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15.07.2019

Neuseelands Nahrungsmittelindustrie will grüner werden

Neue Lösungen für Prozesswärme gesucht / Von Heiko Stumpf

Sydney (GTAI) - Deutsche Anbieter von Nahrungsmittelmaschinen können in Neuseeland insbesondere mit Energieeffizienz punkten. Molkereien und Fleischverarbeitungsbetriebe modernisieren ihre Anlagen.

Bei Investitionsentscheidungen dürfte Neuseelands Nahrungsmittelindustrie ein starkes Augenmerk auf Energieeffizienz und Umwelttechnik legen. Denn die Unternehmen müssen auf strengere regulatorische Vorgaben reagieren. Die Regierung in Wellington schreibt sich insbesondere den Klimaschutz auf die Fahne und strebt mit dem geplanten Zero Carbon Bill bis 2050 die Klimaneutralität an. Dies stellt insbesondere die Molkereiwirtschaft Neuseelands vor Herausforderungen.

Die Herstellung von Milcherzeugnissen ist mit Abstand der größte Sektor der neuseeländischen Lebensmittelindustrie und trägt mit rund 20 Prozent zu den Exporten des Landes bei. Dominiert wird die Branche mit einem Marktanteil von etwa 80 Prozent durch Fonterra. Mit dem 2018 veröffentlichten Sustainability Report setzt sich das Unternehmen das Ziel, die Treibhausgasemissionen der Produktionsstätten bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren (auf der Basis des Jahres 2015).

Fonterra betreibt insgesamt 30 Fertigungsanlagen in Neuseeland. Für die Erzeugung von Prozesswärme zum Trocknen von Milch nutzen zehn Anlagen noch immer Kohle als Energiequelle. Davon liegen wiederum sieben Betriebe auf der Südinsel, wo es keine lokalen Erdgasquellen als Alternative gibt. Die zur Erreichung der Klimaziele erforderliche Umstellung auf elektrische Energie wird in den kommenden Jahrzehnten signifikante Investitionen erfordern.

Strombedarf der Molkereien schnellt in die Höhe

In Neuseeland liegt der Anteil regenerativer Quellen an der Stromerzeugung bei rund 80 Prozent. Bis 2030 sollen 100 Prozent erreicht werden, sodass der Anschluss an das Stromnetz für Fonterra eine tragfähige Lösung bietet. Die geplanten Maßnahmen umfassen neben Elektrodenkesseln auch die Installation von Economisern oder industriellen Wärmepumpen. Als erstes will Fonterra mit der Elektrifizierung der Käseherstellung im Ort Stirling beginnen.

Auch andere Molkereibetriebe verabschieden sich von fossilen Brennstoffen. Synlait Milk nahm im März 2019 den ersten industriellen Elektrodenboiler Neuseelands in der Milchfabrik Dunsandel in Betrieb. Der Kessel hat eine Kapazität von sechs Megawatt.

Mit der Elektrifizierung der Molkereien steigen aber auch der Strombedarf und damit auch die Kosten. Nach Angaben von Synlait ist der Betrieb des neuen Elektroboilers über einen Zehnjahreszeitraum etwa doppelt so teuer wie beim Einsatz von Kohle. Die Molkereien in Neuseeland dürften in ihren Produktionsanlagen deshalb verstärkt energieeffiziente Technologien zum Einsatz bringen, um den steigenden Strombedarf abzumildern.

Darüber hinaus rücken auch Effizienzsteigerungen im Bereich Wasser in den Fokus. Fonterra verfolgt das Ziel, den Wasserverbrauch bis 2020 auf der Basis von 2015 um 20 Prozent zu reduzieren. Bis 2018 wurde jedoch nur eine Reduktion um 2,4 Prozent erreicht, sodass die Anstrengungen beispielsweise durch den Einsatz von Umkehrosmose verstärkt werden sollen. Auch Synlait arbeitet bis 2028 an einer Wassereinsparung um 20 Prozent.

Produktionsvolumen nähert sich der Obergrenze

Investitionen in den Kapazitätsausbau dürfte es in der Molkereiindustrie Neuseelands hingegen nur noch vereinzelt geben. In den vergangenen Jahren hatten die Molkereien über 2 Milliarden US-Dollar (US$) in den Ausbau ihrer Anlagen investiert. Die zur Weiterverarbeitung verfügbare Milchmenge dürfte jedoch auf dem gegenwärtigen Niveau von rund 22 Millionen Tonnen (t) pro Jahr (2018) stagnieren, sodass das Wachstum an seine Grenze stößt.

Produktion von Molkereiprodukten in Neuseeland (in 1.000 t)
Kategorie 2018 1) 2019 2)
Vollmilchpulver 1.440 1.410
Magermilchpulver 410 400
Säuglingsmilchpulver 97 120
Butter 530 525
Käse 385 380
Sonstige 351 370
Gesamt 3.213 3.205

1)Schätzung, 2)Prognose

Quelle: Global Agricultural Information Network

Auch die Milchbauern sind von geplanten Klimaschutzvorschriften betroffen und sollen den Methanausstoß bereits bis 2030 um 24 Prozent senken. Nach Prognosen des Landwirtschaftsministerien dürfte der Bestand an Milchkühen von zuletzt rund 5 Millionen (2018) auf etwa 4,9 Millionen im Jahr 2023 zurückgehen. Durch Produktivitätssteigerungen (Milchproduktion pro Kuh) soll die Milchmenge bis 2023 aber relativ konstant bleiben. Vertreter von Fonterra zeigen sich optimistisch, dass die Milchproduktion mittelfristig sogar noch auf 24 Millionen t pro Jahr steigen kann.

MKT201907128005.14

Höhere Wertschöpfung und Exportnachfrage bieten Chancen

Die neuseeländische Molkereiindustrie wird sich entsprechend der Nachfragemuster weiterentwickeln“, sagt Kimberley Crewther von der Dairy Companies Association of New Zealand. In den vergangenen Jahren wurde vor allem in die Diversifizierung der Produktpalette investiert. Neben Milchtrockenpulver produziert Neuseeland dadurch verstärkt auch Endprodukte wie Käse, Joghurt oder Milchgetränke. Fonterra eröffnete im Geschäftsjahr 2019 beispielsweise die neue Produktionsstätte für Frischkäse in Darfield und neue Linien zur Herstellung von Mozarella und Butter in Clandeboye und Edgecumbe.

Dabei profitiert Neuseeland von steigender Nachfrage aus Asien, denn über 90 Prozent der Produktion wird exportiert. Der mit Abstand wichtigste Abnehmer ist China. Im Jahr 2018 stiegen beispielsweise die für das Reich der Mitte bestimmten Ausfuhren von Säuglingsmilchpulver um 28 Prozent an. Happy Valley Milk investiert bis 2021 rund 190 Millionen US$ in eine neue Produktionsanlage in Waikato, um die hohe Exportnachfrage zu bedienen.

Nach Analysen der Beratungsgesellschaft TDB Advisory haben in den kommenden Jahren insbesondere die kleineren Molkereibetriebe Open Country Dairy, Synlait und Oceania gute Wachstumsaussichten. Open Country Dairy ist mit insgesamt vier Produktionsstätten der zweitgrößte Hersteller Neuseelands und fasst eine Kapzitätserweiterung des Werkes in Awaroa um 50 Prozent ins Auge. Fonterra könnte nach Erwartung von TDB Advisory hingegen leichte Marktanteile verlieren und bis 2023 nur noch etwa 75 Prozent erreichen.

Immer spürbarer wird der direkte Einfluss chinesischer Unternehmen in der Molkereiwirtschaft Neuseelands. Der Milchriese Yili plant die Übernahme der Farmerkooperative Westland Milk. Zudem ist Yili bereits durch Oceania Dairy in Neuseeland aktiv. Auch Synlait (Bright Dairy) und Yashili (Mengniu) haben chinesische Teilhaber.

Fleischindustrie folgt dem Trend zu Verbraucherprodukten

Die Produktion von Rindfleisch dürfte nach Prognose des Landwirtschaftsministeriums bis 2023 auf 660.000 Tonnen zurückgehen (2018: 677.000 Tonnen). Für Lammfleich wird Rückgang von 368.000 auf 355.000 Tonnen erwartet, was auf die Reduktion der Tierbestände in den kommenden Jahren zurückzuführen ist.

Insgesamt 16 Fleischbearbeitungsunternehmen betreiben etwa 60 Verarbeitungsstätten in Neuseeland. "Die vier großen Anbieter Affco, Alliance Group, ANZCO Food und Silver Ferns Farms halten einen Marktanteil von rund 75 Prozent", erklärt Tim Ritchie, CEO der Meat Industry Association. Der Exportanteil ist mit 86 Prozent bei Rindfleisch und 95 Prozent bei Lamm sehr hoch. Während lange Zeit vor allem ganze Schlachtkörper exportiert wurden, produziert die neuseeländische Fleischindustrie nun hauptsächlich für den Endverbraucher. Dies bietet Zulieferchancen im Bereich der Modernisierung und Automatisierung von Betrieben.

Deutschland ist wichtiger Maschinenlieferant

Die Einfuhr von Nahrungsmittelmschinen nach Neuseland legte 2018 in US-Dollarwerten um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Deutschland hielt dabei einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Durch das sich in Verhandlung befindliche Freihandelsabkommen zwischen Neuseeland und der Europäischen Union könnten sich die Absatzchancen verbessern.

Einfuhr von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (in Mio. US$)
SITC Warengruppe 2017 2018 davon aus Deutschland (2018)
727 Nahrungsmittelmaschinen 66,5 74,8 15,0
74527 Verpackungsmaschinen 96,5 92,5 25,3

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Neuseeland können Sie unter http://www.gtai.de/neuseeland abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Neuseeland Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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