Suche

12.03.2019

Nachfrage auf dem polnischen Wohnungsmarkt hält an

Weiterer Preisanstieg erwartet / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Der Wohnungsmarkt in Polen boomt, die Preise steigen. Davon ist vor allem der Markt für gebrauchte Immobilien betroffen.

Im Jahr 2018 wurden in Polen rund 185.000 Wohnungen fertiggestellt, ein Plus 3,6 Prozent beziehungsweise 6.200 Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig erfolgte 2018 der erste Spatenstich für 222.000 Wohnungen, was einer Steigerung von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht und zu einer weiter steigenden Zahl von fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2019 führen dürfte.

Im Frühjahr 2019 mehren sich die Anzeichen, dass der Boom seinem Ende entgegensieht: Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 verzeichnete das Wohnungsportal Rynek Pierwotny einen Nachfragerückgang von potenziellen Käufern neuer Wohnungen. Jaroslaw Jedrzynski, Experte des Portals, sagt, dass die Zahl der Neubauprojekte zwar einen neuen Rekord erreicht habe, alsbald aber mit einem Rückgang der neuen Projekte zu rechnen sei.

Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist nach Einschätzung von Pawel Sztejter, Leiter der Wohnimmobilienabteilung bei REAS | Jones Lang LaSalle (JLL) Residential Advisory, das begrenzte Angebot an Investitionsflächen. Barbara Bugaj, Senior Real Estate Analystin bei Cenatorium, nennt zudem Probleme mit Projektaufträgen, fehlende Arbeitskräfte und die stark steigenden Kosten für Baumaterialien als Gründe. So lag die durchschnittliche Rentabilität der Baubranche nach Angaben des Unternehmens Euler Hermes Ende des 1. Quartals 2018 bei unter 1 Prozent.

Höhere Baukosten treiben die Preise

Die steigenden Baukosten haben in Kombination mit steigenden Grundstückspreisen seit Mitte 2017 zu einem starken Preisanstieg für Wohnungen in Polen geführt. So legte der Quadratmeterpreis nach Angaben des Wohnungsportals Rynek Pierwotny 2018 im Durchschnitt um etwa 10 Prozent zu. In mittelgroßen Städten stiegen die Preise besonders kräftig; so zum Beispiel in Bialystok mit knapp 300.000 Einwohnern. Hier lag das Plus 2018 bei 20 Prozent.

Der Preisanstieg wird sich jüngsten Prognosen zufolge auch 2019 fortsetzen, jedoch abgeschwächt. Analystin Bugai erwartet, dass Käufer 2019 sensibler auf Preissteigerungen reagieren könnten. Einen Indikator für diese Einschätzung sieht sie darin, dass die Nachfrage der Käufer nach Wohnungsbaudarlehen seit Ende 2018 zurückgeht. Zudem könnten höhere Preise und ein möglicher Zinsanstieg dazu führen, dass immer weniger Käufer einen Kredit in der benötigten Höhe bekommen werden.

Gebrauchte Immobilien deutlich im Aufwind

Der hohe Preisanstieg für Neubauten sorgt auch für steigende Preise auf dem Sekundärmarkt, dem Markt für gebrauchte Immobilien. Die langen Bauzeiten von neuen Objekten verstärken den Effekt. Marcin Janczuk, Analyst bei Metrohouse, berichtet, dass die Preise für gebrauchte Immobilien in der Stadt Krakau 2017 am stärksten gestiegen sind (4 Prozent), 2018 waren es dann 13,2 Prozent,

Im Landesdurchschnitt legten die Preise für gebrauchte Immobilien 2018 um gut 10 Prozent zu. Dabei fiel das Plus in den größeren Städten im Durchschnitt deutlich höher aus. Lediglich Posen erreichte den Durchschnittswert nicht. Lodsch, der Spitzenreiter im Jahr 2018, kommt auf einen Wert von 13,9 Prozent.

Käufer von Wohnungen haben 2018 bereits damit begonnen, ihre Ansprüche an das Eigenheim zurückzuschrauben. Paare und Familien kauften beispielsweise eine kleinere Wohnung mit weniger Zimmern, in einem günstigeren Viertel, weiter weg vom Stadtzentrum. Verkaufte Zweizimmerwohnungen waren 2018 laut Internetplattform Obido rund 7 Quadratmeter kleiner als im Jahr zuvor. Größter Beliebtheit erfreuten sich 2018 Ein- und Zweizimmerwohnungen in Innenstadtlage mit einer Größe von 30 bis 50 Quadratmetern.

Der Großteil der Polen lebt in ihren eigenen vier Wänden: Rund 84 Prozent aller Häuser und Wohnungen befanden sich 2017 nach Angaben von Eurostat in Privatbesitz. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Der Mietmarkt im Land ist überschaubar. Wie Jaroslaw Strzeszynski vom Analyseinstitut MRN (Instytut Analiz Monitor Rynku Nieruchomosci) berichtet, sind die Mieten für marktgerechte Wohnungen in Polen recht hoch. Deshalb entscheiden sich viele Menschen für den Kauf. Die Rate für den Wohnungskredit liegt laut Experten auf einem ähnlichen Niveau wie die Miete.

Regierung will 100.000 Wohnungen bauen

Die Regierung will Abhilfe schaffen: Im Rahmen des Programms Wohnung+ (Mieszkanie+) soll bis Ende 2019 mit dem Bau von 100.000 Wohnungen begonnen werden. Zielgruppe sind Personen, die sich den Kauf einer eigenen Wohnung nicht leisten können, deren Einkommen aber gleichzeitig zu hoch ist, um Wohnraum beispielsweise bei der Gemeinde beantragen zu können.

Investitionen in den polnischen Wohnungsmarkt plant das Berliner Unternehmen Medici Livin Group zusammen mit seinem Partner Corestate. Binnen drei Jahren wollen die Gesellschaften 1 Milliarde Euro investieren, davon 20 Prozent in den polnischen Markt. Hier sollen sieben Gebäude mit insgesamt rund 1.200 Mietwohnungen entstehen. Im Fokus stehen Co-Living-Wohnkonzepte. Küche, Ess- und Badezimmer sowie Fernsehraum und Waschküche sind Gemeinschaftsräume. Hauptzielgruppe dieser Wohnungen sind Millennials. Wie Günther Schmidt, Geschäftsführer von Medici Living Group, berichtet, will diese Generation oft nicht an einem Ort leben, viele wollen auch kein Geld für den Kauf von Wohnungen ausgeben.

Mehr Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Wohnungsbau

Funktionen

Kontakt

Fabian Möpert

‎+49 30 200099209

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche