbearbeitungsmaschinen

Funktionen

Kontakt

Katharina Viklenko

‎+49 228 24 993 323

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche