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28.04.2017

Norwegens Spieleindustrie hat ein großes Zukunftspotenzial

Viele heimische Startups von internationalem Ruf / Von Heiko Steinacher und Adam Forsström

Oslo (GTAI) - Neben Schweden und Finnland ist die Anzahl der Spieleentwickler auch in Norwegen in den letzten Jahren kräftig gestiegen. Die meisten sind Startups und Independent (Indie)-Games-Entwickler. Laut dem Verband norwegischer Handels- und Dienstleistungsunternehmen Virke hat die Games-Branche in Norwegen 2014 (letztverfügbare Angabe zu Redaktionsschluss) mit 329 Mio. Norwegischen Kronen (nkr; 39,4 Mio. Euro, 1 Euro = 8,3544 nkr im Durchschnitt 2014) fast 15% mehr umgesetzt als im Jahr davor.

Ausländische Investoren, die in den letzten Jahren im nordischen Raum vor allem die schwedische und finnische Games-Branche unter die Lupe genommen haben, richten ihr Augenmerk zunehmend auch auf Norwegen. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft WB Invest hat bereits 2014 in den Spieleentwickler Megapop aus Oslo investiert.

Zahlreiche Neuentwicklungen stehen vor der Markteinführung

Vielversprechende Neuentwicklungen in dem Königreich, die kurz vor dem Kick-start stehen, sind "Degrees of Separation" vom Indie-Entwickler Moondrop, "Corroded" von Encircle Games und "My Child Lebensborn" von Sarepta Studio. Diese stammen allesamt von Spieleentwicklern aus dem Hamar Game Collective. In Hamar hat sich in den letzten Jahren eine Kooperation zwischen acht Spieleherstellern gebildet, die sich mehrere kleinere Entwicklerstudios teilen. Die zentralnorwegische Stadt ist dadurch ein wichtiges Zentrum der Spieleindustrie geworden.

Die größten Spiele-Hochburgen in Norwegen sind indes Oslo (49 Firmen), Bergen (15) und Trondheim (12). Auch die Studios dort warten mit bedeutenden Neuerscheinungen auf, darunter "World to the West" von Rain Games, "Draugen" von Red Thread Games, "Trolls vs Vikings 2" von Krillbite Studio sowie das mehrfach ausgezeichnete Spiel "Owl Boy" von D-Pad Studio.

Nach Virke-Angaben gab es 2014 (keine aktuelleren Angaben zu Redaktionsschluss verfügbar) in Norwegen 136 Branchenunternehmen. Das waren fast 40% mehr als zwei Jahre zuvor. Bei den meisten Playern handelt es sich um Startups und Indie-Spiele-Entwickler.

Einer der erfolgreichsten Player in der bisherigen norwegischen Games-Geschichte ist Playfish. Das 2007 gegründete Unternehmen, zu dessen erfolgreichsten Titeln die Facebook-Spiele Pet Society, Restaurant City und Country Story gehören, ist in den Folgejahren bis 2013 stark gewachsen und wurde dann von Electronic Arts übernommen. Ein weiterer Überflieger war DirtyBit mit den Echtzeit-Online-Multiplayer-Spielen FunRun und FunRun 2.

Die größte norwegische Spieleentwicklerfirma ist Funcom, die unter anderem die Rollenspiele Anarchy Online, Secret World, Age of Conan und das Horror-Adventure The Park veröffentlicht hat. Von Funcom stammt auch The Longest Journey und das vom unabhängigen Entwicklungsstudio Red Thread Games in der neuen Spielereihe Dreamfall Chapters fortentwickelte Adventure-Spiel Dreamfall.

Mehr Bewerber als verfügbare Studienplätze

Es gibt mehrere Hochschulen mit Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich Games, Spieleentwicklung und Game-Design. Entsprechende Ausbildungsgänge bieten die Technisch-Naturwissenschaftliche Universität Norwegens (NTNU) in Trondheim, die zu Jahresbeginn 2016 aus dem Zusammenschluss der ehemaligen Universität Nordland und der Hochschulen Nesna und Nord-Trondelag hervorgegangene Nord Universität in Bodo, die Hochschule Gjovik und die Anfang 2017 aus dem Zusammenschluss der Hochschulen Hedmark und Lillehammer hervorgegangene Inlandshochschule (Hogskolen i Innlandet) an.Ferner gibt es in Norwegen auch eine Reihe privater Fachschulen mit games-bezogenen Kursen und Studiengängen, darunter Noroff (Kristiansand), Westerdals und die Hochschule Kristiania (beide Oslo). <Tab-1

Quelle: http://www.samordnaopptak.no (Norwegian Universities and Colleges Admission Service)

Sowohl die Regierung in Oslo als auch einige norwegische Regionen fördern die Video-Spiele-Produktion finanziell. So können sich beim Norsk filminstitutt (Norwegisches Filminstitut) nicht nur Filmproduzenten um Fördermittel bewerben, sondern auch Spieleentwickler. Zusätzlich gab es 2016 das Pilotprojekt "Spill ut i Verden", in dessen Rahmen das Kulturministerium, das Norwegische Filminstitut und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Innovation Norway acht Branchenunternehmen (D-Pad Studio, DirtyBit, Krillbite, Megapop, Red Thread Games, Rock Pocket Games, Snow Castle Games und Turbo Tape Games) mit insgesamt 10 Mio. nkr unterstützt haben. Drei dieser acht Firmen haben nationale und internationale Entwicklerpreise gewonnen.

Trotz Fördermöglichkeiten noch zu wenig Wagniskapital

Beobachter rechnen damit, dass das Programm in den nächsten Jahren fortgeführt wird. Bei bestimmten Projekten mit Forschungs- und Entwicklungsbezug gibt es in Norwegen zudem Möglichkeiten zur Steuerrückerstattung. Insgesamt stehe aber für Gaming-Firmen noch zu wenig Risikokapital zur Verfügung, kritisieren Fachleute.

Die norwegische Games-Branche erwirtschaftet rund 90% ihres Umsatzes im Ausland und ist damit stark exportabhängig. Daher können Spielentwickler in Norwegen auch einen staatlichen Zuschuss erhalten, um ihre Produkte im Ausland zu vermarkten. Gefördert wird zum Beispiel die Beteiligung an einschlägigen Auslandsmessen und -konferenzen. Innovation Norway hat heimische Spieleentwickler bei der Game Developers Conference in San Francisco (USA) und der internationalen Nordic Game Conference in Malmö (Schweden) begleitet.

(S.H., A.F.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Norwegen Unterhaltungselektronik, Audio-, Videotechnik, Software / EDV-Dienstleistungen, Internetdienste

Kontakt

Heiko Steinacher

‎+49 228 24 993 260

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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