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06.03.2019

Niederlande streben in der Digitalisierung an Europas Spitze

Inhalt

Digitale Lösungen haben hohe Akzeptanz in der Bevölkerung / Von Marte van den Bosch (Januar 2019)

Den Haag (GTAI) - Die Niederlande wollen Europas führende Nation in der Digitalisierung werden. Die Rahmenbedingungen stimmen, nur das Tempo muss zunehmen.

Digitalisierungsstrategie

Die niederländische Regierung hat ihre Digitalisierungsstrategie zuletzt im Sommer 2018 aktualisiert. Eine erste digitale Agenda wurde bereits für den Zeitraum 2011 bis 2015 aufgelegt. Dabei lag der Fokus hauptsächlich auf der Verbesserung der öffentlichen digitalen Dienstleistungen.

Die aktuelle Agenda ist breiter gefächert und definiert 24 Meilensteine rund um acht digitale Ziele aus den folgenden Bereichen: kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Industrie, Energie, Mobilität, Landbau, Pflege- und Gesundheitssektor, Bildung und E-Government. So sollen beispielsweise KMU digital fitter und die Niederlande ein globaler Teststandort für intelligente Mobilität werden. Die Regierung hat den Ehrgeiz, die Niederlande zum europäischen Spitzenreiter im digitalen Wandel zu machen. Die Agenda soll jährlich aktualisiert werden und das Kabinett organisiert dazu ein Treffen, die sogenannte "Digitale Top" zwischen Unternehmen, Wissenschaft und der öffentlichen Verwaltung. Für Teilbereiche der Agenda werden Unterstrategien ausgearbeitet, wie die 2018 veröffentlichte Cybersecurity Agenda.

Strategie für künstliche Intelligenz

Unternehmen und Wissenschaftler plädieren für eine nationale Strategie für künstliche Intelligenz (KI). Bislang fehlt es dem Land noch an einer solchen Agenda. Allerdings präsentierte AINED, ein Zusammenschluss öffentlicher und privater Organisationen, Ende 2018 ein erstes Konzept. Laut AINED hemmt die mangelnde Vision die Entwicklung von KI, obwohl die Niederlande in Europa führend auf diesem Gebiet sind. Nach einer im Herbst 2018 veröffentlichten Studie von EY, die von Microsoft beauftragt wurde, wenden die befragten niederländischen Unternehmen KI häufiger an als Firmen anderer Länder. Ein Grund ist die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

E-Government

Die hervorragende IKT-Infrastruktur gehört zu den Stärken der Niederlande. Davon profitiert auch die öffentliche Verwaltung, deren Digitalisierung weit fortgeschritten ist. Die Online-Verfügbarkeit von Behördendiensten liegt bei 90 Prozent. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung die Leistungen gut annimmt: Über 80 Prozent der Bürger verwenden E-Government-Angebote. Die Webseiten gelten als besonders nutzerfreundlich, insbesondere für mobile Endgeräte. Laut der jährlich im Auftrag der Europäischen Union (EU) von Capgemini geleiteten Studie eGovernment Benchmark, belegt das Königreich innerhalb Europas Platz acht (2018).

Stärken/Schwächen

Die Niederlande haben eine gute Ausgangsposition, um die Digitalisierung weiter voran zu treiben. Der Enabling Digitalization Index von Euler Hermes misst, in welchen Ländern Unternehmen die besten Möglichkeiten für eine erfolgreiche Digitalisierung finden. Das Königreich belegte hierbei 2018 nach den USA und Deutschland den dritten Platz. Aber auch weltweit gehört die digitale Infrastruktur zu den besten. Wifi und Bluetooth sind Entwicklungen, die ihren Ursprung in den Niederlanden haben. Im Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) 2018 der EU belegt das Land den vierten Platz, führend sind die Niederlande bei Breitbandanschlüssen. Unternehmen und Bevölkerung sind als Early Adopter besonders digital-affin.

Zu den international führenden Firmen gehören Booking.com, TomTom, Adyen, NXP, Coolblue und WeTranfer. Unter anderem durch die intensive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind im Land innovative Cluster entstanden, insbesondere in der Region Eindhoven siedelten sich viele digitale Start-Ups an.

Will das Land jedoch weiter international führend bleiben, muss die Dynamik in allen Facetten der Digitalisierung (Umsetzung der Agenda, Weiterentwicklung der Strategie, Investitionen, Innovationen) zunehmen. Während andere Länder verstärkt investieren und bereits eine Strategie für KI entwickelt haben, hinken die Niederlande hinterher. Zudem wandern von den Universitäten zunehmend Talente aus dem Bereich künstliche Intelligenz in andere Länder ab.

Ausblick

Die Niederlande eignen sich gut als Teststandort für die Digitalisierung. Beispielsweise ist das Land führend im Bereich E-Health. Die Akzeptanz digitaler Technologien durch die Bevölkerung treibt die Transformation voran. Neben der technologischen Entwicklung bieten vor allem die offene Mentalität der Menschen und der Gesetzesrahmen ein gutes Umfeld für einen digitalen Wandel im Gesundheitswesen.

Das Land verfügt über eine gute Ausgangsposition. Um diese zu behalten und auszubauen, sind konkrete Strategien und eine schnelle Umsetzung notwendig. Branchenverbände kritisieren, dass der Digitalisierungsagenda die Dringlichkeit anderer Themen wie Energie und Mobilität fehle. Auch der Ausbreitung großer Internetplattformen aus den USA und China wie Amazon oder Ali Baba werde keine Aufmerksamkeit gewidmet. Hier sei Europa dabei, sich von den Tech-Supermächten vertreiben zu lassen. Wenn die Niederlande ihre Wettbewerbsposition nicht abtreten und zum Zulieferer dieser Staaten herabsinken wollten, sei ein weiteres aktives Vorgehen notwendig.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
VNCO-NCW http://www.vno-ncw.nl Unternehmensverband
Nederland ICT http://www.nederlandict.nl Branchenverband IKT
Digitalisierungsstrategie http://www.government.nl/documents/reports/2018/06/01/dutch-digitalisation-strategy

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis usw. in den Niederlanden können Sie unter http://www.gtai.de/Niederlande abrufen.

Mehr zum Thema Digitalisierung finden Sie unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Verwaltung, Administration, Digitalisierung

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Kontakt

Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

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