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10.05.2018

Nordvietnam holt wirtschaftlich auf

Elektronik- und Automobilproduktion steht im Fokus / Angebot moderner Industrieparks wächst / Von Frauke Schmitz-Bauerdick

Hanoi (GTAI) - Ausländische Investitionen fließen vermehrt auch in den Norden Vietnams. Insbesondere die Elektronikindustrie - angeführt von Samsung - steigert ihr Engagement in den rund um Hanoi gelegenen Provinzen. Daneben beginnt sich der Standort Haiphong, zuletzt befeuert durch das 3,5-Milliarden-Automobilprojekt von Vinfast, als Automobil- und Logistikcluster zu etablieren. Ausländische und vietnamesische Investoren engagieren sich verstärkt beim Aufbau moderner Industrieparks.

Nach wie vor ist der Süden Vietnams rund um Ho-Chi-Minh-City das wirtschaftliche Powerhaus des Landes. Im Jahr 2017 zog das ehemalige Saigon mit ausländischen Investitionen in Höhe von 6,5 Milliarden US-Dollar (US$) 18 Prozent und damit den Löwenanteil des ausländischen Engagements an.

Zunehmend etablieren sich aber auch der Norden rund um die Hauptstadt Hanoi sowie die Hafenstadt Haiphong als Investitionsalternativen. So rangierte Bac Ninh 2017 mit einem registrierten ausländischen Kapital von 3,5 Milliarden US$ auf Rang zwei der investitionsstärksten Provinzen, das ebenfalls nördlich gelegene Thanh Hoa kam mit 3,2 Milliarden US$ Investitionen auf einen Anteil von 8,8 Prozent des ausländischen Gesamtinvestments.

Die Provinzen rund um Hanoi und Haiphong verfügen nicht nur über eine ausgebaute Straßen-, Hafen- und Flughafeninfrastruktur. Für arbeitsintensive Industrien steht zudem eine Vielzahl an zumeist ungelernten Arbeitskräften zur Verfügung. Die Nähe zur Hauptstadt erleichtert die Rekrutierung von Fachkräften und Universitätsabsolventen.

Nordvietnam stark bei Elektronik- und Automobilclustern

Die herstellende Industrie hat sich insbesondere in den Hanoi umgebenden Provinzen Thai Nguyen, Vinh Phuc, Bac Ninh und Hai Duong angesiedelt. Wichtigste Branche ist die Elektronikindustrie. Sogwirkung entfaltet hier vor allem Samsung. Der Elektronikgigant hat in Bac Ninh und Thai Nguyen nicht nur eine Smartphone- und Displayproduktion aufgebaut, sondern in der Folge auch rund 400 im wesentlichen koreanische Zulieferer in den Norden Vietnams gezogen.

Die Gesamtinvestitionen Samsungs in Vietnam belaufen sich mittlerweile auf 17,3 Milliarden US$. Allein 2017 erhöhte der Konzern sein Engagement um 2,5 Milliarden US$, um die Displayfabrikation in Bac Ninh auszubauen. Samsung erzielte 2017 mit seinen Elektronikprodukten (Smartphones, Fernseher und Haushaltselektronik) Ausfuhren im Wert von 54 Milliarden US$ und stemmte damit ein Viertel der vietnamesischen Gesamtexporte.

Für die Automobilindustrie ist sowohl in den Provinzen Bac Ninh, Thai Nguyen, Vinh Phuc als auch Ha Nam ein Automobilcluster entstanden. In der Provinz Vinh Phuc bauen sowohl Toyota als auch Honda Autos zusammen. Honda, Yamaha und Piaggio betreiben zudem mehrere Motorradproduktionen.

Die Hafenstadt Haiphong arbeitet ebenfalls am Aufbau eines Automobilclusters und will sich zudem als einer der wichtigsten Logistikhubs des Landes etablieren. Mit dem Vinfast-Automobilprojekt im Wert von 3,5 Millliarden US$ beherbergt die Stadt das zur Zeit größte Automobilprojekt der Welt. Deutsche Unternehmen wie Dürr, Eisenmann, Schuler, Grob oder Siemens, Bosch und BMW liefern beim Aufbau der Produktionsanlagen zu oder stellen technische Lösungen für die Fahrzeugproduktion. Voraussichtlich im Mai 2018 wird der Tiefseehafen Lach Huyen eröffnet werden und eine direkte Seeanbindung des vietnamesischen Nordens an Europa und Amerika schaffen.

Nicht alle Industriesparten sind als Investoren willkommen

Der Zufluss qualitativ hochwertiger Industrien hat es den Provinzen ermöglicht, bei der Auswahl von Investoren wählerischer zu werden. Zuletzt habe die Provinz Vinh Phuc eine Investitionsanfrage eines Textilunternehmens, das eine Färberei errichten wollte, abgelehnt, erklärt Bui Minh Hong, Direktor des Vinh Phuc Industrial Zones Management Boards. Schwerindustrie oder Projekte, die mit dem Risiko massiver Umweltverschmutzung einhergehen, sind zumindest in den Speckgürtelprovinzen rund um Hanoi nicht mehr gern gesehen.

Auch anspruchsvolle Industrieparks nehmen entsprechende Ansiedlungsanfragen gar nicht mehr an: "Die in unserem Park angesiedelten Kunden sind mehrheitlich im Bereich Elektronik und Technologie tätig. Wir können es uns nicht leisten, Unternehmen zuzulassen, die umwelttechnisch problematisch sind. Dies könnte die Produktion unserer anderen Kunden beeinträchtigen", so Hoang Thieu Son, Vizegeneraldirektor des Ba Thien II Industrial Parks in Vinh Phuc.

Industrieparks erleichtern die Ansiedlung

Mit steigender Qualität der Investitionen steigen auch die Ansprüche, die die Unternehmen an künftige Produktionsstandorte stellen. Die Ansiedlung auf der grünen Wiese sei für ausländische Investoren in der Regel ein wenig empfehlenswerter Weg, so Nguyen Dinh Nam von der Consultingfirma IPA Vietnam. So sei nicht nur die Beschaffung von geeignetem Grund und Boden schwierig. Noch schwieriger sei es, eine sichere Versorgung mit Leistungen wie Strom, Abwasser- oder Abfallbeseitigung zu erhalten. Ausländische Investoren entscheiden sich daher meist für eine Ansiedlung in einem bereits erschlossenen Industriepark.

Moderne Industrieparks bieten in der Regel nicht nur sämtliche Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge, wie Strom, Abwasser- oder Müllentsorgung. Daneben unterstützen sie Investoren auch durch Dienstleistungen wie einen One-Stop Service, über den die erforderlichen Geschäftsregistrierungen und Betriebsgenehmigungen eingeholt werden können. Zudem leisten sie Hilfe bei der Arbeitskräftebeschaffung und -unterbringung und stellen je nach Wunsch nicht nur das Betriebsgelände, sondern auch Fabrikgebäude oder Lagerhäuser zur Verfügung. Daneben bieten einige Parks auch soziale Infrastruktur wie Krankenhäuser, Ausbildungsstätten und Wohnbereiche für Belegschaften an.

Der Staat unterstützt die Ansiedlung in Industrieparks mit Steuererleichterungen. So sind in ausgewählten Industrieparks die ersten zwei Betriebsjahre komplett steuerfrei, für weitere vier Jahre wird der Standardsatz von 20 Prozent auf 10 Prozent halbiert. Je nach Branche oder Umfang der Investition können mit der Zentralregierung weitere Steuerbefreiungen und weitergehende Förderungen ausgehandelt werden. In speziellen Wirtschaftszonen gelegene Industriezonen, wie die Deep C Industrial Zone, bieten Investoren noch attraktivere Steuermodelle.

Vietnamesische und ausländische investierte Parkbetreiber entdecken Industrieparks als Marktlücke und investieren verstärkt in die Entwicklung hochwertiger Areale. So betreibt das vietnamesisch-singapurische Joint Venture VSIP mittlerweile sieben Industrieparks in Gesamtvietnam. Das vietnamesische, mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Unternehmen Viglacera unterhält zehn Parks.

Ausgewählte Industrieparks (IP) im Einzugsbereich Hanoi / Haiphong
Parkbetreiber (Nationalität) Gesamtanzahl Parks / Gesamtfläche Standort/Fläche Webseite
VSIP (Singapur / Vietnam) 7 IP; 7.400 ha Provinz Bac Ninh: VSIP Bac Ninh (700 ha); Provinz Hai Duong: VSIP Hai Duong (150 ha); Stadt Haiphong: VSIP Hai Phong (1.600 ha) http://www.vsip.com.vn
Viglacera (Vietnam) 10 IP, 3.720 ha Provinz Bac Ninh: Thien Son IP (350 ha); Yen Phong IP (658 ha); Thuan Thanh IP (250 ha); Provinz Hung Yen: Yen My IP (429 ha); Provinz Ha Nam: Dong Van IV IP (600 ha); Provinz Thai Binh: Tien Hai IP (250 ha) http://www.viglaceraip.com
Rent A Port (Belgien) 1 IP 3.000 ha Stadt Haiphong: Deep C Industrial Zone / Dinh Vu https://www.deepc.vn/en/
Vina CPK (USA / Singapur) 1 IP, 308 ha Provinz Vinh Phuc: Ba Thien II http://bathien2ip.vn/en/

Quellen: Recherche von Germany Trade & Invest, Unternehmensangaben

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Vietnam können Sie unter http://www.gtai.de/vietnam abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vietnam Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Regionalstruktur

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