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06.11.2018

Norwegens Bahn legt an Tempo zu

Bahntransporteure fürchten Kundenschwund / Von Michal Wozniak und Romy Helm

Stockholm (GTAI) - Der Trend zum Gütertransport auf der Straße macht den norwegischen Bahngesellschaften zu schaffen. Höhere Investitionsausgaben sollen Abhilfe schaffen.

Der Haushaltsplan der norwegischen Regierung sieht für 2019 Investitionsausgaben für den Infrastrukturausbau von 73 Milliarden Norwegischen Kronen (nkr; etwa 7,7 Milliarden Euro; 1 Euro = 9,4898 nkr; Stand: 25.10.18) vor - rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Mittelzuteilung für die Schieneninfrastruktur soll mit über 12 Prozent deutlich schneller wachsen und über 26 Milliarden nkr (etwa 2,8 Milliarden Euro) betragen.

Anfang 2017 wurde die Verantwortung für die Bahninfrastruktur in Norwegen neu gegliedert. Als Eigentümer ist die staatliche Bane NOR für die Instandhaltung und den Ausbau zuständig. Die langfristige Strategieplanung obliegt allerdings der ebenfalls öffentlichen Eisenbahndirektion (Jernbanedirektoratet).

Mit dem Geld sollen unter anderem die Umladekapazitäten des Güterverkehrs durch den Ausbau bestehender Ladestellen und -gleise an Bahnhöfen und Terminals gesteigert werden. Um die Transportgeschwindigkeiten zu erhöhen, sind neue Überhol- und Ausweichgleise geplant. Der Haushaltsplan sieht zudem 160 Millionen nkr (etwa 16,9 Millionen Euro) für die Modernisierung des Güterfuhrparks vor.

Digital gesteuerte Züge

Einen Beitrag zur Effizienzsteigerung im Schienenverkehr soll auch die Implementierung des europäischen Zugleitsystems European Rail Traffic Management System (ERTMS) leisten. Die entsprechenden Aufträge wurden Mitte April 2018 von Bane NOR vergeben. Der französische Alstom-Konzern hat den Auftrag, bis 2026 knapp 470 Züge von 14 Bahnfirmen mit entsprechender Technik auszustatten.

Mehr Zeit, bis 2034, hat Siemens, um das etwa 4.200 Kilometer lange Schienennetz samt 375 Bahnhöfen zu digitalisieren. In dem 800 Millionen Euro großen Zuschlag ist neben Geräten und Installationsarbeiten auch die Wartung für 25 Jahre inbegriffen.

Transporteure fordern mehr Investitionen für Gütertransport

Die Maßnahmen gelten als Antwort auf Appelle der Bahnfirmen. "Der Zustand der Infrastruktur ist nicht gut genug, um den Kunden kosteneffektive und vorhersehbare Lieferungen zu bieten. Wir wollen in der Lage sein, längere, schwerere und schnellere Züge als heute einzusetzen", fordert Anna Svanberg, Pressesprecherin von CargoNet. Das Unternehmen ist größter Güterbahntransporteur des Landes mit 70 Prozent Marktanteil.

Derweil schreite der Infrastrukturausbau nicht schnell genug voran, bemängeln Bahnfirmen. Vor allem aber wird der Personenverkehr bei den Baumaßnahmen priorisiert, was sich langfristig negativ auf die Konkurrenzfähigkeit der Gütertransporte auswirken könnte. Zwischen 2013 und 2017 stieg die Anzahl der auf Schienen gefahrenen Tonnenkilometer um nahezu ein Fünftel. Aber Ende August 2018 kündigte CargoNet Entlassungen an. Begründung? Mangels Kostendeckung werden ausgewählte Strecken nicht mehr befahren.

Personenverkehr steht an erster Stelle

Änderungen am Nationalen Transportplan 2018 bis 2029, der die Infrastrukturinvestitionen bis Ende des nächsten Jahrzehnts festlegt, bleiben aber vorerst aus. Entsprechend sollen die meisten Mittel weiterhin in das Passagierprojekt InterCity fließen. Insgesamt werden 270 Kilometer Bahnstrecke doppelspurig ausgebaut. Zwischen Lillehammer über Oslo nach Honefoss, Porsgrunn beziehungsweise Halden sollen durchweg 250 Kilometer pro Stunde erreicht werden können.

Hinzu kommt eine Modernisierung der sonstigen Bahninfrastruktur. Unter anderem wurde der Bau von 25 neuen Bahnhöfen angekündigt, davon zehn auf der Vestfoldbanen, der wichtigsten Strecke der staatlichen Bahngesellschaft NSB.

Aufrufe zu Vergabeverfahren mit einem Wert von über 4,1 Millionen nkr (etwa 432.000 Euro) für Lieferungen beziehungsweise 51 Millionen nkr (etwa 5,4 Millionen Euro) für Bauarbeiten veröffentlicht Bane NOR in der staatlichen norwegischen Datenbank für öffentliche Aufträge, auch auf Englisch, unter: https://www.doffin.no/en.

Ausgewählte Investitionsprojekte im Schienentransport
Projekt Investitionssumme (in Mio. Euro) *) Projektstand Anmerkungen
Fornebubanen, Ausbau des Schienennetzes, Bahnhöfe, Tunnel 1.228 Geplanter Baustart 2020 Bauherr: Oslo Kommune, http://www.oslo.kommune.no
Drammen-Kobbervikdalen; Ausbau zur Doppelspur, Tunnel 1.022 Geplante Bauzeit 2019-2025 Im Rahmen des Projektes Vestfoldbanen; Bauherr: Bane NOR, http://www.banenor.no
Ringeriksbanen; 40 km doppelspuriger Strecke zwischen Sandvika und Honefoss, Brücken k.A. Vorbereitende Arbeiten 2019, geplante Bauzeit 2021-2029 Im Rahmen des Projektes InterCity Vestfoldbanen; Bauherr: Bane NOR
Nykirke-Barkaker; Bau einer doppelspurigen Trasse, 2 Brücken, 4 Tunnel k.A. Geplanter Baustart Sommer 2019, geplante Fertigstellung 2024 Im Rahmen des Projektes Vestfoldbanen; Bauherr: Bane NOR

*) Umrechnung gemäß: 1 Euro = 9,4898 nkr; Stand: 24.10.18

Quellen: Bane NOR; Recherchen von GTAI

Mehr zu Norwegen erfahren Sie unter http://www.gtai.de/Norwegen.

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