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24.10.2017

Neue Seidenstraße soll Sri Lankas Wirtschaft ankurbeln

Hohe chinesische Investitionen in die Infrastruktur / Von Heena Nazir

Mumbai (GTAI) - Durch die chinesische Belt-and-Road-Initiative gewinnt Sri Lanka dank seiner geographischen Lage auch im internationalen Wirtschaftsgefüge wieder stärker an Bedeutung. Eine Reihe von Infrastrukturprojekten soll die Konjunktur des Inselstaates beleben. China ist der wichtigste ausländische Investor in Sri Lanka, was auch für Kritik sorgt. Für deutsche Unternehmen bieten die Entwicklungen langfristig ebenfalls Geschäftschancen.

Auf dem Weg von China nach Afrika und Europa wird die Seeroute der neuen Seidenstraße den indischen Subkontinent umschiffen. Eine zentrale strategische Bedeutung fällt dabei Sri Lanka zu. Der Inselstaat befindet sich aufgrund seiner geographischen Lage im Schnittpunkt zentraler Schifffahrtsrouten und will sich als regionaler Handelsstützpunkt in Südasien etablieren. Dazu sollen mit ausländischer Hilfe große Infrastrukturprojekte angestoßen werden. Unter dem ehemaligen Präsidenten Rajapakse ist China zum wichtigsten Investor des Inselstaats geworden.

Chinesen investieren vor allem in Hafenbau

Im Jahr 2015 kam ein Viertel aller ausländischen Direktinvestitionen aus China. Peking finanziert unter anderem das 1,4 Milliarden. US-Dollar schwere Hafenbauprojekt "Colombo Port City Complex". Darüber hinaus ist China Geldgeber für eine Reihe weiterer Projekte, unter anderem für eine Autobahn sowie eine Industriezone im Süden der Insel.

Ein anderer wichtiger Hafen in Sri Lanka liegt in der Südprovinz in Hambantota. Dieser wurde im Jahr 2010 eröffnet, lange bevor die chinesische Seidenstraßeninitiative ausgerufen wurde, und galt einst als das Leuchtturmprojekt der Insel. Allerdings findet dort so gut wie kein Warenumschlag statt, und der Hafen entwickelte sich zur Schuldenfalle.

Über eine Milliarde US$ hatte die sri-lankische Regierung in das Projekt investiert. Da das hochverschuldete Land seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen konnte, sprang ein chinesischer Großinvestor ein und gab am 25. Juli 2017 bekannt, dass er für 1,2 Milliarden US$ einen Anteil von 80 Prozent am Hafen für 99 Jahre übernehmen werde.

Lokale Bevölkerung skeptisch

Die überwältigend wirkende Einflussnahme Chinas führte zuletzt zu Protesten auf der Insel. Die Bewohner fürchten um ihre Eigentums- und Bürgerrechte. Peking auf der anderen Seite betont immer wieder den wirtschaftlichen Vorteil für Sri Lanka und die Entstehung zahlreicher dringend benötigter Arbeitsplätze.

Regionalpolitisch betrachtet sorgt die chinesische Präsenz darüber hinaus für diplomatische Verstimmungen mit Indien. Auch wenn Sri Lanka eine militärische Nutzung für China ausschließt, sorgt sich der Subkontinent davor, eingekreist zu werden.

Geschäftschancen für deutsche Firmen

Der Ausbau der Infrastruktur sowie der wirtschaftliche Aufschwung, den sich Sri Lanka durch die Milliardeninvestitionen erhofft, machen den Inselstaat mittel- bis langfristig gesehen zu einem attraktiven Absatzmarkt. Bislang ist die direkte Beteiligung deutscher Unternehmen an den Infrastrukturprojekten begrenzt. Meist konnten sich chinesische Firmen gegenüber der deutschen Konkurrenz durchsetzen.

Neben dem lokalen Absatzpotenzial ist Sri Lanka auch dank seiner Lage an der maritimen Seidenstraße interessant. Das Land wird dadurch Zugang zu anderen aufstrebenden Volkswirtschaften in der südasiatischen Region bieten können, beispielsweise zu Pakistan.

Ausgewählte Großprojekte in Sri Lanka
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) und Geldgeber Umsetzungszeitraum und Projektstand Durchführer/Generalauftragnehmer
Colombo Port City 1.400; China Communications Construction Company Limited Start September 2014; geplante Fertigstellung 2041; aktuelle Phase: Beginn Landgewinn; 2018 sollen die Bauarbeiten beginnen CHEC Port City Colombo (Pvt) Ltd, China
Hambantota Port Development 1.300; Export-Import Bank of China Fertigstellung 2015 China Harbor Engineering Co. Ltd., China
Hambantota Industrial Zone und Leasing von Hambantota Port 1.100; CMPorts; ausländische Investoren sind willkommen Ankündigung 28.07.17 China Merchants Ports Holding Company (CMPorts), China; Sri Lanka Ports Authority, Sri Lanka
Extension of Southern Expressway Project (ESEP) schätzungsweise 1.900; Export-Import Bank of China, sri-lankische Regierung geplante Fertigstellung bis 2019; das Projekt besteht aus 4 Abschnitten, bisher sind 3 Abschnitte in Bearbeitung China National Aero Technology International Engineering Corporation für Abschnitt 1, China State Construction Engineering Corporation für Abschnitte 2 und 3, China Harbour Engineering Company für Abschnitt 4, China
Mahaweli Water Security Investment Program 675; Asian Development Bank; Asian Infrastructure Investment Bank; sri-lankische Regierung geplante Fertigstellung September 2024; aktueller Stand: Phase 1 Ministry of Mahaweli Development and Environment, Sri Lanka

Quellen: Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

(HENA)

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Dieser Artikel ist relevant für:

Sri Lanka Bauwirtschaft, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Wasser-, Hafenbau

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