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07.08.2019

Namibia will Wirtschaftspolitik neu justieren

Bei Wirtschaftsgipfel Investitionszusagen von rund 1,4 Milliarden US-Dollar / Von Fausi Najjar

Windhuk (GTAI) - Mit dem Namibia Economic Growth Summit 2019 will die namibische Regierung das schwache Wachstum anschieben. Dabei setzt sie auf den Privatsektor.

Namibias Regierung möchte eine Trendumkehr in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung herbeiführen und hatte Ende Juli/Anfang August zum Wirtschaftsgipfel geladen. Neben der Anwerbung neuer Investoren und der Präsentation von Investitionszusagen ging es beim Namibia Economic Growth Summit 2019 auch um die Vorstellung geplanter wirtschaftspolitischer Reformen. Die Teilnahme des Präsidenten Hage Geingob sowie von Ministern und weiteren Regierungsmitgliedern unterstreicht das Gewicht der Konferenz. Insgesamt haben sich mehr als 880 Teilnehmer in Windhuk eingefunden.

Tatsächlich durchlebt das südwestafrikanische Flächenland eine wirtschaftliche Krise. In den Jahren 2017 und 2018 schrumpfte die Wirtschaft um jeweils 0,9 und 0,1 Prozent und 2019 dürfte das Wachstum deutlich unter einem 1 Prozent liegen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: ein schwacher Bergbausektor, fehlende Impulse vonseiten des wirtschaftlichen Schwergewichts Südafrika, eine anhaltende Dürre und der Zwang zu staatlichen Ausgabenkürzungen in einer stark vom Staat geprägten Wirtschaft.

Johannes Gawaxab, der Vorsitzende der Reformkommission High Level Panel on the Namibian Economy, sagte in einer anschließenden Pressekonferenz, dass sich die Investitionsvorschläge auf der Konferenz auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar (US$) beliefen. Das Investitionskomittee habe bislang Projekte im Wert von 1,4 Milliarden US$ überprüft und als ernsthafte Vorschläge befunden.

Nicht bei den Ausführungen Gawaxabs enthalten sind rund 300 Millionen US$ der in Kairo ansässigen African Export-Import Bank, von etwa 284 Millionen US$ der Bankengruppe Old Mutual für regenerative Energieprojekte oder die in Aussicht gestellten 200 Millionen US$ der African Investment Corporation.

Die Konferenz habe die Erwartungen übertroffen und spiegele das neuerliche Vertrauen in Namibia wider, so Gawaxab. "Es gibt nun ein neues Narrativ für die Wiederbelebung der lokalen Wirtschaft, die Schaffung von Arbeitsplätzen und einer neuen Partnerschaft zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor." Auffällig ist der hohe Anteil öffentlicher Träger bei den als feste Zusagen geltenden Projekten. Knappe Kassen in Namibia dürften deren Umsetzung einschränken.

Vorgestellte Investitionen beim Namibia Economic Growth Summit 2019
Potenzielle Investoren 1) Mio. US$ 2) Projekte
Cosmar Energy Group 1.500 Raffinerie 1,6 Mio. Tonnen pro Jahr, Kraftwerk mit 600 Megawatt (MW), Meerwasserentsalzung (10.000 Kubikmeter am Tag).
Development Bank Namibia/Development Bank South Africa 567 177 Mio. US$ an staatliche Nampower für die Elektrifizierung; 177 Mio. US$ an staatliche Transnam für rollendes Zugmaterial; 213 Mio. US$ an Namwater für Wasserprojekte.
Government Institutions Pensions Fund Namibia-GIPF (namibische Pensionskasse) 380 Infrastruktur, bezahlbare Wohnungen, Agrarwirtschaft.
Nampower-Kraftwerksprojekte 330 20 MW Omburu Photovoltaik (PV) Power Project (36 Mio. US$); 40 MW Otjikoto Biomass Power Project (135 Mio. US$); 40 MW Luderitz Wind Power Project (78 Mio. US$); 50 MW Firm Power (Anixas II) Project (85 Mio. US$) 3).
Nampower-Projekte in der Stromübertragung 273 400 kV Leitung Auas-Gerus (71 Mio. US$), Verbindung: Windhuk nach Otjiwarongo; 400 kV Leitung Auas-Kokerboom 2 (126 Mio. US$), Verbindung: Windhuk nach Keetmanshoop; 400 kV Leitung Obib nach Oranjemond (76 Mio. US$), Verbindung: Obib-Oranjemond (Südafrika)
Nampower-Kraftwerksprojekte im Rahmen Öffentlich-Privater-Partnerschaften 116 20 MW Solar PV Independent Power Producer (IPP) Project (28 Mio. US$); 50 MW Wind IPP Project (88 Mio. US$)
Ohlthaver & List 110 21 Mio. US$ in Immobilien; 25 Mio. in Diverses, darunter Fischzucht; im Rahmen eines Joint Venture mit Icool Connect Africa rund 64 Mio. in Informations- und Telekommunikationsinfrastruktur.
Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 71 Komsberg Farm (Grenze zu Südafrika) 23.000 ha. Investitionen in Anbau von Tafeltrauben, Zitrusfrüchten, Luzerne, Verpackungsanlagen, Kühlhaus, Solarkraftwerk, Unterkünfte.
Lokale Banken 52 Stadtentwicklung Ongos Valley Development.
Gondwana Collection Namibia 16 Tourismusprojekte.

1) es wurden nur potenzielle Investoren berücksichtigt, die während der Konferenz ihre konkreten Projekte vorgestellt haben; 2) Angaben in Namibia-Dollar (N$) sind nach Umrechnungskurs 1 US$ = 0,070932 N$ umgerechnet worden; deswegen können Abweichungen zu den Angaben der Regierungsstellen auftreten; 3) aufgrund von Rundungen weicht die Summe der Einzelprojekte von der Gesamtsumme ab

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Verbesserter Wirtschaftsrahmen

Eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie den Investitionszusagen fällt den während des Namibia Economic Growth Summit angekündigten Reformvorhaben zu. Zentral sind hier die Ankündigungen zum neuen Gesetz zur Förderung der wirtschaftlichen Beteiligung historisch benachteiligter Gruppen NEEEF (New Equitable Economic Empowerment Framework) und zum Investitionsgesetz (Namibia Investment Promotion Act).

NEEEF regelt über ein Punktesystem die Berechtigung von Unternehmen, Aufträge bei öffentlichen Stellen zu erhalten und die natürlichen Ressourcen (Bergbau und Fischvorkommen) zu nutzen. Die historisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen, die praktisch alle Nicht-Weißen im Land umfassen, sollen laut NEEEF durch folgende Maßnahmen gestärkt werden: Schaffung von Eigentumsanteilen am betreffenden Unternehmen, Beteiligung an Management, Ausbildung und Personalentwicklung, Unternehmensentwicklung und Investitionen zugunsten der lokalen Bevölkerung.

In dem Punktesystem soll nun die bislang generell notwendige Eigentumsbeteiligung von 25 Prozent fallen gelassen werden. Die Eigentumsbeteiligung soll nach Sektoren variabel geregelt werden. Um rasch Klarheit zu schaffen, verspricht die namibische Regierung außerdem, die NEEEF-Regelung innerhalb von sechs Monaten umzusetzen.

Zügig realisiert werden soll auch der auf Halt gesetzte Namibia Investment Promotion Act. Hinzu kommt das Versprechen, im Gesetz angelegte bürokratische Hürden abzubauen. Ebenso hat die Regierung Vereinfachungen im öffentlichen Beschaffungswesen noch im laufenden Fiskaljahr (1. April bis 31. März) und Beschleunigung von Ausschreibungsverfahren versprochen. Vorgesehen ist unter anderem auch noch, die Kosten bei Touristenvisa zu senken und die Visabestimmungen für Unternehmern, Fachkräfte und Pensionäre zu lockern.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Namibia können Sie unter http://www.gtai.de/namibia abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Namibia Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein

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