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11.10.2017

Norwegens Windstromerzeugung könnte sich in den nächsten Jahren vervielfachen

Immer mehr ausländische Finanzinvestoren / Grüne Zertifikate bis mindestens 2046 handelbar / Von Heiko Steinacher und Adam Forsström

Oslo (GTAI) - Norwegens Windenergiemarkt wächst stark. Im Jahr 2018 könnten dort allein durch ausländisches Kapital Windparks im Wert von 1,6 Milliarden Euro ans Netz gehen. 2021 kommen womöglich bereits bis zu 14 Terawattstunden Strom aus Wind. Das wären fast 10 Prozent der derzeitigen landesweiten Stromerzeugung. 2016 lag dieser Anteil erst bei 1,4 Prozent. Ihr gemeinsames Grüne-Zertifikate-Vergütungssystem für Erneuerbare Energie wollen Schweden und Norwegen bis 2030 verlängern.

Windenergieprojekte sprießen in Norwegen wie Pilze aus dem Boden. Beobachter schätzen, dass dadurch das Stromerzeugungspotenzial aus Windkraft in dem nordischen Land in den nächsten vier Jahren auf bis zu 14 Terawattstunden ansteigen könnte. Zum Vergleich: 2016 wurden in Norwegen aus Windkraft erst 2,1 Terawattstunden Strom erzeugt, was 1,4 Prozent der gesamten Elektroenergieproduktion entsprach.

Die Investoren kommen häufig aus dem Ausland und der Finanzbranche. So hat sich zum Beispiel die französische Beteiligungsgesellschaft Ardian zu 49 Prozent an einem Windpark am Batsfjord in der Finnmark, dem nördlichsten der Welt, beteiligt, der Mitte September 2017 eröffnet wurde. Und die Franzosen wollen ihren Anteil an dem rund 65 Millionen Euro teuren Projekt weiter aufstocken.

Deutsche Anlagenbauer sind mit an Bord

Auch der Windpark Tellenes südlich von Stavanger ging im September 2017 ans Netz. Die komplett von ausländischen Investoren gehaltene Anlage wird europäische Rechenzentren des Internetriesen Google mit Windstrom versorgen. Die Windturbinen für das Projekt lieferte Siemens. Der deutsche Hochtechnologiekonzern ist auch für den Betrieb und die Langzeitwartung der Windkraftanlagen verantwortlich.

Für den Ausbau eines Windparks auf der südwestnorwegischen Insel Stord liefert der deutsche Windenergieanlagenbauer Nordex elf Windräder. Auftraggeber ist Midtfjellet Vindkraft, ein Joint Venture aus der Hamburger Investmentgesellschaft Aquila Capital und mehreren regionalen Energieversorgern. Nordex übernimmt ebenfalls Service und Wartung, zunächst nur für fünf Jahre aber mit Verlängerungsoption für noch zwei Mal fünf Jahre.

Der Windpark Egersund an der Nordseeküste zwischen Kristiansand und Stavanger befindet sich ebenfalls vollständig in ausländischer Hand. Investor ist das Unternehmen Luxcara, das den Park von Norsk Vind Energi übernommen hat. Der auf erneuerbare Energien spezialisierte Hamburger Asset Manager will sein Windkraft-Portfolio in Norwegen noch deutlich ausbauen. So hat er im Frühjahr 2017 gleich mehrere Windparks in der südnorwegischen Region Bjerkreim erworben, die bis September 2019 fertiggestellt und ans Netz angeschlossen sein sollen. Im Gespräch mit der Tageszeitung Dagens Naeringsliv verriet Kathrin Oechtering, Managing Partner von Luxcara, dass das Unternehmen dabei sei, sich in weitere Windkraftprojekte in Norwegen einzukaufen, hinter denen potenzielle Großabnehmer aus der Industrie stünden.

Langfristig stabile Renditen ziehen Finanzinvestoren an

Nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft PA Consulting befinden sich in Norwegen derzeit Windparks mit einem Investitionsvolumen von circa 2 Milliarden Euro in Bau. Finanziert werden sie zumeist von ausländischen Finanzinvestoren, denn die Investments versprechen langfristig stabile Renditen. Versorgungsunternehmen wie die Stadtwerke München (SWM), die zusammen mit zwei kommunalen norwegischen Energieversorgern rund 200 km nordöstlich von Oslo einen großen Windpark (Raskiftet) bauen, sind bislang eher die Ausnahme (siehe auch GTAI-Bericht "Norwegen baut Windenergie aus" vom 25. Oktober 2016: http://www.gtai.de/MKT201610248010).

Dagegen haben sich viele norwegische Unternehmen, welche die Projekte größtenteils zuvor entwickelt hatten, aus diesen wieder zurückgezogen. Beobachter machen hierfür die anhaltend niedrigen Strom- und Zertifikatspreise verantwortlich. Der Spotpreis für grüne Zertifikate ist zwar im Trend der letzten drei Monate wieder leicht gestiegen, erreichte Ende September aber dennoch nur etwa das Niveau von Mitte Juni 2017.

Demgegenüber vermindern die in den letzten Jahren deutlich gesunkenen Preise für Windturbinen die Investitionskosten der Anlagenbetreiber. Außerdem seien Bauflächen für Windkraftanlagen in Norwegen günstig im europäischen Vergleich, berichten Brancheninsider. Darüber hinaus können Windparks dort zu niedrigen Hypothekenzinsen finanziert werden.

Mit ausländischem Kapital finanzierte, in Bau befindliche Windkraftanlagen in Norwegen
Projekt Investor Entwickler Kapazität (MW) Techniklieferant
Fosen BKW, Credit Suisse Fosen Vind 1.000 Vestas
Tellenes BlackRock Zephyr 160 Siemens
Raskiftet SWM Austri Vind 112 Vestas
Egersund Luxcara Norsk Vind 112 Senvion
Hamnefjellet Ardian Finnmark Kraft 50 Vestas
Anstadblaheia Fortum Nordkraft 50 Vestas
Midtfjellet 3 Aquila Capital Zephyr 40 Nordex
Svaheia Skovgaard Frohlich Invest Dalane Energi 25 Senvion

Quelle: PA Consulting Group

Mit ausländischem Kapital finanzierte Windkraftanlagen in Norwegen, deren Bau 2018 starten könnte
Projekt Investor Entwickler Kapazität (MW)
Raudfjell und Kvitfjell Prime Capital Miljokraft 300
Bjerkerheim Luxcara Norsk Vind 260
Tonstad Engie Havgul 200
Guleslettene Augusta & Co Zephyr 195
Makaknuten Luxcara Norsk Vind 99
Sorfjord Fortum Nordkraft 90
Henoy und Okla Falck Renewables Vestavind 70
Marker BKW Scanergy 54

Quelle: PA Consulting Group

Im April 2017 haben Schweden und Norwegen sich darauf geeinigt, das Vergütungssystem der Grünen Zertifikate für erneuerbare Energien um zehn Jahre, also bis zum Jahr 2030, zu verlängern. Während Schweden bis dahin zusätzlich zum ursprünglichen Ausbauziel von 15,2 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien noch einmal 18 Terawattstunden hinzufügen will, hält Norwegen an seiner Zielgröße von 13,2 Terawattstunden fest und wird daher ab 2021 selbst keine neuen Zertifikate mehr ausgeben.

Erholung der Zertifikatspreise könnte weitere Investoren anlocken

Zertifikate beider Länder sollen noch bis mindestens 2046 auf dem gemeinsamen Markt handelbar sein. Das könnte dabei helfen, die nach zweifacher Quotenanhebung 2014 und 2015 angesichts der fortwährend relativ niedrigen Zertifikatspreise angestauten Zertifikate doch noch auf den Markt zu bringen. Denn um von dieser Fördermaßnahme profitieren zu können, sind lange Vorlaufzeiten einzukalkulieren, insbesondere wenn noch keine Konzession für den Bau betreffender Anlagen vorliegt.

Norweger sind auch am deutschen Windenergiemarkt interessiert. So wird der norwegische Energiekonzern Statoil gemeinsam mit E.ON im deutschen Teil der Ostsee einen weiteren Offshore-Windpark (Arkona) errichten. An dem Konsortium sind beide Partner zu je 50 Prozent beteiligt. Die Investitionskosten für Arkona werden mit über 1,2 Milliarden Euro beziffert. Siemens wird für das Projekt 60 direkt angetriebene Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von je rund 6 Megawatt liefern und gemeinsam mit E.ON deren Service für zunächst zwei Jahre übernehmen. Im Jahr 2019 soll Arkona vollständig in Betrieb sein.

(S.H.)

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Norwegen Strom-/ Energieerzeugung, Wind, alternative Energien

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