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12.08.2019

Niederlande entwickeln Strategie für künstliche Intelligenz

Forschungs- und anwendungsfreundliches Umfeld / Von Marte-Marie van den Bosch

Den Haag (GTAI) - Ein neues Bündnis soll künstliche Intelligenz (KI) in den Niederlanden voranbringen. Das Land muss konkrete Maßnahmen ergreifen, um in diesem Bereich international Schritt zu halten.

Rotterdam und den Haag mit KI Hubs

Die Niederlande haben noch keine nationale Strategie für künstliche Intelligenz. Dies soll sich nun ändern. Im Oktober 2018 gründeten das Ministerium für Wirtschaft und Klima und der Arbeitgeberverband VNCO-NCW eine Taskforce KI. Diese ist federführend bei der Entwicklung eines nationalen Aktionsprogramms. Im Juli 2019 hat die Projektgruppe die ersten Pläne veröffentlicht. Die Basis für die weitere Entwicklung ist der Abschluss eines KI-Bündnisses.

Es laufen bereits viele Projekte zur Entwicklung von KI. So bestehen beispielsweise einige innovative KI-Labs, in denen Unternehmen wie ING, Philips oder Elsevier mit staatlichen Akteuren wie der Polizei und wissenschaftlichen Instituten zusammen KI-Anwendungen entwickeln. In Den Haag wird an einem KI-Hub rund um das Thema Sicherheit, in Rotterdam rund um Mobilität gearbeitet. Der Verband der technologischen Industrie FME will ein konkretes Aktionsprogramm für die Industrie ausarbeiten. Allerdings sind die genannten Initiativen bislang über das Land verteilt und arbeiten trotz gemeinsamer Interessen größtenteils unabhängig voneinander.

Mit Hilfe eines KI-Bündnisse sollen die Kräfte gebündelt werden. Das Ministerium für Wirtschaft und Klima, VNO-NCW, der Unternehmensverband für kleine und mittlere Unternehmen MKB Nederland, das Forschungszentrum TNO, das Topteam Dutch Digital Delta und verschiedene Universitäten schließen sich hierfür zusammen. Weitere 60 Parteien haben bereits ihr Interesse an dem Zusammenschluss bekundet.

Fonds zur Finanzierung geplant

Außerdem soll ein nationaler Fonds eingeführt werden, der KI-Start-Ups und Scale-Ups finanziert. Aktuell sind in diesem Bereich rund 200 Start-Ups in den Niederlanden tätig. Insgesamt ist es für junge Unternehmen, unter anderem aufgrund von fehlendem Wachstumskapital, schwierig zu einer Größe heranzuwachsen, mit der sie im internationalen Wettbewerb bestehen können. Laut einer Studie der Start-ups unterstützenden Organisation Dutch BaseCamp gelingt dies nur etwa 0,4 Prozent aller Start-Ups. Das würde bedeuten, dass nur ein niederländisches KI-Start-Up den Durchbruch schafft. Mit einem nationalen Fonds sollen die Voraussetzungen verbessert werden. Gespräche über die genaue Finanzierung laufen noch. Ergebnisse zur Umsetzung werden im September 2019 erwartet.

Die Initiatoren wollen, dass sich die Niederlande bis 2021 zum europäischen KI-Wissens- und Innovationszentrum entwickeln. Alle bestehenden Initiativen und Forschungszentren sollen enger zusammen arbeiten. Das Land hat hierbei eine gute Ausgangsposition. Die Kooperation zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Instanzen ist in den Niederlanden generell eng. Ein nationales Forschungsprogramm und minimal zwanzig öffentlich-private Labs sind geplant. Bis 2023 sollen zusätzlich zu den bestehenden Wissenschaftlern 400 Forscher an einem Programm zusammenarbeiten.

Fachkräfte gesucht

Fehlende Fachkräfte verhindern weitere Entwicklungen auf dem Gebiet von KI. Genau dort schließt der nächste Strategiepunkt des KI-Bündnisses an. Experten erwarten, dass etwa 3 Millionen Menschen entsprechende Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme benötigen um die angestrebten Ziele realisieren zu können. Noch dieses Jahr sind Pilotprojekte für On-the-Job-Trainings geplant. Auf deren Basis soll nächstes Jahr ein Programm zu Arbeitsmobilität und digitalen Kenntnissen eingeführt werden.

Die Technische Universität Eindhoven investiert in den kommenden zwei Jahren rund 100 Millionen Euro in ein neues KI-Institut. Am 2. September 2019 wird die Bildungsstätte eröffnet. Etwa fünfzig neue Stellen sind geplant, zusätzlich zu den bestehenden 100 Wissenschaftlern des Fachgebietes. Aktuell deckt das Angebot die Nachfrage an den Hochschulen nicht. Immer mehr Studierende interessieren sich für KI. In den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl der Neuimmatrikulationen für die Fächer KI und Computer Science jährlich um etwa 10 Prozent gestiegen. Die Anzahl aller jungen Menschen, die ein Studium begannen, wuchs nur um 4 Prozent.

Gute Ausgangsposition

Großes Potential sehen Experten in Sektoren, in denen die Niederlande traditionell stark sind und bei denen die Entwicklungen im Bereich KI noch in den Kinderschuhen stecken. Hier sind Landbau, Logistik und Einzelhandel hervorzuheben. Das Land beherbergt eine Reihe führender KI-Unternehmen. Darunter TomTom, Booking.com, Euvision und Scyfer. Die Rahmenbedingungen im Land stimmen. Zudem sind Niederländer neuen Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen. Rund 97 Prozent der Bevölkerung haben eine Internetverbindung. Auch die Internetgeschwindigkeit gehört zu den schnellsten weltweit. Im Land wird bereits seit den Siebzigerjahren auf dem Gebiet KI geforscht. Dementsprechend ist viel Wissen vorhanden. Wichtig ist allerdings ein schnelles Handeln, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Weitere Informationen zu den Niederlanden finden Sie unter http://www.gtai.de/niederlande

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Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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