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05.12.2018

Neue Regelung in Indonesien bietet keine Anreize für Solar-Dachanlagen

Einspeisung wird nur zu 65 Prozent des Marktpreises vergütet / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Wer sich in Indonesien eine 1.000-US-Dollar-Solaranlage auf sein Dach setzt, braucht zwölf Jahre für deren Refinanzierung. So wird in diesem Segment kein nennenswerter Markt entstehen.

Die indonesische Regierung hat die erste Regelung speziell für die Stromerzeugung von Solaranlagen auf privaten und gewerblichen Gebäuden verabschiedet. Demnach vergütet der staatliche Strommonopolist PLN, an den die Anlagenbetreiber ihren überschüssigen Strom liefern, lediglich 65 Prozent des Marktpreises. PLN begründet diese Quote mit dem technischen Mehraufwand zur Berechnung der Einspeisung.

Die Erzeugungskapazität der Dachanlagen darf zudem den Strombedarf des Gebäudes nicht übersteigen. Damit stellt PLN sicher, stets Nettoverkäufer zu bleiben.

Bisher hatte PLN seinen kaum mehr als 500 registrierten Betreibern von Dachanlagen den Strom zum vollen, leicht fluktuierenden Preis von derzeit etwa 1.400 indonesische Rupiah (circa 9,5 Dollar-Cent) für eine Kilowattstunde abgenommen, den diese als Verbraucher auch selbst zahlen.

Die neue Regelung wird einen nennenswerten Markt für Dachanlagen verhindern. Denn Berechnungen des Energieministeriums zufolge lassen sich mit einer etwa 1.000 US-Dollar (US$) teuren Solaranlage bei einem Einspeisetarif von umgerechnet 6 Dollar-Cent pro Kilowattstunde im Jahr etwa 85 US$ erwirtschaften. Demnach, so das Ministerium, refinanziert sich eine Dachanlage nach etwa zwölf Jahren.

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Interessensgruppen sehen bei entsprechenden Rahmenbedingungen ein grundsätzlich großes Potenzial für Dachanlagen in Indonesien. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit klassifiziert 13 Prozent der städtischen Bewohner als "early adopters" oder "early followers" und damit als mögliche Betreiber. Zusammengenommen besäßen sie demnach alleine im Großraum Jakarta 175.000 Häuser mit einer potenziellen Erzeugungskapazität von 300 Megawatt.

Doch Solarenergie steht nicht im Fokus der indonesischen Energiepolitik, obwohl in dem um den Äquator herum gelegenen riesigen Archipel Sonne im Überfluss scheint. Die Technologie muss komplett importiert werden und schlägt damit auf die Handelsbilanz durch, deren negativer Saldo im Jahr 2018 ein großes politisches Reizthema ist. Kohle ist hingegen im Land reichlich vorhanden und deshalb mit Abstand meistgenutzter Energieträger.

Potenziale in abgelegenen Regionen

Ein weiterer Grund für die politische Abwehrhaltung gegen Dachanlagen dürfte die schwierige Integration von Solarenergie in die Kohlestromversorgung innerhalb größerer Elektrizitätsnetze etwa in Ballungsräumen sein. Denn erst wenn eine große und zuverlässige Menge an Solarstrom erzeugt wird, kann die nur schwer kurzfristig regulierbare Kohleverbrennung heruntergefahren werden.

Solarstrom ist aber nicht grundlastfähig: In der Regenzeit wird weniger erzeugt als in der Trockenperiode, nachts naturgemäß gar nicht. Er eignet sich in Indonesien deshalb vor allem für kleinere Stromnetze oder für abgelegene Regionen ohne Stromnetz ("off-grid"), jeweils in Kombination mit schnell regulierbaren Gaskraftwerken oder Dieselgeneratoren.

Wasserkraft und Geothermie im Fokus

Die geringe politische Unterstützung der Solarenergie schlägt sich in den offiziellen Prognosen nieder. Laut staatlichem Energieversorgungsplan sollen von 2018 bis 2027 nur knapp 1.000 Megawatt an neuer Solarenergiekapazität entstehen. Das entspricht gerade einmal sieben Prozent der zusätzlich geplanten Kapazität der erneuerbaren Energien und ist im Rahmen des Ausbaus der gesamten Stromerzeugungskapazitäten keine nennenswerte Größe.

Der Fokus der Regierung liegt bei den Erneuerbaren auf Wasserkraft und Geothermie. Zwar sind beide ebenfalls teuer in der Erschließung und erfordern Technologieimporte. Doch sie sind grundlastfähig und versprechen eine leichtere Integration in den bestehenden Energiemix. Auf sie sollen bis 2027 insgesamt 81 Prozent der zusätzlichen Kapazitäten bei den erneuerbaren Energien entfallen.

Auch Indonesien hat sich im Rahmen des Pariser Abkommens zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen verpflichtet. Bis 2025 sollen immerhin 23 Prozent der erzeugten Elektrizität aus erneuerbaren Energien stammen. Bisher wurde nur etwa die Hälfte dieses Ziels umgesetzt. Das Energieministerium hat bereits verlauten lassen, dass in dem genannten Zeitraum möglicherweise nur die Marke von 20 Prozent erreicht wird.

Die Stromkosten sind in Indonesien gemessen an den Einkommen um ein Vielfaches höher als in Deutschland (das mit die höchsten Strompreise in Europa hat) und eine große Belastung für die Mittelschicht. Und das, obwohl die Regierung Strom subventioniert. Im Staatshaushalt 2019 sind dafür umgerechnet fast 4 Milliarden US$ vorgesehen. Gleichzeitig steigt der Strombedarf jährlich um etwa 7 Prozent. Deshalb wird die Energiepolitik des Landes auch künftig überwiegend eine schnell verfügbare, grundlastfähige und gleichzeitig möglichst kostengünstige Stromerzeugung präferieren.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Solar, alternative Energien

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