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09.12.2016

Myanmars Energiesektor zeigt neue Ansätze

Erste Projekte in Photovoltaik, Windkraft und Waste-to-Energy / Von Dr. Waldemar Duscha

Bangkok (gtai) - Myanmar will seine Energieversorgung auf eine breitere Basis stellen, um den hohen Nachholbedarf zu befriedigen und die Wirtschaft anzukurbeln. Damit kommen erstmals auch erneuerbare Energien ins Spiel. So will die amerikanische Convalt Energy eine erste große Solarfarm realisieren, während auch Projekte für Windkraft und Waste-to-Energy vorbereitet werden. Die Asian Infrastructure Investment Bank bestritt Ihren ersten Auftritt im Erdgaskraftwerk Myingyan im Team mit ADB und IFC.

Die Energieversorgung bleibt weiterhin der große Engpassfaktor in der wirtschaftlichen Entwicklung Myanmars. Die Businessmetropole Yangon ist am stärksten betroffen. Laut der Yangon Electricity Supply Corporation (YESC) ist der Bedarf an zusätzlicher Kapazität von 2015 auf 2016 um 19% auf 1.250 MW angewachsen.

Landesweit beträgt die installierte Stromerzeugungskapazität aktuell 4.631 MW, in Konstruktion sind weitere 2.792 MW. Der Anfang 2016 vorgestellte "Energy Master Plan" sieht bis 2030 einen bedeutenden Anstieg auf 23.594 MW vor. Maßgeblich beteiligt an dem Masterplan war die Asian Development Bank (ADB), welche die Investitionskosten auf 30 Mrd. bis 40 Mrd. US$ veranschlagte.

Ausbau der Kohlekraft

Die langfristige Projektion sieht hierbei bis 2030 eine deutliche Veränderung des Energiemix vor. So soll der Anteil der dominierenden Wasserkraft von 70 auf 57% sinken, während der Beitrag aus Erdgas sogar noch stärker von 28 auf 8% zurückgefahren wird. Dagegen wird ein bedeutender Ausbau bei Kohlekraftwerken von 2 auf 30% vorgesehen. Die restlichen 5% entfallen auf erneuerbare Energien, vornehmlich Photovoltaik.

Denkbar wäre allerdings eine Abkehr von der übermäßigen Expansion der Kohlenergie, somit eine Überarbeitung des Masterplans. Neu geprüft werden zudem 49 von der vorherigen Regierung genehmigte Wasserkraftwerke, darunter 42 mit chinesischer Beteiligung. Die größten sind der umstrittene Myitsone Megadamm mit Baukosten in Höhe von 3,6 Mio. $ durch CPI Yunnan International Power und ein erstes Wasserkraftwerk am Thanlwin River, wofür die Hanenergy Holding Group mit Asia World als lokalem Partner 2014 den Zuschlag erhielt. Insgesamt sind am Thanlwin fünf Wasserkraftwerke geplant.

Kickstart in der Solarenergie

Den Grundstein im Solarzweig könnte die amerikanische ACO Investment Group nach der Unterzeichnung eines entsprechenden Power Purchase Agreement (PPA) im März 2016 legen. Ein halbes Jahr später erhielt die Tochtergesellschaft Convalt Energy den Zuschlag für die Errichtung der zwei PV-Freianlagen von jeweils 150 MW mit einem Investment von insgesamt 480 Mio. $. Als Standorte sind Myingyan und Meikhtila bei Mandalay ausgewählt. Konzipiert als Build Operate Transfer-Projekt (BOT) sollen die Solarfarmen in zwei Jahren ans Netz gehen.

Das Vorhaben entbehrt nicht gewisser Risiken, wie der Betreiber gegenüber der Nachrichtenagentur "Myanmar Business Today" erläuterte. Galt es zunächst, ein geeignetes Terrain dieser Größe zu finden, bleiben immer noch Unwägbarkeiten hinsichtlich der Stromübertragung in ein veraltetes Stromnetz und der Verluste auf dem Weg bis zum Endverbraucher. Die Weltbank schätzte die Verlustquote in der Übertragung 2014 auf beachtliche 27%.

Überdies will die texanische Qasar Resources eine Solarfarm in Sagaing mit 100 MW für 150 Mio. $ errichten. Sie ist Teil eines Plans mit einer Investitionssumme in Höhe von 400 Mio. $ für Energieprojekte der kommenden fünf Jahre. Ein Wunschprojekt ist ein Staudamm mit Wasserkraftwerk in Saedawgyi in der Region Mandalay mit 64 MW und einer Bausumme in Höhe von 150 Mio. $. Ein weiteres Vorhaben besteht in einem Dual-Fuel-Kraftwerk in der Sonderwirtschaftszone Thilawa mit zunächst 33 MW und einer Ausbaufähigkeit auf 100 MW.

Interesse für eine weitere große Solarfarm meldete im Herbst auch eine namentlich nicht genannte thailändische Gesellschaft an. Der Vorschlag einer Solarfarm von 150 MW in Minbu in der Region Magway wird von der Myanmar Investment Commission geprüft.

Ein größeres Windenergieprojekt mit einer Kapazität von 30 MW ist in Chaungtha in der Region Ayeyarwady geplant. Ein entsprechendes Memorandum of Agreement (MoA) wurde im März zwischen dem Ministry of Electric Power (MOEP) und der China Three Gorges Corporation unterzeichnet, die zuvor eine Feasibility Study über das Windpotential der Region durchgeführt hatte.

Bei Waste-to-Energy kontrahierte das Yangon City Development Committee die japanische JFE Engineering für den Bau einer Anlage mit einer Leistung von 700 kwh auf der Basis eines Engineering Procurement Construction-Abkommens (EPC). Die Investitionskosten belaufen sich auf 16 Mio. $ und die Inbetriebnahme ist für den April 2017 vorgesehen.

Schulterschluss der Entwicklungsbanken

Neben der ADB und der Weltbank betrat mit der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) ein dritter großer Kapitalgeber die Energieszene mit einem ersten Engagement in Myanmar überhaupt. Die AIIB will 20 Mio. $ für das Erdgaskraftwerk in Myingyan (230 MW) bereitstellen, zu dem auch die International Finance Corporation 58 Mio. $ und die ADB 42 Mio. $ beisteuern wollen. Die Durchführung dieser ersten gänzlich internationalen Ausschreibung sicherte sich Sembcorp Industries aus Singapur.

Die Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) hatte bereits 2014 Investitionshilfen von 1 Mrd. $ über drei Jahre mit dem Schwerpunkt in der Stromversorgung zugesagt. Beratend tätig ist die IFC zudem in der Umwandlung der staatlichen YESC in eine geschäftstragende Gesellschaft. Die Weltbank berät gemeinsam mit der International Hydropower Association im Ausbau der Wasserkraft nach technischen, sozialen und umweltverträglichen "Best Practice"-Standards. Die ADB stellte 60 Mio. $ für die Reparatur und Erneuerung der Netzinfrastruktur zur Verfügung.

Die ausländischen Direktinvestitionen konzentrieren sich bislang stark auf die Stromerzeugung mit dem Schwerpunkt in der Wasserkraft sowie die Exploration und Produktion von Erdgas (Offshore) und Erdöl (Onshore). Wurden bis zum Oktober 2016 Auslandsinvestitionen über 56,3 Mrd. $ realisiert, entfielen auf den Erdöl- und Erdgassektor bereits 21,5 Mrd. $ (38%) durch 96 Unternehmen. An zweiter Stelle folgte die Stromerzeugung mit Investitionen über 14,3 Mrd. $ (25%), die sich allerdings auf lediglich elf Unternehmen verteilen. Maßgeblich engagiert ist hier die VR China, die mit 33% der größte Investor in Myanmar vor Singapur (26), Hongkong (13) und Thailand (6%) ist.

(W.D.)

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Myanmar Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Kernkraft, Strom-/Energieerzeugung, Solarthermie

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