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13.11.2018

Möbelnachfrage in China steigt weiter

Langfristiger Aufwärtstrend intakt / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - China importierte 2017 Möbel und Einrichtungsgegenstände im Wert von 3 Milliarden US-Dollar (US$). Deutsche Branchenprodukte - insbesondere Einbauküchen - sind begehrt.

Chinas Nachfrage nach Möbeln wächst stetig. Der Bedarf wird vor allem von den steigenden Einkommen und der zunehmenden Verstädterung getrieben. Immer mehr Menschen zieht es in die Metropolen, wo sie in der Regel deutlich mehr verdienen als auf dem Land. Nach Angaben des nationalen Statistikamtes lebten 2017 über 800 Millionen Chinesen in Städten. Das waren rund 100 Millionen mehr als 2012.

Chinas Stadtbevölkerung (in Mio.; Anteil an der Gesamtbevölkerung in %)
Jahr Anzahl Anteil
2012 711,8 52,6
2016 793,0 57,4
2017 813,5 58,5

Quelle: China Statistical Yearbook

Die Abwanderungstendenz führt dazu, dass in den Metropolen kontinuierlich neuer Wohnraum entsteht. Auch 2018 entwickelte sich der Immobilienmarkt trotz des Handelskonfliktes mit den USA und einer strengeren Kreditvergabepolitik (für Privatpersonen) positiv, was sich entsprechend auf die Möbelnachfrage auswirkte. Dabei kommen nicht nur Impulse aus dem Neubaugeschäft. Nach Einschätzung des Hongkong Trade Development Council (TDC) sollen zwischen 2018 und 2020 rund 54 Millionen alte Häuser renoviert werden.

Der Umsatz mit Möbeln legte 2017 laut TDC um nominal gut 9 Prozent auf umgerechnet 134 Milliarden US$ zu. Die meisten Konsumenten kaufen inländische Produkte. Die einheimischen Hersteller bieten Branchenwaren im unteren und mittleren Preisniveau an, die zudem stark auf den chinesischen Geschmack ausgerichtet sind. Viele offerieren zudem Einzelanfertigungen, etwa von Einbauschränken.

Luxushotels wichtige Abnehmergruppe

Doch die wachsende obere Mittel- und Oberschicht kauft zunehmend importierte Möbel. Daneben setzen Luxushotels vorzugsweise auf ausländische Einrichtungsgegenstände. Diese Abnehmersparte entwickelt sich überdurchschnittlich. Die Anzahl der Fünf-Sterne-Häuser wuchs zwischen 2012 und 2017 laut nationaler Tourismusbehörde von 640 auf 822. Im Vier-Sterne-Segment gab es einen Anstieg von 1.817 auf 2.392.

Fast alle Hotelgesellschaften planen, ihre Präsenz in China zu verstärken, wobei sich die meisten auf die kleineren Metropolen im Inland, wo es noch keine Überkapazitäten gibt, konzentrieren. Zugleich müssen die bestehenden Häuser stetig modernisiert werden. Alleine 2018 soll das Fünf- und Vier-Sterne-Segment gemäß TDC rund 1,1 Milliarden US$ in neue Einrichtungsgegenstände investieren.

Auch der Infrastrukturausbau macht sich für ausländische Möbelhersteller positiv bemerkbar. Das ohnehin schon recht engmaschige Bahn-Hochgeschwindigkeitsnetz wird immer noch erweitert. Auch kommt es an zahlreichen Flughäfen zu einer Erhöhung der Kapazitäten. Die neuen Bahnhöfe und Terminals setzten zumeist auf eine moderne und hochwertige Einrichtung.

Verbraucher fahren 2018/19 Anschaffung langfristiger Konsumgüter zurück

Für ausländische Möbelhersteller sind das durchweg gute Nachrichten. Doch 2018/19 wird der langfristige Aufwärtstrend von dem Zollkonflikt zwischen den USA und China überlagert. Die chinesischen Aktienkurse brachen ein, wodurch die Konsumenten auf dem Papier ärmer sind. Sie dürfen sich mit der Anschaffung von langfristigen Konsumgütern zurückhalten. Zudem verlor der chinesische Renminbi Yuan 2018 stark an Wert. Das verteuert wiederum die Einfuhren.

2017 beliefen sich die chinesischen Einfuhren von Möbeln und Einrichtungsgegenständen (einschließlich Matratzen und Bettausstattungen) nach Angaben von UN-Comtrade auf 3 Milliarden US$. Gegenüber 2016 legten sie damit um ganze 18 Prozent zu. Auch 2018 dürfte sich das Wachstum nur leicht abschwächen.

Chinas Möbeleinfuhren (in Mio. US$) *)
Jahr Wert
2012 2.215
2014 2.656
2015 2.404
2016 2.558
2017 3.010

*) SITC-Pos. 82

Quelle: UN Comtrade

Deutschland war 2017 nach Italien Chinas zweitgrößte Zulieferer von Möbeln. Die Branchenimporte "Made in Germany" der Volksrepublik stiegen um rund 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf deutlich über 400 Millionen US$. Besonders beliebt sind hochwertigen Einbauküchen aus deutschen Landen. Die entsprechenden Einfuhren summierten sich auf knapp 170 Millionen US$.

Chinas Möbeleinfuhren nach Lieferländern (in Mio. US$, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %) *)
Land 2017 Veränderung
Italien 519,7 42,3
Deutschland 415,3 21,2
Vietnam 233,1 8,2
USA 185,8 0,4
Japan 177,6 2,1
Vereinigtes Königreich 140,7 51,3
Korea (Rep.) 119,8 -28,0
Thailand 117,2 43,6
Taiwan 79,9 7,1
Frankreich 74,4 16,8

*) SITC-Pos. 82

Quelle: UN Comtrade

Produktseitig achten immer mehr Konsumenten auf Umweltfreundlichkeit. Zahlreiche Skandale von mit Giftstoffen belasteten Konsumwaren haben die Verbraucher hellhörig gemacht. Laut einer Umfrage des TDC sind über 90 Prozent aller Möbelkäufer an umweltfreundlichen Materialien interessiert. Allerdings würden sie für entsprechende Produkte im Durchschnitt nur 14 Prozent mehr ausgeben.

Des Weiteren zeigt sich die urbane Mittelschicht an platzsparenden Einrichtungsgegenständen interessiert. Infolge stark gestiegener Immobilienpreise können sich selbst gut verdienende Familien nur relativ kleine Wohnungen leisten. Die Nachfrage nach Multifunktionsmöbeln boomt. Insbesondere Schlafsofas erfreuen sich einer hohen Beliebtheit.

Hybrides Kaufverhalten in Zeiten von E-Commerce

Die Konsumenten zeigen sich auch im Zeitalter von E-Commerce beim Möbelkauf von der eher konservativen Seite. Selbst wenn man im Internet einkauft, will man das Sofa oder Bett vorher ausprobiert und angefasst haben. Ein Großteil des Branchenabsatzes findet daher - direkt oder indirekt - über den klassischen Einzelhandel statt. Dabei sind in den letzten Jahren immer größere Möbelhäuser entstanden.

Auch ausländische Anbieter schwimmen auf der Welle mit. IKEA betrieb Ende 2017 in der Volksrepublik 25 Niederlassungen. Bis 2020 sollen es 34 Outlets sein. Die US-Kette Ashley Furnitures eröffnete Anfang September 2017 sogar ihren 100. "Homestore". Die internationalen Möbelhändler und -hersteller profitieren davon, dass die chinesische Konkurrenz eine vergleichsweise schwache Markenprägung aufbauen konnte.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Hong Kong Trade Development Council http://research.hktdc.com (Startseite); http://china-trade-research.hktdc.com/business-news/article/China-Consumer-Market/China-s-Furniture-Market/ccm/en/1/1X000000/1X002L63.htm (Report zum Möbelmarkt China) Staatliche Handels- und Messeförderungsstelle der SVR Hongkong
UN Comtrade https://comtrade.un.org/data Internationale Handelszahlen
China International Furniture Expo http://www.furniture-china.cn/en-us/ Fachmesse. Nächste Veranstaltung 9.9. bis 12.9.2019 in Shanghai
China International Furniture Fair http://www.ciff-gz.com/index.php?s=/pc/index/index/sid/8.html Fachmesse. Nächste Veranstaltung 18.3. bis 21.3. und 28.3. bis 31.3. 2019 in Guangzhou (Kanton)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Möbel, -teile, (auch Metall / Kunststoff / Glas)

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