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21.02.2018

Neue Krankenhausprojekte in Spanien

Auch Modernisierungen und Erweiterungsbauten geplant / Von Miriam Neubert

Madrid (GTAI) - Spaniens Krankenhausbau hat die Lähmung durch Finanzkrise und Sparzwänge überwunden. Der private Sektor investiert wieder, allen voran die seit 2017 zu Fresenius Helios gehörende Gruppe Quironsalud. Dank eines besseren Gesundheitsbudgets ist auch der öffentlichen Sektor in Bewegung geraten, mit Ausschreibungen von Projekten, Sanierungsmaßnahmen und Neubauten. Deutsche Hersteller von elektromedizinischen Geräten konnten 2017 mit wachsenden Lieferungen diesen Trend nutzen.

Mit dem Bau neuer Krankenhäuser setzen private Klinikbetreiber darauf, sich ihr Stück am wachsenden Kuchen der spanischen Gesundheitsausgaben zu sichern. Die neuen Einrichtungen bieten High-Tech-Medizin (etwa dank roboterassistierter, intelligenter oder hybrider Operationssäle) und Angebote für den Gesundheitstourismus. Der öffentliche Gesundheitssektor prüft in den 17 autonomen Regionen indes einzelne, in der Krise eingefrorene Projekte, und entwickelt neue. Dabei geht es auch um dringende Modernisierung oder Erweiterung bestehender Krankenhäuser, insbesondere um die Modernisierung von Operationssälen. Dafür werden von den regionalen Gesundheitsbehörden entsprechende Programme entworfen. So sollen etwa in Madrid 140 Millionen Euro dafür ausgegeben werden, in der Provinz Alicante 20 Millionen Euro. In einigen Fällen werden auch bestehende Kliniken durch neue ersetzt.

Mehr öffentliche Projekte in der Gesundheitsinfrastruktur

Spaniens öffentliche Investitionen bewegen sich infolge der Rezession von 2009 bis 2013 und aufgrund des anhaltenden Haushaltskonsolidierungszwangs auf einem extrem niedrigen Niveau (2016: 1,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes BIP). Was die öffentlichen Ausschreibungen zur Gesundheitsinfrastruktur 2017 angeht, so hat ihr Wert laut dem Verband der Infrastrukturbauunternehmen SEOPAN gegenüber dem Vorjahr um 70,4 Prozent auf 577,4 Millionen Euro zugenommen.

Der Marktinformationsdienstleister Alimarket zählt in einer Analyse über neue Krankenhausprojekte neben einem Dutzend Vorhaben, die 2017 begonnen wurden, zwei Dutzend weitere auf, deren Einweihung zwischen 2018 und 2021 geplant ist. Dabei stechen die Regionen Andalusien, Kastilien-La Mancha, Kastilien Leon, Valencia und Balearen durch die Zahl der Neuvorhaben hervor.

Fresenius Helios-Tochter baut neue Klinik bei Madrid

Die im Bereich Krankenhausinfrastruktur erfahrene spanische Baugesellschaft OHL meldete im Januar 2018, dass sie das neue Krankenhaus Palma del Rio in der Provinz Cordoba bauen werde. Es ist als Lean Hospital mit fließender Prozessorganisation angelegt. Den Zuschlag erhielt OHL vom andalusischen Gesundheitsdienst SAS (Servicio Andaluz de Salud) für 13 Millionen Euro. Der Konzern baut auch neue öffentliche Krankenhäuser in Alcaniz (Region Aragon), Toledo und Cuenca (Kastilien-La Mancha).

Eine Vielzahl von Projekten führt Quironsalud durch. Die mit 44 Krankenhäusern sowie 70 weiteren Gesundheitszentren bedeutendste private Krankenhausgruppe in Spanien war Anfang 2017 von der deutschen Fresenius Helios, dem größten privaten Klinik-Betreiber in Europa, für 5,76 Milliarden Euro gekauft worden. Aktuell investiert Quironsalud 50 Millionen Euro in ein neues Krankenhaus in Cordoba, das 2018 eingeweiht wird und startet ein neues Projekt im Umfang von 27 Millionen Euro in Alcala de Henares bei Madrid (11.000 Quadratmeter, 106 Betten, vier Operationssäle). Die Fertigstellung ist 2019 geplant. Erheblich erweitert werden zudem das Krankenhaus in Malaga und das Universitätsklinikum Quironsalud Madrid. Dieses wächst unter anderem um 52 Betten, 25 Sprechzimmer, neun Reanimationsräume und zwei Hybrid-Operationssäle, in denen neben konventionellen Operationen auch minimal-invasive Eingriffe vorgenommen werden können.

Aktuelle Krankenhausprojekte in Spanien
Projekt Summe (in Mio. Euro) Phase Anmerkung / Website
Neues Krankenhaus Aranda de Duero (Kastilien Leon) 100,0; davon Ausrüstung 20,0 Projektierung; Ausschreibung geplant 2019; möglicher Start 2022/23 Ersatz für das Hospital Santos Reyes; 134 Betten, 5 OP-Säle http://www.saludcastillayleon.es/institucion/es
Neues Krankenhaus Caceres (Extremadura) 72,5; davon Ausrüstung13,5 Phase 1 eröffnet im 2. Halbjahr 2018; Phase 2 in Projektierung 272 Betten, 15 OP-Säle, Labore, Radiotherapie http://www.juntaex.es/con05/
Neue Klinik Nisa Valencia 55,0; davon Ausrüstung 14,0 Projektierung; Entwurf: Arco Mediterraneo http://www.hospitales.nisa.es/proyecto-nuevo-hospital-nisa-valencia_9_H.aspx
Quironsalud, Protonentherapiezentrum, Madrid 40,0 In Bau seit Herbst 2017; Eröffnung Juli 2019 Erstes Krebszentrum mit Protonentherapie in Spanien http://www.quironsalud.es
Pädiatrisches Krebszentrum des Krankenhauses San Juan de Dios, Barcelona 30,0 Baustart geplant im 1. Trimester 2018 Der Krankenhausorden plant die größte europäische onkologische Pädiatrie http://www.sjdhospitalbarcelona.org
Neues Krankenhaus Ontinyent (Valencia) 26,0 Projekt vergeben Ende 2017; Umsetzung bis 2020 Zusammenschluss Vega Contell-Martinez-Lamela-Leing erhielt Auftrag http://www.san.gva.es/web_estatica/index_es.html
Neue Chirurgie für die Uni-Klinik Gregorio Marañon, Madrid 16,0 Vorinformation Januar 2018; Ausschreibung April 2018 Verbesserungsplan sieht neuen Block mit 30 OP-Sälen vor http://www.madrid.org
Quironsalud, Sport- und Wellnessklinik Madrid 10,0 Vorgesehene Eröffnung September 2019 Entsteht im Hochhaus Torre Caleido, dessen Bau 2017 startete http://www.quironsalud.es
Erweiterung, Krankenhaus Torrecardenas, Almeria 8,7 Ausschreibung ProjektentwurfFebruar 2018 Neues Gebäude für ambulante Behandlungen http://www.juntadeandalucia.es/servicioandaluzdesalud
Modernisierung, Uni-Krankenhaus Doctor Josep Trueta, Girona K.A. Ausschreibung Beratungsleistung; Bau im Februar 2018 Anpassung der Pädiatrie und Neonatologie http://www.infraestructures.gencat.cat
Neues Krankenhaus Puertollano (Kastilien Leon) k.A. Ausschreibung des Auftrags geplant im 1. Quartal 2018 Ersetzt Krankenhaus Santa Barbara; über 200 Betten, 8 OP-Säle http://www.sescam.castillalamancha.es

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Öffentliche Gesundheitsausgaben steigen allmählich wieder

Spaniens Nationales Gesundheitssystem SNS (Sistema Nacional de Salud) verfügt über 3.038 Gesundheitszentren, 10.055 medizinische Primärversorgungspraxen und 451 Krankenhäuser, davon 324 in öffentlicher Hand. Die Krankenhäuser des SNS stellen fast 80 Prozent der Krankenhausbetten. Seit 2002 ist die Gesundheitsversorgung dezentralisiert auf die 17 Autonomen Regionen, deren Gesundheitsbudgets nach harten Sparjahren allmählich wieder zunehmen. Dem Verband der Medizintechnikhersteller Fenin zufolge gab es 2016 einen Zuwachs um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Krankenhäuser in Spanien nach wichtigsten Regionen und funktioneller Abhängigkeit 1)
Autonome Region Nationales Gesundheitssystem SNS Andere öffentliche Versicherungen 2) Privat-gemeinnützig Privat-nicht gemeinnützig Insgesamt
Insgesamt, davon 253 70 20 120 325 788
.Katalonien 11 45 6 58 93 213
.Andalusien 42 4 1 8 51 106
.Madrid 33 1 2 12 32 82
.Valencia 34 2 2 3 19 60
.Baskenland 17 0 3 7 14 41
.Galizien 14 0 1 2 21 38
.Kanaren 9 5 0 2 21 37
.Kastilien Leon 14 2 0 9 11 36

1) Große Krankenhauskomplexe zählen als ein Krankenhaus; 2) Arbeitsunfall- und Berufskrankenversicherungen

Quelle: Ministerio de Sanidad, Servicios Sociales e Igualdad (Informe anual del Sistema Nacional de Salud 2016)

In Ergänzung des alle Bürger erfassenden SNS, das international einen sehr guten Ruf genießt, spielen private Gesundheitsdienstleistungsangebote eine wachsende Rolle. Der nichtgemeinnützige private Kliniksektor hat nach Angaben des Branchenanalysedienstes DBK 2016 nahezu 6,2 Milliarden Euro umgesetzt. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr fiel mit 3,8 Prozent ähnlich aus wie 2015. Er stützte sich vor allem auf die positive Entwicklung der Verträge mit privaten Krankenversicherungen. Dieses Segment sei 2016 um 4,5 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro gestiegen. Die Einnahmen aus Verträgen mit der öffentlichen Hand nahmen um 2,5 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. Das reine Privatpatientengeschäft sei um 3,3 Prozent auf 630 Millionen Euro gestiegen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen und Geschäftspraxis in Spanien können Sie unter http://www.gtai.de/spanien abrufen.

(M.N.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Hochbau

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