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15.05.2019

Neue US-Sanktionen gegen Irans Metallsektor

Metallbranche ist drittwichtigste Devisenquelle / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Mit neuen Sanktionen gegen Irans Metallsektor sind nun alle großen Exportbranchen des Landes von umfassenden US-Strafmaßnahmen betroffen. Auch Metallimporte sollen blockiert werden.

Mit einer neuen Verordnung (Executive Order) hat US-Präsident Trump am 8. Mai 2019 die bereits gegen den iranischen Metallsektor bestehenden Sanktionen deutlich verschärft (Imposing Sanctions with Respect to the Iron, Steel, Aluminum, and Copper Sectors of Iran; https://www.treasury.gov/resource-center/sanctions/Programs/Documents/iran_eo_metals.pdf). Vorrangiges Ziel der neuen Strafmaßnahmen ist die weitere Reduzierung der iranischen Exporte, um Teherans finanziellen Handlungsspielraum noch mehr einzuschränken.

Ausländische natürliche und juristische Personen riskieren nun die Beschlagnahme von Vermögenswerten, die sich in den USA oder unter Kontrolle einer "U.S. Person" befinden, wenn sie Geschäftsbeziehungen mit dem iranischen Eisen-, Stahl-, Kupfer- oder Aluminiumsektor unterhalten oder solche Geschäfte unterstützen. Beteiligten ausländischen Banken droht der Ausschluss vom US-Finanzsystem. Personen, die gegen die Sanktionen verstoßen, soll die Einreise in die USA verweigert werden. Unter Strafe stehen auch alle Aktivitäten zur Umgehungen der Sanktionen.

Die Sanktionen gelten mit sofortiger Wirkung. Allerdings wird eine Frist von 90 Tagen für die Beendigung laufender Geschäfte gewährt. Während der "Wind Down Period" sind Abschluss und Abwicklung neuer Verträge allerdings nicht zulässig.

Bereits die 2018 erfolgte Reaktivierung der nach Abschluss des Atomvertrages Anfang 2016 ausgesetzten US-Sanktionen hat sowohl die Kooperation der iranischen Metallindustrie mit ausländischen Technologielieferanten stark beeinträchtigt, als auch den Ex- und Import von Metallerzeugnissen behindert. Bereits im August 2018 wurden verschiedene US-Sanktionen im Bereich Stahl und Aluminium wieder in Kraft gesetzt. Die EU erhebt seit Oktober 2017 Anti-Dumping-Zölle auf verschiedene warmgewalzte Flachprodukte aus Iran (HS 72 08, 11, 25 und 26).

Großteil der iranischen Exporte unter US-Sanktionen

Nach dem Öl- und Gassektor und der petrochemischen Industrie ist nun auch Irans drittgrößte Exportbranche von umfassenden US-Sanktionen betroffen. Bezogen auf die Exportstruktur 2018/19 (iranisches Jahr 1397; 21.3. bis 20.3.) sind mittlerweile mehr als zwei Drittel der iranischen Ausfuhren von US-Sanktionen erfasst. Die Exporte von Eisen, Stahl, Kupfer und Aluminium (einschließlich Waren aus diesen Metallen) dürften sich 2018/19 auf weit über 5 Milliarden US-Dollar (US$) summiert haben.

Iran: Nicht-Öl-Ausfuhren 2016/17 bis 2018/19 (in Millionen US$) *)
HS Bezeichnung 2016/17 (1395) 2017/18 (1396) 2018/19 (1397)
Alle Waren 44.042 46.982 44.310
27 Mineralische Brennstoffe etc. (ohne Rohöl; vor allem Kondensate) 15.765 16.148 14.125
39 Kunststoffe und Waren daraus (Polyethylen etc.) 4.745 6.043 5.534
29 Organische chemische Erzeugnisse (Methanol etc.) 3.536 3.955 4.103
72 Eisen und Stahl 2.318 3.438 3.897
08 Genießbare Früchte und Nüsse etc. (Pistazien etc.) 2.197 2.260 1.713
26 Erze sowie Schlacken und Aschen 1.050 1.843 1.138
07 Gemüse, Pflanzen etc. 906 1.121 1.072
31 Düngemittel 775 770 843
25 Zement, Kalk, Steine, Erden etc. 761 861 784
74 Kupfer und Waren daraus 518 431 699

*) iranische Jahre (21.3. bis 20.3.)

Quelle: Iranische Zollverwaltung, Iran Trade Promotion Organization

Die für die Entwicklung der Metallindustrie und des vorgelagerten Bergbaus zuständige, zum Industrieministerium gehörende Iranian Mining Industries Development & Renovation Organzation (IMIDRO) gibt für 2018/19 den Wert der Exporte von Eisen und Stahl (einschließlich Waren daraus) mit 4,1 Milliarden US$ an, die Ausfuhren von Kupfer und Kupfererzeugnissen mit 0,9 Milliarden US$. Daten zum Aluminiumexport liegen nicht vor, es dürften zwischen 0,3 Milliarden und 0,5 Milliarden US$ gewesen sein.

EU-28: Einfuhren von Metallen und Metallwaren aus Iran 2016 bis 2018 (in Millionen Euro)
HS Bezeichnung/Länder 2016 2017 2018
72 Eisen und Stahl 395 203 256
.Italien 214 157 176
.Belgien/Luxemburg 40 18 30
.Niederlande 8 10 13
73 Waren aus Eisen und Stahl 15 19 18
.Italien 14 18 16
74 Kupfer und Waren daraus 0 3 2
76 Aluminium und Waren daraus 1 0 2

Quelle: Eurostat

Eurostat zufolge hat die EU28 Gruppe 2018 Eisen, Stahl, Kupfer und Aluminium (HS 72, 73, 74 und 76) im Wert von 278 Millionen Euro aus Iran importiert und für 369 Millionen Euro nach Iran geliefert. Die deutschen Einfuhren waren mit 4 Millionen Euro gering, die Ausfuhren lagen bei 80 Millionen Euro.

EU-28: Ausfuhren von Metallen und Metallwaren nach Iran 2016 bis 2018 (in Millionen Euro)
HS Bezeichnung/Länder 2016 2017 2018
72 Eisen und Stahl 67 96 50
.Deutschland 32 22 13
.Belgien/Luxemburg 7 11 12
.Niederlande 0 1 6
73 Waren aus Eisen und Stahl 136 245 298
.Spanien 14 43 130
.Deutschland 39 59 58
.Italien 44 63 48
74 Kupfer und Waren daraus 6 11 7
76 Aluminium und Waren daraus 20 24 14

Quelle: Eurostat

Metallsektor galt als wichtige Wachstumsbranche

Iran hatte nach Lockerung der Wirtschaftssanktionen auch im Metall- und Bergbausektor mit großem Engagement ausländischer Firmen gerechnet. Mehr als 20 größere Projekte zur Modernisierung und Erweiterung der iranischen Metallindustrie und des vorgelagerten Bergbaus wurden mit ausländischen Unternehmen vereinbart, allerdings waren es meist nur Absichtserklärungen. Nach Reaktivierung der US-Sanktionen wurden die meisten geplanten Projekte auf Eis gelegt.

Innerhalb von zehn Jahren sollte die Kapazität der Stahlindustrie auf jährlich 55 Millionen Tonnen Rohstahl steigen. Für Aluminium lag die Zielmarke bei 1,5 Millionen Tonnen, die Kupferproduktion sollte 0,8 Millionen Tonnen erreichen. Nach IMIDRO-Berechnungen wären für die angestrebte Entwicklung der Metallindustrie und des Bergbaus Investitionen in Höhe von insgesamt 40 Milliarden US$ erforderlich.

Dem Industrieministerium zufolge stieg 2018/19 der Rohstahlausstoß um 13 Prozent auf 24,7 Millionen Tonnen, die Kapazitäten liegen bei über 30 Millionen Tonnen. Der Stahlexport schrumpfte um 29 Prozent auf 4,9 Millionen Tonnen. Angesichts des ebenfalls rückläufigen Inlandsverbrauchs müssten die Lagerbestände deutlich gestiegen sein. Die Realisierung der Entwicklungspläne für die Stahlindustrie würde hohe Exportzuwächse erfordern. Als Ziel für 2025 wird ein Exportvolumen von 20 Millionen bis 25 Millionen Tonnen genannt.

Die Herstellung von Eisen- und Stahlwaren erhöhte sich 2018/19 um 9 Prozent auf 21,6 Millionen Tonnen. Der Eisen- und Stahlwarenexport expandierte um 84 Prozent auf 3,0 Millionen Tonnen, die Importe gingen um 58 Prozent auf 1,0 Millionen Tonnen zurück.

Der Aluminiumsektor zeigt schon seit Jahren keinen Wachstumstrend. IMIDRO zufolge ist der Aluminiumausstoß 2018/19 um 11 Prozent auf 0,3 Millionen Tonnen geschrumpft, die nominale Kapazität liegt aktuell bei 0,5 Millionen Tonnen, für 2018/19 war eine Kapazitätserhöhung auf 0,8 Millionen Tonnen geplant. Die Iran Aluminium Company produzierte 2018/19 rund 0,17 Millionen Tonnen, gefolgt von Hormuzal Aluminium (0,08 Millionen Tonnen) und Almahdi Aluminium (0,05 Millionen Tonnen). Iran Alumina produzierte 0,2 Millionen Tonnen Aluminiumoxidpulver.

Die Kupfererzeugung hat sich nach kräftigen Rückgängen 2018/19 stark erholt. Die Kathodenkupferproduktion der National Iranian Copper Industries Company (NICICO) expandierte um 54 Prozent auf 0,25 Millionen Tonnen und lag damit über dem bisherigen, 2011/12 erreichten Spitzenwert von 0,24 Millionen Tonnen. Mit 0,45 Millionen Tonnen wird die Kapazität angegeben. Die NICICO-Produktion von Kupferkonzentrat stieg 2018/19 um 3 Prozent auf 1,2 Millionen Tonnen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Iran können Sie unter http://www.gtai.de/Iran abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Iran Metallerzeugung, -verarbeitung, allgemein, Werkzeuge, Schneid- und Eisenwaren, Hochöfen-, Gießerei- und Walzwerksprodukte, Ausfuhrrecht, Export-/US-Exportkontrolle, allgemein

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