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30.08.2016

Norwegen will Aquakultur ausbauen

Dank öffentlicher Förderung zahlreiche Technologieprojekte geplant / Projekt von Ocean Farming bereits genehmigt / Von Heiko Steinacher

Oslo (GTAI) - Angesichts der Überfischung der Meere setzt Norwegen schon seit vielen Jahren auf nachhaltige Aquakultur. Das Königreich unterhält die größten Fischfarmen Europas und will diese noch weiter ausbauen - bis 2050 sogar um das Fünffache gegenüber 2010. Die Regierung in Oslo stellt kostenfreie Entwicklungslizenzen für umweltfreundliche Technologieprojekte in Aussicht. Fast 30 Unternehmen haben sich bis Mitte August 2016 bereits darum beworben.

Das norwegische Ministerium für Fischerei und Küstenangelegenheiten hat im November 2015 angekündigt, für umweltfreundliche Technologieprojekte im Bereich der Aquakultur kostenfreie Entwicklungslizenzen für einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren zu vergeben. In bestimmten Fällen können diese später zu einem Vorzugspreis von 10 Mio. Norwegischen Kronen (nkr; etwa 1,1 Mio. Euro, 1 Euro = 8,9496 nkr im Jahresdurchschnitt 2015) in gewerbliche Lizenzen umgewandelt werden. Normalerweise kosten Lizenzen etwa das Fünf- bis Sechsfache dessen.

Bis Mitte August 2016 haben sich laut der obersten Fischereibehörde des Landes (Fiskeridirektoratet) bereits knapp 30 norwegische Unternehmen um Entwicklungslizenzen beworben. Marine Harvest bemüht sich gemeinsam mit Hauge Aqua um 14 Lizenzen für eine schwimmende, teilweise geschlossene Kreislaufanlage für den Meereseinsatz im Küstenbereich. Für den Fall, dass alle Konzessionen erteilt werden, will Marine Harvest bis zu 600 Mio. nkr in das Projekt investieren. AkvaDesign hat sechs Lizenzen für spezielle Netzsysteme beantragt. Ein Antrag wurde Mitte April 2016 abgelehnt, und zwar von Masoval Fiskeoppdrett auf drei Konzessionen für eines seiner Boote zur Lachsentlausung.

Unternehmen wollen komplett neue Aquakultur-Konzepte entwickeln

Gifas Marine und Atlantis Subsea Farming wollen Spezial-Tauchkäfige entwickeln, Ocean Farming, Nordlaks Oppdrett und Gigante Offshore komplett neue Meeresfarmen-Konzepte. Das bereits Ende Februar 2016 genehmigte Ocean-Farming-Projekt wird vom Technologieunternehmen Kongsberg Maritime unterstützt. Die Firma Slattland wird hierfür Pumplösungen für Ballastwasser und Löschwasseranlagen im Gesamtwert von 12 Mio. nkr liefern.

Gigante Offshore will eine 500 m lange und 40 m breite Fischzuchtanlage bauen, die in ihrer Form an einen Supertanker erinnert. Sie soll jährlich bis zu 10.000 t Lachs produzieren. Die beiden Wettbewerber Nordlaks Oppdrett und NSK Ship Design wollen auf offenem Meer eine ähnlich große Anlage ("Havfarm") errichten, 480 m lang und 54 m breit. Sie soll am Meeresboden verankert werden, wobei, wie bei Ocean Farming, Lösungen aus der Ölindustrie zum Einsatz kommen. Die geplante Produktionsmenge beträgt ebenfalls 10.000 t Lachs per annum. Nordlaks Oppdrett will insgesamt drei solcher Anlagen bauen und damit bereits 2017 beginnen. Die Kosten pro Anlage werden auf 600 Mio. bis 700 Mio. nkr geschätzt.

Um Entwicklungslizenzen haben sich unter anderem auch die Unternehmen MNH Produksjon, Blom Fiskeoppdrett, Lerow, Norway Royal Salmon, Eide Fjordbruk, die Leroy Seafood Group, Stadion Laks und Steinvik Fiskefarm beworben.

Aquakultur-Technologieprojekte in Norwegen, um die sich Unternehmen beworben haben (Auswahl) *)
Unternehmen Antragsdatum Größenordnung (in t) Konzessionen Konzept Bezirk
Nordlaks Oppdrett AS 24.11.15 30.000 39 Meeresfarm für Offshore-Fischzucht Nordland
Norway Royal Salmon ASA und Aker ASA 18.3.16 11.700 15 Halbtauchfähige Offshore-Zuchtanlage aus Stahl Troms / Finnmark
Stadion Laks SUS 26.4.16 11.700 15 "Stadionbassenget" - geschlossene schwimmende Bassins Sogn und Fjordane / More und Romsdal
Marine Harvest Norway AS 10.2.16 10.920 14 "Egget" (deutsch: das Ei) - geschlossene Käfig-Technologie Hordaland /Sogn und Fjordane
Aqualine AS 17.6.16 7.800 10 "Aqualine Subsea System" - industrielle Anlage zur Unterwasserproduktion Finnmark / Troms / Midt-Norge
Cermaq Norway AS 19.7.16 7.800 10 Technologie für gesteigerte Ressourcennutzung, Wohlbefinden der Fische und Lausbekämpfung Nordland
Leroy Seafood Group AS 18.4.16 7.020 9 "Pipefarm"- geschlossene schwimmende Anlagen Hordaland / Sor-Trondelag / Troms
MNH Produksjon AS 04.3.16 6.240 8 "Aquatraz" - halb-geschlossene Käfige Nord-Trondelag
Blom Fiskeoppdrett AS 17.3.16 6.240 8 Technologie für das Sammeln von Schlamm Hordaland
Lerow AS 17.3.16 6.240 8 "MARKOB" - Semi-Offshore Netzkäfige aus Messing mit fahrzeugbasierten Diensten Nordland / Sor-Trondelag / More und Romsdal

*) Stand: 15.8.16; die vollständige Liste, die regelmäßig aktualisiert wird, kann unter http://www.fiskeridir.no, Schaltflächen "Akvakultur", "Tildeling og tillatelser", "Saertillatelser", "Utviklingstillatelser", "Sokere, antall og biomasse" in norwegischer Sprache heruntergeladen werden

Quelle: Fiskeridirektoratet

Parasitenbefall ist eines der größten Probleme bei Fischfarmen

Norwegen hat die größten Aquakulturen in Europa und will seine Fischfarmen weiter ausbauen - bis 2050 sogar um das Fünffache gegenüber 2010. Dafür gebe es aber keine Detailplanungen, meint Jens Christian Holm, Abteilungsdirektor für Küstenfischerei und Aquakultur bei Fiskeridirektoratet laut einem Bericht der Zeitung "Die Welt".

Auf jeden Fall müssten die Auswirkungen der Fischzucht auf die Umwelt so klein wie möglich gehalten werden. Um die Umwelt weniger zu belasten, soll unter anderem Fischmehl in Futtermitteln für kleinere Fische zunehmend durch pflanzliche Produkte ersetzt und der Wassereinsatz je Kilogramm Fisch verringert werden. Trotz der strengen Überwachung von Fischfarmen in dem Königreich und sich über die Zeit verbessernder Produktionsmethoden insbesondere in der Lachszucht, die circa 90% von Norwegens Aquakulturen ausmacht, birgt die Fischzucht weiterhin Risiken, wie die schnelle Ausbreitung von Parasiten.

(S.H.)

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