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14.03.2018

Myanmar investiert massiv in Yangons Infrastruktur

Fokus auf Transport und Wasser / Japan bleibt dominant / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Myanmars Businessmetropole Yangon greift nach der Neuzeit. Als das futuristischste Projekt gilt die Umwandlung des Kolonialbahnhofs für 2,5 Milliarden US-Dollar mit Unternehmen aus Singapur und China. Wegweisend für ein modernes Verkehrssystem ist zudem ein neuer 20 Kilometer langer Expressway, der erstmalig im Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft realisiert wird. Japan baut seine führende Partnerrolle in Finanzierung, Engineering und Technologietransfer kontinuierlich weiter aus.

Als eine der am schnellsten wachsenden Megastädte in Südostasien sucht die myanmarische Geschäftsmetropole Yangon ein neues modernes Stadtbild zu kreieren. Mit etwa 8 Millionen Einwohnern - genaue Angaben gibt es nicht - ist Yangon die größte Stadt des Landes. Hinsichtlich der Finanzierung kann sich das Yangon City Development Committee (YCDC) auf langfristige weiche Darlehen der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank stützen, die auch technische Expertisen für Einzelprojekte und langfristige Entwicklungspläne beitragen.

Auf der bilateralen Schiene baut indes Japan seine führende Rolle kontinuierlich weiter aus. Ein größeres Paket an weichen Darlehen wurde zuletzt im Frühjahr 2017 mit einem Umfang von 824 Millionen US-Dollar (US$), einer Laufzeit von 40 Jahren und einem Zinssatz von 0,01 Prozent geschnürt. Eingeschlossen sind die Modernisierung der Eisenbahnlinie über eine Länge von 632 Kilometern von Yangon und Mandalay und Investitionen in Höhe von 219 Millionen US$. Die Fertigstellung ist für 2025 anvisiert. Der gleiche Betrag wurde für die Wasserversorgung von Yangon bereitgestellt. Die sonstigen Projekte zielen auf die regionale Unterstützung zur Armutsbewältigung, die Elektrifizierung der Städte sowie die ländliche und agrarische Entwicklung ab.

Bahnhof wird neues Wahrzeichen

Die Investitionskosten für die Erneuerung der Yangon Central Railway Station werden mit 2,5 Milliarden US$ beziffert. Den Zuschlag erteilte die staatliche Myanmar Railways an das Central Transport Development Consortium (CTDC). Die drei Partner des Joint Venture sind der Projektentwickler Oxley Holdings aus Singapur (30 Prozent), der Pekinger Baukonzern Sino Great Wall (30 Prozent) sowie die lokale Baufirma Min Dhama (40 Prozent), eine der 23 Tochterfirmen von Mottama Holdings.

Das Konzept von Oxley beinhaltet einen neuen Zentralbahnhof für Eisenbahn und Personennahverkehr, der von 20 Hochhäusern für Wohnungen, Büros, Einzelhandel, Fitness und Unterhaltung mit einer Bodenfläche von etwas über einer Million Quadratmetern eingerahmt wird. Das gesamte Projekt in Downtown Yangon zwischen der Sule Pagoda Road und Bogyke Aung San Road erstreckt sich auf 25,7 Hektar. Die Bauzeit wird mit acht Jahren, der Beschäftigungseffekt mit rund 100.000 Arbeitsplätzen angegeben.

Die Ausschreibung verlief jedoch über fast drei Jahre eher holprig. Ein zweiter Durchgang wurde notwendig, an dem 18 Teilnehmer aus 14 Ländern mit einer "Expression of Interest" partizipierten, darunter auch Frankreich und Italien als einzige Europäer. In die engere Auswahl kamen allerdings nur die zwei Vorschläge des CTDC und des lokalen Tycoons Serge Pun über seinen beiden Töchter Yoma Strategic Holdings (Singapur) und First Myanmar Investment. Der historische Bahnhof von 1877 ist Kulturerbe und soll bestehen bleiben.

Schwerpunkt Verkehr und Transport

Yangon ist das Gateway zum nationalen Schienennetz, welches rund 3.100 Kilometer umfasst. Für die wichtigste Eisenbahnstrecke in den Norden ist parallel das "Yangon-Mandalay Improvement Project Phase I" angelaufen. Eingeschlossen ist hierbei die Lieferung von 24 Diesel Electric Multiple Unit-Zügen (DEMU) im Wert von rund 65 Millionen US$. Den Auftrag vergab Myanmar Railways an die zwei japanischen Unternehmen Marubeni und Niigata Transys (IHI).

Mehrere bedeutende Aktivitäten bahnen sich auch im Straßenbau an. Auf dem Plan für das kommende Fiskaljahr 2018/19 (1. April bis 31. März) stehen mit Beginn im Oktober die Errichtung von 35 Straßenüberführungen auf verschiedenen Routen durch Townships wie Mingaladon oder Insein. Allein acht dieser "Flyovers" stehen im Zusammenhang mit der Erneuerung der Eisenbahnrundstrecke bis 2019, wobei die Shwetaung Company die östliche und die A1 Company die westliche Achse übernahm.

Der jüngst begonnene Bau der dritten Thanlyin Bridge über den Bago River wird ebenfalls von der japanischen Regierung finanziert. Die technische Expertise kommt von der Japan International Cooperation Agency (JICA), die Kosten wurden auf 290 Millionen US$ kalkuliert. Bereits im Frühjahr 2017 wurde mit der Flussbrücke von Yangon nach Dala mit geschätzten Kosten in Höhe von 168 Millionen US$ und Fertigstellung bis 2021 begonnen. In diesem Projekt erfolgte die Finanzierung zum Großteil mit 138 Millionen US$ aus dem südkoreanischen Economic Development Cooperation Fund.

Für die Beratung zu einer hochgelegten Schnellstraße konnte das Bauministerium die International Finance Corporation (IFC) gewinnen. Auf einer Gesamtlänge von 20,5 Kilometern soll eine Tangente zwischen Hafen, Flughafen, Industriezone, der Sonderwirtschaftszone Thilawa und der Autobahn nach Mandalay entstehen. Die Kosten werden mit rund 400 Millionen US$ beziffert, der Bau soll drei Jahre beanspruchen und Anfang 2019 starten. Erstmalig im Verkehrssektor strebt die IFC das Modell einer Public-Private Partnership an, nachdem das Erdgaskraftwerk Myingyan durch SembCorp Utilities aus Singapur ein erfolgreiches Exempel statuiert hatte.

In der Logistik erhält Yangon Unterstützung von Südkorea. Ein entsprechendes "Memorandum of Agreement" unterzeichnete die Myanmar Trade Promotion Organisation mit der südkoreanischen HUBS MK Company. Der Standort des neuen Logistikhubs ist die Shwe Lin Ban Industrial Zone, die Regierung stellt das Land zur Verfügung, die Baukosten über 98 Millionen US$ trägt der südkoreanische Investor. Das Ziel besteht in der Förderung des Exports von Agrar-, Vieh- und Fischprodukten mittels moderner Technologie.

Schwerpunkt Wasser und Abwasser

Die Erneuerung des Abwassersystems kann das YCDC nunmehr dank eines Entwicklungsdarlehens der Weltbank im Umfang von 116 Millionen US$ in die Wege leiten. Eine weitere Million bewilligte Japan aus seiner Southeast Asia Disaster Risk Insurance Facility. Eine Studie soll darüber Aufschluss geben, welche Verbesserungen das Abwassersystem Yangons am besten gegen die Überflutungen in der Monsunzeit oder heftige Tropenstürme schützen. Das System ist veraltet und zudem durch Unrat infolge der gravierenden Mängel im Abfallmanagement verstopft.

In der Wasserwirtschaft will das YCDC mit den zwei neuen Reservoiren Lagonpyin und Kukkowa die Tagesversorgung um 100 Gallonen aufstocken, um damit vor allem dem enormen Wassermangel in der Trockenperiode von März bis Juni zu begegnen. Die Kosten werden mit 867 Millionen US$ beziffert, davon 239 Millionen US$ für die Phase 1 in Lagonpyin und 628 Millionen US$ für die Phase 2 am Kukkowa River. Die Finanzierung wie auch die Technologie für die Kläranlagen kommen wiederum von der JICA.

(W.D.)

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Myanmar Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Infrastruktur, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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