Suche

27.09.2019

Neue Investitionsoffensive in Usbekistans Agribusiness

45 neue Logistikzentren geplant / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - In Usbekistans Agribusiness kommt Bewegung. Bis 2021 sollen neue Projekte für gut 1,3 Milliarden US-Dollar realisiert werden, vorrangig in den Bereichen Obst und Gemüse sowie Tierzucht.

Die wirtschaftliche Liberalisierung und Marktöffnung Usbekistans geht am Agribusiness nicht vorbei. Die Branche bietet heute mehr denn je vielversprechende Kooperations- und Lieferchancen: Ende Juli 2019 verabschiedete die Regierung ein Programm für die beschleunigte Entwicklung der Agar- und Ernährungswirtschaft für den Zeitraum bis 2021. In die Umsetzung der Projekte sollen neue Kredite ausländischer Geberbanken von insgesamt 1,3 Milliarden US-Dollar (US$) fließen.

Obst und Gemüse, Tierzucht und Agrologistik sind Schwerpunkte

So stellt die Asiatische Entwicklungsbank (Asian Development Bank/ADB) 350 Millionen US$ für neue Agrologistikzentren bereit. Den Ausbau der Tierzucht wollen die Französische Entwicklungsagentur (Agence francaise de developpement/AFD) mit 170 Millionen US$ und die ADB mit 150 Millionen US$ unterstützen.

Die Japanische Agentur für Internationale Zusammenarbeit (Japan International Cooperation Agency/JICA) will Projekte in der Produktion von Obst und Gemüse mit 200 Millionen US$ fördern. Zwei Darlehen der Weltbank über insgesamt 400 Millionen US$ sollen die Entwicklung des Unternehmertums und die Modernisierung im Agrarsektor voranbringen. Auch der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (International Fund for Agricultural Development/IFAD) will Modernisierungsprojekte mit 47 Millionen US$ begleiten.

Bereits laufende geberfinanzierte Projekte für mehr als 1 Milliarde US$

Darüber hinaus gibt es große geberfinanzierten Projekte, die bereits angelaufen sind. Ende April 2019 startete ein Vorhaben, in dem es um die Errichtung von Wertschöpfungsketten und die Förderung von Investitionsprojekten kleiner und mittlerer Produzenten geht. Ferner sollen effektive Absatzkanäle in der Tierzucht geschaffen werden. Die Weltbank unterstützt das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt mit 150 Millionen US$, die Europäische Union mit 15 Millionen US$.

Im März 2019 erfolgte der Startschuss für ein bis 2025 laufendes 300-Millionen-US$-Vorhaben für die Entwicklung des ländlichen Unternehmertums im Ferganatal. Die Weltbank begleitet das Projekt mit 200 Millionen US$.

Anfang 2018 stockte die Weltbank ihre Kofinanzierung für Ausbauprojekte im Gartenbau um 500 Millionen US$ auf. Damit werden bis 2021/2022 vorrangig Investitionen in Kühllager, Verarbeitungskapazitäten, Gewächshäuser und Obstgärten finanziert. Mehr als die Hälfte der Fördergelder fließt in die vier Regionen Samarkand, Fergana, Surchandarja und Buchara. Die ADB genehmigte im November 2018 ein Darlehen über 197 Millionen US$ für die Errichtung von Wertschöpfungsketten im Gartenbau.

Projektliste umfasst 45 Agrologistikzentren und 205 Verarbeitungsbetriebe

Im Einzelnen sind im Rahmen der neuen Initiative für den Ausbau des Agribusiness im Zeitraum 2019 bis 2021 folgende Projekte vorgesehen:

- die Errichtung von acht großen Agrologistikzentren in den Regionen Andischan, Buchara, Dshisak (Jizzak), Samarkand, Surchandarja, Taschkent, Fergana und Choresm mit einer Lagerkapazität von 3 Millionen Tonnen gleichzeitiger Lagerung;

- die Errichtung von 37 kleineren Agrologistikzentren in allen Landesteilen mit einer Lagerkapazität von 360.000 Tonnen gleichzeitiger Lagerung;

- die Gründung und technische Ausstattung von 205 Betrieben für die Verarbeitung agrarischer Güter;

- die Umwandlung von ineffektiven Plantagen (36.000 Hektar) in intensiv bewirtschaftete Flächen für den Gartenbau;

- die Beschaffung von Gartenbautechnik und Ausrüstungen für die Tierzucht;

- die Modernisierung von Labors in Prüf- und Zertifizierungszentren der Agentur für Standardisierung, Metrologie und Zertifizierung Uzstandart (republikanisches Zentrum und regionale Zentren in Namangan und Samarkand);

- die Einführung von 726 internationalen Standards in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie.

Hauptziele der Initiative sind eine Ausweitung der Verarbeitung und der Exporte agrarischer Erzeugnisse um bis zu 150 Prozent bis 2021 gegenüber dem Jahr 2018 und der Ausbau moderner Lagerkapazitäten auf 3,8 Millionen Tonnen (gleichzeitige Lagerung).

Immer mehr private Investoren entdecken das Marktpotenzial

Nicht nur internationale Finanzierungsinstitute weiten ihre Aktivitäten im usbekischen Agribusiness aus. Auch ausländische Investoren engagieren sich zunehmend im Land: Die russische Holding Eko-kultura will beispielsweise für 300 Millionen Euro einen Gewächshauskomplex (bis zu 350 Hektar) in der Provinz Surchandarja errichten und hier vor allem Tomaten für den Absatz in Russland anbauen (Realisierung: 2019 bis 2022).

Das Joint Venture Jizzax organic, an dem das chinesische Unternehmen Delmor maßgeblich beteiligt ist, errichtet in der Provinz Jizzak ein Agroindustriecluster für die Fleisch- und Milchproduktion. Das 100-Millionen-US$-Projekt soll zwischen 2019 und 2023 schrittweise umgesetzt werden. Die Industrial Innovation Group (VAE) verfolgt ein auf 182 Millionen Euro veranschlagtes Projekt für die Verarbeitung von Zellulosekulturen.

Usbekistan bietet in- und ausländischen Unternehmen auch den Kauf staatlicher Aktienpakete von Produzenten der Nahrungs- und Genussmittelindustrie an. Bei der Agentur für die Verwaltung von Staatsvermögen (http://www.davaktiv.uz) können Informationen über Privatisierungsangebote und die Konditionen für den Erwerb eingeholt werden. Der Verkauf von Betrieben der Wein- und Spirituosenbranche erfolgt online über das Portal E-ijro auksion (https://e-auksion.uz; Rubrik Staatliche Aktiva).

Erfolg hängt an stärkerer Zusammenarbeit der Landwirte

Im Jahr 2019 will das Land 16,6 Millionen Tonnen Obst, Gemüse, Melonen und Wein produzieren und davon 2,7 Millionen Tonnen verarbeiten. Die Exporte sollen auf 2,1 Millionen Tonnen steigen (2018: 1,2 Millionen Tonnen; 1. Halbjahr 2019: 780.000 Tonnen). Der Erfolg beim Ausbau des gesamten Agribusiness im Land setzt voraus, dass die vielen kleinen Farmer- und Bauernwirtschaften enger kooperieren, sich zusammenschließen und gemeinsame Absatzkanäle errichten.

Ausgewählte Kenndaten der landwirtschaftlichen Produktion Usbekistans
Kennziffer 2016 2017 2018 2019 1)
Anbaufläche, insgesamt (in 1.000 ha) 3.707 3.475 3.396 k.A.
Pflanzenproduktion (in 1.000 t) 2)
.Getreide 8.261 7.289 6.375 5.082
.Gemüse 11.276 10.220 9.635 5.571
.Kartoffeln 2.958 2.794 2.790 1.470
.Melonen 2.045 2.031 1.905 184
.Obst und Beeren 3.043 2.615 2.590 950
.Wein 1.736 1.626 1.565 37
Tierbestand (31.12., in 1.000 Stück)
.Rinder 12.181 12.471 12.727 12.484
..Kühe 4.217 4.337 4.522 4.464
.Schafe und Ziegen 19.698 20.641 21.287 21.535
.Geflügel 67.038 74.870 81.539 80.530
Tierische Produktion (in 1.000 T)
Fleisch (Lebendgewicht) 2.173 2.287 2.417 1.128
Milch 9.703 10.049 10.481 4.739
Eier (in Mio. Stück) 6.153 6.333 7.361 3.560

1) 1. Halbjahr beziehungsweise 1.7.2019 (Tierbestand); 2) ohne Rohbaumwolle

Quelle: Staatliches Statistikkomitee der Republik Usbekistan

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan erhältlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein

Funktionen

Dominik Vorhölter Dominik Vorhölter | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Dominik Vorhölter

‎+49 228 24 993 219

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche