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27.01.2017

Myanmars Telekommunikationssektor bleibt dynamisch

Hohe Auslandsinvestitionen im Mobilfunk / Stärkere Verbreitung von 3G- und 4G-Technologie / Von Waldemar Duscha

Bangkok (GTAI) - Myanmars wirtschaftlichen Aufschwung auf der Basis moderner ausländischer Technologien reflektiert vor allem die Telekommunikation. Die Öffnung des ehemaligen Staatsunternehmens MPT bewirkte für die Firmen Ooredoo und Telenor einen Boom im Mobilfunk. Heute gibt es eine Vielzahl ausländischer Akteure in dem noch jungen Markt, und die rasche Modernisierung der Infrastruktur schafft eine zunehmend breitere Plattform für neue Produkte und Start-ups.

Der Telekomsektor gehört dank einer herausragenden Wachstumsleistung neben dem Baugewerbe und der Tourismusindustrie zu den tragenden Pfeilern der myanmarischen Ökonomie. Hier konzentriert sich auch das meiste ausländische Investment. In den letzten zwei Jahren absorbierte der Sektor mit 2,8 Mrd. US$ weit über ein Drittel der ausländischen Direktinvestitionen, hieß es im ersten "Myanmar Mobile Symposium" zu Jahresbeginn 2017, an dem über 200 Branchenvertreter teilnahmen.

Die Marktform entspricht einem Oligopol mit gerade einmal drei Anbietern. Nach Abonnenten steht dabei die früher staatseigene Myanma Post and Telecommunications (MPT) an der Spitze (20 Mio.) vor der norwegischen Telenor (17 Mio.) und Ooredoo aus Katar (7 Mio.). Ooredoo und Telenor gewannen im August 2014 die Ausschreibung für zwei Telekomlizenzen gegen eine beachtliche internationale Konkurrenz aus 91 Bewerbern.

Breite Unterstützung leisten die internationalen Geldgeber, vor allem die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) und die International Finance Corporation (IFC) als die kommerzielle Finanztochter der Weltbank. Beispielsweise sicherte sich Ooredoo zwecks beschleunigter Netzerweiterung 2016 ein Darlehen über 300 Mio. $ der beiden Institutionen. Als neuer Finanzgeber engagierte sich nunmehr auch die amerikanische Overseas Private Investment Corporation, welche die Expansion von Apollo Towers als einem führenden Anbieter von Mobilfunkmasten unterstützt.

Aufbruch in die vierte Generation

Über das größte 3G-Netzwerk verfügt der einstige Monopolist MPT. Das Unternehmen stärkte seine Marktposition 2014 durch ein Joint Venture mit KDDI Summit Global Myanmar (KSGM), einer Partnerschaft der japanischen Großkonzerne KDDI und Sumitomo, die für die weitere Expansion Investitionen über 2 Mrd. $ zusagten. In diesem Frühjahr will MPT ihr mobiles 3G-Netzwerk bereits von 60 auf 90% ausdehnen.

Die neue Technologie 4G LTE (Long-Term Evolution) soll im März 2017 ihren großen Durchbruch mit dem Launch des mobilen Internetnetzwerks von 1.800 MHz für Smartphones erhalten. Bisher im Angebot sind 2G und 3G auf den Frequenzen von 900 und 2.100 MHz, während 4G in einigen Stadtteilen von Yangon, Mandalay und Nay Pyi Taw nur begrenzt verfügbar ist. Telenor will mit 4G in die Region Bago expandieren, Ooredoo nach Magway. Landesweit erreicht die Mobilfunkdichte rund 85%, größtenteils Smartphones mit 3G- und 4G-Fähigkeit.

Die Erfolgsgeschichte befruchtete die Idee einer vierten Telekomlizenz. Die neu gegründete Myanmar National Tele & Communications (MNTC) besteht auf nationaler Seite aus der Myanmar National Telecom Holding Public (23%) und der Star High Public Company (28%), letztere unter dem Dach der militärischen Myanmar Economic Corporation (MEC). Als ausländischer Partner sicherte sich die ebenfalls militärisch kontrollierte Firma Viettel aus Vietnam den Zuschlag - gegen die Konkurrenz von Free, China Telecom, Beijing Xinwei, iCOM, Singtel und MTN aus Südafrika. Viettel sagte Investitionen in Höhe von 1,5 Mrd. $ zu. Insgesamt kündigte MNTC Vorhaben im Wert von 2 Mrd. $ an mit einem Schwerpunkt im ländlichen Raum.

In der Produktion von Mobilfunkmasten tummeln sich bereits mehrere ausländische Hersteller. Installiert waren Ende 2016 rund 11.700 Masten. Zu den größeren Akteuren zählen Irrawaddy Green Tower (2.900), Apollo Towers (1.800), Edotco Myanmar (1.250), OCK Group (900) oder Eco-Friendly Towers der Young Investment Group (700). Apollo Towers wurde vom amerikanischen Kapitalfonds Texas Pacific finanziert und will mit dem Darlehen der Overseas Private Investment Corporation (OPIC) weitere 4.000 Masten errichten.

Kapitalveränderungen scheinen im Tower Business unproblematisch. So erhöhte Malaysias Telekomgigant Axiata im November 2016 seinen Anteil an Edotco Myanmar mit 35 Mio. $ von 75 auf 87,5%, was den Unternehmenswert von Edotco auf 280 Mio. $ aufstockte. Kurz zuvor hatte die Singapore Myanmar Investco ihr Geschäft für 12,7 Mio. $ an die Shining Star International Holdings aus Hongkong abgetreten, um sich auf ihr Kerngeschäft im Einzelhandel zu konzentrieren.

Marktbeherrschend bei Mobiltelefonen ist der chinesische Großkonzern Huawei mit einem Marktanteil nach eigenen Angaben in Höhe von 90%. Zur weiteren Expansion vereinbarte Huawei Ende 2016 eine Partnerschaft mit dem größten nationalen IT-Vertriebsunternehmen KMD. Seine Marktdominanz festigt der Telekomriese nicht zuletzt mit der Schaffung von Humankapital durch die Etablierung ihrer Huawei Authorised Information Network Academy in Yangon's Thanlyin University of Science and Technology - als letzte von weltweit 140 HAINA-Einrichtungen in 20 Ländern.

Plattform für neue IKT-Produkte

Mit der modernen Kommunikation verstärkt sich die Nachfrage nach höherwertigen Produkten und Dienstleistungen wie etwa Datenzentren. Ausschlaggebend ist das mobile Breitband, dessen Marktdurchdringung in den letzten drei Jahren von 15 auf 35% angestiegen ist. Generell wächst die Inanspruchnahme von Datendiensten deutlich intensiver als Voice, wobei Smartphones mit 80% dominieren.

Laut MPT zählt Myanmar 2,6 Mio. Internetnutzer und nimmt monatlich um 70.000 bis 80.000 Personen zu. MPT hat sich hier für 2017 eine Marktdurchdringung von 80% (nach 60% im Vorjahr) zum Ziel gesetzt. Das IKT-Ministerium schätzt für 2016 die Mobilfunkrate auf 80% und die Internetnutzung auf 50%. Dürfte dieser Markt kontinuierlich weiter zulegen, bleibt der Beitrag des Festnetzes mit einer Nutzungsrate von 0,5% vernichtend gering. Die Hauptgründe liegen in der Dominanz des Mobilfunks und dem geringen Interesse der Lizenzakteure für Ausgaben in feste Breitbandinfrastruktur.

Clouddienste setzen sich durch und schaffen Bedarf an komplexen Datenspeichern. Mit Pionierfunktion wurde hier zum Jahresende das Projekt Golden Myanmar Business Exchange (GMBX) in Yangons Stadtteil East Dagon eröffnet. Das 4,5 Mio. $ teure Datenzentrum bietet ein "Open Stack"-Format und soll zunächst Backupfunktionen für Banken übernehmen. Die Telekombetreiber erhalten hiermit die Chance für schnelle und sichere Clouddienste.

Bahnbrechend für den individuellen Zahlungsverkehr war die Einrichtung des "Wave Money" beziehungsweise Geldtransfer über Shops, Agenten oder Mobiltelefon. Das System soll hauptsächlich den ärmeren Personen ohne eigenes Bankkonto zur Verfügung stehen, welche immerhin einen Anteil von 90% an der Bevölkerung von 51 Mio. Menschen repräsentieren. Eingerichtet wurde das Projekt mit einem Investment von 17 Mio. $ durch ein Joint Venture aus Telenor (51%), First Myanmar Investment (44%) und der Yoma Bank (5%). Nach nur einem Jahr existieren landesweit bereits über 4.000 Wave Shops.

(W.D.)

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Myanmar Telekommunikationsdienste, Internetdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk)

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