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06.09.2016

Multilaterale Entwicklungsbanken finanzieren Klimaschutz

81 Mrd. US$ in 2015 für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel / Weitere Investitionen notwendig / Von Vilma Hanisch

Bonn (GTAI) - Zur Bekämpfung des Klimawandels investierten multilaterale Entwicklungsbanken 2015 vor allem in erneuerbare Energien, Wasser und Abwasser sowie Transport. Wie der gerade veröffentlichte Klimabericht 2015 zeigt, können gezielte Maßnahmen die Auswirkungen von Klimaveränderungen reduzieren. Doch um die Umwelt an dessen Folgen anzupassen und das Klima zu schützen, müssen bis 2030 in Entwicklungsländern immer noch bis zu 175 Mrd. US$ jährlich investiert werden, schätzen Experten. (Internetadressen)

Klimaschutz erfährt aktuell die höchste Aufmerksamkeit bei den sechs größten multilateralen Entwicklungsbanken. Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB), Asiatische Entwicklungsbank (ADB), Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Europäische Investitionsbank (EIB), Inter-Amerikanische Entwicklungsbank (IDB) und die Weltbankgruppe haben den Bericht zur Klimafinanzierung gemeinsam verfasst.

2015 haben diese Geber für Aktivitäten zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels weltweit rund 25 Mrd. US$ zugesagt. Diese Mittel wurden mit 55 Mrd. US$ aus öffentlichen und privaten Quellen ko-finanziert, sodass insgesamt fast 81 Mrd. US$ flossen. Die meisten Vorhaben finanzierten die multilateralen Banken im Rahmen von Klimaschutzmaßnahmen zur Reduktion von CO2-Emissionen und der Nutzung sauberer, erneuerbarer Energiequellen (80%). Die restlichen Gelder entfielen auf Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des veränderten Klimas, etwa steigende Meeresspiegel und vermehrte Extremwetterereignisse. Alle Banken wollen auch künftig ihr Fördervolumen erhöhen.

Auswahl an Fördertöpfen für Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen
Projekt Träger Region Laufzeit Fördervolumen
West Africa Coastal Areas Management Program (WACA) Weltbank Westafrika 2015-2018 1 Mrd. US$
ClimDev Special Fund (CDSF) Afrikanische Entwicklungsbank Afrika 2009-2020 936 Mio. US$
EU Global Energy Efficiency and Renewable Energy Fund (GEEREF) Europäische Investitionsbank Afrika, Asien, Lateinamerika Seit 2006 222 Mio. Euro
Water Financing Partnership Facility (WFPF) Asiatische Entwicklungsbank Asien und Pazifikregion 2006-2020 100 Mio. US$
Sustainable Energy and Climate Change Initiative (SECCI) Inter-Amerikanische Entwicklungsbank Lateinamerika und Karibik Seit 2009 20 Mio. US$

Saubere Energie soll das Klima schützen

Großen Einfluss auf die Entwicklung des Klimas hat die Art der Energieerzeugung. Mit mehr als der Hälfte der Mittel, die für den Klimaschutz eingesetzt wurden, finanzierten die Banken 2015 Vorhaben zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.

Da in Lateinamerika die Energienachfrage steigt und sich die Öl- und Gasreserven verknappen, unterstützten die Geber 2015 vor allem in dieser Region den Ausbau von grünem Strom. Die IDB ist hier sehr aktiv und hat 2015 mehr als ein Drittel ihrer Kredite für Klimaschutzinitiativen und Projekte zur nachhaltigen Energiegewinnung, etwa im Bereich Wasser- und Windkraft, vergeben. Erst im August dieses Jahres hat die Bank 143 Mio. US$ für den Energiemix in Ecuador zugesagt.

Auch in Afrika, wo die Energieversorgung nach wie vor unzureichend ist, arbeiten die Länder an der Erschließung klimafreundlicher Ressourcen. Finanzielle Unterstützung bietet das Scaling Up Renewable Energy in Low Income Countries Program (SREP), ein knapp 800 Mio. US$ umfassendes Finanzierungsfenster des Klimainvestitionsfonds (Climate Investment Funds, CIF). Der Fonds wird von multilateralen Banken getragen und unterstützt Erneuerbare-Energien-Projekte in einkommensschwachen Ländern in Afrika, aber ebenso in Asien und Mittelamerika.

Umweltfreundlichen Transport in Asien fördern

Die Folgen des Klimawandels sind jetzt schon am deutlichsten in Südasien zu spüren. Daher floss mit 29% der Großteil der Gelder, die die multilateralen Entwicklungsbanken 2015 in Anpassungsmaßnahmen steckten, allein in diese Region. Da Schätzungen zufolge im Jahr 2035 der Transportsektor für fast die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sein wird, haben die Geber mit einem Viertel ihrer Mittel Transportvorhaben vor allem in Süd- und Zentralasien gefördert.

Asien verzeichnet den stärksten Anstieg an CO2-Emissionen, deshalb will die ADB noch in diesem Jahr verschiedene Klimaschutzfonds mobilisieren. Dazu gehört auch die Asia Climate Financing Facility (ACliFF), die ADB und Deutschland gemeinsam initiieren werden. Ab 2017 wird der Klimaschutzfonds asiatische Länder finanziell dabei unterstützen, ihre Kohlendioxid-Emissionen zu mindern und Klima-Risikoversicherungen abzuschließen. Bis 2020 will die ADB ihre Klimainvestitionen auf 6 Mrd. US$ verdoppeln.

Durch die weltweit steigende Mobilität und die zunehmende Urbanisierung werden vor dem Hintergrund des Klimawandels die Investitionen im Transport weiter steigen. Hier können deutsche Firmen mit Know-how punkten.

Nachhaltiges Wassermanagement wichtig für Klimaschutz

Wenn es um die Anpassung an die Folgen des Klimawandels geht, unterstützte die Gebergemeinschaft 2015 vor allem den Wasser- und Abwassersektor. Nicht zuletzt wegen des rasanten Bevölkerungswachstums in Afrika, Asien und Lateinamerika wirkt sich die Wasserknappheit besonders gravierend aus. Die Weltbank prognostiziert, dass 2030 bis zu 45% mehr Wasser benötigt werden als heute. Um sich an den Klimawandel anzupassen, müssten die Entwicklungsländer zusätzlich 13 Mrd. bis 17 Mrd. US$ pro Jahr in die Wasserinfrastruktur investieren.

Afrika hat mit einer anhaltenden Dürre zu kämpfen. Um dem drohenden Wassermangel zu begegnen, umfasst die Strategie der AfDB verschiedene wasserspezifische Finanzierungsfenster. Hervorzuheben sind die African Water Facility (AWF), die Rural Water Supply and Sanitation Initiative (RWSSI) sowie das Multi-Donor Water Partnership Program (MDWPP). Hiermit werden Maßnahmen für eine sichere und bezahlbare Wasserver- und Abwasserentsorgung im ländlichen Raum unterstützt.

Für weltweite Wasser- und Sanitärprojekte hat die Weltbank die Water Global Practice ins Leben gerufen. Im Rahmen des Water and Sanitation Program (WSP) vergibt die Bank in Kooperation mit anderen Gebern Zuschüsse und Darlehen. Das WSP hat 2015 mit Auszahlungen in Höhe von 54,9 Mio. US$ größtenteils Vorhaben in der ländlichen Sanitärversorgung finanziert.

Zwar legten die multilateralen Entwicklungsbanken 2015 den Wasser-Fokus auf Asien und Afrika, doch auch in Lateinamerika und der Karibik besteht enormer Investitionsbedarf.

Aktuell gibt es dort einen potenziellen Markt von bis zu 15 Mrd. US$ für den Bau von Haushaltsabwasserinfrastruktur und über 1 Mrd. US$ jährlich für die Bereitstellung von Entsorgungsdienstleistungen. Um diesen Nachholbedarf abzudecken, reicht das Engagement des öffentlichen Sektors nicht aus. Vielmehr muss der Privatsektor involviert werden, was Geschäftschancen für Unternehmen schafft.

Internetadressen:

Gemeinsamer Bericht multilateraler Entwicklungsbanken zur Klimafinanzierung 2015

Internet: http://www.adb.org/documents/joint-report-mdbs-climate-finance-2015

West Africa Coastal Areas Management Program (WACA)

Internet: http://www.worldbank.org/en/topic/environment/brief/west-africa-coastal-areas

ClimDev Special Fund (CDSF)

Internet: http://www.climdev-africa.org/The-ClimDev-Special-Fund

EU Global Energy Efficiency and Renewable Energy Fund (GEEREF)

Internet: http://geeref.com/

Water Financing Partnership Facility (WFPF)

Internet: http://www.adb.org/site/funds/funds/water-financing-partnership-facility

Sustainable Energy and Climate Change Initiative (SECCI)

Internet: http://www.iadb.org/en/topics/climate-change/secci,1449.html

(VHA)

Dieser Artikel ist relevant für:

AKP-Staaten, Afrika, Südasien, Lateinamerika, Entwicklungsländer, ASEAN, MERCOSUR Planung / Consulting, allgemein, Umweltschutz, Entsorgung, Klimaschutz, allgemein, Internationale Organisationen, Finanzierung, allgemein, Entwicklungszusammenarbeit, alternative Energien, Consultancy

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