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14.03.2017

Nord-Süd-Achse bleibt Flaggschiff im Straßenbau Armeniens

PPP-Partner für südliche Streckenabschnitte gesucht / Neue regionale Straßenbauprojekte / Von Uwe Strohbach

Eriwan (GTAI) - Der Bau einer modernen Nord-Süd-Straßenverbindung nimmt in der Transportstrategie Armeniens für den Zeitraum 2010 bis 2020 eine Schlüsselstellung ein. Sie ist zugleich das nationale Prestigeprojekt der internationalen Initiative für einen Verkehrskorridor Europa - Kaukasus - Asien auf der "Neuen Seidenstraße" (TRACECA). Die Kosten für die Trasse gibt das Ministerium für Transport und Kommunikation aktuell mit mindestens 2,5 Mrd. bis 3,0 Mrd. US$ an. (Kontaktanschriften)

Der Gesamtinvestitionsbedarf für Infrastrukturobjekte im Rahmen der Transportstrategie 2010 bis 2020 dürfte 3,5 Mrd. bis 3,8 Mrd. $ erreichen.

Neue Nord-Süd-Verkehrsachse fördert Wirtschaftsentwicklung

Das mit Abstand größte Vorhaben im Transportsektor der kleinen südkaukasischen Republik Armenien ist der von 2010/11 bis etwa 2020 geplante Bau eines internationalen Straßenkorridors von Bavra (Grenze zu Georgien) im Norden Armeniens nach Agarark (Grenze zum Iran) im Süden. Die 470 km lange Betondeckenstrecke ersetzt die bisherige Nord-Süd-Trasse (rund 560 km). Die Fahrzeit zwischen dem südlichen Zipfel des Landes und dem nördlichen Grenzübergang zu Georgien verkürzt sich künftig von 9,5 bis 10,0 Stunden auf 4,5 bis 5,0 Stunden. Die alte Nord-Süd-Trasse erlaubt auf Teilstrecken nur eine Fahrgeschwindigkeit von 30 bis 40 km/Stunde.

Der Anbindung an Georgien im Norden und an den Iran im Süden ist für die armenische Wirtschaft existenziell. Diese leidet empfindlich unter der von den Nachbarn Aserbaidschan und Türkei in den 1990er-Jahren verhängten Transportblockade. Die geschlossenen Grenzen im Osten und Westen sind eine Folge des ungelösten Konflikts um die Region Berg-Karabach. Die neue Trasse forciert regionale Wirtschaftsinitiativen, so die Technologie- und IT-Zentren in Gyumri, touristische Projekte in Tatev und Dshermuk oder die freien Wirtschaftszonen in Eriwan und Zwartnots. Das Nord-Süd-Projekt integriert sich in den immer bedeutender werdenden Transportkorridor zwischen den Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), darunter vor allem Russland, und den Märkten des Persischen Golfs sowie Süd- und Südostasiens.

Internationale Kredite und Fördergelder sind wichtigste Finanzierungsquelle

Für den Nord-Süd-Korridor veranschlagt das armenische Transportministerium einen Investitionsbedarf von 2,5 Mrd. bis 3,0 Mrd. $ (ohne Mehrwertsteuer und Kosten für Landerwerb und Umsiedlungen). Davon entfallen bis zu 200 Mio. $ auf Beratungsleistungen und Bauüberwachung. Ursprünglich wurden die Gesamtkosten auf etwa 1,0 Mrd. $ und später auf bis zu 1,5 Mrd. $ geschätzt. Finanziert wird das Projekt hauptsächlich über internationale Kredite und Fördergelder. Die bis zum 1.1.17 fest zugesagten und bereits geflossenen Mittel summieren sich auf über 1,2 Mrd. $.

Finanzierungszusagen internationaler Institute für das Nord-Süd-Projekt *)
Institut Zusage in Mio. US$
Asiatische Entwicklungsbank (ADB) 500 (Rahmenvereinbarung)
Eurasische Entwicklungsbank (EDB) 500 (150/350)
Europäische Investitionsbank (EIB) 198 (66/132)
EU-Nachbarschaftsinvestitionsfazilität (NIF) 27 (13,2/13,5)

*) vereinbarte und bereits in das Projekt geflossene Mittel (Stand 1.1.17)

Quelle: Ministerium für Transport und Kommunikation Armeniens

Die erste Bauphase (Aschtarak - Eriwan und Eriwan - Artaschat/31 km) wurde Mitte 2016 abgeschlossen. Die Phasen zwei und drei werden aktuell realisiert (Talin - Aschtarak/42 km, Gjumri - Lanjik und Lanjik - Talin/46 km). Den Zuschlag für die Projektierung der beiden nördlichen Trassen Bavra - Gjumri und Umgehungsstraße Gjumri erhielten 2016 die italienischen Firmen Lotti Ingegneria S.p.A. und AIC Progetti S.p.A.. Detailstudien und erste Ausschreibungen für besonders bergige Teilstrecken im südlichen Landesteil werden momentan vorbereitet. Für einen Teil dieser Trassen werden Partner für PPP-Projekte (öffentlich-private Partnerschaft) gesucht.

Entwicklung des Straßennetzes Armeniens
2010 2011 2012 2013 2014 2015
Länge des Netzes (31.12.; in km) 10.241 10.321 10.134 10.056 9.674 10.368
Straßendichte (31.12.; km pro 1.000 qkm) 344,3 347,0 340,7 338,1 325,3 348,6
.öffentliches Netz (in km) 7.749 7.749 7.789 7.792 7.568 7.570
..internationale Trassen 1.730 1.730 1.732 1.735 1.803 1.803
..republikanische Trassen 4.057 4.057 4.040 4.040 1.964 1.966
..regionale Trassen 1.962 1.962 2.017 2.017 3.801 3.801
.Straßendichte (km pro 1.000 qkm) 260,5 260,5 261,9 262,0 254,4 254,5
.nicht öffentliches Netz (in km) 2.492 2.572 2.345 2.264 2.106 2.798
.Straßendichte (km pro 1.000 qkm) 83,8 86,5 78,8 76,1 70,8 94,1

Quelle: Nationaler Statistikdienst Armeniens

ADB fördert Ausbau und Modernisierung regionaler Straßen

Der Straßenentwicklungsplan umfasst neben dem Nord-Süd-Korridor weitere Projekte. So sagte die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) im Herbst 2015 einen Kredit über 113 Mio. $ für städtische und Umgehungsstraßen in der Region Eriwan zu. Die Vorhaben werden Mitte 2016 bis 2020 umgesetzt. Ausschreibungen für weitere Straßenzüge werden vorbereitet.

Entwicklung der armenischen Gütertransporte auf der Straße
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Beförderungsmenge (in 1.000 t) 6.196,0 4.944,2 6.840,1 7.319,6 5.384,0 6.864,9 16.248,8 *)
.Exporte 210,3 242,5 299,6 294,8 264,4 391,1 491,0
.Importe 779,3 819,4 870,8 901,9 985,2 1.427,8 1.475,2
.Binnentransporte 5.206,4 3.882,4 5.669,7 6.122,9 4.134,4 5.035,0 14.282,6 *)
Transportleistung (in Mio. t-km) 220,1 230,6 513,0 641,1 726,4 479,4 675,9

*) Der Zuwachs geht vor allem auf das Konto von Erztransporten in der Region Sjunik.

Quelle: Nationaler Statistikdienst Armeniens

Die Weltbank finanziert die Modernisierung regionaler und internationaler Straßen im Zeitraum 2016 bis 2018/19 mit 40 Mio. $ (Erneuerung und Instandsetzung von 155 km Straßen, auch Investitionen in das Straßenmanagement). Die für die armenischen Exporte wichtige Autobahntrasse M6 Wanadsor - Alaverdi - Bagrataschen (Grenze zu Georgien; 90 km) wird von September 2016 bis März 2018 in zwei Phasen für etwa 114 Mio. $ modernisiert. Die Gelder stellen die Europäische Investitionsbank (EIB) und die ADB. Modernisiert werden auch die Autobahntrassen M8 Wanadsor - Dilidschan (32 km, Kosten: 28 Mio. $), M4 Eriwan - Dilidschan - Idschewan - Grenze zu Aserbaidschan (133 km/zwei Abschnitte; 119 Mio. $) und M3 Grenze zur Türkei - Aschtarak - Wanadsor - Grenze zu Georgien (131 km/zwei Abschnitte:118 Mio. $).

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) stellt ein Darlehen und Fördermittel über 23,5 Mio. Euro für den Bau und die Beleuchtung von Straßen sowie die Planung von Parkplätzen in der Stadt Gjumri bereit. Eine entsprechende Kreditvereinbarung wurde Mitte Juni 2016 unterzeichnet. Das Projekt soll bis Ende 2019 abgeschlossen werden. Die Weltbank steckt ab 2016/17 insgesamt 55 Mio. $ in ein auf 69 Mio. $ veranschlagtes Projekt für die Förderung der lokalen Wirtschaft und des Tourismus' in den Regionen Lori, Kotajk, Ararat, Wajots Dsor und Sjunik. 24 Mio. $ fließen dabei in die Modernisierung und den Neubau lokaler und regionaler Straßen.

Armenien ist Gründungsmitglied der 1993 von der Europäischen Union auf den Weg gebrachten TRACECA Initiative (Transport Corridor Europe - Caucasus - Asia) für die Schaffung eines Verkehrskorridors Europa - Kaukasus - Asien. Im Zuge dieser implementierte das Kaukasusland bisher fast 30 technische und Investitionsprojekte. Hierzu zählen modernisierte Straßen, Bahngleise, Brücken und Tunnel und ein neues Logistikzentrum nahe des internationalen Flughafens Zwartnotz (bei Eriwan).

Eine Übersicht über laufende und geplante Einzelprojekte inklusive geplanter PPP-Projekte für die Errichtung des Straßenkorridors Nord-Süd können nachfolgend heruntergeladen werden.

Liste Einzelprojekte für den Nord-Süd-Straßenkorridor Armeniens (PDF)

Kontaktanschriften:

Ministerium für Transport, Kommunikation und Informationstechnologien

28 Nalbandyan, 0010 Eriwan, Armenien

Ansprechpartner: Kadzhik Kabayan, Leiter des Referats für Straßenbau

Tel.: 00374 10/59 00 44, -50 00 17

E-Mail: qajik.qababyan@mtc.am, Internet: http://www.mtcit.am

North-South Road Corridor Investment Program Implementation Organization (SNCO)

4 Migran Mets Street, 0010 Eriwan, Armenien

Ansprechpartner: Vardan Karapetyan, Geschäftsführer

Tel.: 00374 12/20 10-09, -10

E-Mail: info@northsouth.am, Internet: http://www.northsouth.am

(U.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Armenien Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Infrastruktur, Straßenverkehr

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Katrin Kossorz

‎+49 228 24 993 268

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