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02.04.2019

Namibias Nahrungsmittelindustrie in der Dauerkrise

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Ausnahme: Investitionen in die Fischverarbeitung / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Der kleine Inlandsmarkt und der Wettbewerb aus Südafrika schränken die Nahrungsmittelverarbeitung in Namibia stark ein. Investiert wird in der Fischindustrie.

Dank ergiebiger Regenfälle und höherer Exportpreise für Rindfleisch konnte die namibische Landwirtschaft 2017 gegenüber dem Vorjahr real um 12,6 Prozent zulegen. Bei der Viehzucht lag die Steigerungsrate bei 13,7 und beim Ackerbau bei 11 Prozent. Im Jahr 2018 hat sich das Agrarwachstum verlangsamt. Im 3. Quartal ist der Sektor gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahrs um 0,8 Prozent gewachsen. In der Viehzucht war ein Negativwachstum von 7,4 Prozent zu verzeichnen.

Der Agrarsektor ist klein und wegen Dürreperioden von Produktionsschwankungen gekennzeichnet. Das heiße und trockene Namibia ist stark von Nahrungsmittelimporten abhängig und produziert lediglich rund 40 Prozent seines Bedarfs selbst. Im Fiskaljahr 2017/18 beliefen sich die Importanteile bei Weizen und Obst auf jeweils 96 Prozent, bei Perlhirse auf 60 und bei weißem Mais auf 40 Prozent.

Der Beitrag der Landwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2017 lediglich 4,5 Prozent; der Anteil der Arbeitsbevölkerung im Agrarsektor lag bei rund 20 Prozent. Der Großteil der in der Landwirtschaft aktiven Bevölkerung wirtschaftet auf oder unterhalb des Subsistenzniveaus. Demgegenüber gibt es rund 4.000 kommerziell ausgerichtete, teils hochproduktive Farmen.

Kleiner Markt für Nahrungsmittel des gehobenen Bedarfs

Im Jahr 2018 hat die namibische Wirtschaft die Rezession des Vorjahres hinter sich gelassen; allerdings weist die verarbeitende Industrie deutliche Bremsspuren auf. Vor allem das Minuswachstum bei der Verarbeitung von Rohdiamanten war hierfür verantwortlich. Insgesamt bleibt das reale Wachstum 2019 und 2020 für ein Entwicklungsland zu schwach. Laut Economist Intelligence Unit ist mit jeweils 2,4 und 0,8 Prozent zu rechnen. Weiterhin belasten der Spardruck der öffentlichen Hand und niedrige Preise für die wichtigsten Exportgüter - Diamanten und zunehmend Uran - die Wirtschaft.

Aufgrund hoher Einkünfte aus dem Rohstoffsektor liegt Namibia mit seinen 2,4 Millionen Einwohnern beim Pro-Kopf-Einkommen in US-Dollar von 49 Ländern in Subsahara-Afrika auf dem siebten Rang. Wegen einer ausgeprägten Ungleichverteilung ist die Armutsquote hoch. Der Konsummarkt für Nahrungsmittel des gehobenen Bedarfs fällt dementsprechend klein aus.

Trotz Möglichkeiten zur Steuerbefreiung und weiterer staatlicher Förderungen für exportorientierte Industriebetriebe bleibt die Nahrungsmittelverarbeitung wegen einer dominierenden Konkurrenz aus dem Nachbarland Südafrika gering. Zudem sorgt die Debatte um radikale Landreformen für erhebliche Unsicherheiten bei Farmern und Investoren. Diesbezüglich dürfte es bestenfalls nach den Wahlen im Oktober 2019 wieder mehr Klarheit geben. Insofern sind zunächst mit Ausnahme der Fischindustrie weitgehend Bestandsinvestitionen schon etablierter Unternehmen in der Nahrungsmittelverarbeitung zu erwarten.

Ausbau der Fischindustrie in vollem Gange

Die Fischindustrie ist nach dem Bergbau und Tourismus drittwichtigster Devisenbringer für Namibia. Rund 10 bis 15 Prozent des BIP der verarbeitenden Industrie entfallen darauf. Nach Marokko und Südafrika ist der Flächenstaat drittgrößte Fischfangnation Afrikas. Die namibische Fischereizone mit ihrem hohen Fisch- und Meeresfrüchtebestand profitiert von dem sauerstoff- und planktonreichen Benguela-Strom.

In der Fischindustrie (Fang, Verarbeitung und Vertrieb) sind gegenwärtig rund 16.800 Menschen beschäftigt. Die landseitige Verarbeitung von Fisch ist aber noch wenig entwickelt. Mit dem Ausbau der Fischverarbeitung und -verpackung in Walvis Bay will Namibia bis 2022 zu einem bedeutenden Fischindustrie-Hub am südwestlichen Atlantik aufsteigen. Neben Walvis Bay ist in Swakopmund und Lüderitz Fischindustrie angesiedelt.

Die namibische Regierung hat das ehrgeizige Ziel ausgegeben, bis 2021/22 den Anteil des vor Ort verarbeiteten und verpackten Fischs und weiterer Meeresprodukte volumenmäßig auf rund 40 Prozent des Fangs zu erhöhen. Gegenwärtig dürfte diese Quote bei etwa 10 Prozent liegen. Tatsächlich ist schon eine Reihe von Investitionen in den Ausbau der Fischindustrie erfolgt.

Anfang Januar 2019 hat die staatliche Fishcor (National Fishing Corporation of Namibia) den baldigen Produktionsbeginn einer neuen, rund 32 Millionen Euro teuren Fabrik für die Verarbeitung von Bastard-Makrelen in Walvis Bay angekündigt. Die Fishcor ist an der Seaflower Pelagic Processing zu 40 Prozent beteiligt. 60 Prozent hält African Selection Fishing Namibia. Im September 2018 hat der namibische Minister für Fischerei zwei Projekte in Walvis Bay eröffnet. Investiert haben Seagull Fish Processors in eine Fischverarbeitung und Eisherstellung sowie eine Partnerschaft aus Tunacor und Corvima in eine weitere Verarbeitung und in einen Anlegesteg.

Fleischverarbeitung kommt nicht vom Fleck

Das kaum besiedelte Namibia besteht zu 70 Prozent aus Savanne und bietet gute Voraussetzungen für die Weidewirtschaft. Weltweit steigen die Nachfrage und die Preise für Rindfleisch. Dennoch schränken Dürre, hohe Preise von Importfutter und fehlendes Know-how bei neuen Playern die Wettbewerbsfähigkeit der namibischen Viehzucht ein. Vor dem Hintergrund der starken Konkurrenz aus Südafrika bleibt die Fleischverarbeitung sehr klein und unterausgelastet. Namibia führt Vieh (vor allem Rinder, aber auch Ziegen und Ferkel) vor allem lebend aus. Die Fleischverarbeitung steuert weniger als 10 Prozent zum BIP des produzierenden Gewerbes bei. Im Jahr 2017 hatte es bei der Fleischverarbeitung einen Wachstumseinbruch von 14,4 Prozent gegeben.

Mit Abstand wichtigster Verarbeiter in Namibia ist die staatliche Meatco Gruppe. Diese verfügt über zwei Schlachtereien, einen Mastbetrieb und eine Gerberei. Auf Meatco entfällt ein Marktanteil von knapp 80 Prozent. Das Unternehmen führt rund 85 Prozent seiner Produktion aus. Wertmäßig sind Norwegen und das Vereinigte Königreich die wichtigsten Auslandsmärkte. Kleinere Schlachtbetriebe sind Hartlief Corporation, Brukarros Meat Processors und Klein Windhoek Schlachterei.

Getränkeindustrie in Schwierigkeiten: Ausnahme Bierherstellung

Die Getränkeindustrie hat sich statistischen Angaben zufolge bis zum 2. Quartal 2018 nach vier Jahren mit einem Minus-Wachstum von durchschnittlich 5,3 Prozent moderat erholt.

Namibia ist beim Pro-Kopf-Konsum für Bier im südlichen Afrika führend. Bier ist das Nationalgetränk und wird nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, wichtigste Marken sind Windhoek Lager und Tafel Lager. Namibisches Bier ist in der gesamten Region beliebt.

Die Namibia Breweries Limited (NBL) ist die führende Brauerei. Die Ohlthaver & List Group of Companies ist größter Anteilseigner. Auch Heineken ist an NBL beteiligt. Das Portfolio von NBL fokussiert ausschließlich auf Bier. Schlüsselmarken sind Windhoek, Heineken und Amstel. Rund die Hälfte des Ausstoßes von NBL geht in den Export, hauptsächlich nach Südafrika. SABMiller (South African Breweries), die vor allem Castle Beer braut, hat Mitte 2013 eine Brauerei in Okahandja in Zentralnamibia in Betrieb genommen. Mittlerweile ist der ehemals weltweit zweitgrößte Bierbrauer Teil von Anheuser-Busch InBev.

Coca-Cola Beverage Africa gilt als bedeutender Softdrink-Hersteller und musste 2016 wegen Wasserknappheit sein Werk in Windhuk schließen. Interpack ist größter heimischer Saftproduzent. Wichtigste Marken sind Vita Juice und Tropizone. Der Getränkehersteller Namibia Quality Beverage musste im Oktober 2017 seine Tore schließen.

Weitere Branchen der Nahrungsmittelverarbeitung schwach aufgestellt

In der Milchwirtschaft gibt es insgesamt 16 Molkereibetriebe, die allesamt unter erheblichem Konkurrenzdruck aus Südafrika stehen, wo Milchprodukte im Unterschied zu Namibia von der Mehrwertsteuer befreit sind. Im Juli 2018 hat die namibische Regierung angekündigt, dem Parlament ein neues Gesetz (Importation and Exportation of Dairy Products Substitution Amendment Bill) zum Schutz der heimischen Milchindustrie zur Abstimmung vorzulegen. Butter und Käse importiert Namibia nahezu komplett.

Mit Namib Mills und Bokomo Namibia gibt es zwei bedeutende Müllerei-Unternehmen. Angesichts geringer heimischer Input-Quote ist mit einer Expansion der Branche nicht zu rechnen.

Einzelhandel von Supermärkten geprägt

Eine steigende Verstädterung, Mobilität und neue Konsum- und Lebensmuster unterstützen die Expansion von Supermärkten. Den Einzelhandel dominieren südafrikanische Supermarktketten, wie Shoprite, Spar Group, Pick n Pay und Woolworths. Die namibische Woermann Brock (WB) bleibt trotz des starken Wettbewerbs mit 30 Supermärkten und 13 Abholmärkten gut aufgestellt. Im Hinblick auf die Marktanteile folgt WB auf Shoprite und Pick n Pay. Präsent sind außerdem Fastfood- (KFC, Wimpy, Nando´s) und Restaurantketten (Rhapsody´s, News Cafe).

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Namibia können Sie unter http://www.gtai.de/namibia abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Namibia Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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