Suche

17.02.2017

Neues Skigebiet für Serbiens Südwestregion geplant

Staatlicher Betreiber investiert 27 Mio. Euro / Golija-Gebirge als Standort / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Serbien erhält voraussichtlich ein neues Skigebiet. Investor ist das staatliche Unternehmen Skijalista Srbije, das bereits drei Skizentren im Land betreibt. Die Pläne für das Golija-Gebirge sehen zunächst mehrere Pisten mit Seilbahnen und Lift vor. Für einen nachhaltigen Erfolg des neuen Skiareals müssen zudem die Übernachtungskapazitäten im Umland deutlich aufgestockt werden. Auch Verkehrsanbindung und Versorgungsinfrastruktur sind spürbar zu verbessern. (Kontaktanschriften)

Basierend auf dem aktuellen Bebauungsplan, umfasst das neue Skigebiet ein Areal von 262 ha. Im Zuge des ersten Bauabschnitts will Skijalista Srbije vor Ort neun Pisten und drei Loipen angelegt werden. Das Konzept sieht zudem für den Transport der Skifahrer zunächst zwei Seilbahnen - je ein Sechs- und Viersitzer - sowie eine Liftanlage vor. Der Bau von zwei jeweils 1.000 cbm fassenden Tanks und einer Kläranlage wird den Betrieb einer Kunstschneeanlage gewährleisten.

Als Standort wurde die Ortslage Odvracenica in der Großgemeinde Ivanjica ausgewählt, die für serbische Verhältnisse als besonders schneereich gilt. Im Durchschnitt der letzten Jahre lag dort jeweils fünf Monate lang jeweils gut ein Meter Schnee.

Das Projekt ist nur teilweise neu. Bereits seit 2007 liegt ein umfassender Masterplan zur Etablierung eines Skigebiets im Golija-Gebirge vor. Pressemeldungen zufolge soll ein Baubeginn in der Vergangenheit bereits mehrfach unmittelbar bevorgestanden haben. Den entsprechenden Ankündigungen folgte bisher aber kein Baubeginn.

Der neue Bebauungsplan, der vom Architektur- und Planungsbüro Plan Urban mit Sitz in Nis stammt, soll nun das Vorhaben tatsächlich anschieben. Während einer öffentlichen Präsentation des Projektes Mitte Januar 2017 wurde ein Baubeginn noch in diesem Jahr, allerspätestens aber für Anfang 2018 in Aussicht gestellt. Der Betreiber aller größeren Skigebiete in Serbien, Skijalista Srbije, rechnet für Golija mit einem Investitionsbedarf von 27 Mio. Euro. Das Geld will das staatliche Unternehmen selbst aufbringen. Auch wird es die Ausschreibungen zu den benötigten Bauleistungen sowie Material- und Ausrüstungsbeschaffungen koordinieren.

Infrastruktur im Umland mit deutlichem Anpassungsbedarf

Die Pisten, Loipen und Liftanlagen allein dürften als Garant für einen Erfolg der neuen Anlage für wintersportliche Aktivitäten nicht ausreichen. Touristische Unterkünfte in der Nachbarschaft sind kaum vorhanden. Im unmittelbaren Einzugsgebiet des geplanten Golija-Skizentrums gibt es derzeit nur fünf Hotels und hotelähnliche Betriebe. Deren Kapazität beträgt lediglich gut 400 Betten. Darüber hinaus offeriert etwa ein gutes Dutzend registrierter Privatvermieter laut Angaben des Tourismusbüros von Ivanjica Ferienwohnungen oder Gästezimmer.

Um hier mittel- bis langfristig Abhilfe zu schaffen, sind private Investoren gefragt. Der Masterplan von 2007 zur touristischen Aufwertung der Golija-Region durch ein Skizentrum hat den schrittweisen Ausbau der Übernachtungsmöglichkeiten auf gut 7.000 Betten zum Ziel. Diese sollen sich neben einem Vier-Sterne-Hotel, mehreren Apartment-Hotels und Frühstückspensionen auf rund 260 Reihenhäuser und etwa 220 Chalets verteilen. Die Autoren des Masterplans beziffern den zusätzlichen Investitionsbedarf für die Übernachtungsinfrastruktur zu Preisen von 2007 auf rund 140 Mio. Euro. Für Anpassungen der Verkehrswege und der kommunalen Infrastruktur werden weiter gut 40 Mio. Euro veranschlagt.

Überhaupt ist die Verkehrsanbindung der Region dürftig. Langfristig würde eine Autobahn, die zwischen Belgrad und der Hafenstadt Bar im Nachbarland Montenegro verlaufen soll, die Situation verbessern. Deren Plan zur Streckenführung sieht jedenfalls eine Anbindung des Golija-Gebirges vor. An ersten Abschnitten der Trasse wird derzeit in Serbien und Montenegro bereits gebaut. Jedoch lassen neben der häufig schwierigen Topografie der zu querenden Landschaften auch Finanzierungsengpässe nur einen langsamen Baufortschritt zu. Die Autobahn wird daher erst in einigen Jahren fertig sein.

Aktionsplan für touristische Entwicklung im Golija-Gebirge

Neben dem Projekt für das neue Skizentrum Golija betreut das Unternehmen Skijalista Srbije noch drei weitere Skigebiete in Serbien. Darunter ist das im Süden gelegene Kopaonik das mit Abstand größte. Es verfügt über 55 km Pisten und 12 km Loipen. Die Kapazität der insgesamt 25 Liftanlagen erreicht 34.000 Skifahrer pro Stunde. In den letzten Jahren wurde in Kopaonik schrittweise ein System zur künstlichen Beschneiung installiert, das mittlerweile nahezu das gesamte Areal abdeckt.

Auch in den anderen beiden Skizentren sind Schneekanonen zum Standard geworden. Mit vier Liften und Serbiens erster Gondelbahn fällt das Wintersportresort Stara Planina im Balkan-Gebirge im Südosten des Landes gegenüber Kopaonik wesentlich überschaubarer aus. Noch etwas kleiner ist das Skigebiet Tornik mit derzeit nur drei Liften, das sich im Zlatibor-Gebirge in Westserbien befindet.

Neben der Nutzung zum Wintersport wird dem Naturpark Golija von Fachleuten ein allgemein gutes touristisches Potenzial bescheinigt. Und um dieses in Zukunft besser zu nutzen, soll ein Aktionsplan erstellt werden, für den im Februar 2017 über eine international offene Ausschreibung fachkundige Berater gesucht werden.

Federführend ist die UN-Behörde United Nations Office for Project Services (UNOPS). In Serbien fördert sie mit dem Programm European Progres vor allem eine nachhaltige Entwicklung besonders strukturschwacher Regionen. Zu diesen zählen auch die Großgemeinden Ivanjica, Kraljevo, Raska, Novi Pazar und Sjenica, die im Einzugsgebiet des knapp 75.200 ha großen Golija-Naturparks liegen. Partner von UNOPS im Rahmen von European Progres sind die EU und die Regierungen der Schweiz und Serbiens.

Kontaktanschriften

JP Skijalista Srbije (Staatlich-öffentliches Unternehmen Skigebiete Serbiens)

Milutina Milankovica 9, 11070 Belgrad

Tel.: 00381 11/222 39 86, Fax: -311 90 30

E-Mail: daliborka.vukojevic@skijalistasrbije.rs, Internet: http://www.skijalistasrbije.rs

Plan Urban

Vozda Karadjordja 42, 18000 Nis

Tel.: 00381 18/51 29 05, Fax: -415 06 00

E-Mail: info@planurban.rs, Internet: http://www.planurban.rs

United Nations Office for Project Services (UNOPS)

Sumatovacka 59, 11000 Belgrad

Tel.: 00381 11/243 57 03, Fax: -245 07 72

E-Mail: rspc.registry@unops.org, srpc.procurement@unops.org, Internet: http://www.unops.org/ApplyBO/ViewDoc.aspx?OpportunityID=153303F0-DD5E-4E0F-805F-31978FC0CC2D

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Gewerbebau, Fördertechnik, Hebezeuge, Tourismus, Hotels

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 228 24 993 321

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche